Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 44 (4.11.1920)
- Date
- 1920-11-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Thoraer Rabbiner Hit»ch (Zwf) Kaibefar* der drøft seine geiatvoile. „Untersuchang fiber ifidiscfce Phllo* aophie oder Dogmatik des Judeniams"« ebenso vie dttrch seine rastlose Wirksamkeit far die Neukolonisaiion Palfiatinas berfiftmt gewordea (st. Der Jubilar empfing seine Schutbildung in Breslau, wo er auch, den Traditionen selner Familie folgend, am dortigen Rabbinerseminar Theologie studierte. Seit 1870 lebt er in Berlin, wo er seit 1876 an der dama-. Hgen Qewerbeakademie, der heutigen Technischen Hochschule zu Charlottenburg, lehrte. Mannigfach sind die Auigabew und Wirkungsgebiete, denen Professor Kalischer im jfidischen Leben seine Mitarbeit. gewidmethat. Er gehiirt der Verwaltung der hiesigen ifidlschen Qemeinde seti fast 25 Jahren an, zuerst als Mitglred des Talmud-Thora-Vorstandes, von 1905 bis 1920 auch als Reprfisentant. Als Hauptaafgabe betrachtet der greise Jubilar seln Amt als Vorsitzender des Deutsch-Israelitlschen Oemeindebufldes, dessen Leltung er 1912 als Nachfolger Phllippsons Ubernahm. Er hat sich um den Deutschfsraelitischen Gemenidebund groBe Verdienste erworben. Der Deutsch-Israetitische Qemelndebund ehrte seinen Vorsitzenden an seinem Qeburtstage durch Abordnung einer Deputation. Auch die andereti Kdrperschaften, denen der iugendfrlsche Jubilar angeh&rt, widmeten ihrem verdiensten Mitgliede zahlreiche Ehrungen an diesem Tage. -Wien. (Helfet den ifidischen Blinde n.) Der Hilfsverein der ifidischen Krlegs- und Zivllblinden wendet sich mit nachstehendeni Aufruf an die ifldische Oeffentlichkeit: Der grofien Not der jfidischen Kriegs- und Zivilblinden konnte nur durch Grtindung einer Produktivgenossenschaft flir blinde Handwerker (BUrstenmacher und Korbflechter) und dutch die Schaffurig einer Heimstfitte ftir erwerbsunf&hlge und krankeBlinde einigermaBen gesteuert werden. Um die génannten Institutionen i ns Leben zu rufen, bedarf es derzeit grQBerer Geldmittel Im Namen dér Aermstén der Armeh bitten wir alle edéldenkenden Menschen, uns bel der Durchffihrung der Aktion nach Krfiften ztf unterstfltzen. Gfitige Spenden magen an die GesGhftftssielle des Vereines, A. Rosenborg, Wien, fifordbergstraBe 12, gerichtet werden. Wien« Der „Wiener Frauenverein zum Schutze armer, vprlassener Kinder*4, ,lr0her „flltzinger Frauenverein44, hat wieder elnen schmerzlichen Verlust erlitten. Frau Josefine K 6 n i g, geb. Bachrach ist nach kurzem, schweren Leiden ins Jenseits abbérufen worden. Seit Grfindung des Frauenvereines gehorte dicse grundgtitige und edle Dame dem Vorstande an Und mit Wfirme und Eifer versah sie die Pflichten der Schfitzerin armer, verlassener Kinder. Ihrc Gebcfreudigkeit war stets groB, nle war sie mfide, die Kinder und die Pfiegeparteien zu besuchen und von jedem Kinderbesuch kam sie voll der Eindrticke zurfick und .sorgte und kfimmerte sich um jede Klelnigkeit. Alles im Leben der Kinder war ihr wichtig. Es war eine fromme, reine und innjge Seele, die von uns gegangen. Der „Wiener Frauenverein zum »Schutze armer, verlassener Kinder** trauert tie! um Josefine Konig. lhrer Leichenfeier wohnten fast alle Damen des Vorstandes bel und der ehrwlirdige Herr Rabbiner Dr. Taglicht