Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 39 (30.9.1920)
- Date
- 1920-09-30
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 39. JUWSCHE VOLKSémMME" S4t« 5. BorkoA Der „Vorwfirts" berichtet, daB die Hafenarbeiter in Emden gedroht haben, den Verkehr nach Borkum lahmzulegen, weil sie fiber die dort herrschende beispieliose Schlemmerei emport sind. Borkum ist ein „Judenreiner", antisemitisch - alldeutscher Badeort, der sogar eine eigene antisemitische Nationalhymne, das „Borkumlied", besitzt, die nach der „Deutschen Zeitung" jedem dortigen Badegast unentbehrliches Tagesbedfirfnis ist. Der „Vorwfirts" bemerkt dazu:: „Diese Tatsachen ver dienen um so mehr festgehalten zu werden, als die alldeutsche Presse wochenlang versucht hat, die Schlemmereien in den Badeorten ausschlieølich den jfidischen Badegasten zur Last zu legen. Wir bestreiten keineswegs, daB auch jfidische Badegfiste oft durch Luxus und Schlemmerei AnstoB erregt haben. Der Fail des „judenreinen" Badeortes Borkum beweist aber, daB die Schlemmerei mit Rasse und Konfession nichts zu tun hat, und daB die begtiterten Deutschnationalen, wo sie ganz unter sich sind, sich kein Gewissen daraus machen, die Milch der Sfiuglinge zu verschlemmen — mit angelegtem Hakenkreuz und unter Absingung des Borkumlledes." J. P, Z. Z. Der Keren Halessod in Deutschland. Das zionistische Zentralkomitee in Deutschland hat auf seiner Tagung vom 5. August beschlossen, alle Zionisten zur Abgabe von 10 Frozent ihres Vermfigenseinkommens zu Gunsten des Keren Hajessod zu verpflichten. Die erste bei den Anwesenden vorgenommne Zeichnung ergab 750.000 Mark. 20 Herren sagten ihren freiwilligen Dienst filr die Sammelarbeit zu. Dr. Hantke Leiter des „Kontinentalen Biiros“ fiir Keren Haiessod. Dr. Arthur Hantke, friiher Mitglied der zion. Exekutive, ist nach Berlin zuriickgekehrt. Dr. Hantke, der seit dem 10. Basler KongreB (1911) das Ressort der Organisation und zuletzt in London auch das Finanzressort der zion. Leitung innehatte, ist bekanntlich infolge der Neuorganisation bei der Londoner Jahreskonferenz aus der Exekutive eusgeschieden; er wurde mit der Leitung eines neu kreierten „kontinentalen Bfiros" betraut, das besonders die Sammlungen ftlr den Keren Hajessod zu ffihren haben wird. J. P. Z. Z. Moser in Berlin. Der bekannte Zionist, Friedensrichter Moser (Bradford), der Stifter des hebr. Gymnasiums in Jaf fa, ist in Berlin angekommen. SCHWEIZ. Jiidlsches Jahrbuch fiir die Schweiz. Der 5. Jahrgang des „Jfidischen Jahrbuches fiir die Schweiz" ist zu Rosch-Haschonah im Verlage des Jfidischen Jahrbuches Basel erschienen. (260 Seiten, Preis Fr. 3.50.) Das fein redigierte und illustrierte Buch weist fiber 30 literarische Beitrfige belehrenden und unterhaltenden Inhaltes auf, aus denen u. a. hervorgehoben seien: „RUckblick", Rabb. Dr. Colin: Rfickkehr nach Zion, Rabbi Kuk: Erez Jisroel, Louis Wyler: Die Karlsbader Hilfskonferenz, Dr. Ascher: Wir sind ein einig Volk und einig wollen wir handeln, Ing. Ginsburg: Die Judenfrage, Nathan Birnbaum: Ihr und Ich, L. Kr aus: Ein Blick hinter die Kulissen, Erwin Tauber: Davids Hirtenlied, Dr. Robert Guggenheim: Zur Physiologie des Schfichtens, Dr. Rapaport: Jfidische Emigrationsprobleme, Dr.i Suhl: Zur jfidischen Kiinstlerbewegung in der Schweiz, Bernhard Weinprt: Dunants Bestrebungen fiir Palfistina, Mordechai Vogelmann: Elia Hanowi, Messinger: Aus vergangenen Tagen. J. P. Z. Z. wohi gegnfigend beglaubigte Quellen ffir ihre Berichterstattung aus der Schweiz vorliegen dfirften. J. P. Z. Z. OSTERREICH. Aufrul des rechten Flfigeis der Poale Zion. Der zu einer selbstfindigen Partei konstituierte rechte Flfigel der „Poale Zion" hat einen AufruUerlassen, in welchem den Linken der Vorwurf der Untfitigkeit in bezug auf den Aufbau des jfidischen Ar* beiterzentrums in Palfistina gemacht wird. Diese Tendenz kam zunfichst in der Gegnerschaft zum zion. KongreB zum Ausrduck