Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1920-11-18 · Heft 46 (18.11.1920) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 46 (18.11.1920)
Date
1920-11-18
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
82% known words query
IRI
…/2621806-2622069-2622113--4571-2625895
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

mm flmcHk tcbhtotfm Kått,_sMd tor allfsn die dont* «ch«a Cftafotfffl åf érwfllnélf! Sio stecften von den anderen Chalnilm dorch ihr Atfftreten und durch ihre Arbeitswilliskelt ab. Melst bandelt es sich um Studenten, die deutschen Universitaten verlassen haben, um Sleb in Palfistina latkfwtrtSchaftlicher Arbeit zu widmett. In Ihrem Idealismus erinnern sie vieliach an die alten Bitu, sid haben aber noch den Vorzug, daB sie Sich tangere Zeit fn Deutschland fiir die Jandsvirt* schaltiiche Arbeit vorbereitet haben. Elektriflztertiag der patfistioensischen Eisenbahnen. Es herfscht, schreibt nach einer Mitteilung der „Zionistischen Korresponden2" die Zeitschrift „Paléstine'* (London), darflber nur eine Meinung, daB die Zuktmft der palåstinensischenEisenbahnen in iiirer Elektriftølerunjf iiegt. In Palfistina wiegen Arguments gegen die Kohle viel schwerer, well Kohle mit groflen Kosten eingefiihrt werden muø, sodaB, wenn die Elektriftøierung zu elnem mfiBigen Preise durchgefilhrt witrde, die Kohle die Konkurrenz nicht aushielte. Auch Ist das Land so klein, daB eine zentrate Kraftstatfon hatishélterisch und wirksam arbeiten konnte. Eine keltere ErwSgung ist, daB, fails die Eisenbahnen elektrifiziert wlirden und dadurch selbst als groBer Verbraucher auftreten, der grofie Elektrifizierungsplan erleichtert wilrde, der dem Lande Licht, Kraft und Wfirme verschafien soli. Augenblicktich ist der Verbrauch notwendigerweise gering. Die melsten Schienenwege, schreibt das Blatt weiter, selen heute in schr schlechtem Zustande, ebenso das meiste rollende Material. Die Mittel zu einer durchgreifenden Verbesserung kdnne erst der Ertrag der Arbeit schaffen, die daher ttberaus notwendig sei. * D|e Palfistlna-Anleihe. Die Palfistlna-Anleihe wird im Jfinner 1921 in Amerika und England aufgelegt werden. Der ZinsfuB wird 7 Prozent betragen gegen den heute iiblichen Satz von 10 Prozent. Der Ertrag wird zum Ausbau der Verkehrsanlagen in Palæstina verwendet werden. AMERIKA* Mafito'alnnéitgeéfefl 'Jttdfcaverfolgangen, In Amerika werden erneut Anstrengungen unternommen, ura doch die amerikanische Regierung zu bewegen, MaBregeln gegen die unerhflrten Drangsallerungen der Juden in Østeuropa zu ergreifen. GroBe Demonstrationsversammlungen in New York werden geplant. Dr. Bichler, Prfisident .des Verbandes der ungarischen Juden, verweist in einer offentlichen Erklfirung darauf, daB selbst die grSBten Protestversammlungen wirkungslos geblieben sind, wcshalb er vorschiagt, daB eine Delegation von 50.000 Juden vor dem Weiflen Hause in Washington demonstrieren soli. .Schon der allgemeinen menschlichen Zivilisation wegen mOBte sich die amerikanische Regierung *der Sache annehmen. Bichler verlangt die Organisierung aller Landsmannschafteu unter der Aegide des jildischen Kongresses. Auch der „Perez“-Schriftstellerverien hat eine Konferenz in dieser Angelegenheit einberufen, die von mehr als 300 Delegiérten verschiedener Kdrperschaftpn beschickt war. Sie beschjoø vor allenr, mqhr Aufmerksamjceit. der nichtjudischen Presse Amerikas" zu schenken.’ Die iildischén Journalisten mttBten diese genauestens iiber die entsetzliche Lage der .Juden informieren und erwirken, daB sie der christllchen Bevolkerung in haufigen Artikeln darilber Aufkiarung gebe. Mann solle auch mit allen groflen Arbeiterorganisationen in Verbindung treten, darait diese. gegen die Judenmetzelcien Stel-, lung nehmen. Das amerikanische Hilfskomitee fiir die Orthodoxie. Im Auftrage der orthodoxen Landeskanzlei hat Jtøfcikteur Bettelheim fur das amerikanische Hilfskomitee em Memorandum fiber die Lage der orthodoxen Rabbiner der Slovakéi sowie der Jeschiwos verfaBt, worin besonders a<tf die ungerechte Behandlung der orthodoxen Rabbiner und der Jeschiwos seitens des Joint-Komitees in PreBburg hingewiesen wurde. Mr. Morris Engelmann bat dieses Memorandum personlich stark beffirwortet und teilt uøs nun aus New York mit, daB an die orthodoxe Landeskanzlei •Mfi *.,*V wWWMit TOUgittMMr ein Chek von 400.000 ftchisctø Kronen ffir die orthodoxen Rabbiner tmd diejeschiwos abge» gangen sei. So erfreulich dieser Ufflstand auch fur die Orthodoxie sowohl in materieller, als auch in moralischer Hinsicht ist, muB darauf hingewiesen werden, daB diese Zuwéndung nur eine unzureichende Entsclrådigung, fiir die jahrelange Vernachtøssigung der Ormodoxie in der Slovakei bedeutet, die schon seiiierzeit, als das amerikanische Hilfsgeld in Budapest zentralisiert war, sehr schlecht weggekommen ist, aber gar von dem seit zwei Jahren in PreBburg wirkenden Komitee in der unveratftwortlichsten Weise iibergangen worden ist. Diese Spende enthebt das PreBburger Joint-Komitee aurebaus nicht der Pfliéht, in Hinkunft den notleidenden Rabbinerfamilien und Jeschibot ihre Aufmerksam* keit besser zuzuwenden, sondern soll eher ein Memento fiir eine fernere, gerechtere Verteilung sein. Hilfsaktlon fiir die ukralnlschett Juden. In London fand eine Konferenz der groflen iUdischen KOrperschaften statt, um zu der fUr die Ukraine zu unternehmenden Hilfsaktion Stellung zu neljmen. Der Verband der ukrainktchen Juden wurde zu einer groflen permanenten Hllfsorganisation umgeformt, welche unter der Patronanz des GroBrabbiners Dr. Hertz als EhrenprSsidenten und Sir Stuart Samuel als Ehrenvizeprasidenten ihre Tatigkeit entwickeln wird. Die Konferenz, welche drei Tage hindurch tagte, beschloB unter anderem ein Schwarzbueh iiber die in der Ukraine an den Juden vertibten Greuel herauszugebe.n, ' ENGLAND. Staatslåndereien fur die judische Kolonisation in Palastina. London, 10. Nov. (Jewish Corr. Bur.) Zufolge einer Mitteilung des Dr. Weitzmann auf einer zionistischen Versanimlung steht die Uebergabe einer Million Dunam Bodens seitens der Regierung fur judische Koionisations- Zwecke unmittelbar bevor. Die Urbarmachung des BOdéns soli ungefåhf 3^iillionén Pfund kosten und bei gendgénd vorråtigen Kapiialien wurde die Regierung bereit sein, noch etwa zwei Millionen Dunam Bodens der jtidischen Kolonisation zur Verfiigung zu stellen. Prof. Weitzmann fuhrte weiters aiis, daB bei diesen Arbeiten wie auch bei denén der Irrigation und Wasserversorgung und béim Håuserbau schon im ersten Jahre 30.000 Juden Beschåftigung finden konnen. Chiefrabbi Dr. Hertz. Am 6. Oktober fand in London unter Vorsitz von Lionel Rothschild das Abschiedsbankett fiir den Chiefrabbi Dr. Hertz statt, der sich auf eine Reise, die langer als ein Jahr dauern soli, nach den verschiedenen englischen Kolonien begibt, um einen engeren Kontakt zwischen der aortigen und der englischen Judenheit herzustellen. Reden wurden u. a. gehalten vom Kolonialminister Lord Miliner, Lord Rea« ding, Dr. Gaster und Prof. Weizmann. RUSSLAND. Pogrom in ’Minsk. Nach in Warschau eingetroffenen Meldungen veranstalteten in Minsk bolschewistische Truppen einen Pogrom und plunderten hierbei eine groBe Anzahl jfldischer Laden und Privatwohnungen vollkommen aus. Anerkennung der zionist. Organisation. General Wrångel hat die zionistische Organisation in der Krim anerkannt und Befehl gegeben, den Auswanderern nach Palastina alle Erleichterungen zu gewåhreri. UNGARN. Pltinderungen von Wohnungen und Laden. Die „N. Z. l“, deren Budapester Korrespondent vor einiger Zéit den> Antisemitismus in Ungarn „begreiflich" zu machen versucht, bringt folgende Meldung. Sarospatak, im Oktober. Ein aus 75 Mann beshehendef Truppcottil der btrklk%tm» 8eii- . derabteilung Hefltt