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Jüdische Volksstimme · 1920-12-29 · Heft 51 (29.12.1920) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 51 (29.12.1920)
Date
1920-12-29
Page
– (sequence 4)
Language
German
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n jiy u"J4i Ul)<.,j^yt- « ^"yy..‘.j>V’—<•; r'; '['"1^\,^*^~-, MM Nr. 5t* ein« InØéfikliea PrortB, 4ém 9t,fitM éåi Af* hefter Mii, tødtfli er tik M dik der, <fén Kild, die Femdiclitfi knttivtert und nfcht — die Uef*. Nicht dk Lfebe s« teiner SchOpftmg nitd nieftt die Liebe sm seiner Kelton, déim er tognet die Onttheft. Doeb dat Wettn der Elfénartigkelt j*d«t Volkes ist sein Glaube an Oott. Und wer nfelK in Trem seinem Volke verbnnden ist, moB ttm fremd werdén. Wfr aber glauben anetwn Oott der Kation, déim wir glauben, wir sted atelier, daB das gense Volk 20 einem, in seinem Lande arbeitenden Volke werden wird. Und diesen Ghusben Batten wir fiir helliger, akt lede Lebre Europas vom Ktessemmterschied und Ktassenkampf. Das ist unser Sosiallsmus, unser eller Soziallsmus. Wir inftgéh ihm diesen odér itnen Natnen geben. Und letit Irage icb unsere Freunde, welche wfinschen, die breiten Schichten unseres Volkes im Oeist des sozialistischen Zlonismps zu orgånfsieVen: Gibt es einen Mefnungounterschied zwischen uns und Euch oder nicht? Ich weifl nur das eine: Auch wenn es sich ergeben soilte, daB es einen Meinungsunterschied zwischen uns gibt, so wQrde ich auch dann -- und dann erst recht — dafflr kamplen, dafl unsere Partei in den Bund der Fachvereine tritt „und ihm alle den palfistinensischen Acbeitern gemeinsaipen Angelegenheiténfibergibt, daB die. sich von allem mechaniscben Getflebe befrelt, das -.hente in alten unseren BOros herrschtund, wieder;.w«rde, was, sie war: Eine Partei, aulgcbaut aul einem Gedanken, auf unserem Sozialismus. Wla wird man MlHjonir? Von Dr. Felix Kanter, Zwittau. Um keine trtlgerischen und unerfflllbaren Hoffnungen im Herzen derer zu erwecken, die nicht oder noch nicht MiUion&re sind, bemerke ich ausdrilcklich, daB ich — es auch nicht bin. Ich bin, streng’ genommen, weder belugt noch berechtigt, dem Beispiele meiner groBen Vorgftnger, wie Vanderbllt, Carnegie und Konsorten zu folgen und fiber dieses Thema zu schreiben. Eln bekannter religionsphilosophischer Grundsatz lautet: T»nWF „Wenn Ich es wfiflte, wgre ich es!‘, und wenn ich es wire, dantt — hatte ich steherlich nicht Artikel fiir Zeitungen geschrieben. Wo kfimen wir den eigentlich hin, wenn jéder Millionfir Zeitungsartikelschreiber ware? Die Papiernot wfirde ins UnermåBliche steigen. Vanderbllt und Carnegie konnten noch fiber dieses Thema schreiben, denn sie waren damåls die Einzigen' Und sind es vielleicht noch heute in Milliarden und nach dem Stande der osterreichischen mmrnrnmimmmmmmmiammssBmsammsBsmsmsm knarrten trocken und trefflich die Masohinengewehre — ra — ta — tar- Und siehe da — aus den flackemden Helden der flammenden Legende an der Meereskflste sind pjotzfich einfache, erschrockene Menschtein geworden, die irgendwo Rettung linden wollen, um die schwfichlichen, schwfirzlichen und ungeschfitzten Leiber zu bewahren. Als sie nun das Feuer zu meiden begånnen, erlosch an ihnen die zaubérische FeuerrOte, die Augen und