Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 35 (26.8.1920)
- Date
- 1920-08-26
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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sma nJUUMB TOLIWnMME* mtmmaaam Nr. 85. es* rfcfc Mans, Tkøem Tto. Httn* der SfaffttfiMi Ma!i»| bfan und Viardot-Garcia ond der Schauspieler Mar-! kowsky, Josef Lewinsky, Eduard Hanslick. Adresse: Dr. S. Abraham Schwadron, Wien, 9. Bezifk, Seegasse 25, Tflr 15. (W. M. Z.) Von Woeho zu Woche. Horthy und seln Jiidischer Apostel. Aus Gødøllø, dem beliebten Jagdgut des verstorbenen Franz Josef, kommt eine interessante Mitteilung. Reichsverweser Nikolaus v. Horthy war mit seinem Qefolge in Gødøllø, der ungarischen Sommerresidenz des ehemaligen Kaisers und Konigs, eingezogen. Der Einzug w;urde mit Blumen, weifigekleideten Mftdchen, Verefnsfahnen, Musikkapellen und anderen Requislten des Kaiser- und Kønigtums gefelert. Zum Empfange rUckten auch die Seelsorger der verschledenen Konfessionen in vollem Ornat aus. In Gød&lle war es das erste Mal, daB der Rabbiner auch' auf der Liste der Geladenen stand. Seine Ehrwflrden Herr Josef Klein, Obrerabbiner von Godøllø war auch piinktlich zum Empfang erschienen. Bisher haben die weiBen Terrorbanditen die Juden bel altøn Anlåssén ostentativ iibergangen und es war fttr sie ein Festtag, wenn man einen Rabbiner hat in den Kerker oder blutig schlagen kønnen. Die welteren Einzelheiten des Berichtes erklaren, weshalb man hier eine Ausnahme machte. Josef, Klein, der Oberrabbiner von Gødøllø, hat gesprochen. Er hat den Reichsverweser mit Moses verglichen, der das Volk durch die rote Géfahr dem Lande der Verheissung zufiihrte. Und Obérrabbiner Dr. Klein ist vor Schande nicbt vcrsunken, als er diese Worte sprach. Ja noch mehr, der Herr Oberrabbiner warf sich in Positur, stigmatisierte mit Donnerstimme den Rabbiner Immanuel Løw und wandte sich gegen den Wiener Oberrabbiner Dr. Chajes, den „geschworenen Feind des Judentums", den Fiihrer des itidischen Nationalismus, weil er sich inkompctenterweise in die internen Ahgelegenheiten Ungarns hineinmenge ... Wie man sieht, gibt es in Ungarn noch Mannesstolz vor „Kønlgstlironen". Sie sind einander wiirdig die ungarischen Reaktionshåuptlinge und das wiirdelose jfldische Asslmilantenpack, das auf Bestellung die heiligsten Traditionen schåndet und sein Uebriges dazu tut, um verdiente lUdische Manner zu verumglimpfen. (W. M. Z.) * .* * STRICKER. „Die jiidische Internationale arbeitet in gefåhrlicher Weise und mobilisiert die Judenschaft der ganzen Welt, um den ungarischen christUchen Kurs zu stilrzen. Der Sitz der jildischen Internationale ist in Wien; Ihr spiritus rector tét Oberrabbiner Chajes, ihr politischer Richtunggeber und Vorkåmpier ist der Abgeordnete der østerreichischen Nationalversammlung, S t r i c k e r. Zur Zeit der Abrechnung dttrfen wir auch auf diese verbissensten Feinde der ungarischen Nation nicht vergessen." Aus einer Rede des Abgeordneten der ungarischen Nationalversammlung, Ladislaiis Bu dava ry. Dazu schreibt „Jiidischer Pressebericht'1 Wien vom 16. August 1920: Budavary nennt sich der Kerl, der nun, nachdem er den Schlachtruf ausgestroBen hat, filr Stricker und die jiidische Internationale die Schlinge bereithålt. Budavary... Ein