Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 36 (2.9.1920)
- Date
- 1920-09-02
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Jjfc 3CIR O Jtnmm fournmuar Qtvrimn verantworten kønaen, dafl Jndenkinder im dcatachnatlonalen Qeiste erzogan werden. Diese Gewissenslosigkeit geht sogar so weit, daB Jildische W atsenklnder des HKIlschen Waisenhauses dazu nll* t»raacbt werden, dentsche Schulen aufzufiillen. Der Veretn „Jildische Schule" hat slch an das Kuiratorium des Waisenhauses mit der Bitte gewendet, die jiidischen Waisenkinder in die iftdische Schule einzuschreiben. Das ist nicht geschehen. Man Ififlt diese Kinder nicht nur korperlich verkommen, indem man ihnen zttm Nachtmahl eln sTtickchen Brot mit sechs Zwetsehken vorsetzt, nein, diese Hilter Jiidischer Kinderseelen sperren diese armen Wesen in deutsche Schulen ein, damit sie, deren Eltern noch fromme Juden waren, dem Judentum total entfremilet werden. Dies ist der Orund zur Errichtung jiidischer Schulen. Mit dem Begriffe konfessionelle Schule lækt doch der „Tagesbote" und die „Tribuna" — par nobile fratrum — keinen Hund vor die Tfire. Es ist geradezu lachhaft, wenn Menschen, die ernst genommen werden wollen, mit dieser abgedroschenen Phrase kommen. Konfessionelle Schulen! Und selbst, wenn sie es waren, so hat weder Tribuna" noch der „Tagesbote" den Juden etwas dreinzureden. VVir Juden miissen eigene Schulen haben. Das hat Præsident M a s a r y k erkannt, dem man doch gewiB nicht nachsagen kann, er trate fiir konfessionelle Schulen ein und das haben Gott sei gedankt alle maBgebenden Faktoren erkannt. Bevor aber iiber den „Tagesbote" die Erleuchtung kommen wird, wird noch viei Taufwasser iiber jildische Køpfe flie- Bcn miissen. Bis dahin aber wolle uns der „Tagesbote" mit seinen Aufklårungen verschonen. Er sorge lieber daflir, daB nicht nationale und konfessionelle Unduldsamkeit in deutschen Schulen geiehrt werde und, daB Kinder nicht im Wahne erhalten bleiben, daB die Treue tiur deutsch sei, was an Hagen von Tronje und an allen frankischen, staufischen und Habsburgerkaisern bewiesen wird, und er schaue sich einmal das neue Lesebuch fiir Mittelschulen von Weps an, das gleich im ersten Bilde stark katholisch ist; und dann møge er mit uns rechten. Brtlnner Nachrichten. Zur Errichtung Jiid. Schulen In der Cechoslovakel. Laut ErlaB des Schulministeriums vom 28. Aug. 1920, Zahl 53.333, bleiben die jUdischen Schulen von Boskowitz, Lundenburg, MiBiitz, Ung.-Brod erhalten, der Errichtung von einer jUdischen Volksschule mit deutscher Unterrichtssprache in BrUnn wird kein Hlndernis in den Weg gelegt. Die Juden der Cechoslovakei sind auf Ihrem Wege um eine Etappe weiter gekommen. Im Februar crlangten wir die gesetzliche Anerkennung unserer Nationalitåt und jetzt in Ergånzung dieses Gcsetzes, die Erlaubnis zur Errichtung einiger nationaler Schulen, . Es ist dies unseres Wissens das erste Schulwerk in den Sukzessionsstaaten, das die Sanktion der Behørden erhalten hat. Es liegt nun an den Juden der iibrigen Orte, solche Schulen zu grUnden und es ist kein Zweifel, daB unsere Schulen allen Gegnern zu Trotz wachsen, bluhen und gedeihen werden. Jiidischer Walsenhausverein. Auf Grund unseres Artikels in der vorigen Nummer unseres Blattes haben sich folgende Herren als Mitglieder mit eineni jilhrlichen Mitgliedsbeitrag von K2 20.