Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 32 (5.8.1920)
- Date
- 1920-08-05
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Sf«té 6 »jøDiscflE volksstimme* Nr. m. 018 Berufung Friedrich Oundolfs, dessen Bach Ober Q o e t h e (Berlin, Bondi) nicht nur das heste Qoethebuch sondern ein wahrhaftes Dokument des Oeistes ist, auf den Lehrstuhl Erich S c h m i d t s, mftchtigen WiderstSnden in der Fakultåt zum Trotz, konnte einen Anfang einer wirklichen neuen Kulturpolitik bedeuten, wenn sie nicht gleich durch die Ben.fung von 2 geistfernen Alterserscheinungen ausgeglichen werden solite. (Soli vieileicht doch Adolf Bart els berufen werden?) Aber vieileicht konnen wir trotz allem hoffen?*' Knut Hamsun. Am 4. August beging Norwegens grOBter Dichter seinen 60. Qeburtstag. Im Jahre 1860 geboren, ging er zuersf zu einem ehrsamen Schustermeister in die Lehre, bei dem er es ater nicht lange aushielt, denn Hamsun ist wie seine nordischen Briider Aage Madelung und J oh an n e s V. Jensen ein Wanderer. In Jungen Jf.hren zog er nach Amerika, war Schiffsheizer, Erdarbeiter, StraBenbahnschaffner, Farmer. 1885 in die Heimat zirrilckgekehrt, verøffentlicht er seinen „Hunger". Ein åutibiographischer Roman, wie Ja die meisten Hamsunschen Romane Teile seines Lebensbckenntnisses sind. Die Phantasien des vom Hunger gcmarterten, zermflrbten Oehirnes suchen in der Weltliteratur ihresgleichen. Ein groBer Dichter, dm der Ruch der feuchten fruchtbaren Erde anhaftet, schafft er gerade dort Grandioses, wo er die Mutter Erde beschreibt. Sein „Segen der Erde", ein Panegyrikon auf das Landleben, wie es nur ein Mann beschreiben kann, der selbst der harten Erde im SchweiBe seines Angesichtes Friichte abringen kann; Hamsun ist Jetzt endlich bodenstSndig geworden und lebt als Farmer von seiner Hånde Arbeit. Gemessen wird er Jetzt von Literarhistorikern an Ibsen, und man sagt ihm nach, er wdre der groBte nach Ibsen. Fr hatte aber vor und mit Ibsen auch bestehon kfnnen. Ich halte zum Gegensatze von anderen Ham su ns „Unter den Herbststernen" fiir das Beste und SchSnste, was er geschrieben. In voller Fiistigkeit begeht er seinen 60. Qeburtstag, zu dem ihm hoffentlich von allfiberall Ehrungen zuteil werden, auch wir legen ihm unsere Verehrung zu FiiBen. BrQnner Nachrichten. Aufruf! An die jild. Oeffentlichkeit! Nach jahrelangeu Remubungen, mit denen die Namen des inzwische'n verewigten Herrn ‘Eduard Glaser, der' Herren Max Ticho, M. Hickl u. a.JUr immer verbunden sind,;st im F.invernehmen mit der hiesigen Kultusgemelnde und der Chewra-Kadischa ein Werk geschaffen worden, weiches ermoglicht, daB die Mizwah schel Mess gemåB unseren rituellen Vorschriften und der Tradition entsprechend von frejwilligen Messascluin ausgeiibt wird. (Die flir diesen Zweck vorhandenen besoldeten Leute verbleiben selbstverstSndlich in ih rem Dienste.) Seit einigen Wochep beteiligt sich bereits eine festgesetzte Anzahl von Mitgliedern afr Jeder Tahara. Diese VerSffentlichung an die iildische Bevolk--:- rung soli den