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Jüdische Volksstimme · 1920-11-18 · Heft 46 (18.11.1920) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 46 (18.11.1920)
Date
1920-11-18
Page
– (sequence 4)
Language
German
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tø« Dfcii^iaiKi vttbrtittte, hatten 2« ztH MoliRehralkiR dir EffiklttlVfi einen viel tieren Etagrøg in Oeist und Gemfit mi CXeKliuVB der deutschen jaden gefunden. als der franzfefsehen. Und wenn man die grofien Schriftsteller, die der Revolution vorangegangen sind, alsdit geistisren Urheber derselben ansieht, so haben etat diese Schriftsteiler gewiB nirgends eine so ausgebreitete und folgenreiche Wirkung ftervorgebracht, wie unter den irrtel« ligenten Juden Deutschlands. Mit Ausnahme Mendelssohns*) hat vielleicht kein Schriftsteiler eine so jltøende Begeisterung gefunden, als Jean Jaques Rousseau. Selbst die den Juden 2ugewendete Toleranz Leasings, selbst die Humanitfit Herders wirkte nicht so tief und eindringlich auf die Oemfiter der Juden, wie die Verkfindigungen und die Ideen Rousseau’s von dem angeborenen und unveråuBerlichen Rechte all er Menschen, also auch der Juden. Und dieser Apostel des allgemeinen Menschenrechtes und aer unnehmbaren Menschenwfirde sprach mit solch* wehmutsvoller Wårme der Ueberzeugung und der Begeisterung før sein Ideal und des Unwillens fiber die Wirklichkeit, daB seine Worte ein lang nachhallendes Echo in den Herzen Derer finden muBten, die so lange vergebens nach Menschenduldung und Menscnenrecht schmachteten. J. J. Rousseau, dieser unglfickliche und doch eines besseren Olfickes wfirdigé Mann, der aber gerade dadurch gelemt hatte, wie dem Bedrångten zu Mute sei, er, der so sehnlichst wfinschte, daB alles um ihn her frei atmen mdchte, weil er selbst so gerne fiberall frei geatmet hatte, apostrophiert im 3. Teil seines „Emir seine cnristlicheh Mitbfirger mit fedgenden Worten: „Haben die Christen sich auch wohl Mfihe genug gégeben, das Judentum recht kennen zu lernen? was einige davon wissen, wissen sie aus den Bfichem der Christen, eine schdne Art sich von den Orfinden der Oegner zu unterrichteh! Diejenigen unter uns, die im Stande sind, mit Juden umzugehen, sind deswegen nicht viel weiter gekommen. Diese Unglfiddichen sehen sich unserer Willkfihr fiberlassen, was werden sie sagen dfirfen, ohne sich der Gefahr auszusétzra^aaB wir fiber Oqtteslåsterung schreien? EHe^Habsucht gibt riianchem unter uns auch Elfer wider sie ein und sie — sind zp reich, als daB sie nicht Unrecht bei uns haben soilten"... „Ich werde“, ffigt Rousseau hinzu, ,^nie glaubén, daB ich die Grfinde dér Juden recht geh&rt håbe, solange sie noch keiné Schulen, keine Universitåfen, keinen freien Stat haben, wo sie ohne Gefahr reden k&nnen. Alsdann werden wir erst eigentlich wissen, was sie zu sagen haben." Diesé Worte Rousseaus, die heute wieder* um so recht aktuelt geworden, und aus denen man den edlen Zorn des freien Mannes, der das Recht und die Ehre seiner Mitbrfider nicht verkfimmem lassen will, vemehmen kann, fibten eine machtige Wirkung auf die deutschen Juden der dåmaligen Zeit aus. Dorh auch seine Abhandlung „fiber die Unerleichheit ~ der Menschen", sein „contrat social" und seine „confessions" wurden von ihnen mit wahrer Leidenschaft gelesen; ja viele iunge Månner lernten aus dér Lektfire dieser Werke, ohne fremde Hil fe franz&sisch, wie sie frfiher aus den Werken Mendelssohns deutsch gelernt hatten. So wurde Rousseau der Abgott vornehmlich dér jfidischen Jugend und Manner, deren erste Jugendbildung in jene Epoche fiel, hingen noch lange mit einer gewissén schwårmerischen Vorliebe an der franz&sischen Literatur, insbesondere aber an dem „Genfer Bfirger", empfapden ja die Juden in Deutschland von jeher das Bedfirfnis einer Reformation der Sitten, des Lebens, und der Regierung, wie sie Rousseau besonders in seiner „neuen Heloise" mit hinrei- Bender Beredsamkeit und aus voller und inniger Ueberzeugung gefordert hatte. dsr JOd. Welthilftkonføranz. Das Exekutiv-Komitee der jfid. Welthilfskonferenz richtete an die jfid. Hiltøorganisation folgenden Zirkularbrief: Die jud. WelthiMonferenz in Karlsbad hat im BewuBtsein der grofien Aufgaben, die dem jud. Hilfswerke jetzt bevorstehen, dem von ihr gewåhlten Zentralrat die Verpflichtung auferlegt, nach jeder Richtung hin aUe erforderlichen Schritte zu unternehmen, um die Arbeit der jfid. Hilfsorganisationen zugunsten der Millionen von Juden, welche in Østeuropa leiden, zu vereinigen und zu koordinieren. Es handelt sich dårum, in das gesamte Hilfswerk Einheitlichkeit und System zu bringen, wåhrend heute noch infolge der Abgetrenntheit und Spaltung zwischen den verschiedenen Organisationen auf dem Oebiete der Hilfståtigkeit fur die vom Kriege und den Pogromen betroffenen Juden im?ew. Sinne ein chaotischer Zustand herrscht. >ie Konferenz hat die jfid. Hilfsarbeit als eine allgemeine Angelegenheit des ganzen Volkes betrachtet, die durch die vereinigten Kråfte des ganzen Volkes zu teisten ist, und hat es ffir dringend erachtet, daB die Mauer verschwinden soli, die heute noch den Teil des Volkes, der fåhig ist, Hilfe zu bringen, von dem Teile, der die Hilfe braucht, trennt. Um aber eine Einheitlichkeit zu erreichen und die ganze Hilfsarbeit auf planmåBige Grundlagen zu stellen, ist es vor allem notwendig, daB die verschiedensten Hilfsorganisationen in ståndiger und lébendiger Verbindung mit dem von der Karlsbader Konferenz gewåhlten Zentralhilfsorgan und durch seine Vermittlung auch unteremander sich befinden sollen. Die Hilfszentralc soli sich zu diesem Zentralsammelpunkt entwickeln, wohin alle Informationen und Nachrichten fiber die Hilfsarbeit geleistet werden, damit auf diese Weise ein Spezialorgan ffir die Verwertung des ganzen Materials entstehen soli, durch dessen Vermittlung die Erfahrungen und Arbeitsmethoden der einzelnep OrganisatioHÉSI auch den, anderen zu Giite kommen werden. Deswegen bitten wir Sie, uns sobald als indglich allé Materialien zuzuschicken, sowohl veroffentlichte als auch unverdffentlichte, die sich auf vergangene Tåtigkeit Ihrer Organisation seit ihrer Entstehung bis zum heutigen Tage beziehen (Aufrufe, Plakate, Rechenschaftsberichte, Photographien, Broschuren, tisw.), sowie genau Mitteilungen fiber den gégénwårtigen Zustand der Hilfstatigfteit in ihrera Orte im allgemeinen unter besonderer Berucksichtigung ihrer Organisation. Wir hoffen zuversichtlich, daB Sie unserer Aufforderung nachkommen werden. Die Exekutive der jfid. Welthilfsorganisation tritt an ihre Arbeit in einer ffir das ganze jfid. Volk schweren und finsteren Zeit heran. Zu den alten Leiden und Verfolgungen sind in der allerletzten Zeit neue hinzugékommen: die Zerstdrung des wirtschaftlichen Lebens des jfid. Volkes in Polen, die durch den polnisch-russischen Krieg .hervorgérufen wurde, und die Folgen, die sie ffir die jfid. Massen in den betreffenden Gegenden gehabt hat, die neue Reihe von Pogromen in Ostgalizien usw. Wie noch niemals zuvor, ist jetzt eine vereinigte Anstrengung alter lebendigen jfid. Kråfte notwendig, um das jfid. Volk wenigstens vor dem phvsischen Untergange und dem geistigen Niedergang zu retten. Die Exekutive ist sich dessen bewuBt, welche groBe Verpflichtungen die Zeit und die Umstånde ihr auferlegen, sie ist aber davon fiberzeugt, daB alle jfid. Hilfsorganisationen ihr helfen werden, ihre wichtigen Aufgaben zum Wohl