Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 47 (25.11.1920)
- Date
- 1920-11-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr, 47. mjmmÉås? steller ond Journalist Saloraon- Salrtmn Rappa- P o 11, Mit Ihm Ist eine der rnerkwflrdi«sten PersOnlichkeltcn des zeitgenøssischen jOdischen Schrlfttums dahingegangen. Er wurde 1863 in Witebsk geboren. Seine Eltern waren einfache, strengglåubige Menschen, un der genoB verhåltnismåBig lange keine andere Erziehung als die des Cheders. Erst mit seinem 17. Lebensjahre begann er mit dem Studium fremder Sprachen, gleichzeitig bildetc er sich zum Schlosser aus. Seine literarische Tåtigkeit befeann im Jahre 1883 mit der VerSffentlichung der Novelle „Stiefkinder", die sowohl jiddisch wie russisch erschien. 1905 ist dann eine groflere Sammlung seiner Erzåhlungen erschienen. In den achtziger Jahren schlofl sich An-sky der Bewegung der russischen Volksaufklårer (Narodniki) an und widmete sich ganz dem Untcrricht der Dorflogetid. Spater ausgewiesen, ftthrte er lange Zeit das unståte Leben der Wanderarbeiter, lernte in Kohlcngruben und bei der Holzfållerarbeit »das Leben der untersten Schichten kennen. Seine Erlebnisse in dieser Zeit spiegeln elnige seiner bekanntesten Werke;wteder< In den neunziger Jahren konnte er nach Paris ilbersiedeln, wo er eine Zeitlang als Buchbinder tåtig war. Durch die Bemilhungen Lawrows wurde er spater SekretMr der russischen sozial-revolutionaren Partei und entfaltete eine eifrige politische Tåtigkeit. In Paris lernte er auch die jiidischen Emigratenkreise kennen, deren Leben aui ilm einen tlefen (Eindruck machte. Von diesem Zeitpunkt datiert seine schriftstellerische Tåtigkeit auf jiidischem Qebiet. Nach der Revolution von 1905 konnte An-sky nach Ruflland zurilckkehren, wo er sich schnell einen sehr bekannten Namen schuf. Vor einem Jahre kam er, schoti schwer leidend, nach Warschau. A. W. CECHOSLOVAKEI. Znr Vorkonferenz der tschechoslovakischen Landesorganisation der Hitfaachduth Hapoel-Hazair und Zelre-Zion. An alle, die dem Hapoel-Hazair und den Zeire- Zion nahestehen! Infolge der geringen Unterstutzung die der Prager Gruppe des Hapoel-Hazair zuteil wurde, als sie zur Zeit der Prager Weltkonferenz mit den Chawerim auf dem Lande in Verbindung zu treten suchte, mufite die Prager Gruppe ihre Tåtigkeit auf Prag selbst beschrånken. Es hat sich aber gezeigt. dafl die Entwicklung der auswårtigen Gruppen durch diesen Mangel fast vollig unterbunden wurde. Vor allem hat ihnen jede Verbindung mit dem Merkas in Jaffa und dem Merkas Galuthi in Wien gefehlt. Auch die Verbindung mit der relativ kråitigen Organisation der reichsdeutschen Chawerim hat der Prager Gruppe viel Kraft gegeben, ohne dafl sie bei dem Fehlen emer Landesorganisation hatte weiter w'irken konnen. Um diese Landesorganisation zu scliaffen, bernfen wir flir die Zeit und an den Ort des zionistischen Parteitages fiir die Tschechoslovakei eine Vorkonferenz der tschechoslovakischen Landesorganisation der Hithachguth Hapoel-Hazair und Zeler-Zion ein. Wir bitten, alle uns Nahestehenden, sich diesbeziiglich mit uns In Verbindung zu setzen, vor allem, damit wir ihre Wiinsche beziiglich des Konferenzprogrammes beriicksichtigen kOnnen, welches wir demnåchst verfiffentllchen wollen. Gewisse Arbeiten jedoch, die weit ttber den Rahmen der Ortsgruppe hinausgehen miissen wir noch vor der Vorkonferenz beginnen. Dazu brauchen wir selbstredend Unterstiitzung von aussen. Heute ist die Zusammenfassung der Jungzionistischen Kråfte in der Tschechoslovakischen Republik nStiger denn je. Soli der kommende Parteitag nicht ein Abbild der Londoner Jahreskonferenz sein, die ja kein Zufall war, dann miissen die Jungzionistischen KrSfte dort bereits entschlossen autreten konnen. Zu diesem Zwecke miifl die Prager Gruppe, die heute wohl das natiirliche Zentrum darstellt und infolge der Innenarbeit eines halben Jahres auch iiber wertvolle Kråfte verfiigt, wissen, dafl sie nicht allein steht. Darum tretet mit uns in Verbindung und saget euere Teilnahme an der Vorkonferenz zu. Unsere Adresse ist, Prag