die Gesichter warden farbios, und ihren biassen, gekrfimmten Lippen entriB sich ein verzweifeltes, ilmmerhches Oeheul... — Man schie8t... man schieBt... ret — tet... So fand das Fest des Feuers seinen Ausgang. Die feurige Legende war zu Ende und es brach sine Nacht voil Todesschauer an. Nach einer Stunde war es schon stille, nur der Tod warf seine Blicke um die glotzenden, bestfirzten Scheiben der Stadt... Und alle Mensch^n, denen das Leben erspårt wurde, lagen ganz ruhig, ausgeschwfirzt, in finsteren Stfibchen unterjoobt und schmiegten sich ån einander, aufmerksam ledes GeflUster anhOrend —- Hochmfitig und zuverlfissig brannte nun der er* stickte Napbthahafen ab, der jlmmerHch sein hOJlisehes Fostgefeiert hat. Einsam wickelte er den Fa« den seiner feurigen Legende ab. Und vertiefte seinen BHckim dflsteren Meeresspiegel und schlftngelte possierHch, in Qedanken versunken, flammende KrauakOpte mier unaufhOrlichem Kraehen und léteem, heimUchen FWstem. Uud zart und alhn&hKch wfilzten sich die hellen Wogen, sie hOrten mit verrammelten Atem das traurige Ende der feurigen Legende an und weinien mit bOlHscben Tffinen. Valuta tfpréphmi Mflltønfire htogegen gibt es hest« luttge gønat uhd es glit befnahe als Zeicben chronischef Armut, sich Ifir eine Million oder einen Millioitir zu begeistern. Millionfir zu werden, war in den letzten ffinf Jah ren nicht schwer, arm zu blelben, dazu gehdrte schon eine groBe Dosis von Ungeschicklichkeit. Und ich war ungeschickt. Aber ich war es nicht åltein. Es stehen mir keine statistischen Daten zur Verfflgung, trotzdem glaube ich nicht feh! zu gehen, wenn ich annehme, daB die Zahl derer, die keine Millionen besitzen, die der Millionflre bei weitem fibertrlfft* Diesen Besitzlosen das Geheimnis zu verraten, wie man Millionår wird, dazu ffible ich mich eben nicht berufen. Ich kdnnte hBchstens das Rezept verraten, wie man k e i n Millionfir wird und dies nach bestem Wissen und Gewissen. Aber dies wfirde idemanden interessieren. Ein negativer Beweis ist auch mathematisch noch lange nicht so interessant wie ein positiver Beweis. Kun so will ich denn erzflhlen, wie eiher es zu einem vielfachen Millionfir gebracht hat, nur defihalb, weil er keine Eignung besaB, einen Schames-(Gemeindediener-)Posten zu bekleiden. Diese Erzåhlung brachte vor kurzem das „Prager Tagblatt", dem wir auch die Verantwortung ffir deren Wahrheit tiberlassen mfissen. In einer Kleinstadt Qaliziens bewarb sich ein Mann, der momentan postenlos war, um die Schamesstelle bei* der Kultusgemeinde. Seine Zeugnisse waren zufriedenstellend, und die Apstellung wfire perfekt geworden, wenn sich nicht herausgestellt hfitte, daB der Mann nicht schreiben k5nne. MiBmutig und enttåuscht zog er ab. Als er aus dem Hause trat, stieB er auf drei leere Konservenbfichsen, die er aufhob. Er trug sie zu einepi Hfindler, der alte Metalle kaufte, und bekam daffir 20 Heller. Das brachte ihn auf den Einfall, die Mfil(haufen abzusuchen und in Privathåusern nach leeren Konservenbfichsen zu fragen. Bald hatte er( einen kleinen Handel erbffnet, mietete einen Keller, in dem er auch andere Abffille einlagerte. Sein Geschåft nahm grSBere Formen an, er muBte ein gerfiumiges Lokal mleten, Personal aufnehmen, begann leichterzeugbare