Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 38 (23.9.1920)
- Date
- 1920-09-23
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 84% known words query
- IRI
…/2621806-2622069-2622106--4508-2625815- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
m. 38. votmrtMME* SUMS. Jffldlschnatioilaleu 1 Ois wire docb inm ftenksr, wenn eiit Prochaska: che Hlndarnisse ort, uilsere Schu- [ dié Juden belehren wo déB jildischeti EinfluB aus, Ulds ware es Ja angenehm, weil unser Sport, uilsere Schu- J dié Juden belehren wollte. Dieser Prochaska u..« len unsere Bibliotheken blilhen werden. Aber Herr dieser Czernoch will die magyarische Intelligenz vor eufel meint ja nicht uns, Herr Teufel und das „Mon-r dem Juderitume schiitzen. Ja wer ist denn magyaritagsblått' meint die deutschen Juden, die Juden, {sche Intelligeiiz. Slovakische Renegaten, wie Czerdie Herrn Abgedrdrteten Dr. Baeran noch und Prochaska, magyarisierte Serben, Deutsche gewåhlt haben und die jetzt zum Danke dafur durch und Rumanen. den Kot gezérrt werden. DaB aber der „Tagesbote“ als Leibblatt diescr Juden mit keinem WWte auf die verbrecherischen Anwiirfe seines bundesbriiderlichen Blattes reagiert, im Qegenteil hin und wieder selbst ins Antisemiteln verfåflt, zeigt nur, wie gerne es die Herren — auch die Jttdischen — des „Tagesbote“ lesen, wenn Juden im „Montagsblatt" beschmutzt werden. Die Juden in der deutsch-demokratischen Freiheitspartei werden sich holfentlich doch aufraffen milssen, Anwiirfe,die das ganze Judentum treffen, abzuwehren, sonst werden wir ihnen das Recht, in jiidischen Angelegenheiten mitzureden, absprechen milssen. Herr Qurkenteufel mag weiter seine monardhistischen und Iegitimistischen Ideen im „Montagsblatt" ablegen, wir haben nichts dagegen, nur moge er die Juden dabei schon aus dem Spiele lassen. Herr Qurkenteufel, als neuer Bundesgenosse des „Tagesbote", weiB nur zu gut, daB die sogenannten sudetenliindischen Deutschen nicht einmal imstande sind die Aufschrifttafel des Briinner deutschen Volksrates zu schiitzen, daB sie ohnmåchtig sind, aus eigenen m a t e r i e 11 e n M i 11 e 1 n irgend ein Kulturgut zu erhalten und daB sich kaum ein Politiker jemals so låcherlich gemacht hat, wie diese KleingernegroBe, die „Herbstzeitlosen" zu. benennen, heute ein Bismarck kaum wagen wlirde. Der Herr Qurkenteufel aber moge bei seinen Ourken bleiben, denn seit dem er sich selbst zum Kreishauptmann gewåhlt hat, hat ihn kein anderer Mensch mehr gewåhlt. Es freut uns, daB er Legitimist ist. Denn jetzt steht er dort, wohin er schon lange gehorte. Fiirstprimas Czernoch und BIschof Ottakar Pro chaska. Wenn unbefangene Menschen die Namen dieser beiden Kirchenteufel horen — denn Engel sind sie trotz ihrer roten Måntel christlicher Nåch stenliebe nicht — so wtlrde er schworen, der eine sei Kirchenfiirst in Nachod, der andere gar Bischof von Olmiitz. Warum denn nicht. Ohne irgendwem wehe tun zu wollen, konnte doch ein Czernoch und auch ein Prochaska cechischer Nation sein, dem Namen nach. Und es wåre gar nicht fehlgegriffen. Denn Czernoch stammt aus Skalicz und Prochaska wird auch nicht weit davon geboren sein. In ihrer Jugend haben sie schon slovatøsch gesprochen, bevor magyarischer EinfluB groB geworden ist und heute sind diese Renegaten