Ru2ova 24. — Fiir den Waad des Prager Hapoel-Hazair: Dr. Oskar Epstein, Jizchak Moscheh Schreibmann. Wahleii in Karpatboruflland. Das autonome KarpathoruBland, in dem bisher politisch ein voliiger Ausnahmszustand herrschte, hat an den Wahien in der Cechoslovakei kéineu Aoteil nehmen kunnen. Ntmmehr sollen auch in dtøtøffl de* biet die Wahien ausgeschrieben werden, und zwar sowohl die Parlamentswahlen als auch die fiir den autonomen Landtag, welchen diese Provinz erhalten soli. KarpathoruBland weist eine derart dichte jildische Bevolkerung auf, dafl es dieser bei einigem Vorgehen leicht gelingen kånnte, je einen jiidischen Kandidaten in Parlament und Senat nach Prag zu entsenden und mehrere Sitze im selbståndigen Landtage zu erobern. Die nåheren Bestimmungen fiir die Wahien und ebenso die Festsetzung des Zeitpunktes diirfte ehestens erfolgen. Auch steht noch nicht fest, ob die Wahien ins Parlament auf direktem Wege oder aber durch Wahlmånner stattfinden sollen. Wie herelts gemeldet, haben die „Vereinigten jiidischen Parteien" in der Cechoslovakei beschlossen, in Karpathorufliand eigene Kandidaturen aufzustellen, und es ist ihnen gelungen, die jiidische Bevolkerung dieser Provinz fiir ihr Programm zu gewinnen. Die Behorden dieses bishér durchaus diktatorisch verwalteten Gebietes stehen ilbrigens der Aufstellung eigener jiidischer Kandidaturen sympathisch gegeniiber und eine elgene jiidische Volkspolitik wfire ein zweifelloser Gewinn fiir das ganze Land, wo die verelendete und vielfach analphebetische ruthenische Bevolkerung leicht den hetzerischen Einfliissen magyarischer Agitatoren zu erliegen droht. Eln neuer zionistischer Distrikt in KarpathoruBland. In Munka£evo fand am 31. Oktober eine Konferenz der Delegierten einzelner zionistischer und misrachistischer Ortsgruppen unter der Leitung des zionistischen Zentralkomitees statt. Die Konferenz griindete in KarpathoruBland einen neuen Distrikt mit dem Sitze in MunkaSevo. Als Pråsidenten wurden Gg. Guttmann und Dr. A. Spiegel gewåhlt. Vom Z. K. waren anwesend Dr. Ferbstein, Sekretår Langer; vom Nationalfond: Sekr. Kafka, Sekr. Miiller aus Bratislava vertrat den „Misrachi“. Die Tagung nahm einen sehr wiirdigen Verlauf und wurde zum Teile hebråisch gefiihrt. Bezeichnend ist, daB der neue Distrikt als Verhandlungssprache nur die hebråische und jiddische in seinen Statuten festgesetzt hat. Das hebråische Schulwesen in der Cechoslovakei. In der Stadt MunkaCevo, KarpathoruBland, wurde vom dortigen zionistischen Verein „Hatechia** eine hebråische Volksschule eroffnet, die sich einer groBen Beliebtheit der dortigen Judenheit erfreut. Die Regierung erteilte der Schule das Oeffentlichkeitsrecht, brachte sie in einem elgenen Schulgebåude unter und wird sie auch finanziell untersttitzen. Minister Beneg zu den Ausscbreltungen In Prag. Aus Prag wird unterm 17. Novembre der Jiid. r*reBzentrale Ziirich telegraphiert: Gelegentlich der deutschfeindlichen Demonstrationen war Prag am Dienstag auch der Schauplatz pogromartiger, antisemitischer Ausschreitungen. Die Menge, darunter auch Legionåre, drang in das altehrwtirdige Prager jiidische Rathaus ein, demolierte die Einrichtung, zerstorte Archive und Matriken, war! die zerstreuten Papiere und Akten auf die StraBe und zerfetzte mehrere Tliorarollen. Die Polizei sah untåtig zu. Auch am Mittwoch wurden jiidische Geschåfte attackiert. Auf Grund sofortiger telephonischer Intervention der „Jiidischen PreBzentrale Ziirich“ bei dem derzeit an den Sitzungen der Volkerbundsversammlung in Genf teilnehmenden Sechoslovakischen AuBenministers, Dr. Bene§, erklårte dieser telephonisch dem Herausgeber der „Jiidischen PreBzentrale Zilrich“, daB ihm bisher noch keine Berichte Qber diese angeblichen Ausschreitungen gegen die Juden in Prag vorlågen. Er kQnne sich auch gar nicht vorstellen, daB es in Prag zu pogromartigen Vorlållen gekom* men sein konnte. Sollte sich jedoch wider Erwarten die Meldung als wahr erweisen, so werde die Regierung zweifelsohrie mit aller Strenge des Gesetzes gegen die Schuldigen vorgehen. Die loyale Gesinnung der eechoslovakischen Regierung gegenuber den Juden brauche, als allgemein bekannt, nicht erst besonders betont zu werden und besitze die Regierung geniigende Machtmittel, um eine Wiederholung soleher Vorfålle, falls sie in de rTat stattgefunden hatten, zu verhindern. Zwelter Deleglerteutag des Volksverbandes der Juden fiir die Slovakel. Die Pråsidialkommission des Volksverbandes der Juden får die Slovakei hat beschlosseo, den sta* tuteomåfligeo Delegiertentag des Volksverbandes der Jøden flir die Stovakel am 7. and 8. Dezember In Piestany abzuhalten. 