Zweck verfolgen, daB sich Herren, cMe Messaschim sind oder es werden und sich aktiv neiedigen wollen, zur Aufnahme melden. Ebenso ergeht hiemit an die iiidischen Frauen die Aufforderung, desgleichen an unserem' Werke mitzuarbeiten und sich ebenfalls zur ak ti ven Bete iligung zu melden. Anmeldungen nimmt der Obergabbe, Herr Max Ticho, BrUnn, Zeile 37, entgegen. Jiid. Nationallond-Kommission, BrUnn. Spendenausweis. Biichsen: Hugo Berger K 12.50, Moriz Beck 80 h, Guttmann Breda K 2.42, Adolf Lamtn K 3.70, Wally Ballon K 6.50, Egon Mandler K 8.30, Otto Preuss 4 K, Trude Hahn 16 K, Hans Seidler 4 K, Franz Taussig K 6.06, Else Steif K 4.66, Johanna hartenstein K 21.64, Amalie Strasser K 4.68, Annie Allerhand K 2.28, Oskar Bogad K 12.09, Lazar Seheinmann K 49.20, Fam. Rosenblut K 26.45, Isak Scheimann K 22.56, Otto WeiB K 7i20, Simon Hitzky 11 K. Grete Stiasny K 6.10, Fritz Zweigental 8 K, Berta Kahn K 2.62, Samuel Fischer 7 K, Karoline Vblker K 1.14, Erwin Goldschmidt 5 K, H. Weinberger 11 K, Benno Griinwald K 4.97, Alois Baum K 18.JO, Leo Pollak K 10.20, Emil Lustig K 11.58, Kmestine Eisler K 5.90, Rdssler K 13.80, Ignatz Hochwald K 28.20, Ing. Steiner 6 K, Kigm. Stark K 2.60, B»uno Qraus K 11.20, Julius Gottlob 31 K 30 h, Seiler & Abeles K 1.36, Siegfr. Neubauer-Samek 7 K, Leopold Fischgrund K 38.34, Herzl Sternchen 10 K, JOd. Frauenorganisation K 22.40, Julius Schuller 4 K, Boby Schwarz 5 K, Trude Faden 20 K, J. M. Drachmann K 20.24, Lothe JellineK K 6.24, Oskar Eger K 4.24, Anny Hahn K 24.64, Fritz RisChawy K 7.07, Jiid. Volksrat K 22.30. Selbstbesteuerung; Dr. B. SuBmann 60 K. Heinrich Zaitschek 40 K, Hermine Czuczka 24 K,Rosa Vogl, Ludwig Zaitschek, Hermihe Breda, Ada Schuster å 20 K, Ida Bock 12 K, Ing. Spitz, Juda Altmann å 10 K, Viktor Zaitschek, Henriette StrauB- Jellinek å 8 K, Isak Biirstenbinder 5 K, Hans Low, Hilde Czuczka, Karl Baum å 2 K, Berta Baum 1 K, Helene Mehrl 3 K. O e I b d u m e: Leopold Benedikt 5 BUume auf Nseines Sohnes Oskar 75 K, anl. Berith-Mitah im Hause Benedikt 3 BU urne auf N. Leopold Benedikt und Frau im Hasmonea-Garten 45 K, Jiid. Frauenorganisation 1 Baum auf N. des gst. Ignatz Raucher 15 K, anl. Bar-Mizwa des Hugo Schuller spendeten auf seinen N.: Adolf und Therese Muller 2 Båume 30 K, Dr. Adolf und Dr. Josefine Grunfeld, Adolf und Gisela Schallinger, Dr. Eduard Drachmann und Frau, Jiid. Frauenorganisation und Prof. Armin i.emberger zu je 1 Baum å 15 K. Allgemeine Spenden: Dr. Schreier 50 Kronen, Gisela Schallinger anl. des Absterbens Ihres Vaters Ignatz Raucher 50 K, Cornelius Strach (2 Tempelspenden) 20 K, Dr. Max HrdliCka 25 K, Norbert Schwarz 15 K, Sammlung Adolf Schwarz 13 K, Paul Zaitschek 10 K, Helene WeiBkopf, Irma Goldschmidt å 5 K, Heinrich Zaitschek 4 K, Sammlung am 9. Ab im Machsike-Hadaas durch Siegfried Horowitz: Friihmann 20 K, Neumark 10 K, Adolf Schey, Deutsch, Max Ticho, Altmann,- Tretter, Salpeter, Isak Kahane, Sternhell Herzl, Burstenbinder, Raab, Schor, Juda Altmann, Ritter, N. Ritter, S. Stempler, Horowitz å 