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Jüdische Volksstimme · 1920-11-04 · Heft 44 (4.11.1920) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 44 (4.11.1920)
Date
1920-11-04
Page
– (sequence 5)
Language
German
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Nf. 44. Mttøw ét jfldUcben KonBtituaatø tø Paltfttaa. In JeruÉlem trat die erste gewåhlte Volksvertretung der Juden Palæstinas (Assefath Haniweharim) zusarrtmen. Nach herzlicher Begrilflung durch den mohamedanischen Oberbtlrgermeister und dem Uidischen Vizebtirgermeister von Jerusalem und nach Ver lesen eines BegruBungsschreibens des OberkommissSrs Sir Herbert Samuel beschloB die Versamm- Iung, ein Nationalkomitee zu ernennen, da« als legitime Vertretung der palSstinensischen Juden gelten soH. Die Konferenz der mittel- und osfeuropålschen Palåstlnaåmter In Mtihrlsch-Ostrau. Auf Initiative von Generalsekretær Landmann fand vom 14. bis zum 17. Oktober in Måhrisch- Ostrau eine, von 30 Delegierten beschickte Konferenz der Palåstina-Aemter statt. Landmann referierte ilber den Zweck der Konferenz, diedem Chaos in der Palåstinaimmigration steuern soli. Die GrUndung der zahlreichen Institutionen zur Durchftihrung der Einwanderung, fiihrte begreiflicherweise zu einem Wirrwarr, da sie alle auf verschiedene Weise und ohne Instruktionen und Zusammenhang mit der Leitung arbeiteten. Er sei von der Exekutive delegiert worden, um diese Arbeit in ein einheitliches Geleise zu bringen. Im Prinzip soliten die Palåstinaåmter sich nur mit den Palåstinawanderern abgeben, was iedoch in der Wirklichkeit bisher nicht moglich war. Hoffentlich wird dies, infolge der gebesserten politischen Lage in Polen, von nun an durchftihrbar sein. Was Palæstina betrifft, so wurde leider die Aufnahmsfåhigkeit des Landes desto geringer, je grfiBer der Auswandererstrom wurde. Auch dort gibt es kein ausreichendes, einheitliches Informatiooswesen, weshalb der Plan besteht, alle dortlgen ArbeitsSmter und Informationsbiiros zu organisieren und zu vereinheitlichen, was auch in Galuth geschehen miisse. Kein Chaluz darf das Empfinden haben, daB er irgendwo btirokratisch oder von oben herab behandelt wird, zu welchem Z\vecke sich die Bildung eines aus Vertretern verschiedener Organisationen zusåmmengesetzten Beiratés bei jedem Paltistinaarnte empfiehlt. Orundsfttzlich sind' die »Pa- ISstinaamter einer Zentrale in Palæstina unterstellt, da jedoch diese Zentrale noch nicht geschaifen ist, muB provisorisch das PalSstinaamt jedes Landes in materieller Hinsicht auf die betr. zion. Landesorganisation angewiesen bleiben. Die filr das erste Jahr kontingentierten 16.500 mittellosen Einwanderer, werden auf die Palåstinaåmter der einzelnen ►Lander verteilt werden miissen, welche Anweisungen, sogenannte Empfehlungsbriefe, filr die mittellosen Einwanderer erhalten werden. Nur gegen Vorweisung eines derartigen, nummerierten Empfehlungsbriefes, wird das Visum erhåltlich sein. Unabhångig von diesen mittellosen Einwanderern wird die Einwanderung, ohne EinfluBnahme der PalastinaSmter, unbeschrfinkt sein filr die, die dem englischen Konsul nachweisen, daB sie tiber geniigende Mittel filr die Reise und filr einen Aufenthalt von einem halben oder ganzen Jahr besitzen, oder dafi sie Arbeit im Lande haben und dem Lande nicht zur Last fallen werden. Filr diese ist den Palåstinaåmtern jede Verantwortung abgenommen« Das neue Statut teilt jedes Palåstinaamt in drei Ressorts: Verwaltungsressort, Arbeitsressort und gemeine Abteilung, die sich mit Palastinafahrerri befafit, die nicht den arbeitenden Klassen angehbren. Die Palåstinaåmter von Wien, Warschau und Konstantinopel sind als zentrale Aemter. auszubauen. Nach genauer Beratung faBte die Konferenz folgende Resolutionen: Kein Auswanderer darf seine Heimat verlassen, ohne alle notigen Dokumente und geniigende Reisemittel. Die Organisierung der Auswanderer bildet einen wesentlichen Bestandteil der Palåstinaarbeit, weshalb es notwendig ist, einen Teil der Gelder des Keren Hajessod filr die Organisierung der Emigration zu verwenden. Solange die zion. Gelder filr die Emigrationsfiirsorge nicht au9reichen, muB zur