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Jüdische Volksstimme · 1920-12-22 · Heft 50 (22.12.1920) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 50 (22.12.1920)
Date
1920-12-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nr. BO. jCKSOm MUMTUOtt* AOraMMWMMkÉM h Pdfetta. Ol« Reglerimg hat den Termin der offteielien Priifungen fflr Advokaten In PalSstina fQr den 12. Dezember ausgeschrieben. Zar Prtifung werden dieienigen Rechtsanwålte, welche seinerzeit von der Regierung provisorische Befugnlsse zur Austibung des Rechtsanwaltsberufes erhalten haben oder Zengnisse der Beendigung einer staatlich anerkannten juridischen Schule vorlegen kfinnen. Die PrUfungsgegenstande sind: Friedensgerichtsgesetz. Zivil- und Strafgesetz. Hypothekengesetz, Straf- und Zivilprozeflverfahren, Exekutionsgesetz und Notargesetz. Ole PrUfungen gelten nur flir RechtsanwXlte bel Qerichten!. Instaitz. Dr. Joel Midler. In diesen Tagen jXhrte sich zum 25. Male der Todestag des jiidischen Forschers und Talmudisten Dr. Joel Mtiller, der lange Jahre an der Lehranstalt fUr die Wissenschaft des Judentums in Berlin lehrte. Dr. Muller war 1827 in Ungarisch-Ostra als Sohn des dortigen Rabbiners geboren. Nachdem er in Wien seine theologische Ausbildung empfangen hatte, wurde er In seiner Vaterstadt als Nachfolger selnes verstorbenen Vaters gewåhlt. Spater lebte er mehrere Jahre als Privatgelehrter in Wien, wo er zu dem berUhmten Kanzelredner Rabbiner Dr. JelHnek in Beziehung trat, der auf Mullers wissenschaftliche Bestrebungen groflen EiufluB gewann. In dieser Zeit entstand auch sein erstes wissenschaftlich bedeuiendes Werk, seine kritische Ausgabe des Traktats Soferim. Diese Arbeit machte selnen Namen in weiten Kreisen bekannt. Sie ieitete eine Epoche erfolgreicher iiterarischer TUtigkeit ein, die ihm einert geaciitetén fiamen in der Qeschichte des Talmudstudiums sicherte. Muller gehdrte zu jenem kleinen Kreise jUdischer Qelehrter, die auf den Spuren Krochmals, FrUnkels und Geigers eine VerjUngung des Talmudstudiums durch die Anwendung der historischkritischen Methode erstrebte. In diesem Sinne iibte er auch sein Lehramt an der „Lehranstalt fur die Wissenschaft des Judentums". Zu seinen Hauptwerken gehdrt die „Einleitung in die Responsen der babylonischen Gaonim". Fttnf vfirschiedene Sammlungen soleher Rechtsgutachten hat die JUdisohe Literatur aufzuweisen, die sich vom 7. bis zum 11. Jahrhundert erstrecken und alle Qebiete des Lebens und des Wissens umfassen. Auf diesem Gebiete war Joel Miiller zu Hause. Mit dieser Periode geistigen Schaffens im Judentum ist sein Name unaufloslich verbunden. Die Natlonalfondsldee bel den Chowewe Zion. Die Ortskommission des JUdischen Nationalfonds in Jaffa veranstaltete jUngst eine Reihe von Volksmeetings. Auf einer dieser Versammlungen wurde von Herrn Dr. Chajim Harari folgende interessante Begebenheit erzåhlt: Lange bevor Herzl und Professor Schapira auf den ersten zionistischen Kongressen die Idee des JUdischen Nationalfonds verkilndeten, versammelten sich in Jaffa eine kieine Sohar von Chaluziin, die in den achtziger Jahren unter der Losung der Arbeit nach PalSstina gekomoien waren. Es war in den Cholhamo