5 K, Josef Laufer und Steiner å 3 K, Weiler, Spindel, N. N. 2 K, Hickl 1 K._ „Makkabi", Vereln fiir Turnen und Sport. Der fur den 8. August geplante Vereinsausflug findet am 15. August statt. Dr. Adolf Griinfeld, Advokat, Brunn, Krapfengasse 16, hat TelephohanschluB unter Nr. 1918. Frau Dr. Josefine Gerber-Griinfeld, KinderUrztin, Neugasse 42, hat TelephonanschluB unter Nr. 3387/11. Berlin. Der Verband der Ostjuden sendet uns seinen Tåtigkeitsbericht fiir den Monat Juni, dem wir ft'lgende Daten entnehmen: Es wurden im Berichtsmonat durch das Berliner Hilfswerk des Verbandes ausgegeben: 4752 Mittagsportionen, 2614 Schlafkarten. In dem neu eingerichteten Ambulatorium des Verbandes wurden årztlich behandelt: 62 Personen. Die Rechtsschutzabteilung beriet 181 Personen. Mit Kleidungsstiicken, Schuhwerk, Wiische usw. wurden versehen: 42 Personen. An den Unterrichtskursen (hebr&isch, englisch, dcutsch, rechnen usw. nahmen teil 60 Personen. Fiir Reinzuschiisse und sonstige Unterstiitzungen wurden auBerdem verausgabt 5683 Mark. Zu beachten ist, daB die Inanspruchnahme sSmtlicher Betatigungsgebiete des Verbandes gegen den Monat um ca. 30 Prozent gestiegen ist, und daB dernzufolge der Verband der tatkraftigen Mithilfe aller jiidischen Kreise bedarf. Herzogenburg. Wohltun tragt Zinsen. Auch den Chorherren unseres Stiftes hat es sich reichlioh gelohnt, daB sie wahrend des Krieges, als der Kader des 25. (Kremsierer) Landsturmregimentes dort stationiert war, Offizieren Unterkunft gewahrten, und mit ihnen bei so manchem Olase perlenden Weines frohe gelage veranstalteten. Es ist ihnen nun gelungen, ein Schaflein ihrer Kirche zuzufiihren. Herr Hptm. Ludwig R e i B aus G 6 d i n g, welcher unter diese Offiziere gehorte, und welchen besonders innige Freundschaftsbande zu den Patres verkniipftén, ist dem Beispiele seines Chefs Fritz Redlich gefolgt, aus dem Judentume ausgetreten und hat sich in den SchoB der allein selig machenden Kirche begeben. In der ganzen Cechoslovakei fand er keine Kirche wJrdig genug. um dortselbst das Sakråment der Taufe zu empfangen, nicht einmal im goldenen, hunde■■tiflrmigen Prag, seiner jetzigen Wohnstatte. So begab er sich mit seiner Frau, welche er vor ungefahr 12 Jahreri als armes Christenmadchen ehelichte, nach Herzogenburg in Niedcrosterreich, der Statte seiner ruhmreichen militarischen Tatigkeit, um dortselbst von seinen guten Freunden die Taufe zu empfangen, und auch seine vor 12 Jahren am Standesamte geschlossene Ehe klrchlich einsegnen zu lassen. Herr ExbOrgermeister Grundmann hatte die Ehre, ah Trauzeuge zu fungieren. Bei dem folgenden reichhaltigcn Mahle, bei dem es hoch herging, hat der Herr Pråiat wohl zufrieden gelåchelt; denn cs war ihm und seinen Amtsbrudern gelungen, ein råudiges Schaf zu bekehren und aus einem schlechten Juden einen gottgefålligen Christen zu machen. Das Judentum hat wohl mit dem Abfalle des Herrn Ludwig ReiB nicht viel verloren; ob das Christentum vicl gcwonnen hat, wird die Zukunft lehren. Die Zlonstochter. Tochter Zions, sei getrost! i Wenn auch Sturm dich rings umtost, Darfst du dennoch nicht verzagen, Solist nicht jammern, auch nicht klagen. Mutig und voll Gottvertrau’n MuBt zum Ew’gen auf du schaifn, Aus Prophetenworten lernes „Kinder kommen heim von ferne", Nach-viel Kummer, groBen Leiden, Schickt dein Gott dir dauernd Freuden. Jesaia 60. 