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Jüdische Volksstimme · 1920-09-23 · Heft 38 (23.9.1920) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 38 (23.9.1920)
Date
1920-09-23
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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»lOPWCflg fOUCiWBttMy tT?^ Nf. 88. tør mrfcMrt #i Tågang, d«fi dl« auf thr vårtreteaeti Verblmhmgen fflr die Erreicftuag dieses Zteles auf d«m Boden der zionist. WeftorgaaiseHon arbelten werden.N Nach Absingung der Hatikwah schloø diese wtirdige Tågang. ✓ Rundschau. »mm. Elne Weltorrømlsation der sephardischen Jaden. Madrid, 29. August. J. C. B. Auf einem hier tagenden KongreB der sephardischen Juden Spaniens, Frankreichs und Afrikas wurde beschlossen, eine Weltorganisation der sephardischen Juden zu schaffen. nischer Uefcersetzung heraflsgégeben. Die liberale deutsche Presse trift in schSrfster Weise gegen die Verpflanzung des Antisemitismus nach Dånemark auf und fordert die Regierung zur Konfiskation diese« Buches auf. UKRAINE. Das amerlkanlsch-Jiidlsche Hilfswerk In der Ukraina. Rewal, 27. August. J. C. B. Hier ist Mr. Kass, Delegierter des Amerikan Joint Distribution Committee aus Kopenliagen eingetroffen, um sich nach der Ukraina, behufs Organisierung des jiidischen Hilfswerkes zu begeben. Zionistenmord In Hornet. London, 26. August. J. C. B. „Haarez" zufolge haben die Bolschewiken in Homel die Zionisten Sacharin und Chajkin erschossen, weil das Zionistische Kreiskomitee daranging im Einvernehmen mit der antikommunistischen britischen Regierung demndchst Weisungen betreffs der jiidischen Auswanderung nach Palæstina und deren Regelung durch die Verwaltung zu veroffentlichen. SIBIRIEN. Rekrutierung von Juden In Sibirien. London, 28. August. J. C. B. In Sibirien hat General Semenow den Juden angderoht, sie gewaltsam in besondere jiidische Regimenter zu formieren, fails sie nicht zum Dienst in der Verelnigten Armee sich melden werden. Paldstlnafeler In Wladtwostok. Konstantlnopel, 25. August. J. C. B. In Wladiwostok wurde eine Geulah-Woche im Beisein der englischen diplomatischen Vertreter veranstaltet. Nach Abhaltung eines Massenmeetings wurden sechs Millionen Rubel gesammelt, darunter viele Juwelen und andere Wertsachen, Von Wochu zu Woche. Der Gurken- und Galgen-Teufel von Znalm. Erschrecket nicht, es ist kein Spuk aus dem finsteren Mittelalter. Der liebe Herr Oskar Teufél, ehemaliger Reichsratsu. Landtagsabg^ordneter, Staatsrat und Kreishauptmann a. D., hat weder mit Succubl noch mit Incubi irgendetwas zu tun. Er ist gar kein Teufel, weder ein schwarzer, noch viel weniger ein roter; er ist iiberhaupt kein Teufel, er heifit nur Teufel, wenn er auch ein bissi schwarz, ein bissi rot und auch ein bissi gold llebt. Herr Oskar Teufel bneiltzt das Blatt des Listenfiihrers und Abgeordneten der deutsch-demokratischen Freiheitspartei, das „Briinner Montagsblatt“, um seine politischen Erfahrungen zum besten zu geben. Leider hat der Rotstift des Zensors die schonsten Stellen ausgestrichen, aber was wir noch lesen kdnnen, ist interessant genug. In erster Reihe ist Herr Teufel Monarchist und Legitimist, er ist ein Freund Habsburgs — schau, schau, was aus einem schwarz-rot-goldenen Teufel alles werden kann, ein schwarz-gelber PferdefuB kommt auf einm^l zum Vorschein. Teufel, Hummer und Konsorten haben, solange sie schwarz-gelb sein soliten, den Hohenzollernaar angebetet, der osterreichische Habsburger-Doppelaar war ihren schdnen Augen ein Qreuel. Jetzt ist an Wittelsbach, an die Zollern nicht zu denken. Nur Habsburg! Aber in seinem Lager — war Oesterreich! Damit ist doch ein — fiir allemal vorbei. Die Teufel und Konsorten waren doch diesem Reiche nie hold, sie schielten nicht, sie schauten ins Deutsche Reich hinein. Nun und jetzt? Aber davon wollen wir schweigen. Denn in erster Linie muB daB Wucher-, Schleber- und Verbrecbertum mit aller Gewalt ausgerottet und der liidfsche Einflufi aui allen Gebieten ausgescbaltet werden. Vorsicht, mehr Vorsicht, Herr