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Jüdische Volksstimme · 1920-08-19 · Heft 34 (19.8.1920) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 34 (19.8.1920)
Date
1920-08-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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^P Mi 4 uJOMCHB VOUC8STWME" Nr. 84. sotat ausgwchtachtet Die Dampier varden ange* halten und die Jaden, die sich fliichteten, wurden hinausgezerrt und ertrånkt. An vielen Orten fanden die Pogrome zehnmal zu verschiedenen Zeiten viele Tage hindurch statt. Radomysl hat Qberhaupt einen stAndigen Pogrom eriebt Dann begannen die Malpogrome unter Hetman Oregoriew. Es waren keine Pogrome mehr, sondern ein Pogromorkan. Es sind bis Jetzt 568 Orte pogromiert worden. Ermordet sind 138.000 Juden. Die Zahl der Kranken, Verwundeten, MiØhandelten ist unabsehbar. Vollig ruiniert sind von 3 Millionen Juden 1,200.000 Seelen. Die Summe, die notwendig wAre, um zu helfen, ist 400 Millionen Dollar. Die Zahl der Waisen betragt 120 bis 150.000. Das ganze Material, welches Temkin vorgebracht hat, samt Dokumenten, Befehlsabschriften usw. wird in einem Schwarzbuch in franz6sischer, englischer und deutscher Sprache erscheinen. Sllosberg iiber die VerhAItnisse In Orofirufiland. Ich håbe die Aufgabe, Ihnen einen kurzen Bericht tlber die Lage in RuBland zu erstatten. RuBland in seinem frtlheren Umfang ist das„klassische Land der hilfsbedtlrftigen Juden. Wir waren auf Selbsthilfe angewiesen, da die Regierung nicht nur nicht mitgeholfen, sondern manchereli Schwierigkeiten gemacht hat. Wir hatten Schwierigkeiten bezUglich der Aufnahme in die Schulen, bezilglich FreizUgigkeit. Infolge der FreizUgigkeitsbeschrAnkungen sammelte sich in den StAdten und insbesondere in jenen Stadten, wo der Aufenthalt der Juden eriaubt war, so viel jiidische Bevdlkerung an, daB gar kein Mittel und keine Grundlage zu ihrer wirtschaftlichen Ausfcildung gegeben war. Wir hatten 15 Prozent Handwerker unter ihnen, freilich Handwerker ganz elgener Art, die ohne fede Mithilfe arbeiten. Es sind Kleinhandwerker, die kaum ihr Leben fristen. Nur 5 Prozent von der ganzen Bevolkerung waren in Handel und Industrie vertreten; das waren Wohlhabenden. 15 bis 20 Prozent waren, die iiber haupt keine bestimmte BeschAftigung hatten, sogenannte Luftmenschen, solche, die Uberhaupt nicht wuBten, was morgen mit ihnen geschehen werde. Die iibrige Zahl waren Kleinhandler. Diese Kleinhandler waren keine Bourgeois, das waren Leut“ die mit einem Kapital von 50 bis 60 Rubel handelten. Alle diese Klassen, die Handwerker, Luftmenschen und diese kleinen Handler, waren in den Stadten eingesperrt und muBten selbst eine soziale gesellschaftliche Hilfe haben. So brauchten wir stets Organisationen, die dem Notstand der russischen Juden abhelfen soilten. Da brach der Krieg aus. Es wurden Komitees in den verschiedenen LAndern gebildet, um die Not der Kriegsopfer zu lindern. Aber schon am Anfang zeigte es sich, daB es noch mehr Opfer des Unfugs im Kriege waren, als eigentliche Kriegsopfer., S!