Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 41 (14.10.1920)
- Date
- 1920-10-14
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Wir mUssen atten, die sich fUr uns ein* I sich Thein, Feig, Dr. Margulies, Freud, Finzi, Adler, vorbebaiten bleiben, spater werden die Pattstiøfr åmter direkt von der Zentrale in London oder Jerusalem errichtet und be2ahlt werden. Landmann bringt die Anregnng, daB reiche Paiastinainteressenten durch Entsendung von besonderen Vertraueirspersonen die Vorbereitung und Information fttr die Einrichtung von Industrie in Paiastina durchftthren lassen. Er bespricht sodann seine Intervention, bei Minister Dr. BeneS.- Debatte; In der Debatte sprechen Dr. Margulie9 und Dr. Hugo Herrmann zu der Emigrationsf rage. Oleichzeitig erstattet Dr. Herrmann sein Referat Hber den Distriktstag in der Slovakei. Finzi verlangt genaue Direktiven flir alle Einbruchssféllen der polnischen FlUchtlinge in der Cechoslovakei. Dr. Margulies wilriscfot, daB das zionistische Z. K. sich nur mit den Chaluzim besehfiftige und gibt die Anregung, daB durch die Person, welche die Qarantieverpflichtung flir den als Chaluz bezefchneten selbst klar werde inter partes, ob der Fliichtling vom P. A. oder den allgemeinen Hilfskomitees zu fibernehmen sei. Man milsse sich mdglichst rasch mit Dr. Bernhard Kann darttber ins Einvernehmeti setzen. Adler betont nochmals die groBe* Qefahr, welche darin besteht, Leute als Chaluzim weiterzuschicken, welche eventuefl in Wien verweilen, Eine strenge Scheidung zwischen Chaluzim und Nichtchaluzim miisse tfnbedingt darchgefiihrt werden. Fefg konstatiert, daB es ungeheuer schwierig sei festzustelfen, wer Chaluz sei, da eine entsetzliche Undfdnung besonders in Polen herrsche. In Zukunft milssen die Paldstinaåmter in dieser Hinsicht besser organisiert werden. Laricfmaim betøerkt, daB neue Direktiven seitens der englischen Regierung an die PaBåmter herausgegeben wurden mit deri folgenden. wichtigen Bestimmungen: Zionisten (Juden) haben die Auswahl durch das Palåstinaamt oder beim Konsul direkt die Vidiertifig ihres Passes zu besorgen. In le tz te rem Falle mUssen sie dem Konsul glaubwiirdig uberzeugen, daB sie im Stande sirid, sich selbstdndig im Lande zu erhalten oder, daB sie dortselbst eine Anstellung haben.. Jedes Land1 wird eine bestimmte Anzahl von Personen nach den Direktiven der zionistischen Leitung entsenden dtirfe*. Laut einem Vertrag werden im ersten Jahre 16.500 Personen mit Familie nach Paliistina einreisen diirfen. Bemittelte konnen sofort die Empfehlung erhalten. Ein Unterschied zwischen den Angehdrigen der Entente und ehemaligen Zentralstaaten wird nicht gemacht. Momentan kdnnen nur Leute mit genug Kapital oder die von Palæstina gefordert werden, von den Palttstinaamtern in Behandlung genommen werden. (Ann&herndes Kapital 1000 Pf. St.) Nach sechs Monaten wird es vielleicht tndglich sein eine grdBere Anzahl nach Palåstina zu bringen. Die Qualitttt der Chaluzim sei nicht schwer festzustellen. Erfordernis selen: 1. physische Eignung, 2. landwirtschaftliche oder gewerbliche Ausbildung, 3. etwas hebråisch. Hierauf gelangt folgender Antrag Finzi in Verbindung mit anderen Zusatzantrågen zur Annahme: Samtlichen Ortsgruppen soli mitgeteilt werden, wle sie mit Leuten zu verfahren haben, welche als Fliichtlinge in ihrem Qrte éintreffen, zu welchen Palfistinaamtern die Chaluzim zu schicken sind, welche Qeldmittel ihnen zur VerfUgung gestellt werden diirfen. In gleichem Sinne sind die Kultusgemeinden zu informieren. Von Jedem durchreisenden Chaluz hat die Mittellung an das nachste Pattlstinaamt unter Personsbeschrelbung (womoglich Photographie) mit der Benachrichtigung, welche Qeldmittel ihm zur VerfUgung gestellt wurden, anzugeben. Weiters wird die Anregung tibermittelt, das Fliichtlingskomitee soli mit samtlichen Hilfsorganisationen der Cechoslovakei zusammenarbeiten. Hierauf wird die Vormittagssitzung geschlossen. Bei der Nachmittagssitzung erstattet Insp. Slonitz eiuen Kassabericht, welcher genehmigt wurde. Die Abhaltung des Zionistentages wird fUr die Jahreswende bestimmt. Bericht der Delegierten bei der Jahreskonferenz: Leo Herrmann erstattet