Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 50 (22.12.1920)
- Date
- 1920-12-22
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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'^IPPP Mt« 4 •tMikMNa hJOMBCHB mumihv Kb SO. HMHMÉMNÉÉ Aus der Mlsrachi-Bewenung. Berlin. Das hiesige Misrachl-Zentralbliro erhielt von Professor Pick aus Jerusalem den ersten Brief. In diesem Briefe heiBt es: „Ich kam in Frieden in das Land, und ich freue mich sehr, daB es mir vergonnt tv ar, in das Land unseres Ideals, an den Ort unseres SI rebens zu kommen, in das Land, nach dem mich immer verlangte. Viel håbe ich unseren Oésinnungsgenossen in Deutschland zu danken, die mich drångten, nach dem Lirnde zu reisen und denen ich mein jetziges GlUck, daB ich in dem Lande bin, zu verdanken håbe. In den wmigen Tagen, die ich hier weile, hatte ich nocb nicht die MOglichkeit, einen genauen und grllndlichen Bericht Uber die Lage im Lande zu geben. Im allgemeinen aber freue ich mich sehr fiber das, was ich bisher im Misrachi gefunden håbe. Mit den geringen Mitteln, die ihm zar Verfilgung stehen, hat er schon vlel geleistet. Der Misrachi darf sich rOhmen seiner wichtigen Gvfindung des Lehrerseminars. In diesem Institut befinden sich an 100 Schiller, und die wertvollsten Lohrkrlfte des Landes unterrichten an ihm, und es ist zu hoffen, daB dieses Institut uns die fiir uns notwendigen Erzieher geben wird. Ebenso hat der Misråchi viel geleistet in den Angelegenheiten der Emigration. Er hilft viel, um die frommen Einwanderer verschiedenen Arbeiten in den Sildten und Kolonien zuzufilhren. Der Misrachi ereffnete Klichen, Nachtlogis in den Kolonien Petach Tikwach und Rechowoth. Er grtindete ein Einwanderungsamt in Jaffa, ein Hauptkomitee zur Einordnung der Einwandernden. Ebenso hat der Misrachi Einwanderungskomitees in Jerusalem und Petach Tikwah. Die verthmmten 0«tjudi»n.*) Versammlungssaal. Ani Vorstandstisch drei Hakenkreuze unter weinverschwemmten Gesichtern. Leutnant der Reserve Dov-Doven monokelt: — fremdes Oesindel — verdrlngt schon in Polen die viel zu ritterlicheb Einwohner des Landes — Zeitungsberichte: Bel den wlhrénd des polnlsehen Rtickzuges vor den Bolschewisten zu Zwangsarbeiten Eingezogenen waren npunzig Prozent Juden. Viele starben durch MiBhandlung, viele wurden irrsinnig, besonders Frauen, viele auch krank. Junge Frauen wurden geschlndet — — allzusanfte Behandlung hat dieses Pack iibermiltig gemacht — — in Wyszkow lieB die Ortsmilitarbehorde 300 Juden, darunter Frauen und Kinder, nackt durch zwei Rtiihen Soldaten mit Stacheldrahtpeitschen SpieBruten laufen. Ohnmlchtige wurden durch Wasser zum BewuBtsein gebracht und muBten tanzen. Frauen wurden darauf geschåndet — — der Beweis, daB sie stets mit den Russen unter einer Decke steckten, braucht wohl nicht erbracht zu werden — — in Plozk wird der chassidische Rabbi vom Feldgericht zum Tode verurteilt. Grund: er hat durch seine Bewegungen beim B^ten den Bolschewisten Zoichen gegeben. GroB, in seinen Gebetsmantel gehilllt, empfångt er die Kugeln. Danach wurden Frauen geschåndet — — sie drflckten sleb* natilrlich vom Heeresdienst — — in Jablona werden vor1 der Offensive 6000 jlidische Soldaten, Kriegsfreiwillige, Offiziere, Aerzte darunter, ausgesondert und interniert. Das Lager ist frei Jedem Wind. Essen gibts kaum. Unt^rzeichner dieses Befehls die Generale Haller und Weygand. Um die Missetaten wåhrend der Internierung zu vertuschen, llfit man den Transportzug auf der Fahrt, die die Skelette zuriickbringt, absichtlich entgleisen — die glorreichen Truppen Petlluras, den wir uns zum Vorbild nehmen k6nnen, rechneten aber mit den Verrltern ab — —• In Bolszowe wird die achtjlhrige Rose Freibrunn geschlndet, dann mit Piken zerstochen, dreiBig andore Frauen vergewaltigt, in Tumierz wird der sihwangeren Frau Antler der Bauch aufgeschnitten, in Delelow werden Midehen im Alter von zwolf und vierzehn Jahren geschåndet, als Gegenstiick in Jezu- *) Aus dem November-Heft der „Weltbtthne'*, Wochenschrift