Deckung der Fttrsorgekosten auch weiter die bisherige Aufbringungsmethode fortgesetzt werden, wobei Gemeinden und jiid. Hilfsgesellschaften heranzuziehen sind. Die GrUndung einer zion. Palåstina-Transportgesellschaft oder Umgestaltung der „Maawirim" in eine nationale Palåstina-Transportgesellschaft wird gefordert. Des weiteren wurde dem „Joint" fUr die bisher den Palåstinawanderern geleistete Hilfe der Dank ausgesprochen und die Schaffiing eines ståndigen Emigrationsrates filr Zentral- und Osteuropa, der aus Vertretern der drei zentralen Palåstinaåmter antf kodfittørten FachtøånnSnt bestehen soli* beschtossen, Der Ausbau der palåstisenoisclien Elseitbahiten. Aus Palæstina trifft die Nachricht ein, daB der Umbau der schmalspurigen Strecke Jaffa—Ludd vollendet ist, und daB Sir Herbert Samuel, der Oberkommissår flir PalSstina, die Lokomotive des ersten auf dieser Strecke fahrendeti Zuges selbst geleitet hat. Es ist dieses, wie dazu die Zionistische Korrespondenz bemerkt, die erste verkehrstechnisch bedeutende Neuerung seit der Ankunft des High-Commissioners, deren Wichtigkeit fUr den gesamteh Eisenbahnverkehr des Landes nicht hoch genug bewertet werden kann. Erst durch diesen Umbatf ist das gesamte Schienennetz Palæstinas zu einer technischen und administrativen Einheit verschmolzen worden, und die bisher notwendigen Umladungen eines ieden einzelnen von Jaffa kommenden Gtitertransportes in Ludd fallen nun endlich fort. Die hierdur ch erzielten Zeit- und Kostener sparnisse sind bedeutend. AuBerdem waren natUrlich die bisherigen schmalspurigen Strecken in Bezug auf die Massenhaftigkeit und RegelmåBigkeit lange nicht so leistungsfåhig als die Ubrigen normalspurigen Strecken. Es gibt nunmehr in Palåstina folgende Bahnlinien: Rafa (Qrenzstation)—Ludd 115 km, Der El-Ballah (sUdlich Qaza)—Berseba 50 km, Ludd—Jerusalem 67 km, Ludd—Jaffa 19 km, Ludd—Haifa 100 km, Haifa—Deria 161 km, Afule—Nablus 77 km, Mass’- udije—Tulkarm 19 km. Demnach betrågt die Lange des gesamten Schienennetzes Palåstinas augenblicklich 608 km. Der kathollsche Patrlarch von Jerusalem ilber den Zlotilsmus. Wie bereits bekannt geworden, hat sich der katholische Patriarch von Jerusalem, nach einer Aussprache mit dem Oberkommissar Sir Herbert Samuel und einer Reise nach Rom, gilnstig tiber die jiidische Einwanderung ausgesprochen. Der Hirtenbrief des Patriarchen besagt n. a.: „Der Zionismus ist eine Ursache der peunruhjgung« gewesen. Zugunsten aller -Nichtjuden, ob katholisch oder nicht, haben wir den Oberkommissår interpelliert. Seine Exzellenz empfing uns mit gebtihrendem Respekt und Hoflichkeit und bestatigte uns, daB alle religiosen Interessen sichergestellt werden sollen. Diese Erklarungen, welche unzweifelhaft verwirklicht werden, soilten die 300 Millionen Katholiken, von denen vielo Untertanen Sr .Majestæt des britischen Konigs sind, beruhigen." ITALIEN. Triest, 26. Oktober. Auf Aufforderung der Konferenz der italienischen Zionisten, die entrtistet ist liber die Leiden der Chaluzim, welche bei dem jetzigen kalten Wetter ohne Obdach und entsprechende Kiiche in Triest sich stauen,. traf Generalsekretær Landmann am 25. in Triest ein und intervenierte bei der Direktion des Lloyd. Der zur Inspektion herbeigerufene Kommissår versprach vorlåufige Besserungen, sowohl was Obdach und Speiseversorgung betrifft. Permanente Besserung ist.jedoch ohne gesichertes Budget flir die Emigration unmøglich. Triest, 24. Oktober. Vom 19. bis 23. Okt. haben sich in Triest 820 Personen nach Palæstina eingeschifft. Fast alle. Auswanderer klagen tiber Art und Weise, wie die Emigration von den verschiedenen Stellen organisiert ist, vor allem tiber den unfreiwilligeu mehrwochigen Aufenthalt in Wien. Auch bei der Beschaffung der notwendigen Valuta erle.iden die Fltichtlinge bei ihrern Aufenthalte in Wien grofien Schaden. Das Wiener Palåstinaamt soilte auch die Beschaffung der frpmden Zahlungsmittel in seine Hånd nehmen. All diese Uebelstånde wtirden vermieden, wenn dieJPalåstinafahrer ihre Passe, Visa und dergl. nicht in Wien, sondern in Warschau, Prag usw. besorgen wtirden. Auch bei der vom 17,—1P. Oktober in Trjest abgehaltenen