— bei uns angemeldet: Karl Singer, Krøna 4, Fritz Riesenfeld, Zeile 4, Eduard Schwarz, Gomperzgasse 6, Otto Engel, Zeile 4, Josef Engel, Zeile 4, Theodor Håutler, Gomperzgasse 10. Die Verøffentlichung wird fortgesetzt. Anmeldungen nimmt entgegen das Sekretariat, KoliStS 57. Jildische Natlonal-Fonds-Kommissiou. Spendenausweis. SammelbUchsen: Ida Bock 10 K, H. Sålus K 1.32, Fam. Saxl K 5.14, Max Ticho 5 K, Flora Lowy K 5.08, Erwin Deutsch K 11.22, Å. Steinhauer K 17.39, Ernst Blum 10 K, Michael Jampel 30 K, Klara Løwy 3 K, August Fischer K 6.40, Regine Pommeranz 3 K, Dawid Unger K 5.10, Rudolf Gallia K 3.82, Fritz Rischawy 5 K, Prof. Dr. Lamm K 2.20, Viktor Schøn 8 K, A. Wilheim K 3.77, Henna Zeisel 2 K, Ing. Baumgarten 3 K, Walter Preis K 1.68, Café Margaretenhof K 7.60, Suse Rotter K 17.42, S. Klar 10 K, Karl Euchs 40 K, Erwin Bacharach K 3.49, Frieda Stark 1 K, I. Spitz K 12.10, Arnold Hickl K 9.56, Moses Olaser. 3 K, Rudolf Singer 23 K, 1. Ingel K 4.46, Usi BrUck K 2.50, Ing. Max Singer K 18.24. Selbstbestenerung: Max Czuczka 1 K, Isi Kattner 25 K, Isak Bftrstenbinder 5 K, Dr. Hugo MeiBner 20 K, Artur Wessely 6 K, Josef Freund 12 K, Max Hochwald 10 K, Arnold Weiner 20 K, Prof. Dr. Lamm 5 K, Arnold Steiner 15 K, Lazar Altmann 120 K, Jakob Weifi 18 K, Adolf Wurzel 30 K, Hersch Sternbell 60 K, Susl Segal 53 K. Oelbåume: Samuel Løwenkron 2 B. auf N. selner Enkelin Margit SuBmann 30 K, Berta Schnabl 3 B. auf N. Max Schnabl, Pohrlitz, anlåfllich seiner Rllckkehr aus russischer Gefangenschaft 45 K. Allgemeine Spenden: Erwin Schulhof 10 K, Bock u. Comp. 5 K, Dr. Schreier 100 K, Franz Morgenstern 10 K, Chana Pachthold K 2.80, Filip Roth 10 K, Tora-Spende im Machslke-Hadas: Siegfried Horowitz 10 K, Max Hickl 10 K, Isak Kahane 5 K, M. Sprlndel 10 K, Emanuel Schwarz 5 K, Josef Laufer 5 K. A u f b a u-F o n d: M. Lax 50 K, Dr. Bernhard SuBmann 50 K. Friedensscheck; Julius Friedmann 5 K. BrUnn, S. K. Meteor Vinohrady la — S. K. Makkabi BrUnn la 4:3 (2:3). Dieses Wettspiel fand vergangenen Sonntag auf dem Sportplatze des S. K. Makkabi, Baurische Rampe, auf vøllig von tagelangen Regen aufgeweichten Boden statt, wodurch ein reguleres Spiel umnøglich wurde. Das erzielte Resultat ist mit Rticksicht auf die triste Bodenbeschafefnheit, Einstellung eines Ersatzspielcrs und nicht zuletzt Parteilichkeit des Schiedsrichters Herrn Sturza zu Gunsten der gastierenden Mannschaft, als hochst clirenvoll zu bezeichnen. Wer wie ich Gelegenheit hatte unsere braven Makkabim nach Beendigung des schweren Wettspieles, das zeitweilig im strømenden Regen vor sich ging, kotbespritzt, Dressen und Schuhe total durchnåBt, letztere zentnerschwer und diese jungen Leute trotzdem frohgemut und guter Laune zu sehen, der muBte der Leistung unserer braven Makkabi-Elf die høchste Anerkennung zollen. Sie schlugen sich mit Aufbietung aller Kråfte, den widrigen Verhåltnissen zu trotz, bis zum SchluBpfiffe des Schiedsrichters durch und nur eine Sekunde trennte sie vielleicht vor dem ausgleichenden Treffer. Durch einen schøn getretenen EckstoB Joanovskis (45 Min.) erhalt BoroS, freistehend in nåchster Nahe des gegnerischen Tores den Balf, die nachste Sekunde muB den TorschuB bringen — da