Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1920-12-14 · Heft 49 (14.12.1920) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 49 (14.12.1920)
Date
1920-12-14
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
84% known words query
IRI
…/2621806-2622069-2622116--4598-2625915
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

Nr. 49. ▼OUCMTIMME« aufierordeatliefc •t*rk#r, vu zwetfeilo« tar riilenanf dir JQdlichen Presse béftragén wird. Korrespondinzen, Cranleai’i CaMtotfHtr, fimr Thamrfc, »mi Q»- denkrede. ua Wehe ia der Head der Pflemltern Heft, darf nlcht abhingig gemacht werdøn von Berecfrmirtgen. Wir brauchen Menschen von Her* und OemDt, die sich eines Kindes mit wirklicher Liebe annehmen, Frauen, welcbe die MUtterlichkeit, die sie fUr ihre elgenen Kinder haben, auch auf ein armes verlassenes Kind ausdehnen. Familienvdter, die scih dessen bewuBt sind, weiche tlefe und groBe Vcrantwortung sie auf sich nehmen, wenn sie dsa Leben eines Kindes leiten. Mdgen doch viele glttckllche Frauen und Mtttter daran denken, mit welcher furchtbaren Sorge die armen Mutter kampfen, die ihre Kinder hergeben mUssen oder welohe Seelenqual sie in ihrer Sterbestunde bedrUckte, als sie ihr Teuerstes hilflos zurilcklieBen . ., Wir bitten gfltige Frauen ihre Namen und Adressen entweder schriftlich oder mUndlich an die „Soziale Hilfsgemeinschaft Anitta Muller", 2. Bezirk, PragerstraBe 17, 4. Stiege, 1. Stock, Sekretariat, einzusenden. Wir werden gerne bestrebt sein, spezielle WUnsche, betreffend Alter und Qeschlecht des Kindes, zu beriicksichtigen, damit unsere kleinen SchUtzlinge sich auch wirklich als gern gesehene Odste in die Familie einfinden kdnnen. Wir bemerken zu diesem Aufruf, daB er wohl die brennendste Frage der JUdischen sozialen FUrsorge betrifft. DaB es in Wien allein viele hunderte jUdische Kinder gibt, die noch nicht untergebracht sind, moge ein Mahnruf an liebevolle jUdische Mutter und kinderlose jUdische Ehepaare sein, sich an diesem edlen Hilfswerk zu beteiligen. Louis Marsbalf — PrSsident des amerlkanlsch-Iiid. Komitees. Auf derJahreskonferenz des amerikanisch-jtidischen Komitees wurde Louis Marshali zum Prdsidenten und Dr. Cyrus Adler und Julius Rosenblatt zu Vizeprasidenten gewdhlt. Vom holldndischen Hilfswerk. An die verschiedensten Komitees in Amterdam, die sich mit der Hilfeleistung fUr die notleidenden Juden Europas beschaftigen, treten immer wieder Bitten und Anfragen heran, weiche von dem wachsenden Notstand in Mittel- und Østeuropa nur allzu beredtes Zeugnis ablegen. Die holiandische Judenschaft sieht sich deshalb vor immer wachsende Aufgaben gestellt, deren ErfUllung die einzelnen Komitees Ubersteigt. Die folgenden Hilfsorganisationen: das „Komitee fiir die Pogromopfer in Ost-Europa", det „Vereinigte Verband der Amsterdamer Hilfsaktion flir hungernde jUdische Kinder im Auslande" und die „Kommission fUr jUdische Transmigranten und FlUchtlinge in Holland" haben sich deshalb unter dem Namen „Amsterdamsch Hulpwerk voor Buitenlandsche Joden" unter dem Ehrenvorsitz des Oberrabbiners von Amsterdam, Dr. Onderwyzer, vereinigt. Das BUro des Verbandes befindet sich zu Amsterdam, Beurs voor Den Diamanthandel, Weesperplein 4, Kamer 22, und wircl von Dr. Isidore Hen geleitet. Alle Zuschriften aus dem Auslande sind dorthin zu richten. Die liidiscfae Presse auf der Internationalen Annoncenausstellung in London. Die Internationale Annoncenausstelluug, die am 29. November in London eroffnet wurde, begegnete ungeheuerem Interesse in der Oeffentlichkeit. Schon am ersten Tage wurde die Ausstellung von 10.000 Personen besucht. Die jUdische Presse ist durch die „Jewish Advertising Agency" reprdsentiert, die einen besonderen Stand hat. Eines besonderen Interesses erfreut sich die „Wiener Morgenzeitung". Unter den anderen jiidischen Organen sind besonders „The Jewish Morning Journal" in New-York, der „Haolam", das offizielle Organ der zlonistischen Weltorganisation und das „Jewish Journal of Commerce" zu erwåhnen, das trotz seiner kurzen Erscheinungsperiode bereits weite Verbreitung als Annoncenorgan der englischen, amerikanischen