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Der treue Zionswächter · 1850-04-05 · 14 (5.4.1850) · page 6

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Journal
Der treue Zionswächter
Volume
6 (1850)
Issue
14 (5.4.1850)
Date
1850-04-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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166 deinem Nächsten nicht, hierauf beruht die ganze Thora. (Sabb. 31. a.) Wenn jedoch jener Herr Abgeordnete sagt: „Im mosaischen Gesetz ist der Nächste nicht der Heide, sondernder Jude; ferner: „Es kann nicht widerstritten werden, daß den alten« Juden wie den neuen der Nächste nicht der ist, der es dem Christen ist," so erlaube ich mir folgende Fragen an ihm: Heißt es denn nicht von dem (Ger? Fremdling): Du sollst ihn (den Fremdling lieben wie dich selbst? (Lev. 19, 31) 222 7 Ihr und der Fremde seid gleich vor Gott. (Num. 15, 15.) aövci eo!> '!> or>!> nift, Gott liebt den Fremden und giebt ihm Brot und Gewand. (Denn 10. 15.) Oder ist etwa unter „Fremde," auch nur der Jude gemeint? dann, wenn nicht schon der logische Widersinn einer solchen Auffassung jeden Zweifel unmöglich machen sollte, dann erkläre man uns doch die Stelle: twr>r> 's'wcIicb (Deut. 14. 21.) dem Fremden in deinen Thoren magst du sie geben. (Die dem Juden verbotene Speise nämlich.) Ich frage ferner: Ist nicht aus Genes. 9, 5; 29, 4; Erod. 11, 2; Reg. 1., 9, 12 klar und deutlich, daß uuch der Nichtisraelite v, und rft unser „Nächster und Bruder" heißt? Ich frage ferner: ist es nicht eine, auch von christlichen Gelehrten allgemein anerkannte Wahrheit, daß die heilige Offenbarung auf Sinai die Urquelle der (Zivilisation und der Gesittung der Menschheit im höheren Sinne geworden, und sind nicht alle andern Gesetzgebungen des AlterthumS, die eines Zoroasters, Solons, Numas u. s. w. vor der mosaischen Offenbarung bingcschwunden, da keine sich zu einer solchen Höhe der Humanität und zu einem so acht sittlichen Prinzips erhoben, als die Mosaische; eine Religion, welche die humansten Pflichten vorschreibt gegen Arme, gegen Hülfsbedürftige (Wittwen und Waisen), gegen Fremde, gegen Sklaven, gegen Feinde, ja sogar gegen das unvernünftige Thier. Und doch sollte, wie man vorgiebr, die Mosaische Religion, die mit solcher liebenden Vorsorge alle Geschöpfe umfaßt, inhumane Lehren gegen den Nichtisraelitcn enthalten? Endlich frage ich, wurden nicht schon selche Verdächtigungen selbst von vielen christlichen Gelehrten als falsch und jeder dogmatischen Begründung entbehrend bezeichnet? Ferner, daß wir unserer zarten Schuljugend beim Religionsunterrichte keine täuschenden, falschen Lehren beibringen werden, sondern nur die Grundsätze unserer heiligen Religion in ihrer reinsten Wahrheit einzupragen bemühet sind, das hoffe ich, werden selbst unsere Gegner nicht in Abrede stellen. Man besuche nur unsere Schulen, man dnrchlese unsere Relrgionslehrbücher, man prüfe unsere Schüler und überzeuge sich selbst, ob nicht unserer Jugend mit den andern Glaubenswahrheiten schon frühzeitig der Grundsatz eingeprägt wird, daß. das göttliche Gebot: „Du sollst deinen Nächsten lieben, wie dich selbst", gegen alle Menschen, ohne Unterschied des Glaubens und des Standes geübt werden muß. Als Beleg möge hier ein wörtlicher Auszug über Nächstenliebe folgen aus den in unfern hiesigen Schulen eingcführten Neligionsbuche: Unser Nebcnmensch (Nächster, Bruder) ist jeder Mensch, von welcher Religion, Natur und Menschenklasse er auch sein mag, ist ein Ebenbild und Kind Gottes, der unser Aller Vater ist. (Euch, Versammlung des Volkes! ist einerlei Gesetz vorgeschriebe», für euch und den Fremden, der sich niedcrläßt, eine ewige Satzung sei dies enern Nachkommen, daß ihr und der Fremde vor dem Ewigen gleich seid.) (4. B. M. 15, 15 ) Haben wir nicht alle einen Vater? Schuf uns nicht alle ein Gott? Warum soll Bruder gegen Bruder untreu sein? (Mal. 2, 10.) Wie ich in mir das Ebenbild Gottes achten und lieben muß, so ist es also auch meine Hauptpflicht gegen den Nebeumenschen, ihn, als Bild Gottes, wie mich selbst zu achten und zu lieben." Solche humane Pflichten, wie sie die mosaische Religion gebietet, werden in unseren Schulen gelehrt und unserer Jugend eingeprägt. Und dennoch mochte ein Herr Abgeordneter ' die Behauptung wagen: Es hieße dem alten Testamente und dem Talmud ins Gesicht schlagen, wenn man behaupten wolle, der Jude verstehe unter den Nächsten jeden Andern wie sich selbst! Ob nun diese Angabe gegründet sei, darüber urtheile nun der Leser selbst. Doch wird man uns einwenden, das bisher Gesagte liefere nur Beweise über die Pflichten aus dem alten Testamente, aber der Talmud? Ich könnte jetzt schon darauf Hinweisen, daß diöser Talmud lehrt:

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