ed-Pessachtagen als diese jungen jUdischen Pioniere sich in Jaffa zusammentaten, um gemeinsam nach Jerusalem zu wandern. Sie wollten dort der jUdischen Tradition entsprechend das Pessachfest feiern, und in diesen Peflachtagen begegneten sich zum ersten Male der ueue mit dem alten Jischub an der Klagemauer in Jerusalem. Wie ein Zauberband vereinigte damals das Ideal der Jugend die wesensfremden Elemente und die groBe Begeisterung und Schaffensfreude kam in den Reden alter zum Ausdruck. Inmitten dieser Kundgebung trat plotzlich ein junger Arbeiter, dessen Name unbekannt geblieben, hervor und sprach mit groBer Begeisterung zum ersten Male die Idee des jUdischen Volksschatzes aus, dieselbe Idee, die spdter von Herzl und Schapira auf den ersten zionistischen Kongressen verwirklicht wurde. Die Rede erweckte einen solehen begeisterten Widerhall, daB sofort beschlossen wurde, eine Sammlung einzuleiten, die dreitausend Francs ergab, einen fUr die damaligen Verhåltnisse nicht unbetråchtlichen Betrag. Dieses Geld soli, nach den Worten von Herrn Harari, noch heute bei der Filiale des Credit Lyonnais in Jerusalem deponiert sein. Es wird hoffentlich moglich sein, dieses Geld, das inzwlschen dureb den Zinszuwachs w&hrend 34 Jahre zu piner grOBereg Summe angewachsen sein dQrft«, u beftetan rad d«n JUdUch« NatfOBAlfoodi aasufahreti. FfinraOta mm Schutze der )0d. Fran and des lid. Klodes. In Genf hat sich bei groBer Beteiligung eine Frauenliga zum Schutze der ‘lUdischen Frau und des jUd. Kindes gebikiet. Eine Eingabe betreffs der Pogrome wurde der Vdlkerbundsversammlung flberreicht. Das Pråsidium wurde von Hymans empfangen. Rabbiner Kramer-Feler In Wien. Die Feier des slebzigsten Geburtstages Rabbiner Mdritz Kramers am 11. d, M. gestaltete sich zu elnem erhebenden Feste, bei welehem Gemeinde, Freunde und Verehrer in verschiedenen Ehrungen dieses vorbildlichen Juden miteinander wetteiferten. Den ersten Teil dieser Feier veranstaltete der Vorstand des Vereines Achduth Israel in seiner Synagoge. Der Abend dieses Festtages versammelte weit Uber hundert Freunde und Verehrer des Jubilars im Hotel Neuyork einem Bankett, dessen Veranstalter ein kleinet Kreis von Freunden war. Auf deren Einladung waren erschienen: Herr Oberrabbiner Doktor H. P. Chajes, der Præsident der israelitischen Kultusgemeinde Professor Dr. Alois Pick, die Vertreter zahlreicher Korporationen, darunter die Misrachi- Landeszentrale und die Wiener Ortsgruppe Misrachi, zu deren ScliOpfern der Jubilar zUhlt. Nach einer kurzen, durch Professor Dr. M. Rosenfeld namens des Freundeskomitees erfolgten BegriiBung der Erschienenen brachte die ganzfe Versammlung dem Jubilar eine begeisterte Ovation dar. Den Reigen der Tischredner eroffnete Oberrabbiner Dr. Chajes, der ein treffiich gelungenes Bild der Personlichkeit des Jubilars entwarf. Præsident Professor Dr. Pick begrUBte Rabbiner Kramer im Namen des Kultusvorstandes und iiberreichte ihm eine kalligraphisch ausgefiihrte, in schwungvollen Worten abgefaBte Adresse. Verschiedene Ansprachen folgten, bis in vorgerOckter Stunde der Jubilar selbst das Wort nahm, um fUr die Ehrung zu danken. Eine von Herrn Guthwirt gegebene Anregung, einen Kramer-Garten im