Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 51 (29.12.1920)
- Date
- 1920-12-29
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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I Arbeit noch nicht begonnen hat. Ich verlange auf unsere Forderungen elne klare Antwort, ohne Riicksicht darauf, ob lefzt elne Krlsis besteht oder nicht. Wenn wir infofge dieser Krlsis heute nicht geriufc bekommen, so werden wir wieder komthen. Ich muB die 8000 llidlschen Arbelter sofort nach Palæstina hereinbringen. Wir haben keine Polizei, um unseren Forderungen Nachdruck zu geben. Indem ihr tut, was ihr wollt, beweist ihr uns am besten das Vertrauen, das ihr uns ausdriickén wollt!" Die Rede Dr. Weizmanns war von tlefer und nachhaltiger Wirkung. Im kNamen der Anwesenden erklårte Mr. Israel Sieff, daB sofort eine Zeichnung beginnen wiirde. Die Anwesenden sollen sich verpflichten, soviel als moglich sofort zu geben, im ilbrigen fiinf Jåhrliche Raten zu zeichnen, und sich verpflichten, diese Raten zu erhøhen, sobald sich die Verhåltnisse ruulern. Im AnschluB an diesen Appell ilbergaben die Konferenzteflrtéhmef dårii Vorsitzenden schriftliche Erklårungen, durch die sie sich zur sofortigen Zahlung von Beitragen verpflichteten, daneben aber auch die Verpflichtung zur Leistung von weiteren Zahlungen flir die nåchsten fiinf Jahre auf sich nahmen. Unter den. Teilnchmern, die diese Verpflichtung unterfertigten,. befand sich auch eine grøBere Anzahl von Nichtzionisten, die sich mit erheblichen Beitrågen an der Aktion beteiligten. Im weiteren Verlaufe der Sitzung , wurde eine Resolution angenommen, welche die Verpflichtung des englischen Judentums unterstreicht, dem Keren Hajessod die vollste Unterstiitzung zu gewåhren. Eine dritte Resolution, dié angenommen wurde, enthielt den BeschluB, in den jlldischen Qémeinden, welche durch Delegierte in der Konferenz ver treten waren, iiberall Keren Hajessod-Komitees einzurich-. ten, um jeden einzelnen Jaden fiir den Fonds zu interessieren. ' SchlieBlich wurde in einer Resolution dem Zentralkomitee fiir den Keren Hajessod empfohlen,' eine anglo-jttdische Konferenz einzuberttfen, um MaBnahmen fiir eine erfolgreichfe Aktion in England ztt treffen. Alle Resolutionen1 wurden. mit grøBter Sachlichkeit durchberaten und gelangten zur einmiitigen Annahme. Die Konferenz wurde mit einer Ansprache von Dr. Berthold Feiwel geschlossen, welcher bei der Konferenz das Direktorium des Keren Hajessod vertrat. Dr. Feiwel wies darauf hin, daB der Erfolg des Fonds davon abhångig sei, daB die Zionistische Organisation und das gesamte.Judent.um die richtige Einsteliung zu den Aufgaben des' Aufbaues Palåstinas finde. Ohne diese geistige und seelische Einsteliung IlMiigiiiSaMBwi—Jii—w —w kann nicht das grofle Ziel errelcht werden, das dem Keren Hajessod gestellt lét. Das Verståndnls und Verantwortlichkeitsgefiihl får die historische Bedéutung der gegenwårtigen Arbeit ist ebenso notwendig, wie die scchliche Beurteilung der praktischen Mittel, durch welche die Aufgaben gelost werden kønnen. Die Orundlage des Keren Halessod ist das Opfer und der MaaBer, sowie der Aufbau Palæstinas nicht møglich Ist, ohne den Enthusiasmus, die Hingabe und Energie der Pioniere und Chaluzim. Der Keren Hajessod hat die Aufgabe, zuerst Arbeitsgelegenheit fiir Immigration und die notwendigen Grundlagen fiir die volkswirtschaftliche Entwicklung des Jtidischen Palastina zu schaffen. Im AnschluB hieran gab Dr. Feiwel eine kurze Darstellung des Arbeitsplanes des Fonds und driickte die Hoffnung aus, daB jetzt, nachdem durch die Zusammenarbeit mit dem Cconomic Council auch vom reiii geschåftlichen Standpunkt alle møglichen und notwendigen Garantien geschaffen sind, die Arbeit des Fonds crfolgreich fortschre:t'*’ werde. Unser Sozlalisi, i. Von Hugo Bergmann, veroffentlicht iin „Ha-Poel- Hazair". Heute nachts hatte ich einen schweren Traum. Ich sah die Haifaer Konferenz und hørte dort die Diskussion iiber den Sozialismus. Und Delegierte von beiden Seiten wollten rnich iiberzeugen, daB ich kein