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Jüdische Volksstimme · 1920-07-29 · Heft 31 (29.7.1920) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 31 (29.7.1920)
Date
1920-07-29
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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» Nr. dl. aÉHia=--B=5feAgMi»«l|i - . -t- . ■ - — . .... Die zlonistische Jahreskonferenz. London, J. C. B. Nach einer lOtågigen Unterbrechung hat die zionistische Jahreskonferenz am Moritag, den 19. Juli die Verhandlungen wieder aufgenommen. In der verhandlungslosen Zwischenzeit haben die Kommissionen Vorschlåge ausgea*'- beitet, die nun dem Plenum unterbreitet werden. Lord Rothschild fiihrte den Vorsitz. Herr Adolf .Bohm brachte folgende Vorschlåge der Palåstinakommiss’’on vor:' 1. Das Hauptprinzip unserer Bodenpolitik ist. daB der Boden des jiidischen Jischub dem jiidischsn Volke gehore. 2. Der Boden soli der Kolonialbank (?) gehoren. Ihre Aufgabe ist die Erwerbung von Boden durch Volksspenden, Abtretung des Bodens in erbliche Pacht, die Schaffung von Moglichkeiten, daB auch besitzlose Erdarbeiter sich ansiedeln konnen, die Verhiltung von Bodenspekulationen und drgl. 3. Damit die Kolonialbank ihre Aufgabe als Hauptinstitution fiir Bodenankauf erftille, ist erst notwendig, daB sie mit ansgiebigen Qeldmitteln versehen werde. Der Einkauf von Boden soli in den Hånden einer Institution konzentriert werden, die unter Kontrolle der zionistischen Organisation steht. Um den Bodenbesitz zu erweitern, soli der J. N. F. mit Hilfe von Privatkapital Boden auf dieser Grundlage erwerben, daB der Boden der Privatbesitz ist, mit der Zeit in den Besitz des jiidischen Volkes iibergehe. Herr Pines fordert im Namen der Minderheit die AusschlieBung jcder privaten Initiative. Der Zionismus muB auch die okonomische Frage losen. Es darf dazu nicht kommen, daB einzelne Grundbesitzer iibcr die Massen herrschen. Private Grundbesitzer wer- , den sich arabischer Arbeiter bedienen. Die Juden .werden ’vielleicht juridisch Palåstina besitzen, aber faktisch wird .'das Land arabisch sein. Dr. Hausmann tritt fiir die Annahme der Kommissionsbeschliisse ein, da wir gegenwårtig vor die Alternative gestellt sind, soviel Boden als mdglich zu erobern, oder ihn vielleicht får immer zu verlieren. Die Forderung nach unverzifglicher Nationalisierung sei angesichts dessen graue Theorie. Wir werden* solange herumdiskutieren, bis der freie Boden von Nichtjuden aufgekauft werden wårde. Der National-Fond besitze jetzt nicht die Mittel groBe Bodenflåchen zu erwerben, wir miissen daher die Privatinitiative gestatten. Inzwischen wachsen die Bodenpreise tåglich hoher. Auch Herr Lewin-Arnstein plaidiert fiir die Privatinitiative, da es zunåchst gilt die freie Boden in jiidischen Besitz zu bringen. Auf den von Nichtjuden angeworbenen Bdden werden. sicherlich keine jiidischen Arbeiter beschåftigt werden. Die Herren L. Katzenelson und Sprinzak setzen sich mit aller Wårme fiir die Nationalisierung ein. Der Zionismus darf keine jiidischen GroBgrundbesitzer zulassen. Gerade bei der Losung der Bodenfrage, die den Tråger der gesamten Volkswirtschaft hildet, miissen wir die Demokratie und soziale G<Jrechtigkeit betåtigen. Wir kbnnen nicht einerseits von den Idealen der Propheten schwårmen und in der Praxis dem Kapitalismus huldigen. Die Bescblilsse der zionistischen Jahreskonferenz in London. I. Fragen der Bodenpolitik. 1. Das Grundprinzip der zionistischen Bodenpo- Htlk ist, den Boden, auf dem die jiidische Kolonisation erfolgt, in das Gemeineigentum des Jiidischen Volkes zu ilberfiihren. Die Exekutive wird aufgefordert Alles aufzubieten, um diesen Grundsatz zur vollen Durchfiihrung zu bringen. 2. Der Tråger der jiidischen Bodenpolitik in Stadt und Land ist der Jiidische Nationalfonds. Seine Ziele sind: Durch Verwendung freiwllliger Volksspenden den Boden Palåstinas in jiidischen Gemeinbesitz zu iiberfiihren, den Boden ausschlieBlich in Erbpacht und Erbbaupacht zu vergeben; die Ansiedlung mittelloser, jiidischer, selbstarbeitender Elemente zu ermoglichen. die jiidische Arbeit zu sichern. die Nutzung des Bodens zu iiberwachen und der Spekulation enteegenzuwirken. 