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Jüdische Volksstimme · 1920-07-29 · Heft 31 (29.7.1920) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 31 (29.7.1920)
Date
1920-07-29
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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Nr. dl. Melnimgsverwttfø<J«nlieIteti aaf dør 2lonlstlschen Jahreskonferenz. London, 21. Juli. J. C. B. In den letzten Tagen sind zwischen den Delegierten der Jahreskonferenz Meinungsverschiedenheiten aufgetaucht. Die Differenzen betreffend die Fragen der-zu wåhlenden Exekutive sowie des Keren Hajesod (Paiæstina-Wiederaufbaufond). Die amerikanischen Delegierten, von denen ein Teil gegen die Vorschlage Mr. Brandeis beziiglich der Kandidaten in die Exekutive auftritt, verlangen die Wahl von Fachleuten sowie dafl Jie Frage des Kerem Hajesod der Exekutive zur Entscheidung unterbreitet werde, wåhrend die Delegierten aus Østeuropa den Standpunkt vertreten, daB die Konferenz dieser Angelegenheit in ihrem Wirkungskreise und zwar durch Erlassung einer feierlichen Proklamation an das jiidische Volk, sich fur den Paiæstina-Wiederaufbaufonds.mit einem Zehntel des Vermogens bezw. des Erwerbes zu besteuern, erledigen soli. Die Bilanz der Jiidlschen Kolonialbank. London, J. C. B. „Financier und Bullionist" vom 19. Juli berichtet, daB der Reingewinn des Jewish Colonial Trust (Jiidische Kolonialbank) fiir das Jalir 1919 25.154 Pf. St. betrågt. Mit Riicksicht auf die besonderen Verhæitnisse wurde beschlossen, kerne Dividende zu ve'rteilen, sondern den Betrag fiir den Reservefonds abzulegen, der sich somit gegenwærtig auf 35.354 Pf. St. beliiuft. AMERIKA. Aufhebung der Krlegsverordnungen in den Verelulgten Staaten. Newyork, J. C. B. Ein ErlaB des Præsidenten der sVereinigten Staaten vom 1. Juli hdbt die Kriegsverordnung auf, wonach jeder Angehorige eines feindlichen Staates eine spezielle Erlaubnis der Regieruug zum Verlassen des Landes haben muBte. - Der Prasident der „Halas** auf dem Wege nach Europa. Newyork, J. C. B. Der Præsident der „Hebrew Sheletering and Immigrant Aid Society** (Schutz und Fiirsorgegesellschaft fiir jiidische Immigration) Mr. Bernstein begibt sich nach Europa um die Uebersiedlung der jiidischen Familien in Europa zu ihren Verwandten in Amerika zu organisieren. Nach dein von Newyorker Bureau dieser Gesellschaft erhaltensn Nachrichten gibt es im gegenwærtigen Moment ca. 25.000 jiidischer Emigranten, die sich auf dfer Reise nach Amerika befinden. Der groBte Teil stamrnt aus Polen und Litauen. ARGENTINIEN. Die Juden in Argentlnlen. Der bekannte Zionist Dr. Epstein, der jetzt die Vereinigten Staaten bereist, um fiir den Nationalfonds zu wirken, machte einem Mitarbeiter des New- Yorker „Jewish Morning Journal** Mitteilungen iiber die Juden in Argentinien. Jiidisches Hauptzentrum ist Buenos Aires, wo zirka 70.000 Juden leben, die beinahe in allen Zweigen des argentjnischen Lebens vertreten sind. Es gibt dort jiid. QroBkaufleute, GroBfabrikanten, Mediziner, Juristen, Universitætsprofessoren, Schriftsteller und Arbeiter, hauptsæchlich aber eine starke Mittelklasse. Es sind dies grofitenteils russische oder polnische Juden, es gibt jedoch auch eine kleine Zahl von franzosischen, englischen und deutschen Juden, die dejn jiidischen Nationalieben bereits sehr entfremdet sind. In allen Stædteji Argentiniens, wo es groBere jiidische Kolonien gibt, gibt es ebenso wie in Europa alle mcjglichen Klassen und Schattierungen unter den Juden, ebenso Parteikæmpfe und Reibungen. Es gibt Bundisten, Jiddischisten, allgemeine Sozialisten, wie auch Sozialisten mit gewissen Færbungen. Der groBte Teil der Juden Argentiniens ist jedoch national und zionistisch. Die Zion. Organisation ist die starkste und einfluBrelchste des Landes. Die argentinischen Juden zeichnen sich auch durch ihre Gutherzigkeit und Freigiebigkeit aus. So war Argentinien das erste Land, wo ein jiid. KongreB stattgefunden hat, noch 18 Monate vor dem jiid. KongreB in Amerika. Bemerkenswert ist die groBe Entwicklung des Zionismus. Es gibt fiir 100 gutorganisierte zion. Vereine. Die