einen ausftthrlichen Bericht. ' San Remo hat uns unvorbereitet in Paiastina, unvorbereitet in der Organisation und im Volke ge« troffen. Fttr diese Situation konnten Vorbereitungen kleinen Qruppe, die letzt Zentral nicht getroffen werden. Nun rauB dei Arbeit begin* verkfirpern. Denn Rufiland ist als ittdtecher Begriff nen. Herbert Samdel hat seine ganze Politik åarauf. verschwunden, in Polen ist es nicht bekanut, wie die v setzen und eingesetzt haben, die Mdglichkeit geben, daB sie ihr, unser Werk vertiedigen kdnnen. Die Emigration ins Land muB so geregelt werden, daB daraus keine politischen Schwierigkeiten entstehen. In der Vorkriegszeit war die Situation die, dafi wir erwarten konnten, jeder Einwanderer werde das Kapital, das er brauche, selbst mitbringe. Es war sehr zu befUrchten, daB keine gentigende Anzahl von Menschen sich zu diesem Schritte entschelden wilrden. Jetzt haben wir Menschen zur Gcnttge, aber es fehlen uns die Oeldmittel. Es entsteht die Frage, wie schafft man die Miitel fttr den wirtschaftlichen Anfbau? Die Aufbauplttne haben wir bereits. Die Erfahrungen der Englander auf dem Qebiete der Kolonisation stehen uns zur Verfilgung und sollen verwendet werden. Es war ein Fehier der Leitung, daB sie es versttumf hat, der Oeffentlichkeit mitzuteilen, welche gewaltige Arbeit in dieser Hinsicht bereits geleistet wurde. So groB auch immer die Mittel sein werden, muB man scheiden zwischen Mitteln, die auf geschaftlicher Basis, und die von anderer Seite zur VerfUgung gestellt werdeu. Denn das geschaftliche Kapital ist selbst im Dienste der nationalen Gemein schaft nicht so schneli zu haben, wenn nicht bestimmte Sicherheiten geboten werden konnen. Wir stehen vor Finanzaktionen des Jewish Colonial Trust. Paiastina ist heute ein absolut unerschlossenes Land. Alle bisherigen Arbeiten waren nur Versuche. Der erste Grundsatz lautet, daB die erste ErschlieBung Paiastinas durch geschaftliche Kapitals werbung sich nicht durchftthren lasse, wenn nicht gleichzeitig von anderer Seite Kapitalien zur VerfUgung gestellt werden. Das ist der Gedanke, der zum Keren Hajessod geftthrt hat. Die kolonisatorischen Plane lieBep sich nicht in Angriff nehmen, weil sie von vornhereiiu abhangig sind von dem AusmaBe der zur VerfUgung gesteliten Mittel und den Tempo, in welchem wir sie bekomnjen. Mit der wfrklichen Auf bauarbeit kann marin erst im Frtthjahr des nachsten Jahres beginnen. Die bevorstehende Zeit ist sehr kritisch. Wenn wir diese Periode ttberstehen, hoffen wir nachstes Jahr eine Massenemigration in das Land zu leiten. Man verhandelt iiber eine Zahl von 16.000 Arbeiterseelen. Mit diesem Zuwachse wird man im nttchsten Jahr in Paiastina die Grundlage schaffen, im zweiten Jahr eine grbBere Anzahl ins Land zu bringen. Die Mehrheit der Unternehmungen muB rentabel sein, um zu beweisen, daB es sich lohnt In Paiastina zu arbeiten. Dadurch erwarten wir Menschenzustrom, Øefestigung der Situation, neue politische Resultate. Nach der Periode von 6 bis 9 Monaten, beginnt die Zeit eines kolossalen Aufbaues. In wenigen Jahren muB dieser Aufbau eine vollendete Tatsache sein. Indem wir. in diese Arbeit eintreten, muB es uns gelingen, daB gesamte Jttdentum mitzureiBen. Mit Paiastina werden wir die gesamte iiidische Welt vor etwas stelleri, was von hinreiflender Kraft sein wird. Auch die Menschen werden aus unserer Mitte herausgefioben werden, die diese gewaltige Arbeit werden leisten konnen. Dieses Direktorium wird dafttr zu sorgen, haben, daB der Fond selneu Zwecken nicht entfremdet wird. Das ganze Komitee wird so zusammengesetzt sein, daB es tatsdchlich ein das gesamte Judentum reprasentierender Faktor sein wird. Persdnliche Voraussetzungen werden unter der Untersttttzung Sir A. Mond geschaffen werden. Das zionistischp Zentral-Komitee wird In den nachsten Monaten zwéi Aufgaben zu losen haben: Erfassung Jedes Zionisten zum Maaser fiir den Keren Halessod. Im nachsten Jahr wird dfe Arbeit vlel leichter sein, riachdem wir vorher in groBem MaBstabe Gelder gesammelt haben,. Wenn hierauf die neue Arbeit In Paiastina vor sich schreitet, werden den gården groBen Aufbau des neu erstehenden Paiastinas durch einen lebendigen