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Jüdische Volksstimme · 1920-08-05 · Heft 32 (5.8.1920) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 32 (5.8.1920)
Date
1920-08-05
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. 32. mMCHB VOLKSSTIMME" Stll9 5. wnrden in letster Zeit wiederholt von Qenerftlen besichtigt und allo drfickten ihre Zufriedenheit aas. Colonel Storrs, dor Kommandant von Jerusalem, befiBBte die Soldaten hebrfiisch mit den Worten „Brachah tabo atechem". t)le Sletefkeltstttstånde in PafSstlna. London, J. C. B. Aus Jerusalem wird berichtet: Mit der Ankunft Sir Herbrt Samuels in Palfistina hat eine Handlung in allen Zweigen des offentlichen I bens Platz gegriffen. Besonders hervorzuheben ist die Zunahme der Sicherheit im ganzen Lande, so daB dk vor einigen Wochen nach den galiiaischen Kolorden entsandten Selbstwehrleute bereits wieder heimkehren konnten. Dr. Scbmarjahu Lewin, Mitglied des E. A. C., traf am 3. Juli in Jerusalem ein. Wie der „Doar Hajom" berichtet, wird Dr. Lewin sich in Palfistina niederlassen und das zion. Kultur- und Erziehungs-Departement letten. David Yellin, der Vizeprfisident des Jerusalemer Munizipalrates, bat diesen telegraphisch angefragt, ob er sich in London fiir eine filr die Entwicklung Jerusalems bestlmmte groBe Anleihe bemflhen solle. Auf der Ietzten Sitzung des Munizipalrates wurde diese Frage hehandelt, ohne daB ein definitiver BeschluB gefaBt worden wåre. Der Kotel griindet Kolonien. Der ungarische Kolel hatte vor lfingerer Zeit beschlossen, die ihm zuflieBenden Oelder ftir produktive Zwecké, vor allem der Landwirtschaft, zu verwenden. Wie dem Kolel Jetzt aus Amerika mitgeteilt wird, wurde von den aus Oesterreich und Ungarn stammenden Juden Amerikas, auf deren Stiitze der Kolel seit dem Zetfall Oesterreich-Ungarns hauptsfichlich angewiesen ist, eine Summe von 10.000 Dollars gesammølt, um vorerst eine Kolonie filr 40, dem ungfirischen resp. dsterreichiscfien Kolel angehorende Perspnen zu grttnden. Realschule In Ilalfa. Der Waad Hachinuch bat beschlossen, die gemischte Realschule in Haifa, deren Klassen iiberfiillt sind, in zwei besondere Sqhulen fiir Knaben r- Mådehen zu teilen. An den Abendkursen fflr die ■sen-Handwerkerlehrlinge, die vom Lehrerverbande in Jerusalem eingerichtet sind, nehmen 250 Waisen teil. AuBer Hebrfiisch lernen sie dort auch profane Fficher. „Tachkemonl.“ Das XehrerkoIIegium des Misrachigymnasiuni.; „Tachkemoni" in Jerusalem, hat sich gegen ein»n lesonderen Waad Hachinuch fiir die orthodoxen Schulen ausgesprochen, da die Schaffung von 2 Waadei Hachinuch, also eine Trennung von den allgemeinen Zionisten, dem paltistinensischen Erziehnngswesen Schaden bringen wiirde. Dagegen verlar-gt das Lehrerkollegium vollståndige Autonomic ff. r die orthodoxen Schulen. Dr. Jakob Angel, eheraaliger Leiter des Misrachi-Qymuasiums in Jaffa, „Taschkemoni", der wlflrpnd der Herrscbait Djemal Paschas aus Pal-V stlna vertrieben wurde, soli demnfichst zuriickkeh* ren und seinen Posten wieder antreten. Prelsauschreibung Im „Bezalel". Der „Bezaler hat vom Stybel Verlage in New- Vbrk den Auftrag erhalten, unter seinen Schulern einen Wettbewerb fiir eine hebr&ische Aufschrift fi'r den Stybel Verlag zu veranstalten, fiir den Preis von 100, 75, 50 und 35 Dollars ausgesetzt wurden. ENGLAND. Jtidtecher RechisduUz beim Tribunal fiir Internationale Gerechtigkeit. London, 25. Juli. J. C. B. Auf der jiidischen Sitzung des.Joint Foreign Committee wurde eine Reihe aktueller jUdischer Fragen besorochen, wie ilter die Lage der Juden in Rumfinien, tiber die ittdiseben Kriegsgefangenen in Sibirien, Uber die jiidische Not in Wien u. a. m. Von den gefaBten Beschlussen ist insbesondere derienige hervorzuheben, einen UnteiausschuB zu bestimmen, der fiir das Juristenkemitee im Haag, welches sich im Rahmen des V61kerbuades mit