Spenden fiir den Nationalfonds, Geulah-Fonds usw. ergaben gegen 250.000 Pesos (600.000 schweizerische Franken), was fiir eine BevOlkerung von 150.000 Seelen eine ziemliche Leistung ist, umsomehr, als auBerdem auch 200.000 Pesos fiir den Relief-Fonds fiir die Kriegsop* JIDDISCHE VOLKSSTIMME** fer aufgebracht wurden. Die Zionisten haben 2 eigene Wochenschriften „Jiddische Welt“ und in spanischer Sprache den „Maccabean**. POLEN. Die Lage der Juden in Podolien. Warschau, 18. Juli. Das London Jewish Correspondence Bureau erhielt ein Telegramm von Mr. Kass, Vertreter des A. J. D. C. und der Foderation of Ukrainien Jews, der eine Reise durch die Ukraine unternommen hat, um die Unterstiitzungsgelder zu verteilen. Mr. Kass berichtet: Es herrscht unter den Juden Podoliens schrecklicher Hunger und andauernde Angst ums nackte Leben. BeMngstigende Lage der Juden in Polen. London, 19. Juli. J. C. B. Dr. Low, Mitglied des A. J. D. C. ist aus Warschau hier eingetroffen und wichtige Dokumente betreffend die Lage der Juden in Polen mitgebracht. Unter denen befinden sich auch Maueranschlæge, die die Bevolkerung zu Pogromen gegen die Juden auffordern. Dr. L6w bezeichnet die Lage der Juden in Polen als æuBerst gefæhrlich. Das amerikanlsch-liidische Hllfswcrk In Lettland. Warschau, 19. Juli. J. C. B. Mr. Abraham Epstein, Vertreter des Arbeiterringes, ist in Warschau aus Lettland eingetroffen, wo er das amerikanischjiidische Hilfswerk organisierte. TURKEL Die Juden In der Tiirkei. London, J. C. B. Der Oberrabbiner der aschkenasischen Gemeinde in Konstantinopel, der gegenwærtig in Newyork weilt, machte interessante Aeu- Berungen iiber die Lage der Juden in der Tiirkei. Nach seinem Schætzungen befand sich dort vor dem Kriege etwa eine lialbe Million Juden, deren Mehrheit unter schlechten Verhæltnissen lebt. Unter dem alten Regime haben die Juden politisch nicht zu leiden gehabt, wohl waren sie aber moralisch immer benachteiligt. Sie hatten nie eine geniigende Anzahl von Schulen und in ihrem Kampfe ums Dasein muBten sie einer starken und unerbittlichen Konkurrenz seitens der Griechen und Armenier gegeniiberstehen. Als der Krieg ausbrach, wurden die Juden zum ersten Male in groBer Zahl in die Armee eingereiht. Dies hatte zur Folge, daB eine groBe Zahl von Soldatenangehorigen unversorgt zuriickblieb urid heute gibt es; in Konstantinopel 14.000 Fliichtlinge, Fraucn und Kinder von ehemaligen Soldaten, die nach Hilfe an die Gemeinschaft rufen. Unter diesen herrscht die auBerste Armut, Not und Mangel und die eingerichtelen Volkskiichen konnen nur im geringen MaBe dieser Not steuern. Aber das groBte aller Probleme ist die Frage der jiidischen Waisen, deren es gegenwdrtig ca. 3000 im Lande gibt. \ U4GARV. Der Fali des Oberrabbiner Dr. Low vor der Botschafterkonferenz. Paris, 21. Juli. J. C. B. Der franzosische AiiiRn-- minister hat der Botschafterkonferenz in Paris den; Fali des in Budapest verhafteten Oberrabbiners aus Sirgedin, Dr; Low unterbreitet. * * * Von der iiidischen Welthillskonferenz. Paris, J. C. B. Dem Komitee der jiidischen Delegationen gehen tæglich neue Mitteilungen von jiidischen Organisationen und Hilfsinstitutionen zu iiber die Entsendung von Delegierten zur jiidischen Welthilfskonferenz, welche am 5. August in Karlsbad nr- Gffnet wird. Folgende Organisationen haben bereits die Wahl ihrer Delegierten vorgenoinmen: 1. Central Relief Coinmittee in Amerika; 2. Delegation des Jiidischen Nationalrates fiir Ostgalizien (Del. Dr. Gelber). 3. Relief Found of the British Jewish workmen (Red. Moritz Meyer). 4. Zentralrat der jiidischen Handwerker in Polen. 5. Zentrale des jiidischen Rettungskomités fiir Ostgalizien mit dem Sitze in Lemberg (Delegierte Dr. Emil Parnas, Vorsitzender des Zentralkomitees und Dr. Heinrich Rosmarin, Mitgltød der zionistischen Exekutive fiir Ostgalizien), Zentralverband Italiano.j 8. Jiidischer KongreB in Canada (Delegierte Mr. Friedmann, Ottava, Mr. Lewi Balkin und Hersclnnan, Montreal). 