Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 41 (14.10.1920)
- Date
- 1920-10-14
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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gaiu den Prtazfpfcn, nach denen Zacharias Frankel das Semmar einjefichtet hatfe. la seiner T&tlgkeft als Leffrer der 2ukiinftigen Rabbiner sah er die Hatiptaufgabe selnes Lebens. Mit ganz kurzer Unterbrechung verlief Branns Leben von Studienbeginn an im Seminar. Er liebte das Seminar und all sein Sirinen und Trachten war darauf gerichtet, diese Pflanzstfttte des jiidischen Gelstes auf der alten Hohe zu erhalten. Mit besonderer Llebe hing er an seinen Bilchern. Als Leiter der Seminarbibliothek stand er zu jedem Buche in einem persdnlichen Verhaitnis, und er hat sich keine MUhe verdrieBeu lassen, die Schatze der Bibliothek durch wertvolle Handschriften und seltene Blicher zu bereichern. Es ist erstaunlich, daB Brann neben dieser reichen Tatigkeit immer noch Mufle fand, seine Fahigkeiten in den Dienst der jiidischen Wissenschaft zu stellen. Lange Jahre gab er die Monatsschrift fiir die Wissenschaft des Judentums heteus. Seine Geschlchte der Juden ist weithln bekannt und wird vielfach im Unterricht praktisch verwendet. Mit ihm ist eln Stiick jiidischer Welt dahingegangen. „J. V. Z." Von Woehe zu WoebOi Dr, Magnus Hirschfeld hud der deutscho Antlsemlllsmus. Deutschnationaler Antisemitismus hat ein Opfer gefordert. Prof. Dr. M. Hirschfeld soli den Verletzungen, die ihm Deutschnationale nach einem Vortrage Uber das S t e i n a c h’sche Problem beigebracht haben, erlegen sein. Der Antisemitismus in studerttischen deutschen Kreisen war ja immer, vorhanden. und artete bei studentischen Demonstrationen aus. DaB die Sache aber so weit getrleben wjrd, daB ein Mann, der dem politischen Parteigetriebe fremd gegeniibersteht, der Zeit seines Lebens die Qelehrtenstube der polit. Arena vorzog, belnahe erschlagen wird,*) nicht weil er fiir hochverråterische Ideen, oder wie sonst man das bezeiqhnen kann, eingetreten ist, sondern weil er einzig und allein seinen Stolz darin Sah deutsche (ich bitte nicht jiidische!) Wissenschaft zii fordern, weil er bestrebt war die Ldrhéerén, die Havellok Ellis , der engliséhén Sexualfbrschung erwarb, der deutschen zilzufiihren; weil er weder Zeit .noch Mittel, .noch. Årbeit scheute das Problem , der Zwischengeschlecht.- Iichkeit, das groBe Problem der Homosexualitat, das der Transvestiten — iiber weloh’ letzteres Theina er ein standard Work geschrieben, daB Deutschlands Forschung weit iiber seine Gemarkung beriihmt niachtc, ist solche B a r b a r e i, solche Qemeinhcit, wie sie nicht so bald in einem Lande moglich ist. Diese Kulturschande konnte Deutschlands Wissenschaft nicht hingehen lassen, wenn nocluihre Hilter anstændige Menschen wdren, und nicht Mamelucken, die sich vor studentischer Meute fiirchten. U11rich Willamowitz von Mollendorf, auch Du mein Brutus! bist unter die antisemitischen Nachbeter gegangen? Auch Dich lassen die Lorbeeren eines Friedrich Delitzsch nicht ruhen? Du Vollgrieche, mit dem glatten Gesicht, der Du mit dem Stolze eines alten Heltenen den roten Adlerorden trugst, der Du von Dir