Niemand, der in der vergangenen Woche unter dem donnernden Applaus des ganzen Hauses in der ungarischen Nationalversammlung die Konfiskation des Vermøgens aller Juden forderte. Dieser Budavary, dessen Hirn vom Sandwein fiflssig gemacht wurde, sieht in seinen Fiebertråumen das, was wir so gerne in Wirkliehkeit sehen møchten. Ach, wie sehnen wir uns nach der jiidischen Internationale, die ~ nicht éxistiert. Ein måchtiges Band, eine alle Juden umfassende Organisation ist unser Ideal, die såmtliehe, zerstreut lebenden Juden aneinanderkette\. Ach, wie lange schon sehnt sich unser Herz nach der festen Burg des jiidiscben\ Velk6bewuBtseins!*Und wir k&mpfen dafiir, um diese feste Burg aufzurichten! Mit jedem unseren Ner W. mit leder unserer Fiber! Und sie batte schon hingst erstehen konnen, befanden sich nicht unter uns Verrater, die fur die Heilerhalttmg torer elgenen Haat, far die Sicberheit ibrer Tresors, sich selbst, ihre Rasse, ihren Glauben, ihre Reliquien, das Grab ihres eigenen Vaters, die Tr8nen ihrer leiblichen Mutter verkaufen . . . . Die sich beeilen, die Hande ihrer Henker zu kussen .... Denen es glelchgUltig ist, ob es Horthy oder Kunschak oder Grabski oder wer immer ist, wenn er nur i h r Vermogen in Sicherheit låBt . . . Ladislaus Budavary liigt Es gibt keine jiidische Internationale! Es gibt eine Million selbstbewuBter Juden, eine Million mutiger, fiir ihren Giauben und ihr Volk auch zu sterben entschlossener Juden, an deren Spitze wir als eirten der Fiihrer auch Robert Stricker sehen. Stricker . . . Beim Namen dieses Mannes speit jeder Betyar des Landes der Greuel Feuer aus seinem Munde. Die finsteren Augen spriihen Blitze aus. Fåuste ballen sich in Wut zusammen. Stricker . . . „ein elender Jude, der es gewagt hat, unsere Kreise zu støren. Der schreibt, hetzt, predigt, agitiert, interpelliert und die Aufmerksamkeit der zivilisierten Welt auf das Horthy-Ungarn gelenkt hat. Der es verhindert hat, dafl wir getreu unserem dem Pater Zadrawecz geleisteten Eid, såmtliche Båume Transdanubiens mit Juden behangen . . . Wir hatten die Blutbecher bis an die Neige leeren kønnen und uns berauschen an dem frischen, roten Judenblut . . . Dieser elende Jude hat den internationalen Prefidienst organisiert und die Welt gegen uns alarmiert. Wehe, tausendmal wehe, wenn wir demnachst nach Oesterreich marschieren . . ." Stricker ist die Zielscheibe des Hasses . . . Der kampfende Stricker, der ihretwegen zum Kampfer geworden ist, den s i e, die Pogromisten und die mit den Pogromisten Paktierenden zum fanatischesten Kampfer gemacht haben. In Strømen floB das Blut ungariandischer und polnischer Juden. Und es kamen die Fliichtlinge, die heimatlosen Wanderer, die umherirrlnden Juden, die im grøBten Elend ihre Tage fristeten, die Davongejagten, wie die Aussatzigen . . . Bevor der Hahn einmal gekråht hat, hatten sie ihre assimilatorischen Brilder schon verleugnet. Kam zufailig ein soleher Martyrer vor ihre Augen, wurde er vom livrierten Diener hinauskomplimentiert, damit ihnen nicht „vor Schmerz das Herz breche". Stricker aber nahm sie mit offenen Armen, wie man einen fns Ungliick gestiirzten Bruder aufnimmt, trøstend, helfend . . . Es war ihm gleich, woher der verfolgte Bruder kam: aus Polen, aus Galizien oder aus Ungarn. Er