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Jüdische Volksstimme · 1920-12-14 · Heft 49 (14.12.1920) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 49 (14.12.1920)
Date
1920-12-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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rMe OtuitAtotmt. Ortt Q*tm» JDu HMMe Ltgicmenlied", „Seham baarez" und das ntckfcehe Kukukslied „Kumu, Jeladim, kumu" Idsten wohlverdiente Anerkenmmg aus. Den ScbluB bildete eine einaktige Posse „Die jQdische Schule", dargestetlt von Armi Milller, Judith Kicki, Regine BlumenfeM, Gideon SchaJHnger und Max Laufer. Das launige Versspiel zeigt* wie aus erbitterten Gegnern der jadischen Schule reuige AnhAnger verden. Das an lokalen Anspielungen und saticischen Ausfaiien reiche Scherzsplel land ungeschmaierten Beifall und Idste stellenweise stUrmische Heiterkeit aus. Ein Epilog (Ehrenhaft) schlofl dle Feier, worauf die weihevollen Klange der Hatlkwah den weiten Raum durchbrausten. Dann erhlelt ledes Kind ein Chanukahgeschenk mit Sttfiigkeiten, Baokwerk und Nfissen und mit hellstrahlenden Qesichtern entfernte sich die Menge. Um das Gelingen des Festes machte sich ein rtthriges Komitee verdient und auch das Buffet (geleitet von den Damen Sohallinger und Weich) trug zur allgemelnen frohen Stimmung bei. Der moralische Er* foig wird in ntchster Zukunlt sich zeigen. Was die jUdische Schule vermag, das hat deutlich unser Chanukkahfest bewiesen. Mflgen die Chanukahlichter, die wir entzflndet, ein Iøuchtender Wegweiser fOr die Zukunft sein: ohne jUdische Schule kein iUdischer Geist Und ohne diesen kein ittdisches Volk. Wir hoffen, dafl flir manchen Unglåublgen unser Schulfest ein Wendepunkt. geworden ist, Vereiti „JUdische Schule", BrUnn. (Spendenausweis.) Stømund aHof mann 300 K, Willi Tugendhat 50 K, Sammlung im „Teodor Herzl" 50 K, Brttder Deutsch 30 K, Kartenpartie Dr. Steinschneider, Esler, Bttchler 6 K und 10 K, Hermann Qriin 10 K, Sabine Neumark 30 K, Alois Hochwald 35 K, Alfred Jelletz_ 20 K, J. Salpeter 40 K, Dr. Drachmann 26 K, S. KeBier 50 K, Alfr. Kohn 30 K, Kartenabldse 20 K, Kartenpartie Kral 5 K, Buchdruckerei Kral 55 K, Sammlung* Frau Schallinger 120 K, Familie Rudolf Meisl 60 K, Frau Baumgarten 10 K, Mar, Samek 50 K, Dr. Freudenfeld 40 K, MittelschOler 17 K, Sigmund Gerstmann 40 K, Ing. Ernst Troller 100 K, Sammelbogen Elsner Helga 350 K, F. A. Peligek 100 K, Kartenpartie Kohn 8 K, Sophie Drucker 25 K, Anna Frey, Kanitz. 10 K,; Berta Schnabel 30, K, Yerein „Esra" drej Ziegelsteine 300 K. Auf ruf I Au die gesetzestreu Judenschaft In Btfhmen, Mfihren und Schleslen! _ In der nSchsten Zelt soli eine Zentralorganlsatlon der gesetzestreueh Jirednschaft lus Leben gerufen werden* Die Vorbereltungen IQr elnen Parteltag sind im Zuge. Es ergeht an alle Personen, die gewlllt sind sich In denDienst der Sache zusieU&a, die; Auf I order ung, Ihre Adressen dem Sekretarlatdes Verelnes Machsike badas, Brilnn, Adlergasse 12, sofort bekaantzugeben. Pnllstlna als zukdnftiga Heimat dør luden. Von Adolph loevy. Die vor Kurzem erlassene Erkltrung der britischen Régierung, welche eine ikhrliche Einwanderung von 17.000 ausgewdhlten iUdischen lungen Mdnnern und Frauen nach Palæstina gestattet, bringt die Frage der Ausftihrbarkeit der von der zionistischen Weltorganisatlon angestrebten Ziele wieder auf .die Tagesordnung. Bekanntlich gipfelt das vom ersten Zlonistenkongresse Im Jahre 1897 in Basel proklamierte Programm der zionistischen Bewegung ih der These: „Der Zionismus erstrebt fttr das jiidisehe Volk die Schaffung einer fiffentlich-recbtlich gesieherten Hefmstatte in Palæstina." Durch die Balfour-Deklaration wird der historische* Anspruch der Juden auf ihr altes Heimatland ausdrilcklich von England anerkannt. Diese neue Erkiærung dér britischen Regiemmr fctoto Anfangaprogramm auf dem W«ft m tfffllWi dis ftøfilstkchen Plants, Paflstina durch tafstchlichea Besitz zur Héimat des fQdischen Volkes zu machen. Die ethftotraphischen Verhfiltnisse Palæstinas und die politische Gestaltung im nahen Osten sind der Erfflllung dieses Planes anscfaeinend wenig gunstig. Palæstina