Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 39 (30.9.1920)
- Date
- 1920-09-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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v.,-' >23*?,,'sSft^'**' mm Stit* 0. JOPMCÉB fQIIMHt—I Nr. 89. :A Von Wosbt zu Wooh«. D«r legftlmlstlsche Durchhalter. Wir haben ans in der vortgen Nummer unseres Blattes mit der Personlichkeit des Herrn Oskar Teufel beschåftigt, zu einer Zeit, wo er'noch nicht im Interesse der gesamten Wiener Presse stand. Nun liegt die Sache anders. Die EnthQIlungen der Wiener „Arbeiterzeitung" iiber die verbrecherische Haltung der magyarischen Gesandtschaft, des magyarischen Presscamtes des magyarischen auswårtigen Amtes, mogen Dementis erfolgen soviel wie moglich, zeigen die saubere . Haltung des ehemaligen deutsch-radikalen Abgeordneten Teufel. Wir beschåftigen uns mit diesem Herrn deshalb noch einmal, um unseren deutschen Juden so recht vor Augen zu fiihren, in wessen Gesellschaft sie sich befinden und ebenso der „Tagesbote44. Der „Tagesbote44, der sich weigert Annoncen jtidisch - nationaler Veranstaltungen aufzunehmen, selbst dann, wenn diese Inserate bezahlt werden, der „Tagesbote44,. der einen „Seder-Abend" zu inserieren sich weigerte, kilndigt mit groBen Lettern das Extrablatt des Briinner „Montagsblatt44 an, empfiehlt Seinen Abonnenten und Lesern die Lektiire dieses Extrablattes. Der „Tagesbote“, dieses Schutzblatt der hiesigen deutschen Juden, dieses Leibblatt gewisser jiidischer Kreise ist zum Bundesgenossen iener Zeitung geworden, die gerade die deutchen Juden auf das unflåtigste besudelt. Warum schweigt der „Tagesbote'4? Warum geht er aus seiner Reserve nicht hinaus? Es trifft ihn doch auch. Da gibt es keine Eutschuldigung. Ist der „Tagesbote41 einverstanden mit dem legitimistischen Leitartikel seines Bruderorganes, welcher Leitartikel nun vom Herrn Oskar Teufel, Kreishauptmann a. D., als Flugblatt versendet wird? Wer ist Oskar Teufel? Was schafft er in einem Blatte, dessen geistiger Leiter von Juden Briinns zum Abgeordneten gewfihlt wurde. Will Oskar Teufel Fllhrer der Sudetendeutschen werden? Schade um dieses Deutschtum. Oskar.Teufel war wåhrend des Krieges schwarzrot-goldener Durchhalter, so wie „Teut“ von der „Ostdeutschen Rundschau44, Herr Wichtel, Mag. Hummer und andere deutschen Recken. Herr Teufel war Durchhalter, damit er seine Qurken weiter gut verkaufen konnte. Er appellierte an das deutsche Volk der ehemaligen osterreichischen Monarchie wåhrend des Krieges durchzuhalten. Er zwang die Bliite des deutschen Volkes, sich zu Kriippeln schlagen zu lassen, duldete, daB die Elite des deutschen Volkes, im Schiitzengraben verdreckte, verlauste, daB sie wahnslnnig wurde vor bestialischer Mordgier und -lust, daB sie verblutete, krepierte, wd lirend er als Hauptmann einer „Roten- K r e u z-K o 1 o n n e“ im Hinterlande seine Qurken verkaufte. Teufels groBter Schmerz war nicht der Tod ungezåhlter deutscher Jilnglinge, — nein dieses Recken, der den Juden Feigheit vorwarf, groBtes Leidwesen war, daB er seinen Sabel und die Sterne ablegen muBte, weil Kommandanten von „Roten- Kreuz-Kolonnen44 solche Distinktionen nicht tragen durften. Dieser Recke mag noch so alt, so gebrechlich gewesen