- kennen die traurige Geschichte der Spionagebeschuldigung, die Austreibung der Juden aus den Gegenden des Krieges, weil man die Juden von vornherein der Spionage beschuldigte. Folgende Zahlen sollen ein Bild der TAtigkeit der Hilfsorganisationen geben: Unter unserer Ar sicht standen 238.000 bedilrftlge FlUchtlinge, welche mit Kleidung, WAsche, Nahrung und Wohnung versorgt wurden. Mehr als 46.000 Kinder wurden von diesen Organisationen betreut. Es wurden 130 Kinderheime gebildet, 140 Aerzte waren tAtig. In den Kind°.rheimen waren mehr als 8000 Kinder im Al von 3 bis 7 Jahren und mehr als 220 Schulen wurden fiir die FUlchtlingskinder gegriindet. 36.000 Kinder haben hier ihre Schulbildung erhalten. Ganz auBerordentlich etwickelt war die Hilfsaktion in der Arbeitsbeschaffung. Diese hat 75 Btiros fiir Arbeitsnachweise gebildet und mehr als 70.000 Juden haben dort Arbeit gefunden. AuBerordentlich giinstig hat sich die Organisation von Patronaten erwiesen. Kinder von 12 Jahren an wurden zu verschiedenen Handwerkern als Lehr- Unge gegeben, wobei wir in den verschiedenen StAdten Aufseher hatten, die die Ftirsorge iiber diese Lehrlinge beaufsichtigten und hierbei auch fachliche RatschlAge gaben. So entfaltete sich allmAhlich die TAtigkeit in Petrograd. Aber es wurden nicht nur von Petrograd aus etwa die Gesetze diktiert, sondern das Komitee bildete sich allmAhlich demokratisch aus, und in den letzten Jahren, gab es ein Zentralkomitee, worin alle Parteischichten der Bevdlkerung vertreten waren. Als der Krieg aufhorte, kam die Revolution. Wir erlangten wohl vorerst die Qleichberechtigung, aber die Freude wAhrte nicht lange. Die Folgen und die Ergebnisse der Revolution hatten die Wirkung, daB die Juden in ihrer wirtschaftlichen Existenz vollkommen vernichtet waren. Die Lage ist ietzt so, daB gerade die stAdtische Bevdlkerung ihre okonomische SelbstAndigkeit gAnzlich verloren hat. Es gibt keinen freien Handel und kein freies Gewerbe. Alles ist verstaatlicht. Da die jiidische Bevdlkerung nicht im Bauernstande vertreten ist, da iiberhaupi kein Rohmaterial da ist, kein Handel und kein Handwerk, so lABt sich wohl vorstellen, wie der Zustand der jiidischen Bevdlkerung ist. Doch es war nicht genug an Kriegsopfern und an Revolutionsopfern. Die Judenmassakers, von denen die Ukrainer heimgesucht wurden, schlugen ihre Wellen bis nach GroBruBland. Auch hier wurden viele StAdte von den berumziehenden Banden ttberfallen, die Juden geschlachtet, viele vertrieben. Wieder gab es FlUchtlinge; und noch jetzt sind nicht weniger als 10.000 jiidische FlUchtlinge in Smolensk, Witebsk, Homel, die nicht die Mdglichkeit haben, nach Hause zu kommen. Wir waren von der Ukraine abgeschnitten und nur manchmal kamen Nachrichten, in welcher. wir von den furchtbaren Pogromen der Armee Petljuras horten. So gab es denn eine neue Kategorie von hilfsbedtirftigen Pogromopfern. Man kann kaum feste Angaben machen Uber die Zahl der HilfsbedUrftigen in Sowjetruniand. Den der Begriff Sowjetrubland ist kein fester und immer mehr dehnt sich das Gebiet der Sowjetrepublik nach Westen aus. Nur allgemein kann man die jetzige. Not schildern. Ohne soziale Hilfe muB das russische Judentum okonomisch zugrunde gehen. Nur die Hoffnung auf Wiedergeburt erhAlt es am Leben. Denn der Zustand ist trotz allen Jammers nicht hoffnungslos. Es kann vieles geschehen. Vor allem mUssen die Kinder gerettet