flir Politik, Kunst und Wirtschaft, Cliarlottenburg. pol éiftt slebzigjlhrige GfOfWn, in Stanlalan wirdan der zehnl&hrigen Marie Krammer dia Hinde abgehackt. » * * Endlos ist die Liste der Mordtaten. ScheuBlichstes enthålt sie, das nicht zu sagen ist. Aber in Deutschland tdnt von den DeutsChnatiOhalen bis tief in demokratische Reihen der Ruf i „Die verdammten Ostjuden, transporllert sie fiber die Orenzel" Endiich: die langersehnte Einheitsfront ist geschaffen. Knfippelkunze reibt sich die Hinde, die roten, roten Hinde. Manfred Georg. Rundschau. Judenpogrotne In Armenien? Warschau. Der „Neue Halnt'* meldet: In Bombay (Indien) ist kiirzlich ein groBer Transport Von Jtldischen Flfichtlingen aus Armenien angekommen, welche erzlhlen, daB die Juden dortselbst von den Armeniern schrecklich zu lelden haben. Der Transport besteht aus 197 Personen, davon 112 armenfschen und 85 persischen Juden. Wie sie eihem Vertreter des „Times of India'1 erzlhltéh, sind sie zumeist Handelsleute; sie waren tfirkische Staatsbfirger und wohnten in Anatofien und den benachbarten Provinzen. Vor éihigen Monaten ■— so erzlhlen sie — kamen die Bolschewiken nach Anatolien und vertrieben die Ttlrken. Als sie abzogen, Ubergaben sie die Verwaltung ihren armenischen Verblindeten. Das erste, was die Armenier nach dem Abzug der Bolschewiken taten, war, einen grauenhaften Pogrom gegen die Juden zu veranstalten, und ihrer Hunderte abzuschlachten. Ganze jiidische Familien wurden von den Armeniern in grausamer Weise ermordet. Die Juden, welche ihr Leben retten konnten, wurden all ihrer Håbe beraubt. Viele der Flllchtiinge kåben SchuB- und Hiebwunden. Hebraisch als Amtssprache In Palastina. Auf eine Anfrage im Hause der Lords erteilte der Earl of Crawford fiir den Staatssekretlr des AeuBern die Antwort, daB die Annahme des Hebrlischen als einer offiziellen Sprache in Pallstina einer der ersten Schr^tte zar Verwirklichung der Balfour- Deklaration geweSén sei, d. ih. zur Schaffung eines nationalen Heims flir die Juden in Pallstina. „Bei der An.wendung der Deklaration", filhrte Earl of Crawford aus: ....wird mit Recht darauf gerechnet, daB die Belebung der heb-Iischen Sprache eine wichtige Rolle spielen wird. Ich bin beauftragt, zu erkliren, daB die hebrlische Sprache, welche offiziell anerkannt wurde, das klassische Hebrlisch ist mit den Anfordernngen, wie sie die modernen Notwendigkeiten erfordern." Volllge Rulie In Pallstina. Auf eine kiirzlich im englischen Unterhause gestelite Anfrage teilte, wie die Zionistische Korrespondenz berichtet, der Unterstaatssekretlr im Auswlrtigen Amte, Cecil Hammsworth, mit, daB in Pallstina vailige Ruhe herrsche. Dem Oberkommlsslr Sir Herbert Samuel sei ein glånzender Emplang bereitet worden, und seitdem sei sowohl eine vollige Beruhigung innerhalb der eingesessenen Bevolkerung erzielt worden, wie auch eine Beendigung der Ueberfålle im Grenzgebiet. Zu demselben Thema luBerte sich Oberkommlsslr Herbert Samuel selbst anlSBlich seines Besuches in Alexandrien bei einem Bankett im Hause des Barons de Manasse. Der Oberkommisslr teilte hier mit, daB das englische Kriegsamt sich geluBert håbe, Pallstina sei das ruhigste aller Linder, die zur Zeit der britischen Verwaltung angeschlossen seien. Abraham Chalnt Rosenborg. Am 15. Schewat (24. JInner) feiert der Nestor der hebrlischen Schriftsteller in Amerika, Abraham Chaim Rosenberg, seinen 90. Geburtstag. Rosenberg, der eine kleine Jj)ruckerei in Neuyork betreibt, arbeitet seit mehr als vierzig Jahren an einem umfassenden Reallexikon zur Bibel, „Ozer-schemoth", das auf zehn Binde angelegt ist und alle Namen von Volkern, Personen, LIndern, Orten, Fliissen, Tieren, Pflanzen, Friichten usw., die in der Bibel vorkommen, gemlB der Tradition von Talmud und Midrasch sowie den Ergebnissen der philologischen Forschungen und der letzten archloiogischen Entdeckungen erkllrt. Sieben Binde des Werkes sind bereits er* schienen, der achte Band ist druckfertig und die letzten zwei Binde