3. Die KreditmitteL der Zionistischen Organisation sollen in erster Reihe solehen Ansiedlern zugutekommen, die sich den Prinzipien des ifldischen Nationajfondes unterwerfen; jrnmm volksstimme* i 4. Um beim Bodenerwerb den J. N. F. zum maBgebenden Faktor zu machen, miissen ihm Jederzeit ausreichende Mittel zur Verfiigung gestellt werden. Zwecks Erweiterung seiner Aktionsfåhigkeit soli der J. N. F. Anleihen aufnehmen, die durch seine Pachteinnahmen zu verzinsen und zu amortisieren sind. Der J. N. F. soli berechtigt sein, unter Ausschaltung der bisherigen Reservenverpflichtung seine gesamten Mittel ohne jede Einschrånkung in Palåstina zu investieren. Die Bodenpolitik des J. N. F. muB durch Kreditmstitute fiir landwirtsdhaftlichen und stådtischen Besitz gefordert werden. 5. Der Bodenkauf in Palåstina durch Juden soli bei einem offiziell anerkannten, Unter der Kontrolle der Zionistischen Organisation stehenden Institut zentralisiert werden. 6. Im Interesse der schnellsten Erwerbung groBter Teile des palåstinensischen Bodens soil der J. N. F. Formen finden, in denen neben dem eigenen Kapital des J. N. F. auch das Privatkapital sich bodenkaufend betåtigen kann, in einer Weise, die den spåteren Uebergang der so gekauften Boden in nationalen Besitz gewåhrleistet. II. Kolonisationsfr agen. 1. Die nationale Kolonisationståtigkeit hat die Ansiedlung des jiidischen Eigenarbeiters zum Ziele. 2. Angesiedelt sollen nur jene Arbeiter werden, die sich in Palåstina in langjåhriger Praxis bewåhrt r.aben, sowie Juden, welche im Galuth selbstarbeitsnde Landwirte waren. Arbeiter, die sich im Galuth iandwirtschaftliche Kenntnisse erworben haben, sollen erst nach einer entsprechenden Arbeitspraxis im Lande angesiedelt werden. Der Eignung der Frau fiir die Ansiedlung ist bcsonders Beachtung zu schenken. 3. Zwecks Besiedlung und Vorbereitung der Beriedlung sollen nach Mbglichkeit groBe, zusammenhångende Gebiete, auch solche, die erst amelioriert und saniert werden miissen, durch die Zionistische Organisation gesichert werden. 4. Die Ansiedlung von Anwårtern mit eigenem Kapital ist ihrer Wichtigkeit entsprechend'aufs entschiedenste zu fordern, soferrie sie sich den Prinzipien der nationalen Kolonisation unterwerfen. h. In Anbetracht der Wichtigkeit, schnell zu intensiver Ausniitzung der Låndereien iiberzugehen, sind mit åuBerster Beschleunigung einige Siedlungen, sowohl auf bewåsserbarem als auch auf unbewåsserbarem Boden nach den Methoden der intensivsten Bodennåtzung anzulegen. Die hiefiir notwendigen Geldmittel sind zur Verfiigung zu stellen und mit der Verbreitung dieser Siedlungen sowie des dafår notigen Menschenmaterials ist eine Kommission von Fachleuten zu betrauen. 6. Oeffentliche Arbeiten dUrfen von der zionistischen Organisation nur nach volkswirtschaftlichen Gesichtspunkten durchgefiihrt werden. 7. Der J. N. F. als soleher betreibt keine Kolonisation' und fiihrt, abgesehen von der Baumspende, keine Aufforstung aus. Er fiihrt die Amelioration seiner Boden durch. Er beschrånkt diese Tåtigkeit auf diejenigen Arbeiten, die notig sind, um den Boden in einen wirtschaftsfåhigen Zustand zu versetzen. * III. Sanitatsfragen. Die Jahreskonferenz beschlieBt die Einrichtun? eines Gesundheitsamtes als Abteilung der obersten j.ionistischen Behordén in Palåstina. Såmtliche medizinischen und sanitåren Arbeiten sollen in diesem Gesundheitsamt konzentriert werden. Zur Durchfiihrung dieser Arbeiten ist aus dem allgemeinen Budget der Palåstinaarbeiter ein besonderes Sanitåtsbudget abzuzwéigen. In dieses Budget sind alle Einzelbudgets von Organisationen fiir medi- /inische und sanitåre Arbeiten in Palåstina einzustellen. Die politischen Resolutionen. - Resolution I. ” Die in London tagende Jahreskonferenz der Zionistischen Weltorganisation begriiBt mit groBter Freude und Dankbarkeit den BeschluB von San Remo die Balfoursche Deklaration in den Friedensvertrag mit der Tiirkei aufzunehmen und die Annahme des Mandates får Palåstina durch GroBbritannien . zum Zwecke der Errichtung einer nationalen Heimståtte fiir das jttdlsche Volk. Die Konferenz drilckt ihre feste Ueberzeugung aus, daB die von England und den aUiierten Machten Ml« 3. anerkannten Rechte des jfldfsclien