dachtest, Du wårest mehr Grieche, denn Deutscher, auch Du antisemiteist? Wahrlich tief ist Deutschlands Wissenschaft gesunketi.wenn seine Jiinger elnen Manit verpriigelq, der kein gr&Beres Verbrechen begangen hat, als Jude oder Judenstammllng zu sein. . Da gibt es gar keine Ausrede oder Entschuldigung, Hirschfeld fiihlte sich stets als guter Deutsche und ist ein Martyrer dieses selnes Wahnes. Wenn das noch immer nicht unseren deutschen Juden die Augen dffnet, den denkenden, dann ist ihnen nicht mehr zu helfen. Eugen D ii li r i n g, Friedrich Delitzsch, Adolf Bar tels sind bekannt; ebenso der unvermeidliche Ghamberlain, daB aber Willamowitz von Mollendorf unter die Radauschreier gegangen ist, bedeutet nicht nur der klassischea Philologie elnen Faustschlag zu versetzen, sondern der gesamten deutschen Kultur. Auch Willamowitz, von ungezåhlten Juden verehrt, ja vergOttert, als Spraehenwissenschafter, Philosoph und Dich ter ist hinabgestiegen zur Hefe der Meuschheit, die an den wildesten Jnstiokten hangt. Pola ta deina d’anthropou deinøteron peleil Wahrlich der schrecklichste der Schrecken ist der Mensch in seinem Wahn“. All die Wissenschaftlichkeit, die ganze Pracht sophokleischer Sprachkunst, dio das Dichter- und Denkergenle eines *) Nach eiuer Meldung des „Prager Tagblatt" soli HJrschtebl leben* Mal land or f 2utate.;getøtdet;L hat, hat sleb an dem Tage jeder Menschlichkelt.entMoBir dit ganze grlechischo Kultur, die éf eln* und ausgeatuiethat, die gewaltige Harmonle dieses Mannes» hat sich an dem Tag als hohler FirniB erwiesen* an dem er in das Horn der Haken-Kreuzteute geblasen hat und schinettertid blelbt von dem grofien Gelehrten — der preuBlsche Junker Uflrldt WIHamowltz von Mdl? lendorf iibrig, der von der Wahnwitzigen antisemit]- schen Psychose ernfichfert, sich nur dermaieinst bis in die tlefsten Drilnde seiner Qriechenseele schamen wird, daB er sie an seinem Lebensabend mit rUdesten antisemitischen Phrasen besudelt hat. Schade um ihn. Was geht in Deutschland vor? BrOnner Naohrichten. AN ALLE VOLKSGENOSSEN i Elite der helBersehntesten Forderungen des nationaljttdischen Programmes, die jiidische Schule ist verwirklicht, die jiidische Volksschule und das Reformrealgymnasium in Brilnn haben ihre Pforten .geoffnet. Nun, da der Unterricht begonnen haL beginnt so recht erst die Arbeit des Vereines „Jiidische Schule". Seine Organisation ausbaiiert, die materiellen Grundlagen fiir das jiidische SChUlwerk auf Jahre hinaus schaffen, das sind die grdftett.Åufgabem der Zukunffc, Hier aber bedar! es des Mllwlrkens aller Patio* nalgesimiteii Juden. Nicht fiir die jiidischen Kinder Briinns, sondern fiir alle jiidischen Kinder stehen diese Schulen dffen und insbeSondere das Reformrealgymnasium soli Alle Umfassenj die sich dem Studium widmen woilen. % Was ist zu tun? Allerorts, wo Juden wohnen, miissen sich Ortsgriippen und Zahlsteiien des Vereines „Jiidische Schuie" biideri, jeder der sich Nationaljude nennt, muB Mitglied sein. Materielle Opier miissen gebracht werden. Grundsteine zu 1000 K, Bausteine zu 500 K» Zlegelsteine zu 100 K werden uns ermtygHcheit, das notwendlge SchulgebSude noch Im heurlgen Jahre zu bauen. Nationale