Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 44 (4.11.1920)
- Date
- 1920-11-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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å Vi, <. ié*3. II. Pinanzf ragen: t. Der ordentliche Distriktstag der måhr.-schles. Zionisten beschlieflt, gemåB der Anordnung der zion. Ekekutive in London, den Betrag des Schekels filr das Jahr 5681 mit K6 15.— festzusetzen. Hiezu kommen die bisherigen Zuschlfige von ie Kd 5.— fur Distrikts- und Landesparteisjener. 2. Der D. T. beschlieBt, dem D. K. einen Arbeitsfond zur Verffigung zu stellen. Hiefur wird fiir das Jahr 5681 der Betrag von KC 50.000 bestimmt, den das D. K. unter Beriicksichtigung aller einschlfigigen Verhftltnisse auf die Ortsgruppen aufteilt. Alle Ortsgruppen sind verpflichtet, ihren Anteil aufzubringen und dem D. K. in drei Raten spåtestens Mitte Dezcmber, Mitte Februar und Mitte April zu fiberweiseu. 3. Der Sitz des Distrikts-Komitees bleibt Måhr.- Ostrau. Zu Mitgliedern des Distrikts-Komitees wurden gewåhlt die Herren: Dr. Josef Rufeisen, Dr. Hugo Herrmann, Heinrich SliBer, Frau Mitzi L6\vy, Herr Dr. Felix Winterstein, samtliche aus Mahr.-Ostrau. Herr Ing. Ernst Frischer, Oderfurt und Herr Dr. Sigm. Birnstein, Neutitschein. An alle Ortsgruppen erwåchst nuntnehr die Pflicht, alle MaBnahmen zur Verwirklichung des Palåstinaaufbaufondes vorzubereiten und vor Inangriffnahme der Sammelaktion sich mit dem Distrikts- Komitee ln Måhr.-Ostrau ins Einvernehmen zu setzen. II. Turn- und Sporttag Briinn 31. Oktober. Zurti zweitenmale nach dem Weltkrieg versammelten sich die Delegierten der jiidischen Turn- und Sportvereine, dio in der Makkabi-Organisation zusammen beschlossen sind, zu gemeinsamer Beratung in Briinn zusammen. Nach Eroffnung der Tagung durch den Obmann der Kreisleitung Ing. Pacovsky, in hebråischer Sprache, wurden in das Præsidium als Vorsitzender Dr. Karl Sonnenfeld, Briinn, als Vorsitzender-Stellvertreter Oskar Gold, Lundenburg und Turnbruder Slnaiberger, Eibenschitz, gewtihlt. An der Tagung waren von den 33 der derzeitigen Organisation angehbrenden Vereinen 17 Vereine vertreten. Der Obmann der Kreisleitung Ing. Pacovsky gab den Bericht der Tåtlgkeit der Kreisleitung im abgelaufenen Jahre und iit einem ausgezeichneten Referate, iiber die weitére Tåtigkeit vertrat er die Antråge der Kreisleitung, welche auf intensive kulturelle Arbeit innerhalb der Makkabi-Vereiue hinausliefen. Das Referat, das mit aligemeniem Beifalle aufgenommen wurde, bildete den Hauptgegenstand der wei ter en Beratungen, die den ganzen Tag iiber gepflogen wurden und die in den spåter angefiihrten Beschliissen ihren Ausdruck fanden. Als weiterer VerhandiungsgegenStand der Tagung war das Verhåltnis zu den jiidischen Sportvcreinen, die auBerhalb der Makkabi-Organisation steheti, angesetzt. Hiezu erstattete Turnbruder Steiner den Bericht. Nach langer sachlicher Debatte, die getragen von dem Wunsche nach Zustandekommen eines Einvernehmens mit der jiidischen sportlichen Exekutive wurde von der Tagung dér Wunsch ausgesprochen, daB die Kreisleitung weiterhin bemuht sein moge, die Sportvereine zum Anschlusse an den Ssl. Kreis der