9. Verband der Ost-Juden in Deutschland. Die Delegierten des People Relief-Committees in Newyork sind Mr. Alexander Cahan, Chairman, Moritz Rottenberg, Vize-Prasident, Josef Schlosberg, Seftø 5. Baruch Zuckermann, Mr. Caldopsk, Mr. Schflchter. Die Delegierten haben bereits Newyork verlassen und sich nach Europa zur Konferenz eingeschifft. Vor ihrer Abreise hat das Pople Relief Committee ein Bankett veranstaltet, an dem Vertreter des Forwaerd Associacion, der Arbeitergewerkschaften, des Arbeiterring, des Nationalen Arbeiterverbandes, der Poale Zion u. a. teilgenommen und in ihren Toasten iiberaus lebhaftes Interesse fiir den Erfolg der jiidischen Welthilfskonferenz bekundet haben. Die meisten Referate, die bei der Konferenz zu halten seien, sind bereits auf die einzelnen Fachreferenten verteilt. Man erwartet zuversichtlich, daB die Konferenz vor allen am wirtschaftlichen Wiederaufbau des Ost- und Mitteleuropæischen Judentums Interesse haben, den Organisationen und Institutionen zahlreich beschickt werden, sowie daB die Konferenz vom reichen Inhalt ausgefiillt sein wird. Prager Nationalrat. Bericht iiber die Sltzung des Jiidischen Nationalrates in Prag am 30. Juni 1920. Es wurde iiber eine reiche Interventionstætigkeit berichtet. Aus dieser sind insbesondere die Intervention Prof. Dr. Engels zugunsten der slovakischen Lehrerkurse, die des Dr. Brod wegen eines Hetzartikels des „Slovak** in Ruzomberk und die des Dr. Lebenhart wegen leihweiser Uberlassung von Betten fiir Chaluzim in Leitmeritz hervorzuheben. Wegen der Haltung des Schulreferates in Bratislava bezicglich der slovakischen Lehrerkurse wurde ein Protesttelegramm an Minister Dérer in Bratislava abgeschickt. Unter den 16 Interventionen iiber die Dr. Engel berichtete, ist noch die, welche zum Versprechen des Ministerialrats Novak fiihrte, die Behandlung der Fliichtlinge als Ausiænder durchzufiihren von besonderer Bedeutung. Auch die Intervention des Dr. Lieben und Dr. Hilf (Mæhr.-Ostrau) wegen rechtzeitiger Zuweisung von Getreide zur Herstellnng von Mazzoth fiihrte zu einem vollen Erfolg. Einén grøBen Raum nahm in den Verhandlungen die Sorge um die jiidischen Durchwanderer ein. Ab- | gesehen von der bereits erwæhnteh Intervention zugunsten der LeitrneritZer Chaluzim ist es vor allem Sekr. Juhn gelungen, beim Deiitsch-osterreichischen Konsulate die Erteilung genereller Visa fiir Chaluzimtransporte nach Palæstina zu erwirken in der Weise, ,daB nur der Fiihrer einen PaB besitzen muB, væhrend die iibrigen Konsignationen haben konnen. AuBerdem sollen die Visa nach der Armentaxe be,- lechnet werden. Entsprechend des Antrages Prof. Dr. Engels wird auBerdem ein Komitee eingesetzt, welches den ganzen Komplex der Emigratiousfrage Gurchbesprechen und positive Vorschliig^ erstatten soli. — Zugleich werden groBziigige MaBnahmen zugunsten der notleidenden jiidischen Studentenschaft ins Auge gefaBt. Die Ausarbeitung der positiven Vorschlage wird auch in diesem Punkte dem genannten Komitee iibertragen. Bei dieser Gelegenheit riimmt der Nationalrat entschieden Stellung gegen das Auftreten des Verbandes der slovakischen Hochschitler ar der Deutschen Universitæt iiber die Dr. Lebenhart berichtete. * Sltzung des Jiidischen\NationaIrates vom 13. Juli. Prof. Engel berichtet iiber seirie Interventionen wegen Abtransportes von Fliichtlingen, Herr Dr. Lebenhart und Frau Klein iiber eine Intervention tei der Polizeidirektion zugunsten dreier verhafteter Chaluzim, die freigélassen iwurden und denen die Weiterreise nach Palæstina ermbglicht wurde. Der Præsident Dr. Singer berichtet iiber die Audienz d’-s Præsidiums beim Præsidenten Masaryk. Die griindliche Aussprache iiber den ganzen Ko.nplex der Postulate des Jiidischen Nationalrates zeugte von der Vertrautheit des Præsidenten mit . dem ganzen Material und hinterlieB bei allen Beteiligten die Ueberzeugung, daB dadurch die Weiterbehandlung da,r Forderungen eine wesentliche Fejr der ung erfahren *hat. Beziiglich der erfolgten Aufliisung der jiidischen Schule in Lundenburg wird beschlossen, im Verebi mit der dortigen Kultusgemeinde an das Ministerium zu rekurieren. > Die weitere Besprechung war Schulfragen ge* widmet.

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