und gelangte bald zur Gleichgiiltigkeit dem Zionismus gegentiber, manchmal sogar zur Gegnerschaft gegen Palfistina. Man wolle die JPoale-Zion-Bewegung sowohl in Palfistina als auch im Galuth auflerhalb des jild. Lebens stellen. Von dieser Politik nationaler Passivitfit und Isolierung ist nur ein Schritt zur nationalen Liquidation und von dieser zur offenen Assimilation. Sie dagegen wolle fiir die Interessen der jfid. Arbeiterschaft in allen Organen der jfid. demokratischen Hilfsverwaltung kfimpfen, auf allen Fronten den Kampf des jfidischen Proletariates ffihren — im ZionistenkongreB, im jfid, WeltkongreB, im jfid. Arbeiter-WeltkongreB. Das Wiener Bttro des Weltverbandes Poale Zion teilt mit: Die fiinfte Weltkonferenz hat in das europfiische Sekretariat des Verbandsburos folgende Genossen gewfihlt: Ben-Gurion, Kaplansky, Locker, Rubaschow und Zar. Das europfiische Sekretariat zerffillt in zwei Abteilungen: London (Ben-Gurion, Kaplansky) und Wien (Locker, Rubaschow, Zar). In allen Angelegenheiten der Palfistinaarbeit (mit Ausnahme der Auswanderungsfragen), ferner des Palfistina-Arbeiterfonds und der internationalen Beziehungen wende man sich an das Londoner Bfiro. Vorlfiufige Adresse: Confederation Poale-Zion, 27 Sandys Row, Bishopsgate, London E. 1. Alle Zuschriften in Angelegenheiten der Organisation, Propaganda, Finanzen, sowie der Auswanderung nach Palfistina sind an das Wiener Bfiro zu richten. Vorlfiufige Adresse: Bfiro Poale-Zion, M. Singer, Wien II.Mumbg. 2/26. In das Arbeitssekretariat in Jaffa wurden die Genossen D'eri-Zevi,' Blumenfeld und Katznelson gewfihlt. Weitere zwei Mitglieder werden von der palfistinensischen Partei „Achduth-Haavodah" ernannt werden. Die Adresse des Arbeitssekretariats lautet: Palestine Workmens Fund, Jaffa. Die Resolutionen der Weltkonferenz sind bereits im Druck und werden in den allernfichsten Tagen versandt. J. P. Z. Z. RUMXNIEN. Bialik’s Einreise nach BeBarabien. Laut „Mantuirea" )iat Bialik durch Vermittlung der rumfinisch-zionistischen Federation an die rumfinische Regierung das Ansuchen gerichtet, ihm die Einreise nach Rumfinien zu gestatten, da er das bolschewistische RuBland verlassen und mit Familie nach Palastina fibersiedeln mochte. Dem Ansuchen Bialiks wurde stattgegeben; seine baldige Ankunft in Bessarabien steht bevor. J. P. Z. Z. Ein hebralsches Lehrersemlnar in Rumfinien. Bukarest, 9. September. J. C. B. Dei Vorarbeiten ffir die Eroffnung einer hebrfiischen Lehrerbildungsanstalt in GroBrumfinien stehen vor dem AbschluB. Budget und Finanzen sind gesichert. Es wurde ein Konsortium unter dem Vorsitz des Rabbiners Dr. Niemirower gewfihlt. Die erste hebrfiische Lehrerbildungsanstalt ffir GroBrumfinien wird in Braila eroffnet, sobald die entsprechenden Lehrkorper zusammengesetzt werden. Cuza noch immer Antisemit. zwischen Palfistina und Bulgarien hat ihfv Tfitigkeit in Palfistina aufgenommen. Der ffir die Leitung der Geschfifte Palfistinas bestimmte Verwalter dieser Bank hat sich fiber Konstantinopel nach Palfistina begeben. UNGARN. Zionist. Konferens verboten. Die zion. Konferenz, die am 26. August in Budapest stattfinden soilte, ist von den Behdrden verboten worden. Gemelndebibliothek in Pest. Die Budapester jild. Gemeinde hat den Ankauf der Bibliothek des verstorbenen Oberrabb. Dr. Samuel Kohn beschlossen, die in Vereinigung mit der schon friiher erworbenen Bibliothek Wilhelm Bachers, die Grundlage einer Offentlichen Gemeindebibliothek biiden wird, zu deren Leiter Rabb. Dr. Max WeiB, ernannt worden ist. J. P. Z. Z. JUGOSLAVIEN. Studententag In Osiiek. Am 9. und 10. August fand in Osijek" der erste jfidische Jugendtag Jugoslaviens statt. Der Konferenz der Delegierten waren 2 Vorm^ttage gewidmet. Der Geschfiftsbericht des Aktionskomitees zeigte die Resultate der verflossenen Arbeitsperiode Bemerkenswert ist die Griindung zweier Chaluz-Gruppen in Bijeljina und Vilovo. Man hofft das in Bijeljina bearbeitete Gut bald in eigene Verwaltung tibernehmen zu konnen. 