beklagte In bewegten Worten den Heimgang der Guten. Brfinnar Maehrlehten, Jfidiscbe Frauenorganfsatlon, Brtitut. (Spende.) Als Sammelergebnis bel der Hochzeit Feldmann-ReiB, Briinn, 235 K ftir die Wfirmestube. Schule ifir hebrfilsche Sprache utidi jfidteches Wtssen (Volksschulé Salzamtsgasse, 2. Stock). Der Stundenplan ftir die Lehrgfinge aus hebråischer Sprache und ifidischer Geschlchte. wurden wie folgt. festgesetzt*. Hebrfiische Sprache ffir Kinder: Dienstag und Donnerstag von haib 6 bis halb 7 Uhr. Ftir Erwachsene, und zwar: a) Anffinger Montag und Donnerstag von halb 7 bis halb 8 Uhr; b) filr Vorgeschrittene Montag von halb 6 bis halb 7 Uhr und Dienstag von halb 7 bis halb 8 Uhr „Oeschichte der Judenifl der Npuøeit" (Professor Dr. Grflnfeld) Samstag von 6 bis halb 8 Uhr. Der Eintritt neuer Dorer zu diesen Lehrgfingen ist noch bis 15. November mdglicb. Jfid. NaLiFond^Komtatosioti. (Spendenausweis.) BUchseu: Buxbaum Kranen 33.06, O. Flowaty 10, H. Seidier 3,T.Braun 3.82, Wolfer (Miargaretenhof) l'4.92, Karl Flok 10, Jtid. Frauenorganisation 27.64, Jlld. Velksrat I3.7tk Sebindeltaans fiO, Dr. O. Keton IM, A. Unger 1.90, L. Poffek 3, GroB 5.12, F. Vogl 2, M. Tragatsch 12.50, Ing. Spitz 1.92, S. Ripper 8.20, Anny Halm 8.66, Bock 1.60, O. Eger 6.98, E. Deutsch 1.20» Hugo Berger 6.70, Beck 1.26, J. Laufer 4, Ing. Singer 5, E. Neumark 54.31, R. Ldwy 10, L. Fischgrund 10.02, L. Rotter 5.60. — Selbstbesteuer un gi S. HicftI 20* P. Blinder 14, V. Zaitschek 6. — Alige m eine S pen den: Kléinberger 20, H. Wertheimer 10, Unger «5c Strebinger 50, A. Zeisel (ifir Marken) 60, Prof. Dr. Donath 5, BaUasch (ffir Wohnangavetmietutig) 20, Rudolf Hofmann zum Andenken an die verstorbene Mutter Katharine Hofmann 300, Sammlung atti. Hochzeit Mfihrischl-Langer: Julius Gruber, Franz Mfihrischi, Sophie Langer, Robert Pladek, Bruno Flatter, Alfred Juh å 100, Karl Kohny Hugo Mfihrischi å 30, Lanyi Jano 40, Annie Ultmann 20, Alfred Barber 10. — Materlalieh: 40 Kronen. — Die JUd. Nat.-Fonds-Kommission befindet sich KoliSté 57 (Jfid. Volksrat). Erbpacbtsystem Im ffidlscheit Nationalfonds. Der rfihrige Verein „Theodor Herzi*4 veranstaltete Sohrttag einén Vortragsabend, bei dem Herr Dr. D 12 e, der Sekretfir des Jfidischen Nationalfonds fiber obiges Thema sprach. Der Referent ftlhrte følgendes aus: Nur die Losldsung vom Grund und Boden, hat den Juden zum Wandervolke gemacht und diese jildische Wanderung, die sich als eine natfirliche Notwendigkeit der verzweifelten Situation der Juden, besonders der des Ostens darstellt und mit ihr die grofie ffidische Not kdnnen wir in einem Uebergang zur Agrarkolonisation in Palfistina ihren Ausweg findeti. Paifistina muB ffir utid durch die Juden kolonisiert werdetl. Zur Durchffihrung dieser sehr schweren Kunst der Kolonisierung wurde der Jiidische Nationalfonds ins Leben gerufen. Seiner Bestimmung genifiB hat er In Palfistina und in den Nachbargebieten Grund und Boden als Gemeineigentum des gesammten jfidischen Volkes zu erwerben und ihn den ifidischen Ansiedlern in Erbpacht zu iiberlassen. Durch dieses Erbpachtssystem, bei welchem man das Grundstuck dem Ansiedler ffir eine lfingére Zeit (auch bis zu ca. 100 Jahren) in NutznieBung gegen eine mfiBige Jaliresleistutig (Kanon) tiberlfifit, wird auch den wenig bemittelten