bereits geordnet Flir die Heraosgabe fehit m dem greieen titelehrleå an den adtigen Mitteln. Nun hat sich in Nduyork eln Komitee von Rabbinem, Gelehrten und Schrlftstellem, dem unter anderéft auch Rabbiner Berlins, S. Kahan-Margulles, Dr. M. Robinsohn angehdren, gebildet, um Rosenbergs 90. Geburtstag wfirdig zu feiern und dem SchOpfer des bedeutendsteh und umfangreichsten unter den wenigen Werken, die in hebrlischer Sprache in Amerika geschaffen wurden, dessen Vollendung zu ermdglichen. Ein Preisausschrelben zu Dubnows 60. Geburtstag. Der Jiidische Nationalrat von Utauen erlIBt ein Preisausschreiben flir eine Monographie, welche irgendeine Epoche in der Geschichte der litauischen Juden behandelt und setzt drei Preise von 6000, 3000, beziehungsweise 2000 Mark aus. Das Werk, welches in beliebiger Sprache abgefafit werden kann, wird ih einer der liidischen Sprachen vom Nationalrat herausgegeben werden. Die Herausgabe dieses Werkes erfolgt als Brihnerung an den 60. Geburtstag des beriihmten jiidischen Historikers S. M. Dubnow. Das Manuskript ist bis zum 1. JInner 1921 einzureichen. Der Nationalrat fibernhnmt die Verpflichtung der Drucklegung des preisgekrdnten Manuskriptes inner« halb dreier Monate nach dem genannten Termin. Der gehelmnisvolle Wohltlter. In die Kanzlei der orthodoxen israelitischen Kul tusgemeinde zu Preflburg trat dieser Tage ein Unbekannter und bat den Notar Griinfeld um das Namensverzeichnis der Wohltåtigkeitsvereine dieser Oemeinde. Der Fremde musterte die Liste einige Augfenblicke, rechnete ein wenig und tibergab dem Notar 31.000 K5 und empfahl sich, ohne seinen Namen zu nennen. Dem edlen Spender sei auf diesem Wegfe gedankt. Streik in Rlschon Leziou. Am 18. November Wurde der in den Kellereien von Rischon Lezion ausgebrochene Streik unter Vermittlung des Vorsitzenden des Waad Hazirim, M, Ussischkin, der Mitglieder des von der Delegiertenversammlung gewlhlten Waad Le umi, Jellin, Thon und Ben-Zwi, des Vertreters der Arbeiterorganisation Achdth Haawodah, Blumenfeld, wie auch des Vertreters der streikenden Arbeiter, Eisenberg, beigelegt. Die Arbeit ist sofort wieder aufgenommen worden. Ein gewlhltes, paritltisch sich zusammensetzendes Komitee soli unter Heranziehung neutraler Personen iiber die gegenseitige Forderung beraten und beschlieBen. Auswandernde polulsche Juden diirlen nach Polen nicht zuriickkehren. Warschau. Der jiidische Sejmdeputierte Hirschhorn brachte eine Interpeiltaion an den Kriegsminister, betreffend die ungesetzlichen Schwierigkeiten ein, die den polnischen Rekrutierungskommissionen den ins Ausland reisenden Juden bereiten. Die Betroffenen miissen eine Deklaration unterfertigen, daB sie auf die polnische Staatsbtirgerschaft verzichten und nie wieder nach Polen zuriickkehren werden. Die polnlsch-ltidlsche Konferenz. Warschau. Im Ministerratsprlsidium fand am 9. Dezember unter dem Vorsitze des Vizeministerprlsidenten Daszynski eine polnisch-jiidische Konferenz statt, zu der jiidische Abgeordnete und Politiker geladen waren. Die Konferenz wird fortgesetzt. Max Nordau schwer krank. Wie das Jiidische Korrespondenz-Bliro aus Paris meldet, ist Max Nordau an einer Lungenentziindung erkrankt. Sein Zustand ist besorgniserregend. — Paris. Der Krankheitszustand Max Nordaus gibt zu groBen Besorgnissen AnlaB. Der Patient ist bei BewuBtsein. Am Krankenlager befinden sich nebst der Familie des Patienten die Aerzte Dr. Marmorek und Jacobson. Heute ist Jean Fischer aus Belgien eingetroffen. Er hat seine Reise nach Amerika verschoben, um am Krankenbett seines alten Freundes zu wachen. Die Pariser Judenheit HBt sich stfindlich' iiber das Befinden Nordaus, des Altmeisters, infor* mieren. Baron Edmond RothsohUd fiir Pallstlnazwecke. Wie der „Doar HJomi1 mitteilt, zeichnete Baron Edmund Rothschiki auf die Pallstinaanleihe im gan* z^n 300.000 L, davon vorllufig 70.000 L. AuBerdem sagte Rothschild nach dem „Doar Haiom" 100.000 L flir die Verwirklichung des Ruthenbergschen Elektrifizierungsprojekte^ zi|,