pfeift der Schiedsrichter zum grØBten Erstaunen und Erbitterung der 1500 Zuschauer des durchaus fair gefiihrte Wettspiel im spannendsten SchluBmomente ab. Es war dies ein nicht scharf genug zu verurteilender „Eingriff gegen das keimende Leben", den srch Herr Sturza zu Schulden kommen lieB. DaB sich ein Teil des jUdischen Publikums zu geråuschvollen Kundgebungen gegen die Fehlentscheidungen des Schiedsrichters hinreiBen lieB, da diese Entscheidungen inappelabel, sind Demonstrationen ganzlich zwecklos, sei an dieser Stelle auf das schårfste gerUgt und verurteilt. Ein derartiges Verhalten widerspricht jeder sportlich fairen Gesinnung und ist geeignet, den jiidischen Sport in den Augen der éechischen und deutschen Sportwelt herabzusetzen und schwer zu schådigen. Wlr warnen rechtzeitig vor Wiederholung derartiger Taktlosigkeiten, die nicht scharf genug verurteilt werden kønnen und empfehlen als Mittel hierzu die Schaffung eines klaglos fungierenden Ordnerdlenstes. Furchtbar unsportlich und unangenehm berUhrt den objektiven Zuschauer das fortwåhrende Protestieren und Schreien einzelner Spieler, von denen sich besonders Molnar hervortat. Wohltuend stach demgegenUber das tadellose Verhalten der gegnerischen Mannschaft hervor, an dem sich unsere Elf ein Beispiel nehmen soilte. Hier erwåchst dem Kapitån unserer Mannschaft eine dringliche Aufgabe, derer er sich ehestens und hoffentlich erfolgreich unterziehen møge. Der Gegner stellte eine flinke, sehr fair spielende Mannschaft, in welcher insbesondere Verteldigung und Augriff durch ihr technisch und taktisch hochstehendes Spiel auffielen. Der Angriff fUhrte ein weitmascliiges, flaches Kombinationsspil von in dem die beiden Fiftgelmånner das treibende Element bildeten. Erwahnenswert und vorbildlich fiir unsere Fliigelstiirmer war die Art ihres KornerschieBens. Jeder ihrer Eck- StoBe bildete fiir das Makkabi-Tor eine eminente Gefahr. Im reinsten Qegensatz hierzu standen die Leistungen unserer FlUgelleute. Sie waren ehrlich bemilht das bremsende Element im Angriff zu bilden und hatten damit vollen Erfolg. Broch am linken Fiilgel spielte eine bloBe Statistenrolle, ReiB I am rechten Fliigel schien der schwere Bodeu nicht zu behagen, er hatte einen schlechteri Tag. Das Innen- Nf. 36. trio Ivanovski-Tymar-BoroS leistete hervorrågende Angriffs- und Verteidfgungsarbeit und lieBen auch dann den Mut nicht sinken, als sie durch Fehier der Verteidigung (Tormann) um die Frucht ihrer prachtvoll und verbliiffend rasch erzielten 3 Erfolge gcbracht wurden. Alle 3 Tore schoB der in gldnzender Form befindliche BoroS. An ihm wåre eigentlich nur der etwas langsame Start auf den Ball* das iibertriebene Dribbling, das langsame Abgeben des Balles zu tadeln. Ein ungekilnsteltes und daher taktisch høher zu wertendes Spiel ffihrte Ivanovski vor. Er war im Angriff der durchschlagkråftigste, in der Verteidigung der unermiidlichste Mann. DieSen beiden Nebenleuten paBte sich der aufopfernd und unelgenniitzig spielende Tymar sehr gut ein. Unilbertrefflich war Molnars Leistung als Zenterhalf. Er leistete schier Unglaubliches in der Verteidigung, fand aber immer noch Zeit, Kraft und Gelegenheit, die StUrmcrreihe mit pråchtig vorgelegten Ballen zu fflttern, die den Angriff immer wieder nach vorne