Soziålist sei. Von der einen Seite sagte man mir, daB ich ein Mitglied des Hapoel-Hazair sei und der Hapoel-Hazair wolle sich nicht eine sozialistische Partei nennen. Und von der anderen Seite nåherte sich mir ,ein Mitglied Unserer Partei, und auch er sagte, daB wir keine'Sozialisten seien, aber... aber, dafl er mir -das Programm des Hapoel-Hazair erklåre, es sei ganz sozialistisch,' abef er nenne Nationalismus, was wir Sozialismus zu nennen gewohnt seien. Und es entbrannte eine scharfe Diskussion zwischen uns, so scfy&rf wie Diskussionen im Xraume gewøhnlich sind. Ér bestand auf dem Nationalismus und ich — auf dem Sozialismus und pløtzlich verwandelte sich die Haifaer Konferenz im Traume in die Prager Konferenz und ich weile schon viele Stunden bei dieser Sitzung, die Morgenrøte ist schon da und wir sitze'n noch und suchen. .. das Wort. Ich erwachte und es war ein Traum, und die Dåmpfe des Traumes schwebten noch in meinem Kopfe... das Wort. Soli wegen emes Wertes unsere Vereinigung nicht zustande kommen? [ Und ich setzte mich und schreibe mår lur Kllrung auf, was unser Sozialismus ist and was er nicht ist. Wsa ist er nicht? 1, Wir lehnen entschiedettieden politischen Sozialismus ab. Wir glauben nicht, daB das Uebergeben der Produktionsmittel in die Hånde des Staates d. h. in die Hånde-; der-Bflrokratie der Beamten und des Parlamentes dem soeialistischen Problem frgend eine Løsung bringen wird, 2; Wir letmen i. beiden Hånden iede materialistische Weltanschau. ab, sowohl im Verståndnis der Geschichte als auch Verståndnls der Lage des Arbeiters. Die Løsung c ozialistischen Problems, welche nur auf Lohnerhc des Arbeiters begrundet ist, ohne eine grundlege ’*eziehung des Arbeiters zu sejn.er Arbeit, ist keine Løsung. Denn es gibt keine Grenze, fiir die einmal geweckte Geldgier des Menschen. 3. Wir lehnén jeden „SoziaHsmus" ab, welcher seine Hauptaufgabe in der Politik sieht, die glaubt, dem Arbeiter nur mit Politik zu hellen, seln Leben 2U bessera'und mit Forderungen, die nur an andere und nicht gleichzeitig an die Arbeiter selbst gerichtet sind. , ri vodurch sind wir Sdzialisten?'1.‘ Dadurch, daB v > Grundlage der kttnftigen Gésellschaft in der Se ' »rbeit aller ihref Mifglieder seheri. Diese Anschaui. filhrt ufts dazu, die Hoffnung der Menscbhfiit im Proletariat fcu erblicken. 2. Dadurch, daB wir im tlebergehen der Produktionmittel in die’ Hånde def Arbeiter selbst eine Vorbedingttng får lede Løsung des sofeialen Problems erblickert. 3.; Uriiér Sozialismus erstrebt, inf Gegensatz zum MarXismus die Verwirklichung von unten nach- (^ben und nicht umgékehrt.4 •fCéta'o.f.-iilåfee RéfdKftioif tvf/d Menschheit entstehen, wenn sie nicht schon vorher in der Keimzelle entsteht: In der Familie, - in,/./der KwUzah. Deshalb unterstreicht unser Sozialismus nicht die Politik, trotzdem wir sie als Mittel zwéiten f odér dritten Ranges anerkennen. Er unterstreicht aber die Selbstverwirklichung in der Scfiaffung vort selbståndigen Gruppen, die ihre Bediirfnisse* selbst befrledigén. 4. Unser Sozialismus unterstreicht Qualitåt der Arbeit. Wir streben zur schøpferisch - Arbeit, und es ist fUr uns riicht ein und dasselbe,-o*-’ der Arbeiter seinen Lohn durch Landarbeit gewinnt oder! durch Herstellung von- Luxuswaren..; Wir.,sind bereit, Opfer zu bringen fiir die schøpferische Arbeit, und nicht fiir den Arbeiter qnd Proletarier schlechthin.. . Dadurch erklart sich unsere starke Gegnerschaft gegeniiber fast allen Erscheinungen des formalen und lårmenden Sozialismus Europas: Denn cr ist durchaus auf Politik aufgebaut. Er fordert immer von den anderen, er rechnet nicht mit der Qualitåt der Arbeit und sieht in. ihn nur einen QuantitåtsprozeB, 1 Es dankte eben hochmiitig dem Meer und den Menschen fiir ihren wilden Beifall... — Achtung, Achtung... — brachen pløtzlich måchtige Stimmen hervor. Bald wird eine Zisterne aufplatzen. — Achtung ... Alle Hafengebåude und viele Seitenbauten standen schon ganz unterjocht, zur Hålfte schon von den Hammen verzehrt, des Holzes und des Gesteins iurch das