jiidischen Turnerschaft zu bewegen, wobei selbstverståndlich die volle Autonomie in allen sportlichen Dingen der Sportexekutive gewahrt bleiben milBte. Zum Schlusse der Tagung, die bei allen Delegierten und Gåsten durch die geistige Reife der Referate und die hochstehende Debatte einen ausgezeichneten und, wie wir hoffen, nachhaltenden Eindruck zuriicklieB, wurden nachstehende Beschltisse gefaBt: 1. In allen dem Kreis angeschlossenen Vereinen ist mit Nachdruck darauf hinzuarbeiten, daB die hebråische Sprache zur Verkehrssprache wird. 2. In jedem Verein ist ein Referent ffir die kulturelle Erziehung der Mitglieder zu bestellen und ist seitens der Vereinsleitungen der kulturellen Erzichung der Jugend das allergroBte Augenmerk zuzuwenden. 3. Das KreiS-Turn- und Sportfest findet am 27. bis 29. Juni 1921 in Briinn statt. Bei diesem Kreisturnfeste wird auch die erste VorturnerprUfung al* gehalten. 4. Die Kreistiirnleitung wird beauftragt, mit der sportlichen Exekutive dahin zu verhandeln, daB ein einbeitlicher Verband geschaffen werde, in welchem eine Sportsektion, eine FuBballsektion und eine Tun* sektion fttr dfe rein teclmischen Praten geschaffen werde. 5. Es wird beschlossen, der Kreisleitung einen Arbéitsfond in der Hohe von 25.000 K zur Verffigung zu stellen, zu welchem die Vereine nach ihren finan« ziellen Kråften beizusteuern haben. Zum Schlusse der Tagung wurde die neue Kreisleitung gewåhlt, ari deren Spitze wieder Herr Ing. Pacovsky, Prag, dem ebenso wie der gesammten abgetrétenen Kreisleitung der herztichste Dank fiir die Bemiihungen im letzten Berichtsjahre einstimmig' votiert wurde, steht. Weiters wurden gewåhlt zum Vorsitzenden-Stell- Vertrcter Turnbruder Tutsch, Prag, I. Turnwart Weil, Prag, II. Turnwart Qelbkopf, Briinn, I. Sportwårt Jellinek, Ung.-Hradisch, II. Sportwart Baru, Briinn, Schriftfilhrer Steiner Prag, Kassier Hoffmann, Prag. Nach Absingung der Hatikwah und des Turnerliedes wurcle die Tagung in begeisterter Stimmung geschlossen. Zur Tragfidia der jfldischen Kriegs- und Pogrominvaliden. Håbe tifters in der Presse auf die Martyrologie der jiidischen Kriegs- und Pogrominvaliden in den Sukzessionsstaaten und Ukraina hingewiesen. Ein unsagbares Elend beherrscht das Leben der Menschen, die in Erfiillung ihrer Pflicht jahrelang dem tausendfachen Tode in Schiitzengraben trotzten und in der Heimat ihre Existenz zum Schutze des Staates hingaben. Es gibt Menschen, die man zu Hunderten gar Tausenden in den Stådten Håusern und Spitålern antrifft, die mehr Tieren als menschlichen Géschopfen åhnlich sind, denen Hånde und Fiifle fehlen, mit herausgeschossenen oder ausgebohrten Ohren, Augen, abgeschnittenén Ohren und Nasen, mit zerfetzten Gesichtern, Tuberkulosekranken schwersten Grades — Opfer des Krieges oder der von . Pogrombanden am hellichten friedlichen Tage organisierten Verbrechen. Es sind ungltlckllche Menschen ohne Schutz des Staates und der Gemeinde, Menschpnt dié.jnichts.anderes b^gauipsn.h^t6*1’; Juden zu sein. Ich will nlcht nochmats auf die.Tåusende von jiidischen Månnern, Frauen und Kindern in Ukraina hinweisen, die auf Kriicken einherholpern und. blind herumirren, die fiir . das ganze Leben