leitet Aktionen ein. Mit hundert Hånden lindert er die geschlagenen Wunden und trocknet die Tranen des verelendeten Bruders. Des morgens schreibt er einen von ehrlicher Eritriistung diktierten Zeitungsartikel, gegen Mittag kann man ihn im „Joint", dieser herrlichen Schøpfung guter jiidischer Herzen sehen und fiir seine ungliicklichen Stammesbriider arbeiten, nachmittags kiimmert er sich um die Kranken . und was ihm noch an freier Zeit iibrig bleibt, wird tåglich von Dutzenden durch irgend ein Leid erdriickten Bittstellern in Anspruch genommen. Ununterbrochen ist er an der Arbeit — fiir andere. Er stellt seine auBergewohnlichen Fåhigkeiten, seine hohe Arbcitskraft, seinen Verstand, seine Nerven in den Dienst der Sache der Verfolgten. Wie fanatisch hassen sie ihn alle, die nur fiir sich leben, und sich um die anderen nicht kiimmern. Die Personifikation der kristallreinen jiidischen Gefiihle erweckt HaB bei allen die in ihrer GefrfiBigkeit sogar ihr eigenes jiidisches Herz verschlungen haben. Korrespondsnzen. Eibenschitz. Sonntag, den 15. d. M., veranstaltete die Turnersektion Makkabl der hiesigen jiid.-nat. Vereitiigung im Hofe des Hauses der Kultusgemeinde ihr erstes groBeres øffentliches Schauturnen unter gefalliger Mitwirkung der Musterriege des Makkabi Briinn, welches einen iiberaus glånzenden Verlauf nahm. Der ziemlich groBe Turnplatz war bis auf das letzte Platzchen besetzt, und wir hatten Gelegenheit Volksgenossen aus Kanitz, Kromau, MiBlitz und Briinn als unsere lieben Gaste begriiBen zu kønnen, die aniaBlich dieses Festes in betrachtlicher Zahl zu uns gekommen waren, und dadurch ihrer Sympathie und Solidaritat mit unseren Bestrebungen so augenscheinlich Ausdruck verliehen. Schreiber Dieses hatte Gelegenheit mit mehreren aus der Umgebung Erschlenenen zu sprechen und sie ttber den Eindruck des Gesehenen zu befragen. Alle waren sie des Lobes vol!, leder Einzelne fiihlte sich zu Hause und der Refrain ihrer Reden war immer: ja wenn auch wir nur eine jiidische Vereinigung bei uns hatten* einen Sammelpunkt, wo wir alle zusammen kommen und In gemeinschaftlicfter Arbeit aber unsere Interessen beraten kønnten, dann wSre so manches anders, aber so-, Liebe Volksgenossen, die Sache ist nicht so schwierig, wie Ihr denkt, ein bischen guter Wilie und die Erkenntnis, daB wir Juden in Leid und Freud zu einander gehøren, und es nicht nøtig haben uns von den Brosamen der Anderen zu nåhrerf. Es ist Zeit, daB auch Ihr erwacht Brtider und Schwestern aus Kanitz, Kromau u. a., daB sich endlich auch bei Euch das BewuBtsein der Zusammengehørigkeit Bahn bricht. Abonniert und leset unser Blatt die „Jiidische Volksstimme"* eine ausgezeichnete Zeitung, die Euch immer ttber die wichtigsten, unser Volk beriihrenden Fragen am Laufenden erhSIt. Tragt auch Ihr Euer Scherflein bei fttr die endlfche Erfiillung unser 2000 Jahre alten Sehnsucht. Das Schauturnen selbst wurde mit einer kurzen Ansprache des Tb. Kessler aus Briinn eingeleitet. In markigen Worten erklårte derselbe den angetretenen Makkabims die Bedeutung und Bestimmung ihrer Vereinigung und forderte sie auf mit Eifer und Lust den turnerischen Sport zu pflegen, sich an Geist und Kraft zu ståhlen, um dereinst verlåBliche Stut zen des stolzen Aufbaues unserer staatlichen Selbstdndigkeit