Massenartikel zu fabrizieren, Maschinep anzukaufen — kurz er konnte sein Unternehmen bald soweit vergréfiern, um eine Fabrik anzukaufen, er wurde Teilhaber einer G. m. b. H., schliefiUch Hauptaktionfir einer Aktiengesellschaft, und sein Ruhm als Finanzgenie drang bald fiber die Grenzen seiner Heimatstadt, bis er in der Generalversåmmlung der Gesellschaft, in der er seine Anslchten in so scharf umrissener und einleuchtender Weise expllzlerte, daB eine nicht zu unterdrfickende Bewimderung um sich griff, In den Verwaltungsrat gewfihlt werden soilte.. „Das Ist nicht mfiglich'*. lehnte er beschelden ab, und auf die drfingendeti Fragen, warum er diese Stelle nicht annehmen wolle, fflgte er leise hinzu: — „weil ich nicht schreiben kannl" —- „Das ist unglaublich!" riefen die Umstehenden, „eln Kopf wie Sie! Was waren Sie erst geworden, wenn Sie schreiben kOnnten!!?“ •— „Das werde ich Ihnen sagen: — Wenn fph schreiben kQnnte, wfire ich heute Diener bei. der Ktiltusgemeinde in K.l!" Hier also das elnfachste Rezept, wie man mindestens Hauptaktionfir, GroBindustrieller und Verwaltungsrat werden kann, ohne vlel gelernt zu haben. Aber eine andere Frage: MuB man denn ausgerechnet Millionfir sein und ausgerechnet eine ganze abgerundete Million besitzen? Fast alle, die keine MiUlonfire sind, werden diese Frage sicherlich bejahend beantworten. Und in der Tat ist eine Million noch heute ein hfibscher Betrag, der keineswegs zu veracbten ist Nun der Talmud ist darttber anderer Ansicht. Er zeigt uns den Weg, wie man Millionen mfihélos erwerben oder genauer, wie man glttcklieh spin kann, obne Millionen zu besitzen. Jeder verfttgt — nach Talmud — fiber ungeheuere Schfitze und ReichtUmer, die Millionenwerte bei weitem fiberstelgon, aber — und das ist das Tragische — die wenlgsten verstehen es, diese Schfitze zu wfirdigen. Sie mfihen sich vergebens das zu erreichen, was sie Ifingst besitzen ohne es zu wissen. Aschmedai, der Konig der Dfimonen, so erzfihlt der Talmud (Gitin 68b), sah einst einen Zauberer aul der LåndstraBe, der damit beschfiftigt war, seine Zauberkfinste auszufiben. Beim Aublick dieses Zauberers brach Aschmedai in ein schallendes Qelfichter aus, das sich seine Umgebuitg nicht zu erklfiren vermochte. Vom Kfinig Salomo darflber befragt, gab er zur Antwort: JOieser Qreis war eis Zauberer und bemfihte sich, durch seine Zauberksnst einen verborgenen Scbatz in weiter Perne zu gucheo ond aus« findig zu machen. Und der Tor wufite nicht, dafi der Ort, auf dem er sich befand, einen Schat2 von unge* heuerem Wert in sich birgt. Er sucht vergebens in der Ferne, wessen er in seiner nfichsten Nfihe stcher ist.'* Man konnte lachen, wenn es nicht zum Weinen traurig wfire, Mensdien zu sehen, die sich aul ihrem Lebenswege abmiihen, Millionen zu suchen, ohne zu wissen, fiber welche Schfitze und Reichtfimer sie sicher verffigen. Wer sich einer ungetrfibten Gesundheit erfreut, ist ein Millionfir, wer geratene Kinder hat, besitzt ungeheuere Schfitze; wer eine zfirtliche Mutter hat, einen liebenden Vater, treue Freunde, liebende Geschwister, sie alle sind reich, sehr reich, ohne eine abgerundete Million zu besitzen. Millionfir kann also leder werden, der es versteht, das wahre Gliick und die wahre Freude des