werden. Wir haben in RuBland keine nationale Schule, es gibt nur Staatsschulen, Religionsunterricht ist verboten. Die ganze Bev61kerung verhungert. Wenn ich die Zahl der in den StAdten von SowjetruBland lebenden Juden mit dreieinhalb Millionen angebe, so håbe ich damit auch die Zahl der Hungernden angegeben. Es gibt keinen einzigen der nicht hungert. Freilich hungern die anderen auch. In dieser Beziehung herrscht vollkommene Qleichberechtigung. Aber das erleichtert die Lage nicht. Ganz besonders leidet die Jugend und die Kinder. Ihnen mUssen wir vor allem helfen. Viele Elemente haben sich der Landwirtschaft zugewendet. Denn wenn auch der Boden nationalisiert ist, die freie Arbeit ist nicht verboten. Der Handel ist wohl ausgeschlossen, aber die Bearbeitung des Bodens ist nicht ausgeschlossen. Man muB daher den Juden die Moglichkeit geben, die nOtigen Werkzeuge zu besohaffen, damit sie sich mit der Landwirtschaft beschAftigen konnen. Das ist ietzt das Bestreben der Organisation zur Forderung von Handwerk und Landwirtschaft, deren PrAsident der Vortragende ist. Eine weitere groBe Aufgabe ist, den Handwerkern die Moglichkeit zu geben, ihr Handwerk zu betreiben. Die Moglichkeiten dazu mehren sich. Nach einigen letzten Dekreten der Sowjetregierung wird die Hausindustrie begiinstigt, hier kann schon vieles geleistet werden. W. M. Z. „Ich håbe kflrzlich mit den Vertretern des Jod. Nationalrates, den Herren Dr. Ludwig Singer, Dr. Max Brod und Prof. Engel, ti. a. auch diese Angelegenheit ausfiihrlich besprochen. Die jiidischen Schulen in MAhren und in der Slovakei werden aufrecht erhalten. Auch fiir die Errichtung neuer jildischer Schulen auf nationaler Basis, fiir die ja im Frledensvertrage von Versailles die grundsAtzliche Regelung gegeben ist, wird die Regierung in naher Zeit einen Modus suchen und finden." Es sei noch hervorgehoben, daB PrAsident Masaryk gleich allen Bedttrfnissen der jiidischen NationalitAt auch der Schulforderung tiefgehendes VerstAndnis und warme Sympathie entgegenbringt, wie sich Uberhaupt der Ton, in welchem sich der PrAsident zu allen angeschnittenen Fragen der allgemeinen jildisch-nationalen Politik AuBerte, von aufrichtiger Herzlichkeit getragen war. Rundschau. Interview mit PrAsident Masaryk. Der Herausgeber dér „JUdischen PreBzentrale ZUrich“, der sich nach Karlsbad zur jUd. Welthllfskonferenz und zur Plenarsitzungdes Komitees der JUdischen Delegationen begeben hat, wurde am 29. Juli in Prag vom PrAsidenten der Cechoslovakischen Republik, T. G. Masaryk, in lAngerer Audienz empfangen. Im Laufe des eingehenden GesprAches wurden die verschiedensten jtidisch-politischen und jtidisch-wirtschaftlichen Fragen und deren Bedeutung fUr die Weltpolltik bertthrt, wobei der PrAsident 20. Juli einen Aufruf an das jUdische Volk, allwo- PALXSTINA. Beginn des Hafenbaues In Halla. Dieser Tage haben Ingenieure mit dem Versenken der Pfeiler fUr den Hafen Haifas, dessen Kosten sich auf 6 Millionen Pfund belaufen sollen, begonnen. Baron Rothschild soli seine Beteiligung mit einer groBeren Summe zugesagt haben. Infolge der groBen Zukunft, die Haifa auf Grund des Hafenausbaues bevorsteht, beginnt Jaffa mit scheelen Augen auf Haifa zu blicken. In dieser Frage wurde