Volkes auf sein Land auch vom Vdlkerbunde verbilrgt werde. Die Jahreskonferen erklårt, daB das Jiidische Volk allen Nationen gegenUber, die an diesem groBen Werke teilgenommen haben, insbesonders dem gro¬ Ben britischen Volke und seinen Fiihrern gegenUber von den GefUhlen tiefster Dankbarkeit erfUllt ist. Resolution II. Die Zionistische Jahreskonferenz erblickt in den bisherigen Zusicherungen åffentlich rechtlicher Natur die Grundlage fur die Schaffung eines jiidischen Palåstina und hegt die Zuversicht, daB die noch zu fiihrenden Unterhandlungen zu einer vollen Verwirklichung der zionistischen Bestrebungen fiihren werden. Die Jahreskonferenz dankt den Herren Dr. Weizmann und Sokolow flir ihre im Interesse des Ittdischen Volkes geleisteten aufopferungsvollen Arbeiten und spricht ihnen ihr Vertrauen'aus. Das Universitatsprojekt an der zionistischen Jahreskonferenz. London, J. C. B. Seitens des Erziehungsdepartements wurde der zionistischen Jahreskonferenz in London ein Bericht Uber die Vorbereitungen zur Schaffung der Universitåt in Jerusalem und eiiier Technik in Haifa vorgelegt. Die Universitåt soli in moglichst kurzer Zeit erbffnet werden und soli zunåchst keine komplette sein. Sie witd am Arifaiig lediglich aus Forschungsinstituten fiir. Physik, Chemie, Mikrobiiogie, einem Institute fUr die hebråische Sprache und einer Anstalt fiir die Wissenschaft des Judentums mit Anschlufl eines allgemeinen humanistischen Kurses. Die Schaffung einer vollståndigen Universitåt ist zur Zeit sowohl aus Schwiergikeiten technischer Natur als auch aus prinzipiellen. Grilnden fast unmfiglich. Abgesehen von den technischen Schwlerigkeiten wie der Mangel eines entsprechenden Gebåudes in Jerusalem, den ungeheueren finanziell'en Anforderungen u. a„ so ist im ietzigen Moment die jådische Bevolkerung Palåstinas viel zu klein, um eine so groBe Hfireranzahl beistellen zu konneh, daB die Schaffung einer kompletten Universitåt gerechtfertigt wåre. Dazu kommt noch der Mangel einer durchgebildeten wissenschaftlichen Terminologie in der Iiebråischen Sprache, der Mangel an Bibliothéken, wissenschaftlichen Korporationen, mit einem Worte au allem, was die spezifistische wissenschaftliche Atmosphåre schafft, die allein får eine produktive Arbeit einer Universitåt, wie auch får deren Niveau von fårdernder Bedeutung sein kann. Diese Umstfindc lassen es notwendig erscheinen im Kleinen zu beginnen und die geschaffenen Instituté? allmåhlich zu Fakultåten einer Universitåt zu entwickeln und auszubauen. Um sich die Mitarbeit von Fachleuten zu sichern, hat das Erziehungsdepartement ein Beratungskomitee ins Leben gerufen, zu dem Spezialisten in allen Universitåtsfragen gehbren. Gleichzeitig arbeitet ein anderes Komitee unter Prof. Warburg in Berlin und auch in Paris soli eine åhnliche Institution geschaffen werden. Viele Gelehrte von Weltruf wie Einstein, Wassermann und Freund haben ihr Iebhåftes Interesse bekundét und ihre Mitarbeit får eine hebråische Universitåt versprochen. Mit Hilfe dieser Komitees wurden bereits Plåne får die Errichtung der zu schaffenden Institute entworfen. Zu Beginn wird ein ledes der Institute nicht mehr als 6 Lehrkråfte (2 Proffesoren, 2 Dozenten und 2 Assistenten) erfordern. Von den einzufåhrenden Forschungszweigen werden in erster Reihe diese beråcksichtigt werden, welche geeignet sind die allgemeine Entwicklung des Landes zu fQrdern. In dieser Richtung wird auch die Spezialisierung dieser Institute gehen. Die Anstalt får die Wissenschaften des Judentums wird zu Beginn ebenfalls im bescheid'-nen Umfange bestehen und einen Lehrkdrper von 12—14 Mann erfordern. Was die Ausstattung dieser Institute betrifft, so wurde in einer der wichtigsten Fragen ein groBer Schritt nach Vorwårts gemaeht. Die zionistische Organisation hat die alte, N von Dr. Chasanowitsch gésammelte „Beth Neeman“-Bibliothek . die gegenwårtig 4U.000 Bånde zåhlt — åbernommen und får eine gute Verwaltung vorgesorgt. Dr. Hugp Bergmann, gewesener Kustos der Universitåtsbibliothek in Prag, bat sich bereits nach Jerusal^ begeben, um die Verwaltung der Bibliothek zu nehmen. Es wurden auch Schritte untemommeni

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