Teufel! Schalten Sie den jiidischen Einflufi aus und sperren Sie Ihr Deutsches Haus, dafi der Juden sehr bendtigt. Schalten Sie, bitte, jiidischen Einflufi aus und lfisen Sie soiort die „deutsch-demokratische Freiheitspartei4* auf, die doch nur einige sogenannte Parade-Arier hat. Schalten Sie nur ruhig jiidischen Einflufi aus, Herr Teufel, und ich wåre dann neugierig, wer Ihnen das deutsche. Theater erhalten wird, wer Ihnen die deutschen Schulen aufflillen, deutschen Sport untersttitzen und deutsche Fiirsorgeaktionen aushalten wird. Herr Slezak wird vor leeren Sesseln singen und Anton Wildgans vor leeren Banken lesen I Schalten Sie nur PALXSTINA. Archlologlsche Schule. Am 9. August fand in Jerusalem in feierlicher Weise und in Anwesenheit Herbert Samuels und zahlrelcher Notabeln die Erdffnung einer Schule fiir Altertumsforschung statt. Die IQd. Qesellschaft fiir die Erforschung Palæstinas bestimmte zwei Schiller fiir den Besuch dieser Schule. Auf Orund elner Unterredung Ben Jehudas mit dem Oberkommissftr erhielt die jiid. Qesellschaft zur Erforschung des Landes und selner Altertflmre die Erlaubnis, wissenschaftliche Ausgrabungen an 5 In Palæstina In Betracht kommenden Orten vorzunehmen. An einen dieser Orte hat sich Ben Jehuda am 6. August in Qesellschaft weiterer Vereinsmitglieder begeben; fiir baldige Aufnahme der Arbeiten ist gute Aussicht vorhanden. J. P. Z. Z. Der Tod des Commandante Bianchlni. Jerusalem, 26. August. J. C. B. Der italienische Offizier, Commandante Bianchini, ist auf dem Wege nach Dazekus einem Beduinenangriffe zum Opfer gefalien. Er ist bei Derraa an der Hedschasbahn tot aufgefunden worden. Commandante Bianchini war als Delegierter der italienischen Juden, Mitglied der Zionist Commission in Palæstina. AMERIKA. Huszar droht. Ueber '400 Delegierten ungarischer V,ereine versammelten sich am 4. August in Neuyork, um die Ausweisung des ehemaligen ungarischen Ministerpræsidenten Karl Huszar zu erwirken. Der Vorsitzende, Dr. Bichler, teilte mit, dafi ihm Huszar selbst erklfirt håbe, es wiirden 50.000 Juden in Ungarn ausgerottet werden, fails man seine Ausweisung durchsetzen wiirde. Huszar sei angeblich nach Amerika gekommen, um flir die Befreiung der ungarischen Kriegsgefangenen in Sibirien zu wirken. Dies sei iedoch nur ein Vorwand, da das Rote Kreuz; wie aueh das Joint Distribution Committee erklårt haben, dafi sie in dieser Angelegenhejt tætig sind und ein ÅUslfinder darin nicht beihlflidi sein kflnne. Vorgelesene Telegramme, die an den ungarischen Verband gelangt waren, betonen, dafi die Lage der Juden in Ungarn noch viel schlimmer sei, als im ehemaligen Rufiland oder dem jetzigen Polen. Die Versammlung beschlofi, alle Schichten des jiid. Volkes in Amerika zu vereinigen, um die sofortige Ausweisung Huszars und die Verunm6glichung seiner weiteren Propaganda in Amerika zu erwirken. Die Exekutive das M Kongresses hat ihre Unterstiitzung zugesagt. J. P. Z. Z. HOLLAND. Orthodoxie fflr Gfelchberechtlgung. Amsterdam. A. E. Das orthodoxe „Nieuw Israelitisch-Weekblad44 in Amsterdam entwickelt fiir die orthodoxe Judenheit folgendes politische Programm: Gleiche politische und gesellschaftliche Rechte fiir Juden, wie flir Nichtjuden. Die jiidische Religion mufi, gleich allen anderen Religionen, anerkannt werden und event, gleiche finanzielle Unterstiitzung seitens des Staates geniefien. Der Staat soli gesetzlich foartlegen, dafi ein Jeder am Qffentlichen und gesellschaftlichen Leben teilnehmen kann, ohne Irgendwie mit seinen Religionsvorschriften in Konflikt kommen zu miissen. Es soli jedem freistehen, sich iiberall niederzulassen und niemand darf deshalb ausgeschlossen werden, weil er Jude ist. Falis die Juden irgendwo die Majoritæt erlangen, solien ihnen auch die Rechte der Majoritæt zustehen. FRANKREICH. Die Juden und der Vdtkerbund. Paris. J. C. B. Wie vcrlautet, bereitet das Committee der jQdischen Friedeusdelegationen eine grofizfigige Propaganda fiir die Idee des Vfilkerbundes unter den Juden der ganzen Welt vor. E$ heifit auch, dafi das Committee eine Aktion unternimmt, um dem jiidischen Volke eine Vertretung beim Vblkerbunde zu ermOgUcben, DEUTSCHLAND. Anslleferung IQd. MnitSrfliichtlinge an Polen. Der Berliner R.