und kontinentalen Kaufleute fand. AnschiieBend an die jUdische interessierte das Publikum besonders die hebrdische Presse, die. durch zwei paliistinensische und ein Warschauer Tagblatt reprdsentiert war. Unter den Besuchern fand sich auch Lord Northcliffe ein, der seiner Bewunderung der rapiden Entwicklung der jiidischen Presse Ausdruck gab. Der Besucb des englischen Publikums war ein Wien. (ZionlstfscherSchachVerein, Wien, 2. Bez.) Am 29. November konstituierte sich ein zionistfscher Schachklub, der es sich zur Aufgabe machen wird das Schachspiel unter den bréiten Massen zu f6rdern. Sitz des Klubs ist Café Nizza, TaborstraBe, Ecke Kaiser JosefstraBe, vto auch tSglich, auBer Freitag, von halb 7 bis 8 Uhr abends Anmeldungen entgegengenommen werden. Der Spielplan wird noch bekanntgegeben werden. Czernowltz. Die JUdische Studentenschaft faBte folgende Resolution: 1. Die Versammlung beschlieBt, an den Unterrichtsminister ein Memorandum zu richten, in welchem die Errichtung einer hebrdischen Kanzel gefordert wird, an der auch JUdische Qeschichte und jiidtøche Volkskunde gelehrt wird. Mit der Leitung dieser Kanzel ist ein jUdischer Qelehrter zu betrauen. 2. Prof. Tarnawski wird resucht, wie im Vorjahre, auch jetzt semitische Philologie zu lesen. 3. Es wdre ein Lektor fUr Neuhebrdisch zu bestellen und den Hfirern die Moglichkeit zu geben, PrUfungen zu machen und das Doktorat zu erlangen. 4. Die Studentenschaft drUckt ihre Verwunderung Uber die AnkUndigung des Dekans an die „HOrer der mosaischen Konfession" aus. Breslau. Eine Geddchtnisfeler veranstaltete die Bevolkerung Breslaus zum Andenken ihrer Gefallenen ohne Unterschied der Konfessionen und Parteien in dem viele Tausende fassenden Zirkus Busch-Gebåude. Domherr Professor Dr. Nickel iiberbrachte im Namen des Kardinal-FUrstbischofs Dr. Bertram den Dank an die Qefallenen ohne Unterschied des Religionsbekenntnisses. Im Namen der Juden Breslaus hielt Rabbiner Dr. Vogelsteih bei dieser interkofessionellen Feier eine Gedenkrede. Kattowitz. (Entspannung in der Lage der jiidischen Arbeiter in Oberschlesien.) Wie bereits von uns vor Idngerer Zeit mehrfach berlchtet wurde, hatten sich in Oberschlesien durch die schlimmen Hetzereien, die sowohl von deutschnationaler wie polnischnationaler Seite gegen die dort befindlichen ostjUdischen Arbeiter betrieben wurden, groBe MiBhelligkeiten ergeben. Obwohl die iiberwiegende Mehrzahl der in Oberschlesien sich aufhaltenden jUdischen FlUchtlinge im Bergbau und in der Schwerindustrie produktive Arbeit taten und mit ihren deutschen Arbeitskollegen durchweg vortreffllch auskamen, wurden in den Gruben unter Tag die polnischen Arbeiter der artig verhetzt, daB wdhrend der Unruhen im Juli und August es zu schlimmen Gewalttdtigkeitén gegen die dort befindlichen jUdischen Bergarbeiter kam. Es diirfte auch noch bekannt sein, mit wie grausamen Mitteln mehr als 500 jUdische Arbeiter wdhrend dieser schlimmen Tage Uber die Grenze nach Polen abgeschoben und dort einem fUrchterlichen Schicksal entgegengefiihrt wurden. Nunmehr scheinen aber die BemUhungen und Verhandlungen, die das jUdische ArbeiterfUrsorgeamt Berlin in Zusammenhang mit seiner Zweigstelle Kattowitz gefUhrt hat, ein Ergebnis erzielt zu haben, das gleicherweise die Interessen des oberschlesischen Landes, wie die der Humanitåt und der Neutralitet den Fluchtlingen gegenUber berUcksichtigt und befriedigt. Die Interalliierte Kommission in Oppeln hat, wie uiis berichtet wird, Bestimmungen Uber das Aufenthaltsrecht der in Oberschlesien befindlichen ostjUdischen FlUchtlinge herausgegeben, die sich von joder antisemitischen Voreingenommenheit freihalten. Diese im Interesse der Staatsraison liegende Regelung ist auf der einen Seite, soviel wir horen, tatkrdftig geffirdert worden durch den deutschen Bevollmdchtigten bei der AUiierter Kommission, auf der anderen Seite war es ganz besonders Major Watte, der die Verhandlungen durch seine vorurteilslose und menschenfreundliche Haltung besonders erleichtert hat. Paris. Am 24. Oktober waren 50 Jahre verf lossen, seit die algerischen Juden als gleichberechtigt das franzosische BUrgerrecht erhielten. 