120 weitere Chaluzim sind ahgemeldet. In Sarajevo wurde eine hebrfiische Schule „Safa Berura" mit 250 Schiilern, in Zagreb ein hebrfiisches Kuratorium mit 5 Kursen gegrfindet. Kleinere hebrfiische Kurse hat fast jede Ortsgruppe veranstaltet. Besonders hervorgehoben werden die Leistungen auf dem Gebiete der Gymnastik und des Sportes, wovon sich die Teilnahme des Jugendtages an den sich anschlieflenden Veranstal tungen hestens Uberzeugen konnten. J. P. Z. Z. Antisemitische Propaganda russlscher Emigranten lp Serbien. Belgrad, 10. September. J. C. B. In elner in Serbien erscheinenden russischen literarischen Revue hat der bekannte russische Schriftstellre Breszko- Bereschkowsky (Sohn der „Mutter der russischen Revolution" Bereschkowskaja) einen scharfen antisemitischen Aufsatz veroffentlicht. Der Autor versucht, durch Berufung auf ein nie stattgehabtes Interview zwischen dem tiirkischen Zionisten Dr. Caleb und Trotzky, nachzuweisen, daB der Bolschewik Trotzky und der Zionist Dr. Caleb beschlossen haben das russische Imperium zu zertrfimmern und auf den Ruinen des alten RuBland einen jfidischen Staat zu errichten. Es wird im allgemeinen konstatiert, daB ein groBer Teil der immer liberal gewesenen > russischen Intelektuellen nunmehr unter den Eindrficken des Bolschewismus und der Ruine des groBen RuBland, dem Antisemitismus verfallen, den sie auf ihrer Emigration im Ausland in Wort und Schrift propagieren. TORKEI. FliichtHnge in Konstantinopel. In Konstantinopel sind 76 aus Paris abgeschobene russische Juden eingetroffen, deren Lage eitie entsetzliche ist. Sie befinden sich in einem Lager und sollen an die Sowjet-Regierung ausgeliefert werden. Der Chacham-Baschi bemiiht sich um ihre Befreiung. J. P. Z. Z. Das jfidische Hilfswcrk in der Tfirkel. Schfichtfrage. In den verschiedenen jfidischen Tageszeitungeu wird, anschefig&nd auf Grund einer in einer hebraischen Wochenschrift erschienenen Korrespondenz aus der Schweiz, berichtet, daB in der Schweiz in Kiirze eine Volksabstimmung fiber die Schfichtfrage stattfinden soli, und daB begrfindete Hoffnung auf Aufhebung des Schachtverbotes bestfinde. Vorderhand ist weder die Volksabstimmung und noch viel weniger eine Aufhebung des Schfichtverbotes zu erwarten. Es wfire wirklich wunschenswert, wenn die auslandischen Zeitungen mit der Annahme ihrer Berichte aus der Schweiz etwas vorsichtiger wfiren, da ihnen ja in der „Jfidischen Pressezentrale Zttrich" und dgra »Israelit. Wopbenblatt ffir die Schweiz" Im Verlauf der am 28. August abgeschlossenen Sommer-Session des Parlamentes, hielt anlaBlich der Beratung fiber die Minoritfiten-Klausel Abg. Cuza eine antisemitische Rede, worin er auch das Auditorium von der nichtjfidischen Abstammung Christi zu iiberzeugen versuchte. Sowohl der Kammerprasident als auch AuØenminister Jonescu lehnten jede Verantwortung ffir dieses gehfissige Auftreten gegen die jfidische Bevdlkerung ab. J. P. Z. Z. BULGARIEN. Die „Bulgaro Palestinian bank". Konstantinopel, 9. September. J. C. B. Die bulgarisch-palfistinensische Bank fiir die Entwicklung der wirtschaftlicben und industriellen Peziehungen Konstantinopel, 10. September. J. C. B. Infolge der aus dem Sfiden RuBlands nach Konstantinopel zustromenden groBen jfidischen s Flfichtlingsmassen herrscht unter ihnen furchtbares Elend. Ffir Linderung dieser Not hat das American Joint Distribution Committee hierher einen Sonderdelegierten, den Dr. S. J. Sawitzky entsendet, der bereits die Hilfstfitigkeit in groBem Umfange in Angriff nahm. Dr. Sawitzky hat fiir die autonome Durchffihrung des jiidischen Hilfswerkes in der Tfitigkeit eine aus allen Scbichten der einheimischen und zugewanderten Juden zusammengesetzte Organisation gebildet, die nicht allein die momentane Hilfe gewfihren, sondern auch den wirtschaftlicben Wiederaufbau praktisch betfitigen wird.