Elementen der Boden teicht zugfinglich gcm^ch^ ^)a»| der Erbpacht wjrd also die Forderung bedetftender Geldmittel seitens des Ansiedlers wesentlich heruntergedrfickt. Diese Tatsache gibt uns die Aussicht aui eine Massenkolonisation, die sich der Zionismus zur Aufgabe gesetzt hat. — AuBer seiner Hauptaufgabe Boden ftir die Ansiedler bereitzustellen hat der J. N. F. noch andere Aufgaben, so die Ausbildung der jtid. Stfidter, die nach Palfistina kommen, die Arbeiterftirsorge, die Aufforstuiig der entwaldeten Teile Palfistinas, die Mithilfe, wenn es gilt kulturelle Institutionen zu schaffen, die als spezifisch nationale bezeichnet werderi kdnnen, Institutionen, die dem Gedanken der jildischen Renaissance in Palfistina gewidmet sind. Vor I grofien Aufgaben steht der J.- N. F.t besonders heute, ' wo uns die politische Måglichkeit gegeben ist, unseren Staat wieder aufzubauen. Ob der J. N. F. diese ftir uns wjchtigen Aufgaben wird erfiillen konnen, hangt nur von uns ab, Wir alle mtissen uns in den Dienst dieser heiligen und grofien Volksinstitution stellen, wenn wir das dritte Ittdische Reich aufbltihen sehen wollen — und das wollen wir. — Die vortreiflichen Ausftihrungen des Referenten fanden bei dem zahlreichen Auditorium lebhaften. Beifall. Briinner Stadttheater. Donnerstag „Wo die Lerche singt“ (aufier Abonnement, Gastspiel Mittermardi). Freltag geschlossen. Samstag findet die erste Wiederhølung der neuen Operette „Yuschi tanzt*' mit Fri. Mittermardl als Yuschi ftir die Serie blau und und nicht wie irrtUmlich angegeben, weiB, statt. Sonntag nachmlttag wird die Operette „Die Rose von Stambul4* mit Fri. Mittermardi als Gast gegeben. Die 'Kartenausgabe beginnt morgen nachmittag am Sehalter II. — Schaiispielhaus: Heute geschlossen. Zur Erinnerung an die vor 50 Jahren erfolgte Uraufffihrung gelangt morgen Anzengrubers „Pfarrer von Kirchfeld** als einmaliges Gastsplel des Herrn Wilhelm Klitscli vom Deutschen Volkstheater In Wien zur Aufffihrung. Herr Klitsch spielt die Titelrolle, Herr Schdnhoff den Wurzelsepp« Fri. Gerl das Annerl, Herr G6tz den Berndorfer Michel. (AuBer Abonnement.) Donnerstag wird „Oas“ II. TeiJ auBer Abonnement wiederholt. Freitag „Mutter Erde“ (Serie weiB), Samstag wird Oskar Wildes Komodie ,3unbury“, die am Schonbrunner SchloBtheater in Wien mit derartigem Erfolge gegeben wurde, zur Erstaufftihrung gebracht. In den Hauptrollen wtrken die Damen Fasser, Gerl und Meller, sowie die Herren Wies* ner, Deppe, GØtz, Lenoir, Marlitz, Matthies und Schdnhoff mit. Leiter der Vorstellung Herr Lenoir. (Serie rot.) Sonntag nachmittag wird „Der Pfarrer von Kirchfeld" wiederholt. Kartenausgabe morgen nachmittag, Schatter!!. Tumen und Sport. Ueber Ersuchen der Redaktion dieses Blattcs teiten wir heute unseren Lesern mit, dafi wir uns in nfichster Zeit infolge Raummangels gezwungen sehen, unsere Sportberichte In wesentlich verktirztem Umfange erscheinen zu lassen. Wir konstatieren dies mit dem grdBten Bedauern! Die Sportredaktion. S. K. Makkabi-Zidenlce komb. : S. K. Mor. Siavla 2:3 (1:1). Dieses hochinteressante und an spannenden Momenten tlberaus reiche Wettspiel fand am Donnerstag, den 28. Oktober, um 3 Vhr hachmittags, auf dem Sportpfatze der Mor. Slavia Im Schreib- W'alde in Gegenwart von ca. 4500 Zuschauern statt und