verunstaltete Opfer des Freiheitskrieges, denen Håuser niedergebrannt, Hab und Gut geraubt, Acker verwiistet; mochte nicht wiederholt von den jiidischen Invaliden, in Polen erzåhlen, die jahrelang in den Spitålern liegen, denen die Wunden schon långst geheilt wåren, wenn ihnen eine entsprechende Fiirsorge zu Teil werden wtlrde oder mit ihren Krankheiten, Jammer und Elend die jiidischen Håuser erfiillen, ohne Arbeit verrichten oder finden zu konnen; der in polnischen Låndern gegen Juden wiitende Wirtschaftskrieg findet keinen Halt gar vor den Tiiren derer, die noch heute mit Aufopferung fiir die Freiheit des polnischen Staates kampfen. Und in Deutschosterreich, Cechoslovakei und Ungarn findet man unzåhlige jiidische Opfer des letzten Krieges in Elend, Hunger und Krankheit zu Grunde gehen. Wenn die christlichen Invaliden des Schutzes des Staates, wenn auch in kelner Weise ausreichendem Mafle, sich erfreuend von der christlichen Gesellschaft und christlichen Institutionen gefordert werden, schutzlos stehen Tausende jiidischer Seelen, weil nach Polen, Ukraina oder Ungarn zuståndig oder verelendet und brotips, weil sie, wenn auch i^rich Deutschbsterreich oder Cechoslovakei heimats- ^uståndig, vom Staate, wenn auch nicht offiziell, beriachteiligt und von der jiidischen Gemeinde gar nicht unterstiitzt werden, Nun will ich nicht mehr Klagen erheben und keine erschiitternden Bilder geben, denn jeder von uns hatte Gelegenheit, Zeuge dieses namenlosen Ungliickes der Jammergestalten zu sein, aber die Oeffentlichkeit im Namen der Menschlichkeit will Ich zur endgiltigcn tatkråftigen, organisierten Hilfe aufrufen, zur Orlindung von Werkståttetf flir arbeitsfåhjge jiidische Invaliden, von Heimen fiir arbeitsunffihjge, zur Forderung der Berjifsumscbichtung und der Einzelwirtschaften der Opfer und deren AngehOrige, geniigende sanitåre Hilfe angedeihen zu lassen. Jede jiid. Gemeinde muB es als ihre Ehrenpflicht betrachten, samtliche Uidische Invaliden ohne Rficksicht auf ihre StaatszygehOrigkeit zu registrieren und die schnelle, \^ie auch dauernde Hilfe zur Besserung der Daséinsbedingungen der UnglUcklichen zu bieten. Die Presse rofe icft sur Fdrdertmg dlesér Wiederaufbauarbelt auf und zur Entgegennahme von Spenden, wie auch samtliche jiidische Organisationen und Einzelpersonen zur tatkråftigen Zusammenarbeit zwecks Schaffung eines Zentraffondes fttr Jiidische Kriegs- und Pogrominvalide. Dér Grundstock diescs Zentralfonds ist bereits geschaflen. Wåhrend meincr nur kurzen Reise durch einige Stadte der Cechoslovakei und Samffleltatigkeit in Wien fand ich Menschen vor, die offénes Herz uttd ffand hatten. Es waren Juden und Christen, die Spenden und Ratschlåge gaben und an dieser Stelle es Alten gedankt. In kiirzester Zeit ist es mir gehmgen einen Fond im Rahmen des Verbandes liidischer Invaliden und Heimkehrer tn Wien, Obere DonatisiraBe 68, zu schaffen und durch persånliche Sammlung in wenigen Wochen 150.000 Kronen aufzubringen undso in Wien 69.200 K, in Gabiowa 36.000 K, in Reichenberg 20.000 K, in P r a g 12.000 K, in K a r I sb a d 12.800 K. Der Fond ist aber viel zu klein, um jiidischen Invalide« nur einer Stadt zu