Der treue Zionswächter
- Journal
- Der treue Zionswächter
- Volume
- 6 (1850)
- Issue
- 4 (25.1.1850)
- Date
- 1850-01-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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O 29 chenden Zweckes di« sich klar bewußt — — doch halt! Da stünde» wir. Und um e» mit einem Male unumwunden au-zusprechen: unseren Gemeinden — wir sprechen hier selbst von den strengstenorthodoxen — fehlt eganz und gar an klare» Selbstbewußtsein, wie an ernstem Willen. Daß die jüdische Gemeinde als nicht nur Pflichten, sondern auch Rechte habe, daß eS die erste aller Pflichten sei, solche Rechte zu wahren und zu handhaben^ dasind Momente, zu deren De, wußtsein unsere Gemeinden sich bisher noch nicht haben erheben können. Schweigendestumme-Dahinbrüren, affekrirte, vornehmchuende Gleichgültigkeit, höchstens widerstrebendes Murren, ein schnell unterdrückter Unwillensschrei, wenn man sich zu hart getroffen fühlt, daS sind die einzigen Lebenszeichen unserer Gemeinden. Selbstbewußtes RechtSgefühl, tharkraftige Gesinnung, ernste- Wort, rege Thar, sie fehlen für den Augenblick wenigstens, ganz und gar in der Mitte unserer jüdischen Genossenschuften. Sie sind geknechtet, entnervt in sich selbst, müssen eS sein, weil das Bewußtsein ihre- Rechtein ihnen gänzlich entschlummert. Klagen dann hinterher, wenn hier ein Vorstand die religiösen Interessen. statt zu fördern, verräth. dorr ein Rabbiner die Religion, deren Diener er sich nennt, preiSgiebt. Jammern über Sittenveederbniß, über Abfall, wenn hier die Synagoge verwaist, dorr dem Zeirgötzen Tempel gebauer, weun Schulen verlassen, religiöse Institute vernachlässiget werden. Statt zu klagen und zu jammern. sollten sie wissen, sollten sie wollen. Und diese- Wissen und dieses Wollen allein, eS wäre hinreichend, ihnen volle Genugthuung zu verschaffen. Stets sich klar bewußt, was eine jüdische Gemeinde fein soll, ihre Zwecke ernst gewollt und wir werden bald wieder wahrhaft jüdische Gemeinden haben Nicht so zahlreich, nicht so vermögend, nicht so gebildet, aber kräftig, einig, wahrhaft religiös, und wie bereits erwähnt, selbst um den Preis gänzlicher, unwiderruflicher Trennung auf Kosten von abtrünnigen Rabbinen und Vorständen. Denn eS laßt sich nicht leugnen und in Abrede stellen, wie die besprochene Demoralisirung der Gemeinden ihrem größten Theile nach Schuld der sogenannren Gemeindevdrstände ist. ES ist in d. D. zu wiederholten Malen schan Erwähnung geschehen — und ist die Gesammtheik der jüdischen Presse, nicht nur Deutschlands, sondern sogar ganz Europa»- in dieser Beziehung durchaus übereinstimmend wie unser VorstandSwesey mit nur wenigen Ausnahmen, eine der trübsten Seiten mit im jüdischen^Gemeindekeben ist, und wie, so lauge hier kein Wandel getroffen, so lange kein Heil für religiöse- Leben der Gemeinden zu erwarten. Unsere Vorstände sind höchsten- Vorstände, aber nicht Repräsentanten der Gemeinden, sind nicht au» deren Majorität Hervorgegange«, fußen nicht in deren Gefamwtbewoßtsein. Wo zuerst auf Reichthum, Einfluß. Stellung und moderne Bildung gesehen, wo diese hier nur sehr wenig in Betracht kommenden zufälligen Vorzüge, Alleda-, was den wahrhaften Vertreter der jüdischem Genossenschaft als solchen bezeichnet, ersehen und aufwiegen, wo jeder Schein von sonstiger Volksvertretung gewichen, jede kundgegebene öffentliche Regung, mit mitleidigen Achselzucken, vornehmer Gleichgültigkeit erwiederr, um jeden Preis zurückgedrängt, entkräftet wird, kurz, wo endlich pro rutivne voluvtss, statt der Vernunft brr eigenmächtige Willen gesetzt wird, da freilich kanu von einem Selbstdewußtfein der religiösen Gemeinde wol kaum die Rebe fein. Und wie unfern Gemeinden rin größere-, so wäre unfern Vorständen vor Allem ein minderes Selbstbewußtsein von Nöthen, ein innige- Verbinden, beziehungsweise Aufsehen in der Gemeinde selbst. Solche Gemeinden, von solchen Vorständen vertreten, solche Vorstände von solchen Gemeinden unterstützt, jene abtrünnigen Rad, binen, ihnen würde oikbald die Lust zum Zerstören vergehen, wenigstens die Gelegenheit dazn ihnen benommen werden. Doch — öw, reden wir von dieser Klasse nicht ferner, und wenden wir undafür zu unfern Rabbinen. Auch hier ist nicht Alle-, so, wie eS fein sollte und das zwar, wie auS der Natur der Sache selbst hervorgeheud, zum größten Nachtheile unserer religiösen Zustände. Wird im Leben überall der wahrhafte Werth des Mannes nach Uebereinstimmung zwischen Denken, Sprechen und Handeln, nach muthvoller, unerschrockener Darlegung deals reckt und wahr Anerkannten bemessen, so darf dies um so mehr von einem Geistlichen, jüdischen Geistlichen erwartet werden. Und dennoch! diese rücksichtsvolle Unentschiedenheit. dieseschwache Zaudern und Schwanken, diese- Laviren nach beiden Seiten hin, «S hat geschadet, viel geschadet sehr viel geschadet. Entweder— oder, ein Drittes gtebr eS nicht, und dennoch mühen sich so viele schwache Seelsorger vergeblich nach diesem Dritten ab. Da nützet kein Zuruf, kein Beispiel der wenigen Muchvollen und Entschiedenen, deren Warnung und SchmerzenSruf wird überhört, man fürchtet sich —