ihres angestammten Volkes eingefleischte Magyaren. Ihre QroBvater trugen noch Chalena und Kosirek, die Enkel aber Kalpak und Mente. Warum auch nicht. Auch Kirchenfiirsten hången ihre Miintef nach dem Winde. Und jetzt weht im Magyarenlande christlicher Qeist und von diesem sind auch die Kircheiifiirsten beseelt. Und da bekanntlich die Juden stets solehen Priestern ein Dorn im Auge waren, so lassen sich diese hohen Herrschaften herab, um zu den Juden zu sprechen. Herr Czernoch will die Juden religioser haben. Nach ihnen, Herr Czernoch — pardon Eminenz — nach ihnen! Zuerst werden sie religioser, und in erster Linie ihr famoser Herr Zadravek — muB auch ein Urmagyare sein —, wir Juden werden dann gerne von ihnen lernen. Zeigen sie uns Juden, wie christliche Nåchstenliebe praktisch geilbt wird und sie werden an den ungarlåndischen Juden gelehrige Schiller haben; denn wenn sie Herr Czernoch und Herr Ottakar Prochaska nur halb so religios waren, dann ‘wiirde man mit ihnen sehr zufrieden sein. Besteht denrt christlichmagyarische Religion darin, jiidisclie Studenten zu kastrieren, jiidische Mutter zu sehånden, jiidischen Mådehen Qewaltanzutun, zu stehl^n, zu rauben, zu morden; scheinbar ja, denn das tun doch ihre katholischen Magyaren, die mit eurem Segen begnadet sind. Kehret vor eigenen Turen aus, ihr hochmiitigen kaltherzigen Herren, kehret vor eigenen Turen aus, ihr Henker und Verbrecher, werdet erst selbst Menschen, die ihr trotz eurer Kutten, nur Bestien seid, und dann kdnnet ihr eueren Juden Vorstellungen machen, die mehr von der Kultur vergessen haben, als ihr je besaflei Magyarische Intelligenz ist hochstens beim Wein, beim Spiel und beim Csardas zu finden und wenn Juden nicht an magyarischer Wissenschaft mitgearbeitet håtten, so wåre das liebe Magyarenland mitsamt seiner magyarischen Bewohnerschaft kultureli tiefer als der letzte Huzule und Kamtschadale. Es ist wahrlich eine gerade zu perverse Arroganz soleher volkischer Renegaten, die Juden belehren zu wollen. Tuet lieber Dehmut Ihr Kirchenfiirsten und ahmet Ihm nach, seid aber nicht hochmiitig und unverschåmt, die ihr in Liebe und Dehmut wandeln sollet vor Euerem Herren I Briinner Nachrichten. Måhrsfch-schleslscher Rabbinertag in Briinn. Am 1. d. M. begann um 11 Uhr vormittags im Sitzungssaale der israelit. Kultusgemeinde in Briinn die diesjåhrige Generalversammlung des Verbandes cler Rabbiner Måhrens und Schlesiens, zu welcher folgende Herren erschienen waren: Dr. Bock-Auspitz, Dr. Flesch-Kanitz, Dr. Goldschmied-Proflnitz, Doktor Hoff-Bisenz, Dr. Levy-Briinn, Dr. Oppenheimer-Olmiitz, Dr. Schweiger-Kremsier, Dr. Schwenger-Lundenburg, Dr. Willmann-Nikolsburg. Nachfolgende Herren gaben ihren Sympathien fur den Verband Ausdru'ck und wiinschten in ihrem Entschuldigungsschreiben den Verhandlungen besten Erfolg: Doktor BaB-Oderberg, Rabb. Alt-Schaffa, Dr. Diamant-MiBlitz, Dr. Gescheit-Triesch, Dr. Handl-Eibenschitz, Dr. Hillel-Leipnik, Dr. Kahan-Znaim, Rabb. Kurzweil- Pirnitz, Dr. Mandl-Neutitschein, Dr. Rahbinowicz- Måhr.-WeiBkirchen, Rabb. Schap-Tobitschau, Doktor Spira-Måhr.-Ostrau. Die Tagesordnung umfaBte die Punkte: 1. Pråsidialbericht. 2. Bericht des Schriftfiihrers. 3. Kassabericht. 4. Gehaltsregulierung sowie Erhdhung der Taxen und Gebiihren. 