sein zu kønnen. Die Darbietungen unserer Jugend fanden ungeteilten Beifall und ist es der intensiven Tdtigkeit des Turnleiters Herrn Ernst Sinaiberger zuzuschreiben, welcher in uftermttdlicher Arbeit und Geduld in verhaitnismaBig kurzer Zeit wirklich lobenswertes geleistet hat. Die Leistungen der Musterriege Briinn ernteten jedesmal wohlverdiente Anerkennung und war es staunenerregend, mit welcher bewunderungswiirdigen Leichtigkeit und Eleganz bei vollendeter Technik selbst die schwersten Uebungen am Barrn, Bock und Reck von ihnen zur Ausfiihrung gelangten. Der Eindruck des von ihnen Gebotenen bleibt uns unvergeBUch. Die Ausschmilckung des Platzes und Arrangements der ganzen Veranstaltung lag in den berufenen Hånden des Sektionsleiters Herrn Otto Sinaiberger. Sein Talent als Regisseur kam hier wieder einmal so recht augenscheinlich zur schønsten Geltung. Die Herrichtung des Hofes zuni Turnplatz hat allgemein auf das angenehmste flberrascht und auf das Beste gefallen. Seiner Uberaus anstrengenden Tåtigkeit und Hingabe fttr die Sache sei hier besonders hervorgehoben und anerkannt. Bis in die Dunkelzeit hinein erfreute sich Jung und Alt an Gesang und Tanz. Alles in Allem ein in jeder Hinsicht sehr gelungenes Fest, das allen Teilnehmern in angenehmer Erinnerung bleiben wird. Allen unseren lieben Gåsten aus Nah und Fern nochmals ein herzliches Lebewohl und auf frøhliches Wiedersehen.-Freitag, den 12. d. M., verlieB unser Kantor und Mitbegriinder der hiesigen jiid.-nat. Vereinigung, Herr Adolf W e I s g a 11 nach 12jåhrigem Verweilen in unserer Mitte seinen hiesigen Posten, um sich in Amerika eine neue Heimat und Existenz zu griinden. Aus diesem Anlasse veranstaltete der Volksrat Donnerstag, den 11. d. M., in den Vereinslokalitåten zum Dreimåderl-Haus einen Abschiedsabend, zu welchem sich alle Vereins- und Gemeindemitglieder vollzåhlig eingefunden, um dem scheidenden Gg. auf diese Art ihre Sympathie und Wertschåtzung zu bekunden. Den Reigen der Toaste und Reden eroffnete Herr Rabbiner Dr. Handl, der, in zum Herzen gehenden Worten, unserem Freunde unser aller Wiinsche mit auf dem Wege gab. Darauf ergriff der als Talmudforscher und Kabalist weit ttber die Grenzen der Cechoslovakei riihmlichst bekannte Herr Sal. Katz das Wort, um in wehmiitighumoristischer Art von Herrn Weisgall Abschied zu nehmen. Herr Kultusvorsteher Alex. Stern und Sam. Jellinek sprachen im Namen der Kultu.sgemeinde und priesenJn ergreifenden Worten die Verdienste, weiche sich der'Abreisende in Ausiibung seines Berufes bei uns erworben hat. Fri. Irene Stern ttberbrachte den Dank und ScheidegrOBe des Chores seinem Leiter und Dirigenten inbesonders eindrucksvollen Worten zum Ausdruck. Mit trånenden Augen dankte Gg. WeiBgall fur die liebevolle und warme Anteilnahme an seinem rfGeschike und wird ihm dieselbe sein Lebenlang eine werte ugd liebe Erinnerung bleiben. Mit tiefer Ergriffenheit lauschten die Anwesenden dem gesanglichen Vortrage des Herrn Kantors, den dieser, in mit Wehmut durchzitterter Stimme in der Abschiedsstunde als letzten LebewohlgruB vortvug, worauf Gg. Max Neubauer mit seiner wunderbar schønen Tenorstimme die Romanze aus dem „Troubadour" erklingen lieB. Bis 11 Uhr nachts blieb man beisammen, um sich dann nåchsten Tag wieder i