der Organisierung eines stfindigen Geitebifihfilfiå lur internationale Gerechtigkeit befrBt, VorschlSge zum Schutze der Rechte der Juden, ausarbeiten soli. Die Wahl der zlonlstischen Exekutive. London, J. C. B. Das von der zionistischen Weltkonferenz gewåhlte Pråsidium der zionistischen \Veltorganisatioi\ bestimmt zu Exekutivmitgliedern Ir,g. Ussischkin, Mr. Julius Simon und Mr. N. de Liene. Das groBe Aktionskomitee hat diese Ernenn’mgen bestfitigt. Mr. Julius Simon wird wahrscheinlich das Finanzressort der zionistischen Organisation lfciten, wåhrend Ussischkin mit der Leitung der Arte Hen in Palåstina betraut werden soli. Lord Rothschild wurde zum Prfisidentén, Prof. O. Warburg und Leo Matzkin zum Vizeprasidenten des OroBen Aktionskomitees gewdhlt. Zu Revisoren de«- gesamten Finanzgebahrung wurden ernannt: Sir Alfred Mond, Lord Rothschild und Mr. Bernard Fleqi»er. AMERIKA. Schulstrelk In Newyork. Wie berichtet wird, haben drei Vorsteher unJ 15 Lehrer der nationalen hebraischen Schule in Newyork den Streik erkiart; 890 Schiller erkiarten sich mit den Lehrern solidarisch. Wie verlautet, ist der Streik auf die Haltung der Schul-Leitung zuriickzufilhren, welche sich in die Methoden elnmengt und verlangt, daB die Erteilung des Unterrichts z. T. in englischer anstatt in hebraischer Sprache erfolge. Industrie fiir PalMstlna. Mr. Manischewitsch, der in Cincinnaii groBe Maschinenfabriken besitzt, beabsichtigt in Palfistina groBe Industrien zu schaffen, in denen Zehntausende von Arbeitern Beschaftigung finden sollen. Es ist ihm gelungen, hierfilr auch nichtjildische Kapitalisten zu gewinnen. Er wird sich am 15. Juli via Europa mit einem Stab von Ingenieuren und Experten nach Palfistina begeben, um den Plan filr die von ihm projektierten Industrien auszuarbeiten. AUSTRALIEN. Ein iiidlscher Gouverneur. Sir Matthew Nathan, der friiher sukzessive Gouverneur von der Goldkiiste, Hongkong und Natai war, wurde jetzt zum Gouverneur von Queenslan-l ernannt. FRANKREICH. Die franz. Regierung erteilte die *Einreise-Erlaubnis fiir 60 jiid, Wiener Kinder, die zu einem sechswochentlichen Erholungsaufenthalt nach dem FlsaB verbracht werden sollen. Da die Kinder aus streng religiosen Familien stammen, hat es der Friis, des Misrachi in StraBburg, S. A. Metzger, ttbernomrnen, diese in religifisen Familien unterzubringen. Die franzosischen .Juden fiir das Nationalmuseum in Jerusalem. Paris, J. C. B. Das in Paris gegriindete Komitee filr das jiidische Nationalmuseum in Jerusalem entwickelt in den letzten Tagen eine rége Tatigkeit.. Weite Kreise der franzbsischen Judenschaft wurden flir diese Idee gewonnen. Auch viele nicht-judische Pctsonlichkeiten unter den franzosischen Kiinstlern und Macenen haben ihre Unterstfitzung fiir dio Schaffung eines Kunsthortes in Jerusalem versprochen. „Le Gaulois44 veroffentlicht einen warmen Aufruf „an alle, fiir die die Kunst Religion ist“, zur Schaffung dieses Kulturwerkes in Palfistina beizuti agen. DEUTSCHLAND. Ein wackerer Rektor! Anfangs Juli hatte der allgemeine Studentenausschufi der Universitat Konigsberg — bei spfirlicher Anwesenheit der nicht inkorporierten Studenten — tinstimmig beschlossen, daB „deutsche StaatsbQ-ger jiidischen Glaubens zur Universitat nur im Verhfiltris ihrer Bevdlkerungsziffer zuzulassen seien". Den Antragstellern ist vom Rektor und Senat der Albertus Universitat nunmehr der Bescheid zugegangen, daB dem Antrag nicht nahergetreten \verden konne, da er gegen die Verfassung yerstosse. Delegiertentag der Aguda. Vom 2.