-Korrespondent der „J> P. t." berichtet: Die im Gefolge der deutschen Neutralitætsdemonstration in Kattowitz efitstandenen blutigen Ausschreitungen haben zu etner judenfeindlichen Aktion Anlafi gegeben, wie sie in dieser Art selbst in unserer, an Judenverfolgungen reichen Zeit einzig dasetht. Die deutsche Polizei hat eine grofie Razzia auf Ostjuden veranstaltet, insbesondere unter den Arbeitern und der ærmeren jiidischen Bevolkerung, hat etwa 1500 Personen unter brutalen MiBhandlungen aus ihren Hæusern und von den Arbeitsstætten geholt und ins Gefængnis gefiihrt; dort wurden ihre Papiere von deutschen Beamten unter Aufsicht franzåsischer Ofilziere gepriift, wobei auch deutsche Pæsse und Aufenthaltsbewilligungen nicht anerkannt wurden. Die meisten der Verhafteten erkiærten sie sein Deserteure, die geflohen sind, um dem polnischen Militærdienst zu entgehen. Daraufhin wurden diese Menschen wie Vieh auf Lastautos verladen und iiber Myslowitz ins polnische Gebiet hinein abgeschoben. Der Polizeipræsident verweigerte eine Abordnung zu empfangen, die zu Gunsten der ungliicklichen Opfer iiftervenieren wollte. Die ganze Aktion wurde von deutschen Beamten und der deutschen Sicherheitspolizei durchgeftihrt. Es handelt sich hier um einen eklatanten Fali von Neutralitætsverletzung, da es eine auch wåhrend des langen Krieges fiir v61lig unzuiæssig anerkannte Uebung ist, militærlsche Flttchtlinge an die Militærgerichtsbarkeit ihres Landes auszuliefern. Besonders hervorzuheben ist, dafi kein einziger Pole angetastet wurde, sondern ausschliefilich Juden. Die zustændige jlldisch-politische Stelle in Berlin hat sofort nach Bekanntwerden des Ereignisses energisch bei den deutschen Zentralbehorden und bei den Vertretern der Okkupationsmacht interveniert, den schærfsten Protest eingelegt und Genugtuung sowie Bestrafung der schuldigen Beamten gefordert. Sonnabend am ,21. v. M. wurden aus dem Barackenlager in Myslowitz 400 jiid. Flflchtlinge von polnischen Insurgenten zusammengepackt und iiber die polnische Grenze abgeschoben. Die franzOsische Okkupationsbehorde hatte zwar einen Oegenbefehl erlassen, worin die Abschiebung verboten wird, in der Tat haben aber weder die franzOsischen noch die deutschen Beamten etwas unternommen, um diese rechtswidrige Handlung zu verhindern. Da es sich vor allem um Deserteure handelt, die auf deutschem Qebiet Schutz gesucht haben, ist durch diese Auslieferung das Schicksal der Flilchtlinge ein tragisches geworden. Antisemitismus. Berlin. R. Im „Acht-Uhr Abendblatt" setzt der friihere deutsche Reichskanzler August Miiller in ausfiihrlichen Darlegungen auseinander, welchen grofien politischen Schaden der Antisemitismus Deutschland gebracht hat. Er stellt der deutschen Judenhetze das englische Beispiel gegentiber und verweist darauf, von welcher aufierordentlichen Bedeutung die, durch judenfreundliche Politik, besonders durch die Verhelfiung der Errichtung des Judenstaates in Palæstina gewonnenen jiidischen Sympathien flir Englands politische WeltsteUlung im Kriege gewesen sind und wie sehr der deutsche Ani tisemitismus der antideutschen Propaganda Nahrung gab. Besonders eingehend betont Mtiller die wirtschaftlichen Folgen dieses Verhaltens, da die ungeheure wirtschaftliche Kraft der Juden, die vor dem Kriege eines der wirkungsvollsten Bindemittel zwjschen der deutschen und der russischen Volkswirtschaft gewesen sind, allmæhlich immer mehr in den Rahmen der englischen Wirtschaftswelt eingegliedert wird. So besorge der deutsche Antisemitismus die Geschæfte der englischen Konkurrenz. J. P. Z. Z. DANEMARK. Verpflanzung des Antisemitismus nach Diinemark. Kopenhagen, 29. August. J. C. B. Das beritchtigte Pogrombuch „Die jiidische Qefahr“ wurde von einem bisher uabekannten ditniscben Verleger in da-

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