Apparat sozusagen „filmen“. Zum erstenmale werden wir das werdende Werk mit der Spende ledes einzelnen Juden in Verbindung bringen. Die agitatorische Kraft wird alle unsere bisherigen MaBe weit hinter sich lassen. Die Sechoslovakischen Zionisten gehdren zu der und * Østeuropa Kafka, Langer und Dr. Federmann beteiligen, werden verschiedene Fragen bezttglich des Keren Hajessod gestellt, welche Herr General-Sekretar Herrmann der Reihe nach beantwortet; er fiihrte u. a. aus, daB wir den Apparat des J. N. F. nicht ohne weiteres iibernehmen kdnnen. Das groBe Ziel sei nicht durch die Mittel des jttdischen Nationalfonds, sondern nur 'durch intensive Bearbeitung zu errelchen. Dazu reicht der Apparat des Nationalfonds mit seinen auf kleine Volkssammtung eingestellten Methoden nicht aus. Der N. F. wird wtthrend der Arbeit fttr den Keren Hajessod seine Arbeiten nicht einstellen, aber sich nur o uf die gewdhnlichen Sammlungen beschrftnken ohne irgend welche Spezialaktionen durchzufuhren, die nur zum Schaden helder Fonds geréichen wttrden. Dafttr wird dem N. F. ein Betrag bis zu 20 Prozent des Ertrages des K. H. fttr Landkauf zur Verfilgung gestellt werden. Ein Teil des Kapitals wird rentablen Zwecken zugeftthrt werden; infolgedessen wird es mdglich sein, jedem, der einen grdBeren Betrag zeichnct, fttr einen Teil dieser Summe Obligationen auszustellen. Diese Sache muB aber noch genau durchdacht werden. Es ist daran gedacht, schon bei den zionistischen Arbeitskomitees, die fttr diesen Zweck ttberall zusammengestellt werden, finanzielle und technische Abteilungen zu errichten. Die Yerwendung des zur Verfilgung gesteliten Geldes wird unter die Kontrolle des okonomischen Council gestellt werden, dessen Vorsitz in den Hånden Sir Alfred Monds liegt und dem die bekanntesten ittdischen Finanzleute Englands angehbren, sodaB schon die Zusammensetzung dieses Council den Spendern eine Garantie fttr die prdnungsgemttBc Verwendung des Fonds bieten wird, Eine genaue Rechnungslegung wird regelmSBig und bffentlich stattfinden, die Kontrolle, teils dem' Oekon.*Ceuncil* teii% dem »Ugemein ittdisobsn Komitee Uberantwortet werden. Die Vorarbeiten fttr den Keren Haiessor mttssen sofort in Angriff genommen werden. Die ganze Aktion wird durch ein Manifest der neuen Leitung und durch’ Instruktionen fttr die Sammlung elngeleltet werden, doch wird es sehr gut sein, wenn bis dahin die Vorarbeiten schon durchgefilhrt sind. Hierauf berichtet Blumenfeld tiber die Lage und die Vorarbeiten fttr den Keren Hajessod in Deutschlaud: Wir mUssen uns alle bewuBt werden, daB das delingen der ganzen Siedlung von . dem Geiingen des Karen Hajessod abhttngt. Gestern wurde in Berlin das continentale Bttro der Leitung konstituiert. Die Arbeit hat schon begonnen. Massensammlungen wttrden zu einem MiBlingen ftthren. Wir wéndén uns vor ållem an die Zionisten und verlangen tatsttchlich den Maaser. Denn erst, wenn die Zionisten ihre Pflciht getan haben, konnen wir hoffen, auch von Nichtzionisten etwas zu erhalten und dann, erst k6nnen wir an die ganze Judenschaft herantreten. Be! der Z. K.-Sitzung in Berlin war es uns auch allen klar. Wer nicht den Maaser gibt, kann nicht mehr Zionist genannt werden. Die 16 Personen, dte bei dieser Sitzung anwesend waren, zeichneten sofort einen Betrag von 750:000 Mark. Die Sammlung wird gelingen, wenn wir zeigen, daB es uns ernst ist. Erst wenn die Zionisten ihren Maaser gespendet haben, werden wir an die anderen herantreten konnen. Wir werden sie dadurch gewinnen, daB wir ihnen klar machen, daB die ganze Judenschaft nach dem Gelingen dér Pal&stinakolonisation beurteilt werden wird. Auf Antrag von London wurde beschlossen, den Schekelpreis auf 15 K einheitlich fttr den ganzen Staat zu erhOhen. Die fttr das Z. K. bestimmte Parteisteuer von 15 K fttr Bohmen, Mtthren, Schleslen und K 2.50 fttr die Slovakei bleibt dadurch unbertthrt. Den D. K. wird es anheim gestellt, die Hohe des von ihnen zurttck zu behaltenden Betrages selbst zuliestimmen. noch verschiedene Angelegenheiten (Verhaitnis zur Misracbiorganisatiou, Jugendkommission, Pressefragen) behandelt und erledigt wurden, wird die Plenarsltzung geschlossen,