vird gegenw&rtig von etva 600.000 mohamedanischen und zum geringeren Teile auch chrtstHchen Arabern bevdlkert, denen nebst einer kieinen Anzahl europ&ischer Christen weniger als 100.000 Juden gegenilberstehen. Es kann also bei der mit 17.000 Kdpfen begrenzten iUdischen Einwanderung und bei dem mit dem Erstarken des arabischen NationalgefUhls zu erwartenden Wachsen des Widerstandes seitens der eingeborenen mohammedanischen Bevdlkerung kaum auf ein Ueberwiegen des iUdischen Volkselementes in den nåchsten zehn bis zwanzig Jahren gerechnet verden. Wohl vftre es mdglich, daB Grofibritannien mit dem Fortschreiten der Entwicklung Palæstinas diese Beschrankung der IUdischen Einwanderung fallen IftBt und nur die etva staatsgefæhrlichen Elemente von seiner palUstinensischen „Dominion" fernhilt. Allein die ersten Jahre der britischen Herrschaft im Heiligen Lande haben bewiesen, daB England keineswegs seine Weltmachtpolitik gegeniiber idealistischen Motiven zurUcktreten læ&t. Von OroBbrltannien mit seinen Hunderten von Millionen mohammedanischer Untertanen kann eine Bevorzugung eines nicht-islamitischen Elementes inmitten mohammedanischer Bevdlkerungszonen nicht erwartet werden. Dazu kommt noch, dafl Frankreich durch sein Vordringen in Syrien und Kleinasien den Briten die Vorherrschaft in Vordérasien streitig macht, daher fftr letztere die Wahrung der loyalen Gesinnung der arabischen Bevdlkerung von hochster Wichtigkeit ist. SohlieBtich ist noch die ausgesprochen radikale Gesinnung groBer Teile der Auswanderer aus Polen, der Ukraine und RuBland, jenen Lændern, aus welched sich die JUdische Auswanderung hauptsUchlich rekrutiert, zu erwægen. Aus diesen GrUnden scheint auf eine freie und unbeschrænkte Einwanderyng der Juden nach Palæstina in absehbarer Zukunft nicht zu rechnen zu sein. Indessen lieBe sich auch bei einer Einwanderungt von nur 17.000 Juden: jæhrlich auf eine allmæhlichej Durchdringung Palæstinas, mit jUdischer Kultur undt jOdischem Geiste hoffen. Denn die Einwanderer stehen durchweg auf einer hoheren materielien und geistigen Kulturstufe als die meist besitzlosen und unkulti vier ten arabischen Fellachen und wiirden diese mit sich auf einen hoheren Stand der Zivilisation erheben, materieil und geistig reicher machen. Der europåische und amerikanische Standard der Lebensftihrung wttrde sich mit der "Zeit durchsetzen. Stra- Ben und Eisenbahnen wUrden gebaut, Wiesen- und Wiistenland urbar geraacht werden, Kolonien und neue Stædte aus dem Boden wachsen . Die meist unproduktive jQdische Bevdlkerung von Jerusalem, die zum groBen Teile von den Almosen ihrer StammesbrQder in den Lændern der Zerstreuung lebt, wttrde auf eigene FttBe gestellt werden und selbst Kulturgiiter erzengen. Selbst bei solch beschrånkter Einwanderung wttrde der EinfluB der Juden auf das Land ihrér Ahnen neugestaltend einwirken. Aber noch ein anderer Faktor muB in Betracht gezogen werden. Ob nun die jUdische Éinwanderung nur zehntausend oder bei etwaiger Aufhebung der Beschrtt.okungen fttnfzig- oder hunderttausend Menschen im Jahre betragen wttrde, sie wird nicht eine zufællige, sondern eine planmdBig geregelte sein. Hinter den armen Einwanderern aus Polen und Rufiiand steht die nicht zu unterschætzende internationale Macht der zionistischen Weltorganisatibn, die ttber Hunderttausende vor organisierten, opferfreudigen Anhængern und ein ausgebildetes Bank- ^nd Finanzsystem verfttgt. Ihre hauptsHchHchen Finanzmlttel sind der „Jttdische Nationalfonds", eine kooperative Genossenschaft zum Zwecke des Landankaufes in Palæstina als unverauBerliches Gemeineigentum des IUdischen Volkes; „The Jewish Colonlal Trust Ltd.