Vereine mogen ihre Mitgli^d^r. besteuern, einen Teil des Reine^ttages . ihrer Veranstaltung abfiihren. Nur im Zelchen der nationalen Opferwilligkeit werden wir siegen. JUDEN!! WERBET UND SPENDET Fl)R DAS JODISCHE SCHULWERKl Verein ^JBdische^SchuleV*^: Zuschriften sind zu richten: Verein „Jiidische Schule“, Brilnn, KoliSté 57. Spenden an die Vereinsadresse oder auf Konto des Vereines bei der Jiidischen Volksbank in Brilnn. s Tn friiT-gsp. JUdische Ablturlenten! Llebe Kollegen! An Euch, die Ihr die Mittelschule verlasset, um an einer der Hochschulen Briinns das Studium fortzusetzen, richten wir heute unsere Worte,, um Euch aufzufordern, unserem Vereine beizutreten. Nie war der Ruf nach Vereinigung aller jiidischen intellektuellen Krafcte wichtiger als heute. In unserem Vereine sollet Ihr Euch, nachdem Ihr Euere tagliche Arbeit beendet habt, zusammenfinden, um mit Gléichgesinnten und Gleichaltrigen gemeinsam die geistigen Werte unseres Volkes ,komm|n zu lernen. Ohne Riicksicht auf Euere Partéizugomlrigkeit sollet Ihr Euch, deren Gewinnung auf dem Boden des jiidischen Volkes steht, zu Gruppen zusammenfinden und neben dem allgemeinen Wissen insbesondere das Euch aneignen, das unser Volk zu seiner Wledergeburt im elgenen Lande und zu seiner Gesundung im Galuth béndtigt. Unser Verein ist bestrebt, jedem Mitgliede den Weg zur „Riickkehr zum Judehtum vor der Riickkehr ins Judenland“, zu weisen und Euch auf diesem Wége?u begleiten. Schwer sind die Schaden, die eine mehr als lOOiahrige Assimilationsepoche unserem Volke angetan hat. Doch sind sie nicht so schwer, daB sie, nach richtiger.Erkenntnis, nicht.wieder gutgemacht werden kflnnten. Ihr miisset woilen. Zurtick zum Judentum, zuriick zu uns selbst. Zuriick zum Geiste unserer Ahnen. Unser Verein wird Euch in Kursen die. gU-nouf Sprache unseres Volkes, das HebrtiscHe zu éigen machen, er wird Euch, wie er es im vergopgenen Jahre getan hat, die Geschiohte. unseres Volkes durch den Mund eine§ hQ(;bgeiejtrten und begeisterteij luden In etntr Wélnt vor Atm tthreiv durch fti Ihr die slttUdit OrdBe nnseres Volkes so VechV «r^ma|a werdet. Wir haben beschlpsseti« im komméndeit Jahre auch einen Knrs fiber jfldische Philosophlé zu erdffntn und gedenken ferner, einen sokhen fiberf die Geographie Palåstinas zu beghinen, Die „Halle,‘ soli Euch aber auch durch eine Sammttmg von Skripten, die, wir am Ende des vergatigenén Semesters begonnen haben, das Studuim erleichtérn. AuBerd,em wird Euch ein angenehmer Lesesaal zur Verffigttng stehen, in dem die wichtigsten Tageszeitungen, eine Anzahl von Zeitschriften^und fast efimtllclie IfidfSchen Biatter von Belang auf liegen. Nieht unerwahnt wollen wir unsere Bibliothek lassen.- Wir seheit der Krflftigung unseres Vereines durch Etteren Beitrltt mit Interesse jentgegen. Mit herzUchem. Schalom f. d. „JUd.-akad. Rede* und Lesehalle in Brilnn"! Norbert Presser, Ben* Qrtfnwal^ dzt. Schriftftthrer. dzt. Obmatut, Schule. liir hebr. Spracfie und likL Wissen tVolksschule Salzamtsgasse, II. Stock). L Lehrgang fUr hebrfilsche Sprache (Herr. 01aspr)L Zwel Stundeu wbchentlich, gesondert fiir Jugetrølij^ie^.imd Erwåcb sene, fiir Anfanger urid VorgeScbritt-ene... Einschrelbungi Montag, den 18. d. M., ftir JiigedhUcite (vc)ii, 8—16 Jahreh) von 6 Uhr, fiir Erwacbsené. ( Vdii ‘ 6— Uhr abends. Hiébei wird. Tag udd Stunde des. , Unterrichts im Einvernehmen,,2wischeriL,Lehrerrt ,un<t r Schfilem festgesetzt werden. — IL net>r» .Spracb* .ifc DisktissionsktirS (tteir SliBkirid). 