5. Novellierung a) des Statuts der isr. Kultusgemeinden, b) der Pensionsversicherung der Rabbiner und iibrigen Kultusangestellten. 6. Griindung einer Hilfs- und Darlehenskassa und Krankenversicherung. 7. Die Frage des Religionsunterrichtes und des Lehrplanes. 8. Griindung einer Zeitschrift, Bibliotheksfragen. 9. Das jOdische Eherecht im Sechoslovakischen 'Staate. 10. Standesfragen, Eventualia. Der Tåtigkeitsbericht der Verbandsleitung wurde mit lebhaftem Beifall und allseitiger Befriedigung zur Kenntnis genommen, insbesondere wurde dem Pråsidenten Dr. Goldschmied-ProBnitz und Dr. Levy Briinn fiir ihre im Vereine mit dem Vorstande des Landesverbandes der Kultusgemeinden und des måhr. Landesmassafondes unternommene Aktion zur Linderung der prekåren Lage der notleidenden Rabbiner und Kultusangestellten wårmste Anerkennung gezollt. Die iibrigen Punkte der Tagesordnung wurden nach entsprechenden Referaten eingehend durchberaten und hierauf wichtige Beschliisse gefaBt. Ujn 4 Uhr nachm. wurde die Generalversammlung geschlossen. Eroifnung der jiidischen Schulen In Briinn.' Endlich ist nach monatelangem Harren dank der Aufklårungsarbeit unserer Vertreter die von vielen nur als Problem behandelte Schulfrage Wirklichkeit geworden. Die erste Klasse der jiidischen Volksschule und erste Klasse des jiidischen Reformrealgymnasiums sind eroffnet. Hart vor Schulbeginn kam die ministerielle Bewilligung herab, fiir viele schon zu spåt, da die schon allzuåhgstlichen Eltern ihre Kinder in andere Schulen hatten einschreiben lassen. Immerhin ergab die Einschreibung 22 Volksschulkinder und 32 Mitteischiiler (darunter 7 Mådehen). Am 8. September fand die feierliche Eroffnung statt in Anwesenheit der versammelten Schulkinder und ihrer Eltern, sowie im Beisein des Ausschusses des Vereines „Jiidische Schule" und aller derer, die fiir die jiidische Schulsache allezeit reges Interesse gezeigt hatten. Der Vorstand des Vereines, Herr Siegfried Kefller begriiBte mit warmen Worten die Erschienenen und legte in ausfiihrlicher Rede dar, welutid Vorurteile beseitigt werden und muBten, die das Gelingen des jiidischen Schulwerkes jedesmal in Frage stellten, und er dankte namentlich allen denen, welche unbeirrt und unerschrocken fiir die jiidische Schule eingetreten waren und keine Miihe gescheut hatten, um das schwere Werk einem gliicklichen Erfolg entgegenzufiihren. Er gedachte der Mitarbeit des Prager Nationalrates, er wiiruigte in anerkennenden Worten die tatkråftige Hilfe der Briinner jiidischen Gemeinderåte, sowie der jiidischen Mittelschullehrer, die durch ihren fachmånnischen Rat dem AusschuB jedesmal bereitwillig zur Seite standen, und er bat das junge Schulwerk weiterhin kråftig zu stiitzen und in der Werbetåtigkeit fiir dasselbe nicht zu erlahmen. Mit der Bitte an den Lehrkorper der Schulen, ihren Kindern treue Filhrer und Berater zu sein und sie im jiidischen Geiste zu erziehen, schloB der Pråsident des Vereines seine Ausfiihrungen und iibergab formell die Schulen den anwesenden Leitern. Hierauf ergriff der provisorische Leiter des Realgymnasiums Professor Dr. Jos. Lamm das Wort, dankte in bewegten Worten fiir das Vertrauen, das der AusschuB des Vereines und die versammelten Eltern dem Lehrkorper der Schule ausgesprochen hatten und fiihrte in