sein, er gehorte an die Front, um dem deutschen Volke zu zeigen, wie man durchhålt, — er wird nicht diter gewesen sein als V i n z e n z M a- 1 i k. — Aber das fiel Herrn Teufel bei Qott nicht ein. Er lieB lieber die anderen fiir sich kdmpfen. Und nun, da er die Hohenzollernideale aufgegeben hat, predigt er dem deutschen Volke, Habsburgerideale, nun ist er auf einmal schwarz-gelb geworden, jammert wegen des Verzichtes eines Anschlusses an Deutschland, und wimmert gleichzeitig nach einem Habsburger. Das deutsche Biirgertum hierzulande war stets in seinerPolitik ohnmdchtig, faselte und phraselte von deutschen „Belangen44, kann aber doch nicht so herabgekommensein, daB es nun die Politik eines abgewirtschafteten und politisch verkrachten Politikers gutheiBen mochte, der das dsterreichische Volk in seiner heutigen schweren Lage in die furchtbarsten Situationen bringen kann. So sieht, Ihr Israeliten Briinns, der Leitartikel Eueres Abgeordneten aus. Und sein Deutschtum diirfte auch nicht weit her sein, denn er ist tiichteinmal imstande, seinen Bruder deutsch zu erhalten, und wollte durchhalten. Der „Tagesbote44 meldet unter dem 27. September 1920, daB Fritz Teufel, Ritt« raelsfer d. R., el« Bruder Oskar Teufels, sein Gut an einen Cecblschen Koblenbåndler In Znalrn verkault håbe, Wenn da nicht alles Schwindel ist, was iiber die Unterdrflckung der Sudetendeutschen geschwatzt und geschrieben wird, so gibt es Uberhaupt keine Lumperei auf Gotteserdenboden. Das „Montagsblatt“ crregt sich iiber deutsche Mådehen, die Maitressen von Juden werden, und lfiBt es ruhig hingehen, wenn der Bruder seines Leitartiklers deutschen Grund und Boden verkauft. Wer unterdrtickt die Sudetendeutschen? Das „Montagsblatt4* wifrde schreiben, die jiidische rote und goldene Internationale; ist Ja gar nicht wahr. Die Familien der grBBten deutschen Durchhalter und Legitimisten. Brflnner Nachrichten. Erste Sltzung des verstårkten Ausschusses der Briinner israelitischen Kultusgemeinde. Sonntag, den 26. d. fand die lang ersehnte Sitzung des verstårkten Ausschusses statt. Trotzdem den Herren Zeit zur Vorbereitung genug geboten wurde, haben doch mehrere gefehlt, ohne daB vom Vorsitzenden Er^schuldigungsschreiben vorgelesen Wurden. Der Pråsident eroffnet, begruBt und erteilt dem Referenten Herrn Dr. Brunner das Wort. Dr. Brunner referiert, daB die Wahl auf breiterer Basis eine Forderung der Zeit sei, der man sich nicht långer verschlieBen konne, ohne den Kontakt mit dem Publikum zu verlieren. Er beantragt: 1. ein 9gliedriges Komitee zur Ausarbeitung der Statuten. 2. Mit der Verfassung des Elaborates wird er selbst betraut. 3. In das Komitee werden gewåhlt die Herren: Dr. Brlick, Dr. Haas, Hirschmann, OLG. Low, Rudolf MeiBl, Julius Schuller, Dr. Schulz, Dr. Pollenz und Dr. Såudek. 