38.000 Juden wurden damals davon betroffen, heqte zåhIt Algerien 76.000 stimmfåhige jUdische Bflrger. Adolphe Cre- ‘mieux, dem damaligen Minister, war die Emanzipation zu verdanken. Bei der aus Anlafi dieses Ereignisses stattgehabteo Feitr hielt u. a, der Oatte von New York. Prftsident Harding hat au! eine an ihn gerichtete Anfrage Uber seine Stellung zu der Lage der Juden in Ostéuropa geantwortet, er bedauere sehr, daB die Menschheit noch immer nicht gelernt håbe, was wirkliche Toleranz, Gerechttgkeit und gleiche Rechte und Freiheiten bedeuten. Harding betont, daB es ihm vollkommen ernst sei mit diesem Protest gegen die Behandlung der Juden, eines Volkes, das von ihm seit jeher verehrt worden sel wegen seines Genies, seiner 'Arbéltsfreudigkeit, Ausdauer, Geduld, Starke, Schbnheit und Treue seines Familienlebens, seines groBen Wohltatigkeltssinnes und der Treue zu den Gesetzen des Landes, in,welchem eslebt. Washington. Der KongreB, zu dem die Wahlen jetzt erfolgt sind, zfihlt acht jUdische Mitglieder und zwar: Bachrach, Cahan, Gartenstein, Meyer, London, Perlmann, RosenblUm und Volk. Auflerdem wurde Mr. Nathan StrauB Jr. in den Senat gewåklt. Die P. T. Abnehmør, dia mit der Bezahlung de« Abonnementbetrages Im ROckitande sind werden um fraundiicha Bezahlung deaaelben ersucht, damit In der Zusendung das Blattea keina Untørbrechung elntrltt. Die Aftmlnlstratlan. Brtlnner Nachrichten. Die Chanukahleler des Verelnes „JUdische Schule" BrUnn. Unter groBer Beteiligung der Briinner jiidischen Bevolkerung fand am 5. Dezember in den Råumen des Lehrlingsheirpes (Jugendkino) die erste, mit vieler Spannuug erwarteté Chanukahfeier der Briinner jUdischen Schulen statt. Das Fest iilpertraf alle Erwartungen und wurde fUr BrUnn zu einem bedetitungsvollen Ereignis. Seine Begeisterung srahlfe auf den Gesichtern der Mitwirkenden und rIB stellenweise auch die Zuhorer mit, die mit stUrmischen Zurufen und reichlichem Applaus ihren Beifall kundgaben. Ein formvollendetér, gedankenreicher Prolog (Kurt KeBler) leitete stilvoll die Feier ein. Dann sangen die SchUler und Schiilerinnen des jUdischen Reformgymnasiums einen Chanukahhymnus, worauf Deklamationen der JUngsten erfolgten. Helga Elsner sprach mit zarter Betonung das Ge<|jchtchen „Menorah", A. Neumark und E. TUrkel sagten abwechselnd das Gedicht „Chanukah" von Sigm, Werner ,auf, Gisa Glaser (R.-G.) rezitierte mit viel Empfindung Rosenfelds „Chanukahlichter" und Judith Hickl (R.- G.) trug ein melodramatisches Gedicht „Moaus zur jschuoBi" meisterhaft vor. Ein symbolisches Lichterspiel, von 9 Kindern der 1. Volksschulklasse und Margareta Muller als ChorfUhrer dargestellt, fand ungeteilten Beifall und rief die kleinen Schauspieler mehrmals vor die Rampe, wo ihnen unser Schulfreund und Jederzeit opferwillige Fbrderer Herr J. Laufer den sUBen Lohn in Form von gluckverheiBenden Påckchen tiberreichte. Ein gesinnungstuchtiges Heldendrama „Die Makkabder", aufgefUhrt von den Gymnasiasten .Friedmann, Rado, Hansi, Feldmann, Ehrenhaft, KeBler, Breda, Wichs, Zangen, in dem unseren jungen Helden Gelegenheit geboten wurde, von ihren kraftigen Stimmmitteln. reicblichen Gebrauch zu machen, beschloB unter groBem Beifall den 1. Teil der stimmungsvollen Feier. Der 2. Teil hatte ein buntes Programm. Die Gymnasiastin Regine Blumenfeld trug mit kUnstlerischer Vollendung und unt^r allgemeiner Ergriffenheit der Zuhorer Feiweis „Beruria" vor. Helene Rapaport deklamierte mit guter Betonung Frankls „der Bettler", Arie Neumark (1. Kl, V.) rezitierte mit pråchtiger Stimme ein Qedichtchen „Unsere Schule", das ihm viel Beifall eintrug und Otto Fink trug ein bOhmisches Gedicht „Zidem jsem" wirkungsvoll vor. Eine hdusliche Szene, in neuhebrdischer Sprache „Ach weachot" dargestellt von Oisa Glaser, Abraham und Cbannah Salpeter, machte das Briinner Publikum mit einer Neuheit bekannt, Anni Muller (1. R.-G.) sang mit klangvollqr Stimme unter allgemeinem Beifall. Den Alef-Beth, Karl Friedmanns J)n Mfibtefs Trdren" war geradezu eine kUnstle*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.