1. Tag: 1. Eraffnung durch den Pråsidenten. 2. Konstitutierung des Delegfytentages. 3. Rechenschaftsbericht des Sekretariats. 4. Kassabericht. 5. Spezialreferate: a) Politisches Referat, b) Referat uber die Teilnahme des Volksverbandes an der Tåfigkeit der Vereinigten jtidischen Parteien. c) Wirtschaftsliches Referat, d) Schulreferat. e) PreBreferat. f) Soziales und Rechtsschutzreferat. g) Bankreferat. b) Jugendfiirsorge. i) Orthodoxie und Volksverband. }) Vorlage der ergånzten Statuten. 2. Tag: Allgemeine Debatte. Wahl des Pråsidiums und der Pråsidialkommission. Wahl der ståndigen Kommissionen. Beziiglich der Wahl der Delegierten ist an die einzelnen Gemeinden und Ortsgruppen vom Bureau des Volksverbandes eine separate Instruktion ergangen. Die dem Volksverband angeschlossenen Kultusgemeinden und Ortsgruppen sowie auch såmtliche Lokalwahlkomitees der Vereinigten jiidischen Parteien haben das Recbt, den Delegiertentag zu beschickcn. Presse- und Verlagsnotlzen. An jiidischrechtlichen Arbeiten sind in den letzten Wochen folgende Publikationen zu verzeichnen. Im letzten Hefte des Bandes XXXVI (S. 354—461) der Zeitschrift fiir vergleichende Rechtswissenschaft (Verlag von Ferdinand Enke, Stuttgart) veroffentlicht Dr. Marcus Cohn in Basel die Foftsetzung ’seiner monographischen Studie ilber die „Stellvertretung im jiidischen Recht". Dieser vorliegende Abschnitt schlieflt den allgemeinen Teil des Werkes ab. Ferner liegt nun der XXXVII. Band der genannten Zeitschrift abgeschlossen vor, welcher als Festgabe zu Josef Kohiers siebzigsten Geburtstag gedacht Ist und dem ein Bildnis des Jubilaren beigegeben Ist. Von jiid. Seite hat an diesem Festabend Dr. Markus Cohn in Basel mit seiner Studie „Jildisches Waisenrecht mitgewirkt. Am SchluB dieser Abhandlung dankt der Verfasser dem Jubilaren, der . als erster unter den modernen Rechtsforschern das Talmudrecht intensiv in seinen Forschungsberéich gezogen hat und ein gutes Stiick seines arbeitsreichen Lebens dem jiidischen Recht gewidmet bat, fiir die reiche FBrderung, die er der jiidischen Rechtswissenschaft hat zuteil werden lassen. Sodann liegt von Band XXXVIII der nun, nach dem Tode Kohiers, von dessen Schiiler Dr. Leonhard Adam herausgegebenen Zeitschrift das erste und zweite Heft vor, welches neben einem schSnen Nachruf auf Kohier aus der Eeder des jetzigen Herausgebers eine Abhandlung von Dr. Chajim Tschernowitz enthålt ilber die „Neziqinlehre im Talmud“ (aus dem Hebråischen Obersetzt von Dr. M. Traub). Die Interessenten jiidischer Rechtsforschung seien wiederholt auf diese Zeitschrift fur vergleichende Rechtswissenschaft (Preis per Band von drei Heften 60 Mark) hingewiesen. Die P. T. Abnahmør, die mit der Bezehlung des Abonnømentbetrages Im RQekstande slnd> werden um freundllehe Bezahlung deeeelben ersueht, damit In der Zusendung dee Blattes keine Unterbreehung etntrltt. Die Administration. Korrespondenzen. Prag. Die Tåtigkeit fiir den Keren Hajessod hat auch in der Cechoslovakei bereits mit Energie eingesetzt. Demnåchst trifft Kurt Blumenfeld, Mitglied der Abteilung fOr Zentraleuropa des Hauptbilros des Keren Hajessod, in Prag ein, um im Binvernehmen mit den lokalen Sekretariaten die Arbeit mehrere Wochen zu leiten. Krakau. Rabbi Meir Hakohen Rappåport, der Senator der hies. Rabbiner, Vorsitzender des Bes- Din, ist im Alter von 72 Jahren dahingegangen, und mit der verwalsten Qemeinde trauert das gesamte gesetzestreue Judentum um einen Meister der tal-* mudischen Wisseoscbaft, eine Autoritet In der prak-