s. Zt. dem damaligen Oberkommandierenden des okkupierten Territoriums, General Watson, durch einen angesehenen Christen, Biruta, ein Memorandum ilberreicht, ohne daB man bisher weiB, was damit geschah. Jetzt wird diese Frage erneut in Jaffa angeschnitten und die Krelse Jaffas, die an dem Jaffaer Hafenausbau interessiert sind, wollen demnAchst Herbert Samuel ein genaues Memorandum Uber diese Frage vorlegen. (J. P. Z. Z.) Der Waad Hazmanl belm High-Comiulssioner. Am 7. Juli, noch vor VerkUndigung der konlglichen Botschaft, wurden die Mitglieder des Waad Hazmani, Dr. Thon, Berlin und Blumenfeld, Chachambaschi Eliaschar, Vertreter des Waad Hair, Disengoff, StadtprAsldent von Jaffa und Meirowitz, Vertreter der Siedlungen JudAas von Herbert Samuel empfangen. Dr. Thon Ubermittelte die WOnsche des Jischub, wobei er dem OberkommissAr jede Unterstiitzung versprach. Samuel dankte ffir die OlUckwiinsche und sprach die Hoffnung aus, daB die Arbeitsbedingungen nicht so schwer sein werden. wie geschlldert wurde. Das Volk mUsse Geduld haben. Die bkonomische Lage des Landes liege ihm am Herzen und er werde ein besonderes Komitee zu diesem Zwecke grUnden. In bezug auf die hebraische Sprache berilcksichtigte er die Dringlichkeit dieser Frage und werde demnAchst eine diesbezUgliche Verordnung erlassen. Was die Delegiertenversammlung anbelangt, so håbe er diesbezUglich noch keine ausgesprochene Ansicht. Er werde die Frage prUfen und die ihm passende Entschlieflung treffen. Bezttglich der anderen berUhrten Fragen ersuchte Samuel, sich noch zu gedulden und ihm Zeit zur Bildung einer eigenen Ansicht zu lassen. (J. P. Z. Z.) Jiidlsches Vlertel in Hebron. Au! Anregung des Waad Hair von Hebron, wurde dort eine Aktiengesellschaft gegrUndet, zwecks Erbauung eines jUdischen Vierteis, bestehend aus zirka 50 HAusern, um dem dortigen jiidischen Jischub zu ermogllchen, die zu erwartenden Immigranten aufzunehmen. (J. P. Z. Z.) Zwel Arbeltsstunden fiir Wlederaufbau PalAstlnas. Dr. J. Buchmann erlABt im „Doar Hajom“ vom mit lebhaftem Interesse den Ausfiihrungen Herausgebers folgte. Die Sympathie-Gefuhle des nationalen Judentums der ganzen Welt fttr die Cechoslovakische Republik, auf die der Herausgeber der „J. P. Z.“ gleich zu Beginn der Unterredung hinwies, wurden vom PrAsidenten mit Befriedigung aufgenommen und vollauf gewiirdigt. Bei der Besprechung der praktischen Auswirunseres chentlich 2 Arbeitsstunden fiir den Wlederaufbau PalAstinas zu opfern, wobei ein leder auf seinem stAndigen Arbeitsfelde fiir diesen Zweck tAtig seln soli. (J. P. Z. Z.) Israel Belkind zuriickgekehrt. Nach dreijAhriger Abwesenheit kehrte Israel Belkind nach Jaffa zuriick. (J. P. Z. Z.) Gartenstadt Tiberlas. Tiberias, J, C. B. Die Stadt Tiberias, die schon war, Das kung, welche die Anerkennung der jiid. Nation in der Cechoslovakischen Republik zur Folge haben im Altertum durch ihre Hilfsquellen beriihmt wUrde, hob der PrAsident auch die aktuell geworwird in eine Gartenstadt umgebaut werden. dene Frage des jUdischen Schulwesens hervor, wo- ■ Geld gibt der Vereln Achusoth bajith, der zu diesem bei er u. a. bemerkte: {Zwecke Aktien zu 60 L ausgibt. Die PlAue stammen

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