brachte zeitweise erstklassigen Sport. Mit ehrlicher Freude sei hier die Tatsache kflnstatiert, daB das sportiiche und disziplinfire Auftreten beider Mannschaften beim Publikum den denkbar besten Eindruck hinterlleø. Es gab diesmal kein Schreien, kein Protestieren auf dem Platze und sogar unserem braven Levitus schlen eine magische Gewalt den i Mund verschlossen zu haben, der er sich, wenn auch I nur hochst widerwillig, ffigen muBte. Herrn Kraus,! dem der Ruf eines sehr ’ tfichtigen, energischen! Schiedsrichter voranging, stellte sich seitens der | Kombinierten folgende Mannschaft: Skokanek (2.) KuCera (2.) Levitus (M.) Baru (M.) Hlavadek (2.) Kern (2.) (tinstier (M.) Ttimar (M.) BoroS (M.) Mazal (2.) Ivanovski (M.). Die Mor. Slavia trat in lhrer dz. starksten Aufiteilung an. Nach einem wundersclibnen, weit fiber 2rwarten fair geffihrten Kampfe, biieb die Mor. SJafia, gegen Ende der zweiten Halbzeft nur mit 10 dann spielend (der rechte Flfigel Cajda wegen Steen Protestierens ausgeschlossen). verdienter Siegcr. Die Einheitlichkeit der Mannschaft, die bewundernsverte Ausbalanciertheit alfer Mannschaffsteife, der abelhaft rasche Start auf den Ball, wie ich ihn nur »isher bei der „Ungarischen Auswahlmannschaft" in Vien zu bewundern Gelegenheit hatte, schufen der dor. Slavia vom Anfange an eine Ueberlegenheit, lie wir neidlos anerkennen mtissen. Die Kombinierten haben AbstoØ, der Ball wird vunderschon vorgebracht, Chlad greift ein und klårt lie Situation. Nun kommt die Slavia zu Worte, beirfingt durch 15 Minuten stfindig das Makkabi-2ldclice-Tor, wobei sie ihre Angriffe zumeist durch den inken, fiufierst raschen Flfigel Simonek vortragen fiBt, der durch Baru absolut nicht gedeckt wurde. Jaru pendelte stets zwischen Simonek und Klein und leckte daher keinen von beiden. Er schuf dadurch line Unzahl von geffihrlichen Situationen. Einen :rofien Fehier beging unsere Verteidigung dadurch, gilt auch fur die Seitenhalves) daB sie vor dem balllesitzenden Gegner stets zurfickwich. Im FuBballplele ist es eine taktische Grundregel, stets den balllesitzenden Gegner anzugehen (gilt ftir die ganzc :if). Die Angriffe der Slavia wurden in der 18. Miute von Erfolg gekrCnt. Wer nun erwartet hatte, laB die Kombinierten im Spieleifer nachlassen wtirlen, der erlebte eine angenehme Enttfiuschung. Im legenteil. Die Kombinierten hielten ietzt das Heft est in ihren Hfinden, der unermfidiich ar bei ten de und tiich lebhaft an Brandstfitter (Rapid) erinnernde :enterhalf Hlavadek warf die Mannschaft immer /ieder nach vorne. Der Ausgleich schwebte sozuagen in der Luft. Da erhfiif der heute in glfinzender form spielende Boro§ den Ball und schieøt aus 30 leter Enfferiiung ein herrliches Goal, wie wir es in Irtinn selten noch gesehen haben. Minutenlang roimte der Beifall der Tribiine! Unter stfindiger feberlegenheit der Kombinierten endigt die erste latbzelt I:!. Bemerken wollen wir noch, daB in dieser Halbeft unsere rechte AngriffsSeite fast ganz unbeschfif- [gt biieb und daB derselbe Uebelstand in noch vertfirkterem MaBe in der zweiten Halbzeit unsere Unke mgriffsseite betraf, was bei einem taktisch ricbtigen mgriffs-Spiel nie vorkopimen dilrfte. Hierin liegt der inzige Fehier BoroS, hfitte er die Bfille ebenso oft ach links zugespielt wie nach rechts, wer weiB, ob