1 Stunde. Wfichent^ llch, naCh tiebereinkfinft.Elnsqhr^lbUitgett„M6ntaAlri. 18. d., um f Uhr abends., — lil. DeimonatvLéitirgfinge,. aus jild. Geschlchte,(Professor GrUnfeid), 1. Fiir itigendliche: „Geschiqiite,.,der judeh . nacit .dem.Untergange des Reiches im Jaiire 70." 1 Stunde„wOchentr lich. Éinschreibungen und , Begjhp:. Mittwoch, den 20. d., ihn 5 Uhr naphth.: 2. Fiir Érwachsene; „Ge-. schichte. der Juden in der. Neuzeit." Jeden <$amsfag; , von 6 bis halb 8 Uhr. Einsqhfieibungen .und. Beghin,.. Samstag,,den 23. d. — IV.Vdrélipop^ikrLe^imeJfir' Biebel^fkiarung; (Professor 4 ScbørstejjtL,, 1 Stunde, wochentlich nach ,Ueberre^k'unft^ins^ré^|^ tag, den 18f. d., um 7 Uhr'abends?. — V.,TaliMj.|fi^iJl^.: rung,, - - (Prrf,^ Didhptpg, yon, 6-^r Uhr tag, deh;j(8. d.» um 7. Uhr ajbe*ij|it«,;i Waisenhausvereln. Sammlung Hermifle C z u c zka, Ponavkagasse, 20 K. Verein „JUdische Schule^ (SpendenauswelsL Theodor Huber 1000 K, Fa. Koritschan & Gompi 1000 K, Ing. Singer 1000-K, Josef -Spitzcr, Wolframs 500 K, N. N. 500 K, Isidor Streblhger 300 K, GrUnderbeitrag 200 K, Dr. Oskar FreUdenfeld 200 K, Markus Kral 150 K, H. Weinfeld 100 K, Kultusgemeinde Troppau 100 K, Siegfrled Gerber, Holi6 100 K, I. Mannschaft „Makkabi" aniaBlich Match Slavia-Makkabi 100 K, Siegiriéd KéBler 100 K,i Oskar Huber,' Olmittz 50 K, Karl Schindler, Ung.-Hradisch 50 K, Dr. Kohn Gustav 30 K, LiebschUtz 20 K, Rabb. Dr. H. Flesch 10 K, Jiidischer Volksverein, Neutitschein 100 K, Architekt Alfred Frledmann 5 K, MUller Adolf bei Kartenpartie Kral, Kohn, Hermann 50 K. jUd. Natiogalfond-Kom.misslon, BrUnn. (Spendenausweis.) B il chis d n: Markus Kral 7.20, Jakob SchOn 30.20, Karoline V5)ker 5, S. Klar 10, Ing. Muller 12.30* Alois Hochwald 3.04, Antonie HeBKy-5, Trude Hahu 13.39, M* Bréda 10, D. Ungar 1021; 1. Wolf 3.42, Friedujåtjp (Sélqnér|!) 13.74,;S. KeBler 31.60, K. Fuchs 16.20, Ticho u. Weil'2, S. Rappaport 10.02, Aufrichtjg?, O. Oottlob 9.73, A. Baum 12.58, Rlhar&Qh & .Kornitzer —.40, E. Singer 6.86, F. Lowy 5, 6. WeiB 16, B, Fréiwiliig JM Dr. DrachmahU 7.50, Rotter 3.50, L. Pollak JO.9O, AV. donat 3.53, N. Zelstl 2, J. Schwarz 1.24, j. Bondi 9, H. Singer 15.59, H. Eisner 10.18, Rest. Smctåna, 2.06, F. Rischawy 3.22, J. Hautler 6.02, 6. Mandler 1.30, L. Rosehfeld 2.96, A. Kupfernjaou 58.40, Blinder 6, J. Feiereiseri 1.64, A. MahrlschJ. I6.46, S, Hitzky 21.62, J. Muk'deti 4.39, P. Zeisel 2, Haupjtm. GrUni.5.87, M. ProBnitz 6.66, A. Klinger?i Kronen. S e 1 b st b e s t e uer u n g: Markus Kral 25, I. Kral 15, I. Kattner, J. Altmaiin å 20,1. Bttrsten* binder, M. Spindel, K- Schelumaitn. fi 5. A. Schallinger 30, H. Steruhell, I. Kahåne fi' 10, J. Salpeter, R. Scheinmaum W. Fischer fi 3. E, Fischer, P. Poddlfcr å l Krone-,. Oe 1 baume: Hatjkwah.zum Andenken an dte YerstojrbeueiL y&tej Atr A. H. RedHjjn, A. H Schneer, Bb. Mandler, Bb, Bratjn und Bb, Langer