4. Prof. Moritz Antscherl, Wien. Literatur. Paul Ernst: Der Zusammenbrucli des Marxlsmus. Georg Muller. Miinchen 1919. Brosch. 7 Mk., geb. 10 Mk. — Nach dem Zusammenbruche des IdealiMnus (Georg Miiller) in dem Paul Ernst die Ursachen aller unserer Uebel sieht, schreibt er den Zusammenbruch des Marxismus. Er ist noch nicht zusammengebrochen, aber Paul Ernst, der Dichter und Soziologe sieht ihn kommen. Mit einem unglaublichen Mute geiflelt er Zustånde und Menschen, ob sie nun heute die Lenker sind, oder ob sie geistige Vater und Vorfahren waren. .Mit einem kulturhistorischen Riickblick zeichnet er Entwicklung des Kapitalismus, wobei er zwischen Stadt und Land scharf unterscheidet, seziert Begriffe wie Kaufmann, Wortfetischismus, Wert, materialistische Geschichtsauffassung kalt und unbarmherzig wie ein Anatom, dem cin Kadaver zur Verfiigung steht. Paul Ernst, aus dem Volke stamméhd, will zum Volke sprechen, es belehren tmd besser machen. Es ist keine Phrase, wenn dies Biichlein warm empfohlen wird, ob man nun alle seine Schliisse fiir gut findet oder nicht. „Die Arbeit", Organ der zlonistischen volkssozlallstlschen Partei Hapoel Hazalr (deutscher Landesverband). Das Juniheft der Zeitschrift „Die Arbeit" erschien als Gustav Landauer-Gedenkheft. Aus dem Inhalt sind neben den Aufsåtzen von Martin Buber-Heppenheim, Arnold Zw^eig-Milnchen, I. Lofban-Jaffa, Hans Kohn-Prag und Siegfried Lehmann-Berlin besonders die vielen Aufsåtze von Gustav Landauer selbst bemerkenswert, die zum Teile in der Oeffentlichkeit bisher vollig unbekannt waren. Mit diesem Heft, dessen interessante Lektiire jedem, ob Freund oder Feind, dringend empfohlen werden kann, hat die Redaktion nicht nur Gustav Landauer ein schones Denkmal gesetzt, sondern die nahe Verwandtschaft aufgezeigt, die zwischen dem Sozialismus Gustav Landauers und dem des HapoebHazair besteht. Beide gehen aus von dem Einzelnen und wenden sich au den Einzelnen. Beide wollen den Sozialismus nicht verwirklichen von oben her durch den zentralistischen Zwangsstaat der Sozialdemokratie, sondern durch die Errichtung einer freien, sozialistischen Gesellschaft durch konstruktiven sozialistischen Aufbau von unten ,herauf. Das sehr lesenswerte Heft ist zum Preisé von 3 Mark durch jede Buchhandlung oder direkt vom Welt-Verlag, Berlin NW 7, Dorotheenstr. 35, erbaltlich. Berichtigung. Auf der Welthilfskonferenz in Karlsbad vertrete ich als Delegierter die von mir gegriindete und geleitete H i l f s s t e 11 e ftir Kriegsfliichtlinge (Pornoen^ iifad pro pédi o våledné uprehliky) und nicht wie die Jildische Pressezentrale Zurich irrtUmlich meldete das ehemalige Hilfskoinitee fUr Juden im Cechoslovakischen Staat. Dr. Engel.