Tachkemonwald zu stiften, woftir er mit einem Betrag von 2000 Kronen den Anfang machte, fand begeisterten Ånklang und eiri scbOnes Ergjetmis, * Die Einnahmen des Jiidischen Nationalfonds Im November 1920. Die Gesamteinnahmen des JUdischen Nationalfonds fUr den Monåt November 1920 betragen: L 17052.8.05 und verteilen sich auf folgende Lånder: Argentinien arg. S 75.479.18; Australien L 1510; Amerika S 5.222.25; England L 983.5.10; RumSnien Lei 174.893.35; Deutschland M 214.668.85; Griechenland (Saloniki) L 528; China L 14 und Frs. 25.000; Polen P. M.‘435.879.94; Palfistina L Aeg. 318.182; Holland Fl. 3.267.50; Oesterreich K 311.496.05; ElsaB- Lothringen Frs. 15.412.09; Ostgaliz. P. M. 250.772.15; Cechoslovakei K6 75.332.21; Stidslavische Lander Kr. 91.005.58; Westgalizien P. M. 109.227.62; Schweden K 1.952.54; Tunis Frs. 4.132.25; Schweiz Frs. I. 386.40; Neuseeland L 30; Estland L 15; Danemark K 153.36; Finnland F. Mk. 500; Bulgarien Levas 350; WeiBruBland P. Mk. 1254.04. RUcktritt des Generaldirektørs des Joint fiir Europa. Der Pariser O.-Korrespondent der „J. P. Z." berichtet: Der europaische Generaldiirektor des Joint, Leutnant James Becker, ist nach Amerika verreist und dUrfte auf selnen Posten nach Paris nicht mehr zurflekkehren. Bis zur Ernennung selnes N^chfolgers wird er von Dr. Bogen vertreten. Beckers Demission erfolgte teils aus persønlichen Griinden, teils aus der Notwendigkelt, sich nach Amerika zu begeben, um personlich Bericht Uber dié Wiener Konferenz der Joint Direktoren und Beamten aus den einzelnen Landern zu erstatten. Becker will versuchen, die amerikanisohen Kreise zu weiteren Spenden aufzuriitteln, um so die katastrophale Einstellung der unmittelbaren Hilfstatigkeit des Joint abzuwenden. Konstltulerung der „Fro-Jerusalem“-Gesel!schait. Eine Verordnung des OberkommissXrs fUr Palastina spricht, wie die „Zion.-Korr." mitteilt, die Legalisierung der Gesellschaft ,J*ro Jerusalem" aus, die sich die Fursorge fUr all« Interessen der Stadt zur besonderen Aufgabe maclit und bestimmt gleichzeitig den Vorstand. Prasident der Gesellschaft und Chairman des Vorstandes ist der ieweilige Gouverneur voo Jerusalem, Dem Vojstande gehdren au: der Bttrgmfittttr tros J«ntael«tt* der Direktør 4er Aitertflmer« del Direktør del Wekéfs, de Groff-Muffi. der Prior der Franriskaner, der Prior der Dominikaner, der grlechische Patriarch, der Prftsident der jfld. Gemeinde, der Chairman der Zionistischen Kommission. Ferner nicht mehr als ftinf Jfthrlich vom Gouverneur zu bendnnende Personen, von denen mindestens je einer Jnde oder Moslem sein muB, und filttf weitere Personen, die jåhrlich von den Mitglledern der Gesellschaft gewfthlt werden. Mitglied der Gesellschaft wird man durch einen Jahresbeitrag von nicht weniger als 5 Pfund oder durch eine einmalige Spende von nicht weniger als 25 Pfund. Lfnz. Das Ergebnis der Wahlen In die Kultusgcmelnde war der Einzug einer starken zionistischen Opposition, die nunmehr ein Drittel des Vorstandes bildet. Gewåhlt wurden: Schwåger zum PrXsidenten, Dr, Schneeweifl und Rabl zu Vizepråsidenten. Schwager erklårt mit sehiem Dank fttr die auf ihn entfallende Wahl, das Amt anzunehmen und gedenkt der dem Vorstande