warfen. Er stellte seine Leistung vom vergangenen Sonntag weit in den Schatten. Rechts sekundierte ihm erfolgreich Baru, der einen seiner guten Tage hatte. Reifl II als linker Half bedeutend schwåcher als sonst. Er war den physischen Anstrengungen eines solehen Wettspieles nicht gewachsen. In der Verteidigung leistete Jellinek gute Abwehrarbeit, Ise Fischer erst iu der 2. Halbzeit gute Zerstorungsarbeit. Ihre enorme Aufopferung verdient Anerkennung. Aufrichtig im Tore wurde den an ihn gestellten Anforderungcn nicht gerecht. Er hielt manchen schweren Fail, unter anderem einen 11 m StrafschuB, war jedoch andcrerseits an 2 Toren schuldtragend. Die Mannschaft kann auf den Ausgang dieses Wettspieles stolz sein. Mit Ersatz antretend, das Spielen auf nassem, schweren Boden nicht gewøhnt, muBte man mit einer starker differenzierten Niederlage rechnen. Sic verhindert zu haben, kann sich jeder einzelne der sonntågigen Makkabi-Elf zur grøBten Ehre anrechnen. Rumbo. Die Gliiokwunschablosung anlMfilicb des Jahreswechsels, sowie die' Seelcnlichtenthebung am Jom Kipur zu Gunsten des JNF. sind bereits ståndige Einrichtungen geworden, die gerne von jedennau benUtzt werden. Nur dort, wo man deise nicht kennt, werden die kostspieligen Gratulationen versendet, deren Kostenpreis dem Jiidischen Nationalfonds zugute kommensolite. Die fiir diesen Zweck einlaufenden BetrSge werden in unseren Aitsweisen unter einer besonders ersichtlich gemachten Rubrik „Gliickwunschabløsungen zu Rosch Haschanah" sowie „Seelenlichtenthebungen fiir Jom Kipur" ver- øffentlicht werden. — Anmeldungen sind zu richten an das Btiro des Jiidischen Nationalfonds Briinn, Freiheitsplatz 16, 3. Stock. (Amtsstunden von 9—12 Uhr vormittags.) Korrespondenzen. Programm des Studeiitentages der mahr.-schl.es. Ferialverblndungen. Ort der Tagung: Leipnik. Zeit: 6. und 7. September 1920. Sonntag, den 5. September, 8 Uhr abends, interner BegriiBungsabend. Monatag, den 6. Septmber, pråzise halb 9 Uhr vorm.: 1. BegrBBung. (Hebrdisch.) Jiid. akad. Ferialverbindung „Gamalah" Gøding. 2. Wahl der Funktiondre fiir die Dauer der Tagung. Wahlmodus: Jede Ferialverbindung hat 2 Stimmen fiir alle Abstimmungen. 3. Referat: Ziel und Organisationsform der jiid. Studeutenvereiuigungen. (Jiid. - akad. Ferialverbindung „Hasmonda" Iglau.) Debatte. 4. Referat: Die Arbeit der einzelnen Ferialverblndungen wåhrend der Schulzeit und wåhrend der Ferien. (JUd.-akad. Ferialverbindung „Hasmonåa" Iglau.) Debatte. 5. SchluB der Vormittagssitzung. Nachmittagsitzung: Beginn halb 3 Uhr. 6. Referat: Die Londoner Studententagung. (Jiid.-akad. Ferialverbindung „Massadah" Leipnik.) Debatte. .7. Referat: Die Beschliisse der Londoner Jahreskonferenz und der zion. Studentenvereitie (Jiid.-akad. Ferialverbindung „Gamalah" Gøding.) Debatte. SchluB der Nachmittagsitzung. — 2. Tag: Beginn halb 9 Uhr vorm.: 8. Referat: Die Bedeutung der jiid. Schule. (Dr. Gustav Kohn.) Debatte. 9. Referat: Nationale Erzieliung. (Jiid.-akad. Ferialverbindung „Oiskalah" ProBnitz.) Debatte. SchluB der Vormittagsitzung. Nachmittagsitzung: Beginn halb 3 Uhr: 10. a) Parteiprobleme im Nationaljudentum und die zion. Ferialverbindungen Måhrens. 10. l>) Stellungnahme zu den Parteien. (Poaje Zion, Hapoel Hazair, Verein jiid. Parteien.) JOd.-