-5, August wird in Niirnberg der Delegiertentag der Agudas Jisroel Jugendorganisation von Deutschland stattfiiulen. Referate werden erstatten: Dr. Herz (Fulda) fiber „Das Lehrprogramm der Jugendgruppen", Max Cohn (K61n) fiber „So2iale Aufgaben der Jugendgruppen", Rabb. Dr. Klein (Niirnberg) und Max Oppenheimer (Mainz) fiber „Wir und Erez-Jisroel". Auffdsung des itidlschen Seminars In Kassel. Nach fast hundertiåhrigem Bestehen sieht sich die jiidische Oemeinde in Kassel, infolge der mifllichen Zeitverhfiltnisse, gezwungen, die von ihr unierhaltene Lehrerbildungsanstalt — wohl das aiteste jiidische Seminar in Deutschland — auf SchluB des Quartals aufzulosen. Die Elnberufung eines liidlschen Weltkongresses. London, 24. Juli. J. C. B. Die zlonistische Jahreskonferenz hat die Einberuiung eines jiidischen Weltkongresses beschlossen. Die Antrfige, die Aufgaben des Kongresses a pricri zu bestimmen, wurden abgelehnt. Es ist bloB eine allgemeine Richtlinie gezeichnet worden, wonach der jiidische KongreB sich mit s3mtlichen Aufgaben nationaler Natur zu befassen hat. Es wurde eine Spezialkommission eingesetzt, die im Einvernehmen mit der zionistischen Leitung die in Betracht kommenden jiidischen Organisationen zur Teilnahme zu veranlassen und den Einberufungstermin bestimmen soli. UNGARN. Tod General Schweitzers. Am 12. Juni verschied der von Franz Josef I. i'i den Ritterstand erhobéne jfid. General Eduard Schweitzer. Schweitzer. trat 1866 freiwillig als einfacher Soldat in die Armee ein, zeichnete sich wahrend der bosnischen Okkupation durch besondere heldenhafte Bravourtaten aus, rettete einem groBeren Truppenkorps das Leben und stieg in seiner Karriere seinem Judentum treu bleibend bis zum General empor. Schweitzer, der bis zu seinem Lebensende selbstbewuBter Jude blieb, beteiligte sich am jtidisch-politischen und gesellschaftlichen Leben. 1912 tlbernahm er wfihrend der itidischen Autonomiebewegung iti Ungarn die Prfisidentscbaft. Das Leichenbegangnis fand in aller Stille statt. Von Woche zu Woche. Zum deutschen Studententag In Gdttlngen. Wir haben in der letzten Nummer unseres Blattes auf die reaktionare Stellung der deutschen Studenten in Gottingen hingewiesen. Nun liegt das Protokoll des im Jahre 1919 in Wiirzburg stattgefundenen 1. allgemeinen Studententåges vor. Dazu schreifcen die „S o z i a 1 i s t i s c h e n M o n a t s h e f t e44 vom 28. Juni:-„Leider hat der Studententag in internationalen Dingen, besonders bei der Auslanderfrage, keinen so weitsichtigen Standpunkt eingenommen, wie in sozialen. Es fehit noch viel, daB auch nur die Elemente eines wahrhaft europåisclien BewuBtseins, in das wir uns als Deutsche freudig eingliedern, von dem akademischen Nachwuchs begriffen sind. Geht ihnen doch die Professorenschaft mit dem schlechtesten Beispiel voran sich von nationalistischem Geffihlsdfinkel lenken zu lassen, woffir das theatralische Zurficksenden des zerrissenen Ehrendoktordiploms an eine, womdglich noch pazifistische schottische Universitat durch den Berliner UniversitatsrektorE d u a r d Meyer aulaBlich der Auslieferungsfrage ein kleines, aber eharakteristisches Zeichen ist. „Ausiander, die Angehorige von Staaten sind, die trotz des Friedensschlusses eine deutschfeindliche Stellung einnehmen, sind auszuschlieBen." Dieser vom Studententag angenommene Satz zeugt von politischer Verståndnislosigkeit. Als ob nicht in jedem Land die friedlichen und die kriegerischen Strdmungen sich genau so bekampfen wie bel uns. Welche Torhelt, misere natUrHchen Bundesgenossen von deutschen Høchscbulen ausschlleBen zu woUenl Aber wo sollen die Stundenten denn einen Blick ffir die groBen Weltaufgaben herbekommen, fragen wir auch, ja das wenn ihre Lehrer es seibst oft an jedem AugenmaB ftir weltpolitische Fragen fehlen lassen? Und wie kann man sich fiber die GeisUosigkeit des Treibens an vielen UniY.dfSjt&ten wundern, wenn die Hochschullehrer seibst oft dem reichen befreienden Geistesleben ihr Tagewerk bloB in ihrer Spezialwissenschaft (der sie dann in Wahrheit auch nicht dienen konnen) oder ihre Tagespolitik in Verl.etzung der Jugend gegen alles Neue erblicken?

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