helfen; deshalb ergeht der wårmste Ruf an die Oeffentlichkeit: Spendet fiir den Wiederaufbau der Existenz der jiidischen Kriegs- und Pogrominvaliden, spendet flir den Zentralfond der jiidischen Kriegs- und Pogrominvaliden! Davis Erdtracht. Das palåstinensische Gesetz iiber Bsdentransaktionen. Nachdem nach Eroffnung des Bodenkatasters, der Bodenverkehr in Palåstina freigegeben ist, wurde følgendes Gesetz iiber die Bodentransaktionen, mit Wirkung vom 1. Oktober erlassen. Ab 1. Oktober ist der Bodenverkehr freigegeben. Jede Bodentransaktion, auBer Pacht bis zu drei Jahren, muB durch das Tabularamt genehmigt und durch die Regierung beståtigt werden, ansonst es jeder Rechtsgiiltigkeit erh&ngelt. Alle, die auf illegale Weise Boden Ubertragen oder erwerben, laufen Gefahr bestraft zu werden. Hauptgrund der Beschrånkungen im Bodenverehr ist die Beseitjgung jeder.'Dodenspekulation und er damit verbuhdenen Prei&tfeiberei. Transaktionen sind nur géstattet, wenn die Érwerber ihn bebauen (landwirtschaftl. Boden) oder entwickeln (stådti- ^cher Boden) wollen. Des weiteren bezweckt die ^egierungsaufsicht Schutz des Besitzes der Klein- ^auern. Es wird also verunmdglicht, daB der fiir Seine und seiner Familie Erhaltung notwendige Boden verkauft wird. Falls er Påchter ist, wird dem Bodenbesitzer verunmoglicht,; den Bodep zu ver- åuBern, ohne fttr ihn geniigende. Parzellen zuriickzulassen. Die GrdBe ,des Bodens, der also fiir die Kleinbesitzer reserviert bleibt, wird in den verschiedenen Teilen des Landes verschieden sein,. gemåB der Giite des Bodens, und wird durch die Bezirksverwalter bestimmt werden. Jede Boderitransaktion muB durch ein Gesuch zu Hånden des Bezirksverwalters, durch Vermittlung des Tabularamtes, belegt werden, u. zw. jede Transaktion, sowohl Verkauf und Verschenkung, als a^uch Verpfåndung und allerlei Verpachtungen fiir langer als 3 Jahre. Dem Gesuch muB ein Zeugnis beigelegt werden, iiber das Erwerbsrecht des Uebertjragenden und das Besitzzeugnis. Die Tabularåmter yerden allen, die Bodentransaktionen vornehmen, a^lle gewiinschten Details geben und sie mit Formularen versehen. Wenn ein Gesuch durch einen Agenten oder Vormund eingereicht wird, muB. darin auch der Nåme des Kåqfers angegeben werden und die Registrierung auf dessen Namen gescheher,. Registrierungen auf Namen anderer Personen sind ungiilt|g und gewårtigen die Partelen einer Bestraf ung. Der Registrator wird prfifen, ob den Anforderungeri des Gesetztes nach^ekommen wird und ob der Uebertragende das Erwerbsrecht besitzt. Falls alles ordnungsgemåB befunden wird,. wjrd die Sache dem EJezirksverwalter zur Approbation vorgelegt. Der Bézirksverwalter gibt seine Approbation bei Érfullung folgender Bedipgungen: Der Bodenerwerber muB palåstinensischer BUrger sein, nicht mehr als fttr 3000 Pf. Boden erwerben und nachweisen kdnnen, daB er den Boden selbst bebauen oder unmittelbar entwickeln will. Pies soli den Erwerb des Bodens durch auslåndische Spekulanten und die Latifundienbildung verunmSglichep. AuBerdem werden, pm lede Spekulation zu hintertreiben, noch folgende Beschrånkungen erlassen: Falls der Bod eines Jahres wieder ttbertragen werden n innerhalh^*-- solite,