ist am vemngeøtn Frtfø« hi unsere stadt efdgn^gea. pk Soldatfn stenten ein Verzeichnis aHer in der Stadt anetes^mt Juden auf, und in der folgenden Nacht wuraen die Wohnungen und Uden sftmtiidier Juden erbrochén und ausgeplilnderi Seither ist die Stadt allabendlich in der grdBten Aufregung, da die Soldatén ihre Raubztige Nacht ffir Nacht wiederholen und die Bflrger (zum grbBten Teil Juden), deren Wohnungen sie pltindem, entsetzlichen Folterungen unterwenen. CECHOSLOVAKEI. Orfindttng einer jdd. Kolonialhank. Einem von Dr. Singer vertretenen Grtindungskomitee wurde vom Innenministerium das Recht zur Errichtung einer AktiengeseUschaft erteilt, die den Zweck haben soli, volkswirtschaftliche Interessen der Industrie, des Han* dels und Gewerbes, sowie der Landwirtscbaft zu fbrdern. Diese „Kolonialbank A.*G.“ soli vor allem das dkonomische Interesse der slovakischen Judenheit wahren, muB jedoch aus verschiedenen technischen Grunden ihren Sitz nicht in Bratislava, sondern in Prag haben. Korrespondsnzen. New Votk. (Dr. J. S. Bloch’s 70. Oeburls. tag.) Fem der Heimat, im Trubel der Millionenstadt New York begeht Dr. Joseph S. B l p c h am 20. November 1. J. Seinen 70. Geburistag. Und dieser Tag kann nicht vorubergehen, ohne daB der judische. Chronist auf das Wi^en* dieses Mannes hinweise, dessen gaiizes Lloét - dem Kampf fiir die judische Sache gewidmet war. In seinem Tun und Wesen spiegelt sich ein: Abschnitt jiidischer Geschichte in Oesterreich wieder und das judische Volk wird seinem aulrechten Sohne den Dank zollen, den sein redliches Miihen verdient. Es liegt eine gewjsse Tragik, wie sie wenigen Fiihrém erspart bleibt, In aem Umstande, daB die jungere Generation die Bedeutung B1 o c h s nicht zu wurdigen vermag, daB oberflåchliche Kritik ihm jedes Vérståridnis fiir die Erneuerung unseres Votices im nationalen Sinne abspricht. Da geschiebt dem verdienten Manne, der sein Volk gliihend liebt, der ihm mit Hingabe gedient hat, bitteres Unrecht. In all den Jahren konnte man an der Hånd seirier Veroffentlichungen Bekenntnisse treuer Zionsliebe feststellen und wenn er auch der zionistischen Partei nicht angehort, sei. doch die Behauptung gewagt, daB Dr. Bloch ein guter Nationaljude ist. Moge es ihm vergdnnt sein, noch viele jahre fur sein Volk zu wirken! _ AnlåBlich der Geburtstagsfeier hat Herr Dr. Leon Kolb eine glånzend ausgestattete, illustrierte Festnummer der „Wochenschrift" herausgegeben, deren zahlreiche Beitråge dem Jubilar gewidmet sind. Dr. Kolb leitet die Nummer mit einem trefflichen Vorwort ein, Rabbiner Dr. Max G r u n w a 1 d liefert ein liebevoll gezeichnetes Lebensbild, in dem der Weg des armen Talmudjungers zu den Queljen des Wissens, seine Rabbinatszeit, der erfolgreiché Kampf gegen den Judenfeind Rohling, seine Tåtigkeit im Parlament und als Herausgeber der „Oesterreichischen Wochenschrift" gescbfldert werden. Die Grunwaldsche Arbeit ist éin kleines Meisterstuck der Essayistik. Dr. Sånuel R a p p a p o r t (Båden bei Wien) behandelt tremich „Dr. Bloch als Abgeordneter“, Prof. Dr, Samuel K r a u s schreibt „Pr. B l o jc h fiber die Entstehung des Talmud^, sein Wirken als Journalist wfirdigt Prof. Dr. Heinrich L 6 w e (Berlin), wåhrend Oberrabbiner W. Reich (Baden) „Persdnliche Erinnerungen an Doktor B1 o c b“ verbffentlicht. AuBeraem sind Prof. Dr. J. M, Klimont, Prof; Dr. Hennann Strack (Berlin), Clothilde Benedikt und Dr. Heinrich S c b r e i b e r init Beitrégen vertreten. Bildnisse und zeitgendssische Karrikaturen vervollståndigen die gelungene Féstnummer, um deren Herausgabé sich Dr. Bloch’s langjåbriger treuer Mitarbeiter Herr Max S c h w a ger verdient gemacht hat. Wie wir erfahren, befmdet sp» ff«rr Dr, BI o c h in einer humanitihen Angelegenheit zu Gunsten der ostjfidischen Kriegsojrtw' derzeit in New York, 629 West 13t Stwet

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.