‘‘ in London, auch „JUdische Kolonialbank" genannt, mit einem nominellen Aktienkapital von L 2,000.000; deren Tochterinstitutionen, die „Anglo-Palestine Bank" und die „Anglo-Levantine Bank"; die verschiedenen Relieffonds flir Palæstina, deren einer im Betrage von S 10,000.000 lestzt in unserem Lande gesammelt wird. Ferner kommen fttr die JQdische Kolonisation in Palæstina niehtzionistische fttdische Institutionen in Betracht; von denen die Stiftung des bsterreichischen Wbhltttters Baron Himil, die „Jewlab Colenial Associatfon" oder „JcaM mit einem Kapital von L 12 Millionen die bedeuteadste ist. SchlieBlich mnB noch mit dem steigenden Interesse des internationalen iiidischen GroBkapitais an der Besiedtung Palæstinas durch die verfolgten Stammesgenossen gerechnet werden. Der Baron Edmond vort Rothschild hat sich in dieser Beziehung durch Grttndung der er sten jtt dischen Kolonien zur Zéit der Judenverfolgungen in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts ein unsterbliches Verdienst erworben. Vom amerikanischen Standpunkt kann eine, wenn auch vorderhand geringfttgige, Ablenkung der jttdlschen Einwanderung nur begrttflt werden. Ist doch die unmittelbare Folge des ZustrOmens mitteiloser JUdischer Massen aus Osteuropa die Vermehrung des Elends in den bereits ungeheuren Judenvierteln der amerikanischen OroBstædte und eine Verschlechterung der Lohnvefhåltnisse durch unglttckliche Menschen, die um leden Lohn arbeiten und Verdienst finden mflssen. Freilich wttrde eine Abflahme der jttdischen Einwanderung um nur wenige Tausende bel der bereits im Gange befindlichen Masseneinwanderung von Hunderttausenden kaum ins Gewicht fallen; aber die kieinen Anfånge wtirden sich aller Wahrscheinlichkelt nach zu gr5Beren^ UmiSngen entwickeln und Amerikas Anteil an der Aufnahme unglttcklicher, heimatloser Juden im Laufe der Jahre betræchtlich vermindern. So lange dies aber nicht der Fali Ist, kann Amerika sich seiner Verpflichtung der Aufnahme Verfolgter und Bedrttngter aller Nationen und aller Giaubensbekenntnfsse nicht entziehcn, die ihm seine ttberlieferten Ideale auferlegen. „Abendpost", New York.. Litøratur. Die Wiener Oeserah vom Jahre 1421 von Samuel K r a u s s. Der bekannte gelehrte Verfasser fuhrt uns, an der Hånd von Quellen sorgsam zusammengetragen und gesichtet, das Martyrium der Wiener und niederosterreichischen Juden vor Augen, die in den Jahren 1420 und 1421 teils vertrieben wurden, teils den Martyrertod erlitten, eine alte Geschichte und doch leider ewig neu, wie die neuesten Vorfålle in Ungarn, dem ehemaligen Eldorado dér Juden, beweisen. In herzerschiittemder Weise werden uns die einzelnen Phasen der Katastrophe vor Augen gefiihrt, insbesondere der ScnluBakt des groBen Dramas, welcher sich auf den Schelterhaufen in Erdberg abspielte, wo mehr als 200 Juden beiderlei Geschlechtes ihr Leben fur ihren Glauben aushauchten. Das Buch bietet uns auch eingehende Schilderungen iiber die topografischen Verhåltnisse der Juden in Wien und ihre damalige Verbreitung in Nieder-Oesterreich, berichtet uber die kulturellen Verhåltnisse der dortigen Judenschaft, die inneren Zustande der Gemeinden, die Stellung der Gemeinderabbiner usw., sodaB es uns ein anschauliches Bild uber die Zustande im 15. Jahrhundert liefert, duster ergånzt durch die Schilderung der driickenden Tudensteuern und die vielen, noch driickenderen Beschuldigungen, welche gegen die Juden erhoben wurden. Zum Schlusse wird die Liquidation dargestellt, die bei solehen Anlassen unvermeidlichen Neuchristen, u. die Grundung, bezw. Vermehrung von Judengemeinden seitens der vertriebenen osterreichischen Juden in den benachbarten Låndem, besonders in Ungarn und Måhren, wo die vielen, heute zum Teile bereits eingegangenen kieinen Judengemeinden um Znaim und Iglau ihre Einwohnerschaft den mehrfachen Zuztigen vertriebener Ssterreichischer Juden (zuletzt 1670) verdanken. Dr. Theodor Haas. Die Zionistische Vereinigung fttr Deutschland und der Verlag der JUdischen Rundschau haben in letzter Zeit verschiedene Schriften herausgegeben, die als Orientierungsmaterial ganz auBerordentlichen Wert besitzen. Zu béziehen durch die Adm. d. Bl. Ein ftbersichtliches Bild ttber die Grundfragen des Zionismus gibt Dr. Hermann Lelewer in seiner Schrift „Waswill der Zionismus?" In einer Broschttre von 45 Seiten schitdert er die Entstehung des Zionismus und die Not im Osten und beleuchtet alsdann die Erscheinungen des Antisemitismus und der Assimilation, sowie das VerbSltnis dos Zionismus zum Reli-

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