4. Das Komitee muB innerhalb 3 Monaten mit der Arbeit fertig sein. Herr Dr. Sonnenfeld erbittet sich das Wort zu einer Erklårung im Namen des Jiidischnationalen Klubs, die in der Forderung nach der Schaffung einer Volksgemeinde, des allgemeinen, gféichen, direkten Wahlrechtes mit Proporz ausklingt. Die Erklårung Dr. Sonnenfelds, die in sachlicher Weise vorgetragen wurde, rief bei einigen Herren eine Nervositåt hervor, die gar nicht am Platze war, vielweniger aber war zum Schlusse die Sitzung, als Herr Schuller, dem im Laufe der Debatte durch einen SchluBantrag das Wort genommen wurde, seine Erklårungen geben wollte, AnlaB geboten, daB einige Herren voreilig die Sitzung verlieBen, wobei sich ein Mitglied des Ausschusses zu einer åuBerst unparlamentarischen AeuBerung hinreiBen lieB, ohne vom Pråsidium zur Ordnung gerufen worden zu sein und ohne sich entschuldigt zu haben. Wir erwarten von dem betreffenden Herrn eine Entschuldigung in der nåchsten Sitzung, die er der Korperschaft schuldet, deren Mitglied er jetzt zu sein, die Ehre hat. Es geht nicht an, daB man die Kultusgemeinde derart degradiert, im Glauben, man konne sich dort alles erlauben. Die Antråge des Herrn Dr. Brunner wurden akzeptiert. Was geht an den hiesigen deutschen Mittelschulen vor? Es hat sich am deutschen Realgymnasium der Fail ereignet, daB jiidische Schiiler, die der Feiertage wegen, keinen Religionsunterricht hatten und sich aus den Klassen entfernten, nach ihrer Riickkehr auf der Tafel die Aufschrift lasen: Juden hinaus! Kleine Zettel mit derselben Inschrift fand man in den anderen Klassen. Wir verlangen von der Schulbehorde, daB sie der Sache nachgeht und werden diese Angelegenheit dem Landesschulinspektoriat zur Kenntnis bringen. Das deutsche Realgymnasium bedarf noch jiidischer Schiiler. Die Herren Lahrer mochten wir nachdriicklichst ersuchen, mit der antisemitischen Hetze aufzuhoren, denn daB die Herren Lehrer von dieser Tåtigkeit ihrer Schiiler keine Kenntnis håtten, ist kaum zu glauben. Juden hinaus! Der Ruf erschallt und wir Juden werden ihn horen! Juden hinaus aus dem deutschen Realgymnasium und kommt ins jiidische. Will der Herr Graf ein Tånzchen wagen?! Vereln „Jiidische Schule“. Am Samstag, den 25. d. Mts., fand unter sehr måBiger Beteiligung die erste Generalversammlung des Vereines statt. Der Vorsitzende muBte von dem Paragraph Gebrauch machen, der nach Vastiindigem Warten jede Generalversammlung flir beschluBfåhig erklårt. Nach den einleitenden und begriiBenden Worten des Vorsitzenden Herrn Siegfried K e s s 1 e r ergriff der Sekretår des Vereines Dr. S. Klarer das Wort zu einem Bericht. Ans diesem geht hefvor, daB der Verein an 250 Mitglieder zfthlt, daB eine Ortsgruppe in 01miitz im Entstehen begriff en ist, daB die Sammeltåtigkeit des Vereines die Summe von ca. 30.000 Kronen erreicht hat, daB in Brunn 2 Privatschulen mit Oeffentlichkeitsrecht eroffnet wurden, von denen die Volksschule 22 Schiiler und die Mittelschule (Typus Reformreaigymnasium) 34 Schiiler zåhlt. In der Werbetåtigkeit muB ungehindert fortgesetzt werden, weil ein Jahresbudget fiir 1920-21 von KC 80.000 zu bedecken sei. Den Herren Dr. Artur Feldmann, Ing. Max Singer, Dr. Drachmann, Otto Weich wurde der Dank ausgesprochen. — Neugewåhlt wurde folgender AusschuB: Siegfr, Kessler Obmann, Otto Weich 1., Adolf Miiller 2. Stellvertreter, Dr. Steinschneider, Dr. Klarer Schriftfiihrer, Frau WeiBkopf, Josef Laufer Kassier, Julius Schuller, Ing. Singer, Ing. Friedmann, Kupfermann, Prof. Lemberger, Dr. Jos. Lamm, Dr. Sonnenfeld. Zum Ehrenmitglied wurde Prof. Dr. Eduard Drachmann ernannt. Makkabi, Verein ftir Turnen und Sport. (Turnsektion.) Das Turnen findet in dem