Lebens zu erfassen und nach Gebfilir zu wUrdigen. Rundschau. KEREN HAJESSOD. Sir Alfred Mond fiir den Keren Ha]essod. Das Zentralkomitee des Keren Halessod (Palfistina-Grundfonds) veranstaltete In Manchester eine Konferenz, Welche der Organislerung der Aktion ffir den Keren Hajessod im Norden Englands gewidmet war. Die Konferenz war von zahlreichen zionistischen und nichtzionistischen ifidischen Personlichkeiten besucht. Anwesend waren der bekannte chemische GroBiudustrielle und derzeitige Minister der Offentlichen Arbeiten, Sir Alfred Mond, und der Prfisident der Zionistischen Organisation, Professor Weizmann. An die Konferenz schloB sich eine groBe offentliche Versammhing unter dem Vorsitz Sir Alfred Monds. „Israel", so ffihrte Mond aus, „kann nicht stehen und an das Tor klopfen, bis jemand ihm den goldenen Schlflssel reicht, der ihn in sein nationales Heim einlfiBt. Wir selbst mfissen die nationalen Opfer bringen. Palfistina ist verwiistet, aber alle Elemente seiner Wiederherstellung sind vorhanden. Wenn das Land wieder bewfissert und bebaut wird, so wird es Ernte und Frucht hervorbringen, wie irgend ein Land in der Welt, und sich der industriellen Entwicklung Offnen. Der grOBte Teil des ifidischen Volkes leidet in schrecklichen Verhfiltnissen. Ist es nicht eine groBe Sache, ihn, statt in fremde Lfinder, in unser eigénés Land zu bringen? Nichts wird mich fiberzeugen, daB es nicht mOgllch ist, unsere Heimat wiederherzustellen." Professor Weizmann wies in seiner Rede darauf hin, daB Sir Alfred Mond an der Spitze des Economic Council (Wirtschaftsetat des Keren Haiessod) stehe. Dem Economic Council treten ferner u. a. bei Lord Walther Rothschild und Baron James Rothschild. Die Konferenz, wie die Versammlung hlpterlieflen einen fiberaus groBen Eindruck. Bonar Law fiber den Keren Halessod. Auf eine vor der Konferenz in Manchester erfolgte Anfrage im englischen Unterhaus fiber die Natur des Keren Hajessod, der nach der „Morning Post" den Zweck haben soil, den Juden die Alleinherrschaft in Palfistina zu sichern, und fiber die Rolle Sir Alfred Monds bei der Keren Hajessod-Konferenz in Manchester fiuBerte sich Minister Bonar Law folgendermaBen: „Der Zweck des Keren Hajessod ist, Spenden von den Juden der ganzen Welt zu erhalten, mit der Abslcht, die wirtschaftllche Entwicklung Palfistinas im Zusammenhang mit der Errichtung einer nationalen Heimstfitte ffir die Juden dort zu fordern. Dabei sind die Interessen all er Bevdlkerungsschichten Palfistinas durch die Bedingungen der Balfourdeklaration sichergestellt, sowie ferner durch die Politik der Regierung, und es ist klar zu erkennen, daB die Einffihrung von Kapital zur Entwicklung samtlichen Bewohnern des Landes zum Vor teil geraten wird. Die Konferenz in Manchester findet nicht unter den Auspizien der Regierung statt, aber mein verehrter Freund Sir Alfred Mond wohnt ihr bei, der natfirlich an dem Erfolge der Versammlung interessiert ist. UniversitBtsfonds Im Keren Halessod. Das Dhrektorium des Keren Hajessod beschloB, einen besonderen Universitfitsfonds innerhalb des Keren Hajessod zu grfimjen, der sich aus besonderen, Ifir die Universitfit bestimmten ‘Spenden zusammensetzen soil.

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