långerer Rede noch einmal alle die Tatsachen an, welche die Grundung von jiidischen Schulen rechtfertigten. Trotz aller Argumente, welche Feinde und laue Freunde des jiidischen Schulwerkes gegen dasselbe ins Treffen fiihrten, ist mit der Anerkennung der jiidischen Nationalitåt der jiidische Schulgedanke mit zwingender Notwendigkeit in das Bereich der nationalen Forderungen getreten, denn ej; ist aus der Not der Jugend des jiidischen Volkes erwachsen. Die Jugend selbst ist es, die ihre Not mit sehenden Augen und fiihlendem Herzen erkannt hat und sie selbst wåre eines Tages laut mit dieser Forderung gekommen, gegen und ohne unseren Willen, unbedingt, weil sie sich selbst nicht mehr das hochste Glilck der Erkenntnis der eigenen Personlichkeit von uns håtte rauben lassen. Die jiidische Schule miisse die jiidische Jugend, auf die allein das jiidische Volk Anspruch hat, hinausfiihren aus einem Millieu, aus welchem seelisch Einsame oder im Gemiit zerkltiftete Zweifler oder Zyniker sprossen, und in ihren eigenen Schulen zu harmonischen Menschen erziehen; eine solche Erziehung ist mdglicb. wenn die Jugend ihre jiidische Eigenart liebevoll erkennt und sich freiwillig dann auf dem Boden der eigenen Kultur dem groBen Ringe der Volkerfamilie einfiigt. Nationale Erziehung im Sinne der vdlkerversohnenden Allkultur hat nichts zu tun mit chauvinistischer Schlagworterziehung. „Ehrfurcht vor allem Menschlichhohen" sei das Endziel, dem wir unsere Jugend zufiihren mussen. Echte, wahre Liebe fiirs Volk besteht nach den Worten des Dichters in unermiidlicher Arbeit, an sich selbst, in jener Arbeit, die nicht nach Vergeltungskrånzeu schielt. Der Redner schloB mit einer Mahnung an die Mittelschuljugend, in diesem Sinne ihre Pflichten aufzufassen und endete seinen Appell mit den Worten Masaryks: „Die wahren Pioniere des Volkes stehen nicht auf den Rednertribiinen in Volksversammlungen und nicht in den Zeitungstuben der Redaktionen, sondern die echten Arbeiter des Volkes sitzen auf den Schulbånken, stehen an der Drehbank und schaffen unbemerkt in der stillen Stube des Gelehrten." Hierauf begriiBte in kurzen Worten der Leiter der Volksschule Herr Oberlehrer Rudolf Beck die erschienenen Eltern der Volksschuljugend und bat, auch ihm volles Vertrauen zu schenken und ihm bei seiner Erziehungsarbeit zu unterstlitzen, damit Eltern und Lehrer im Verein die junge Schule zur Blilte bringen. Herr Lehrer Glaser sRrach zur Einweihung einige hebråische BegriiBnngsworte, worauf der Pråsident mit nochmaligem Danke an die Versammelten und mit der Bitte, der Schule stets Interesse zu bewahren, damit einst ein stolzes Erziehungsgebåude den Triumph der jiidischen Schulsache verkiinde, die eindrucksvoll-wtirdige Eroffnungsfeier schloB. Jiidische Nationalfonds - Kommission. Spendenausweis. Neujahrsgliickwunsch - Enthebungen (verspåtet eingelangt): Fam. Lazar Scheinmann iO K, N. Troller’s Sdhne 50 K, Berta Czech 20 K, Edmund Kahane 20 K, Fam. Sigmund Kohn 10 K. — Selbstbesteuerung: „Deborah" 30 K, Oskar Sachs 15 K, Heinrich Zaitschek 10 K, Ludwig Zaltschek 5 K, Viktor Zaitschek, Henriette Strau-Jéllinek å 2 K, Fritz Zweigenthal 1 K, Helene Mehrl 3 K, M. B. Lax 25 K, Otto Minich 120 K. — Biichsen: Karoline Kahu K 23.50, Regi Grubner K 11.32, Café Kaiserhof 31 K,