neuhergerichteten Turnsaale Krona 21 (Jubilåumsschule) statt. M o n t a g und Donnerstag: Knabenabteilung I (von 8—12 Jahren) von halb 6 bis halb 7 Uhr abds.; Knabenabteilung II (von 12—17 Jahren) von halb 7 bis halb 8 Uhr abends. Månnerabteilung (von 18 Jahren aufwårts) von halb 8 bis 9 Uhr abends. — Mittwoch und Samstag: Kinderabteilung (von 3—7 Jahren) von 4—5 Uhr nachm. Mådchenabteilung I (von 8—12 Jahren) von 5—6 Uhr abends; Mådchenabteilung II (von 12—17 Jahren) von 6—7 Uhr abends. Frauenabteilung (von 18 Jahren aufwårts) von halb 8 bis 9 Uhr abends. — Neuanmeldungen wåhrend der Turnstunden. Ab 15. Oktober sind ein Gesundheitsturnen fiir åltere Herren (von 35 Jahren aufwårts) eingerichtet. Das Turnen wurde jeden Dienstag von 8—9 Uhr abends unter Leitung eines Fachmannes stattfinden, wenn eine Mindestanzahl von 15 Teilnehmern sich meldet. Anmeldungen fiir diesen Kurs werden wåhrend der Turnstunden im Turnsaale von den Kassierern entgegengenommen. Sonntag, den 26. September absolvierten die Mannschaften des S. K. Makkabi folgende Wettspiele: Old Boys Makkabi : Hasmonåa 6:2. Unsere Old-Boys zeigten viel guten Willen und gewannen das Spiel infolge groBerer Routine ihrer Stiirmerreihe. Im Tor brillierte Allerhand, der einige schone Proben seines Konnens zum Besten gab. Gegen den korperlich stårkeren Gegner hatte die junge Hasmonåa-Mannschaft einen schweren Stand. Das erzielte Resultat stellt ihrem aufopfernden Spiel ein schones Zeugnis. S. K. Makkabi Junioren : S. K. Mor. S 1 a v i a J u n. 1:0. Sehr schfines Spiel unserer Jungmannschaft. Einzelne Spieler hervorzuheben ist unmQglich, da alle ihr Bestes hergaben. Besonders auffallend, weil ungewohnt, das schone Kombinationsspiel der Angriffsreihe. S. K. Makkabi Ib versus S. K. Mor. S la via Ib 0:3. Dieses Wettspieles kann nur mit dem Ausdrucke tiefster Beschåmung gedacht werden. Die Ehre der Mannschaft wahrten halbwegs Tragatsch als rechter Verteidiger, Drucker als Zenterhalv und ReiB II als rechte Verbindung. Gut, wie immer, Braun im Tore. Alles andere — unter der Kanone. S. K. M a k k a b i la : S. K. M o r. S 1 a v i a la 0:3 (0:0). Unter ungeheuerer Anteilnahme eines fast 3000kopfigen Publikums gelangte dieses Wettspiel vergangenen Sonntag auf dem Sportplatze des S. K. Mor. Slavia zur Austragung. Das Resultat, und das sei gleich vornwegs geSagt, entspringt einem vollkommen regulåren Spiel, das mit kleinen Abstechern beiderseits durchaus fair gefuhrt wurde. Auch kann keine der beiden Parteien behaupten, daB ihr Spiel durch die Entscheidungen des Schiedsrichters gehandingt worden wåre. Die Mor. Slavia befindet sich dz. Ufelånzender Form, sie repråsentiert gute Wiener I. Klasse. In allen Mannschaftsteilen wohl ausbalanziert, stets zu allen Wettspielen in gleicher Aufstellung antretend, einem harten und streng durchdachten Training huldigend, muBte man ihr auf ihrem eigenen Platze im Voraus die grbBten Chancen zusprechen. Und doch håtte es leicht anders kommen konnen. Makkabi konnte wåhrend der ganzen 1. Halbzeit eine schwache Ueberlegenheit iiber den Gegner festhaiten, leider kam dies nicht ziffernmåflig zum Ausdruck. Einen BombenschuB BoroS’s vermochte der Tormann noch zu halten, ein Korner gegen M. Slavia blieb unaus-