des jfid. Volkes durchzuffihren. Das Exekutivkomitee bitlet die jfid. Hilfs- Aofnrfl JMktki MHMrgRl Dieser Brief ist eine Bittachrift wie so viele anders, aber er darf nicht ungelesen in den Papierkorb wandern. Eure Ohren dfirfen sich m* serer Bitte nicht verschlieBen. Arme Studenten, Landsleute, wenden sich an Euch. Arme jfidische Studenten, die lemen wollen, denen aber nicht die Mittel zur Verffiastehen ffir das tågliche Brot und ffir ein eidenea Obdach. - Schon daa zweite Jahr wandern wir in der Fremde herum, um Lebens- und Studienmdglichkeiten zu suchen. Von einem Lande ins andere haben wir uns vor dem wilden Antisemitismus geflfichtet und endlich hier die Ståtte gefunden, wo wir unsere Studien fortsetzen konn* ten, wenn wir nicht von den Sorgen der Not gepeinigt werden wfirden. Der Winter steht vor der Tfir, zu der Not des Essens und des Wohnens hat sich noch die Angst vor der Kålte gesellt. ~ Wohl bemhen sich die jfidischen Studenvereine, uns in unserer traurigen Lage zu helfen, aber der Unterstfitzungsverein ffir mittellose jfidische Techniker ist finanziell zu schwacn, das bestehende Technikerheim zu klein und die Mensa academica judaica hat zu viel Studenten zu verpflegen, um uns allen helfen zu k&nnen. Die einlaufenden Spenden aus Måhren und Schlesien reichen kaum hin, die heimischen Studenten vor Not und Sorge zu schfitzen, auf die Spenden der amerikanischen Juden warten zu viele von uns, damit jeder beteilt werden kfinnte. , In dieser Notlage wenden wir uns an Euch, jfidische Mitbfirger! Ihr menschlich ffihlenden Juden aus der Slowakei und Ungarn, helfet uns in unserer Not, auch wir wollen Menschen werden, die einmal verzweifélten Juden helfen k&nnen. Schicket uns reidfliChe Spenden; Ihr tut ein gutes Werk! Ffir den AusschuB des Unterstfitzungsvereines ffir mittellose jfidische Techniker in Brtinn (Hilfsaktion ffir Studenten aus der Slovakei und Ungam)*r Arthur Steinhauer, Brfinn; Ernst Fuchs, Brfinn; Max Singer, Neutra; Abraham Propper, Ungvar; Ladisl. Aner, Budapest; Markus Weinfeld, Direktør, PreBburg, Letter der Aktion. Ffir das Kuratorium der Mensa academica Judaica, Brfinn: Sami Beran, Fabrikant, Pråsident der israelit. Kultusgemeinde in Brfinn: Dr. Ludwig Levy, Rabbiner, Brfinn; Dr. Arthur. Feldmann, Advokat, Stadtrat der Gemeinde Brfinn; Siegfried Blumenthal, Direktør der Måhr. Eskomptebank, Mitglied des Vorstandes der israel. Kultusgemeinde Brfinn. •) Metidelssohn hatte Rousseaus Abhandlung „Von dem Ursprung der Ungléichheit unter dm Menschen" beretts im Jahre 1756 ins Deutsche fibersetzt (vgl. „M. Mendessohn" von Kayserling S. 57 ff.), Rundschau. PALXSTINA. Hebrfilsche Termlnologie fUr dl© RecUswIsesiiseliaii. Die Leitunsr der in Palftstina von der Regierung eroffneten Kurse fUr Rechtswissenseliaft wandte sich. wie die „Zionistische Korrespondenzu meldei, an den Halaschon mit der Bitte, eine Kommission zur Ausarbeitung einer hebrfiischen Terminologie fttr die Rechtswissenschaft zu ernennen. Vpm Waad Halaorcranisationen die bisher mit ibm noch nicht in sebon sind darauf In die Kommission gewiblt worden Verkelir getreten sind, ihm ihre Adressen mitteilen zu wollen. Man bittet die Kprrespondenzen an: Comi- *4 Exé cutif de la Conférence Universelle Juive de secours, Paris, 10 Ptaee Edouard VII richten zu wollen. gez. Motzkin (Vors.) und Dr. Salkind (General- 8dcretår), dfe Herren Ben Jehuda, E. M. Ufscbitz und Dr. Aron Masie; aufierdem wird noch eln Rabbiner zugezogen werden. Dstttsekt Ckaliiste Is Palistlna. Wie der „Haarez" laut „Zionistischer Korrespondeoz“ meldet. langten in Jaffa wledenun zwei j Sebiife des Lloyd Trlesttøo mit Cbahisim an. Unter

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