Konferenz der Zionisten Italiens, nahmen die Beratungen tiber die Palastinaeinwanderung breiten Raum ein. RumMiileii* Die von 30 Delegierten beschickte Lehrerkonferenz in Rumanien faBte Beschltisse tiber Verbesserung der moralischen und materiellen Lage der Itid. s!m& Librer, die* dttfch da* Unterrfchtttitihtitirfatn irfotgett soli Eine Abordmmg solle diesem die Wtinsche der ]tid. Lehrerschaft nnterbrelten. Eia Lefirerfonds wurde gesehaffoe. Uflgtr& Die Ermordung des jtid. Weinhåndlers L a ndau durch einen Qeschåltskonkurrenten, den Vater elites Ftihrers einer der bertichtigten Militårdetadiements, und die durch Offizlere vertibten vorhergegangenen furchtbaren Folterungen sind nun doch im Abgeordnetenhaus durch den Abg. Ruppert zur Sprache gebracht worden, und løsten einen Schatter der Entrtistung aus. Ministerpræsident Teleki stente eine strenge Strafuntersuchung in Aussicht, was jedoch anscheinend nicht nach dem Geschmack der Nationalversammlung ist, da es heiflt, daB Teleki Im Zusammenhang mit dieser Affare zurticktreten soli. Litauen. (Polnisches Okkupationsgebiet.) Das Komitee der Jtid. Delegation erhielt genaue Protokolle und Dokumente, aus denen hervorgeht, daB die Truppen Zeligowskis in Wilna Pogrome veranstaltet håben, die vom 9. Okt. bis 11. Okt. datterten. Die Banditen trugen in der tiberwiegenden Mehrzahl polnische Uniform. Soweit man aus den ersten Protokollen bisher ersehen kann, wurden 6 Juden ermordet, 6 sehr schwer verletzt, eine groBe Anzahl durch Mifihandlungen verletzt; Uberdies kamen bis jetzt 52 Falle von Raub und 1 Fail von Thoraschåndung zu Protokoll. OSTERREICH. Der Numerus ciausus an der Technischen Hochschule In Wien. Der traurige Ruhm Schwinds und seines famosen Nachfolgers hat den Rektor der Technischen Hochschule Dr. Artmann nicht schlafen lassen. Auch er begeistert sich filr den Numerus ciausus und hat mit hellem Eifer die Blumauerschen Praktiken tibernommen. Die Hochschtiler werden bei der Aufnahme nach dem Qlaubensbekenntnis gesiebt. Arier, erhalten hel, sonst gleicher Anspruchsberechtigung den Vorzug. Qesuche von Ausiandern, die bis zum 2. Oktober eingereicht wurden, hat man erst am 25. Oktober abgelehnt. Infolgedessen war es den Betroffenen nicht mehr moglich, sich an einer anderen Hochschule einzuschreiben, da tiberall die Fristen mittlerweile abgelaufen sind. Was ktimmert es aber auch einen dtfttlschen Rektor, ob ein armer Studierender ein Halbjahr verliert! Ist er doch des Beifalls der Wiener „Ge!ehrtenwelt“ slcher und die Hebe fraisinnige „Neue Freie Presse" gewåhrt seinen Auslassungen fiber die Notwendigkeit des Numerus ciausus bereitwilligst Raum. Warum .auch nicht? Das gute Blatt halt es mit Horthy, mit Schwarz-Hiller und allen offenen und maskierten Gesinnungsgenossen des neuen christlichen Kurses. Da gehørt auch der biedere Rektor hin. n Korrespondensen. KoSice. In der AusschuBsitzung der jugendlichen zionistischen Organisation wurde der BeschluB gefaBt, als Minimul-Prograram leden .Dienstag einen Vortrag und jeden Sonntag einen Teeabend zu veranstalten. Mit den ersten Vortrag beéhrte uns der geehrte Qg. Dr. Josef Løwy. Thema: „Die sanitåre Lage in Palåstina", welches vom Vortragenden hervorragend beleuchtet wurde, und mit gro- Ben Beifall åufgenommen wiirde. Sonntag/am 17. Oktober wurde der erste Teeabend veranstaltet, welcher eine groBe Beteiligurig aufwies. Gg. Herr P. Weinfeld hielt die BegrtiBungsansprache und riel in begeisternden Worten zur Mitarbeit auf. Hierauf erklårte Gesinnungsgenosse Herr Doktor LØwy die Bedeutung dér Achdut ftir das jtidische Volk. Dann rezitierte Gg. Herr J. Htibsch Gédichte von Ewen-Esra und Jehudå-Halewi. Es deklamlerten Gg. Fri. J. Halpert „Russische Fltichtlinge** von Rosenfeld und Gg. Herr H. Rab den „Guluth-Marsch" von Rosenfeld. Der Abend wurde unter den Klangen der Hatikwah geschlossen. Berlin. Prof. Dr. Salomon Kali schef, der verdienstvolle Vorsitzende des Deutsch-Israelitischen Gemeirdebundes, ist am 6. Oktober 7S Jahre alt geworden. Er entstammt tiner alten Jtidischen Gelebrtenfamilie, Sein GroBvater war dtr hekannte

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