leidenschaftliche Feuer beraubt. Nur der einzige riesengroBe, wahnsinnige Belålter wollte sich keinesfalls ergeben. Ein schwerer, bauchiger, diisterer, fiinfundzwansig Tausend Pud Naphtha in seinem metallenem Leib jergend, saB er inmitten des hollischen Feuers und riihrte sich nicht vom Ort. Und das aufriihrerische Feuer liebkoste und umirmte von allen Seiten den finsteren Behålter, kiiBte ind driickte ihn an seinen brennenden Busen, .chmlegte sich an ihn, wie eine Katze, glattete tchwatzte von SiiBigkeiten und knlsternd, fliisterte?s heimllch: — Komm, verschmelzen wir uns in Eins, lackern wir gemeinsam... Werden wir Eins, Eins, iins... Und die feiste, triibe, diistere Zisterne brummte rotzig vor sich hin und schien gedacht zu haben: — Ihr holzernen' und steinernén, ihr kdnnt auch >is zur Asche verbrannt werden, aber ich bin Eisen ind Eisen bleibe ich: und ich opfere nie den\ Gott les Feuers... diesen Abgrund von Oel, den ich hilte. Aber alle witterten es schon, daB es nicht lange lauern werde. Man filhlte es, daB von diesen fiinf-i mdzwanzig Tausend Pud Naphtha Gase sich bilden, ind die Gase ihre Spangkraft nach oben entwickeln ind siehe, bald, bald, bald... ’ I — Achtung, Achtung Achtung... — warnten von allen Seiten her måchtige Stimmen. Und alle zogen sich iprt Ehrerbietung zuriick, weit, entfernt vom glutenden Behålter, und fegten den breiten Raum fiir die wilde Feuersbrunst aus, die bald ausbrechen soli. — Oh! bald — oh! bald... — Qhh-hh, ohh-hh... — selilug allen das leidenschaftliche und nach Neuigkeiten hastende Herz. Und das Feuer liebkoste tiickisch und schwatzte voll SiiBigkeiten mit dem båuchigen, erzernem Behålter. Pløtzlich erzitterte die Erde... Dann war nlemand imstande das, was er in jenem Augenbllck gehørt håbe klar auszudrilcken. Als jedoch die Menschen sich erholt haben, schauten sie sich um und sahen mehr nicht die Umrisse von Meer, KUsten und Himmel. Alles war Flamme, Feuer, Branid. Alles tibergoB sich in groBe Farben, vom hellen Gelb bis zum dunklen Scharlach und erschiitterte die sturmgepeitSchten, rauchschwarzen Måhnen. ,.. Nein, nichts anderes, als nur der Himmel und die Erde ein Vergniigen haben, und Eines heiligte das Andere mit Feuer ... — Hurra-a — entriB es sich Allen begeisternd mit einem Atem. Und hoch, hoch erhob sich iiber die dunkle Stadt eine Flamme, flatternd, wie eine Standarte, und begeisternd rief sie jeden, leden zum groBen, hollischen Schauspiel herbei. Und aus den finsteren HintergåBchen zogen festeren FuBes neue Scharen heran, die sich friiher^ vor Sehrecken in ihren SchlupflØchern verbargen. j Kinder und Greise, arm und reicb, alle kamen | sie, um teilzunehmen irti stolzen Fest, das mit soleher . Wildheit um Mitternacht gefeiert wurde. — Hurra — begriiBten sie alle sicher und freund-. lich das Feuer. Und als die Menschenstimmen auf einen Augenblick verstummten, hørte man, wie das Meer im wilden Getose dem gliihenden Strand seine GriiBe hin schleudert. ... Inmitten eines Feuerfestes. Eine heulende Kanonenkugel entlief dem SchoB. der finsteren Stadt, sie drang in ,dle groBen, von Licht iiberschlitteten Scharen ein* und platzte samt. den Bruchstiicken menschlicher Glieder und Knochen auf. .,* - ' — Man schieBt... — flog-ein .verzweifelndes Geschrei, vorbei... Und erstarrt vor Todesschrecken standen die Priester des flackernden Schauspiels: —- Wohin kønnen wir laufen, ins. Feuer oder in die finstere-Stadt? — Bach, bach — cha cha — cha, ». — vjiderhallten einige Geschiitze von einem dumplen Dur- Gelåchter aus der finsteren Stadt. Sie lachten aus menschlicher Verzweiflung!... Und alle Mensohenscharen liefen, des Verstandes beraubt, in allen Stadtteilen herum, sie suchten Heil in der Finsternis und versteckten sich vor den Tpé in engen, schmalen Hintergassen..... Aber iiberall begegnt*en sie der Finsternis, die sie mit einem brutalen Gelåchter anstarrte und mit Blei und spitzigen, wahnsinnigen, krachenden- Pfeilen bespie. — h, bach, bach — durrten die lauern^^i oronzen* leschiitzschliinde. — 1 - tar — tar — tar — tar — tar -