nicht mehr AngehQrenden, nach einem Appell an die neueintretenden Vorstandsmltglieder erfolgt die Wahl in die Sektionen und zwar: Tempelsektion: TSpfer, Orlik, Bruder; Schulreferat: Dr. Bloch, Dr. Menzel, Pisinger, Orlik, Kafka; Chorreferat: Bruder, Pisinger; Hausverwaltung: Eisenberger, Rabl; Kanzleireferat: Tandler, Sonn; Kasseverwaltung: Tandler, Orlik; SchriftfUhrer: Schubert, Sonn; Delegierte fiir das Armenlnstitut: Tandler, Eisenberger; Koscherfleischreferat: Pick; TempelkommlssSre: Pick, Pisinger, Sonn, Weifl; Finanzsektion: Albrecht, Rabl, Tandler, Taussig/WeiB; Rechtssektion: Dr. Morgenstern, Ing. Miiller, Dr. SchnéeweiB, Schubert, Taussig; AngestelltenausschuB: Albrecht, Ing. Mfiller, Orlik, Sonn, Schubert; Kuratoren der Bibliothek: Kafka, Sonn, Dr. Schulsinger. Mitteilungen des provlsortschen Zentralkomltees der Hitachduth, Hapoel Hazalr und Zeire Zion in Prag. In Prag hat sich ein provlsorisches Zentralkomitee der Hitachdut konstituiert, welches sich zur Aufgabe macht, die jungzionlstisch-volkssozialistische Arbeit in der dechoslovakischen Republik zu organisieren. Dieses hat soeben die Statuten der Prager Ortsgruppe. ausgearbeitet, wejche auch den ilbrigen Ortsgruppen in der Republik als Vorlage werden dienen kbnnen. Zugleich hat dieses einen Aufruf an alle Naliestehenden verschickt, sich mit uns behufs einer Vorkonferenz ins Einvernehmen zu setzeti. Diejenigen, deren Adressen uns unbekannt waren, werden hiemit aufgefordert, auf diese Mitteilung hin dasselbe zu tun. Die Vorkonferenz soli aus technischen Griinden gleicbzeitig mit dem nhchsten zionistischen Parteitag stattfipden, dessen Zeitpunkt noch nicht festgesetzt , ist, von dem es aber verlautet, daB er im Feber stattfinden wird. Das Sekretariat der Hitachduth aratiert tSglich (auBer am Sabbath und Sonntag) von 9 bis 10, Praha II, Rfl2ova 24, ZionbUro. , Durch dieses Sekretariat sind auch alle hebrXischen Zeitungen, besonders die aus Erez Israel, sowie hebraische BUcher und Literatur zu beziehen. Von den Zeitungen und Monatssohrifteu, die bei uns crhaitiich sind, heben wir besonders hervor; „Hapoel Hazair", Wochenschrift des palåstinensichen Hapoel Hazair; „Maabareth", literarische Monatsschrift; „Kuntres", Wochens’chrift der* Achduth Maavodah; „Adamah", literarische Monatsschrift. AuBerdem der Jerusalemer „Ifearetz" und der Londoner „Haolam" (Organ der zionistischen Bewcgung), die „Avodah", hebrhisches Organ des.Bsterreichisohen Hapoel Hazair und die „Arbeit", Organ des reichsdeutscheu Hapoel Hazair. Korrespondanzen. Bisenz. (Makkabtierfeier.) Sonntag, den 12. d., fand im Sitzungssaale der hiesigen Kultusgemeinde eine Makkabaerfeier statt, die — und dies muB gleich vorausgeschickt werden — in allen ihren Teilen als hdchst gelungen bezeichnet werden mufi. Die Feier beguun mit dem Theatersttick „Ein Qhanukkatraum", dessen Rollen Scbtiler und Schlilertunen der hiesigen , Volks- und Bilrgerschule innehatten. Um das Gelingen obgenannten Stilckes, das gianzend gespielt wurde, hatte sich die vortreffliche Regisseurin Fri, Rosa Glaser in hervorrageader Weise verdient ge* macht, was sich auch in dem grogen Applaus nach

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