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Jüdische Volksstimme · 1920-07-22 · Heft 30 (22.7.1920) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 30 (22.7.1920)
Date
1920-07-22
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
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fCr. 30. »JtmiSCHE VOLKS8T1WME- StH* 5. die Einsetzung einer im Friedensvertrag mit der TBrkti vorgesehene Kommission an, zur Schlichtung der Differenzen zwischen den religidsen Gemeinschåffen in Palåstina. Bel der Zusammensetzung dieser Kommission wird auf die Interessen dieser Gemeinschaften Bedacht genommen werden. Der Vorsitzende" dieser Kommission wird vom Volkerfcunde ernannt. Die lange unterbundene okonomische Entwicklung des Landes kann nun beginnen. Die MaBnahmen, die zur Errichtung einer JUdischen nationalen Heiniståtte ergriffen werden sollen, werden diese Entwicklung im hdchsten Malle fordern. Bodenspekulationen werden durch entsprechende MaBnahmen verhindert werden. Zu diesem Zwecke solle eine Bodenkommfssion bestehend aus einem britischen Beamten und zwei anderen Mitgliedern eingesetzt werden. Ein Landkataster soli angelegl werden und in Verbindung damit soli ein Gerichtslio' filr Grundbesitzfragen errichtet werden. Weiters soli ur.verzilglich an die Errichtung von Banken geschritten werden, die langfristige Kredite auf Hypotheken und filr stådtische Geschåfte gewåhren werden. Die Zivilverwaltung, wird gleich die Eisenbplinen Ubernehmén. Ferner beriihrte Sir Samuel die Frage des Ausbaues des Elsenbahn-, Telephon- und Telegraphen-Netzes und stellte die Ausfiihrung vieler Sffentlicher Arbeiten schon vor Beginn der Regensperiode in Aussicht. Manche von diesen offent- Iichen Arbeiten erfordern grnfle finunziellen Quellen, cr hoffe aber so rasch als es der Zustand der, Landes gestatten wird, eine Anleihe zustande zu bringen. Ein groiler Teil dieser Arbeiten wird der privaten Initiative ilberlassen werden. Die Håfen und die Grenzen werden in Kllrze filr eine beschrånkte Emwanderung freigegeben werden. Die Regierung wird bald ein Gesetz erlassen, dail die Kontrolle iiber die Einwanderung der Regierung Ubertrågt und worin die Bedingungen, unter welchen die Einwanderung zugélassen wird, genau umschrieben werden. — j] iK '"l Koel Beremo nischmif! Am Grabe Rachels. Treue Mutter tief im Grunde, Hast tun J u d a» ein&t.geweint. Gekommen ist nun ietzt die Stunde, Wo wir endlich bald véreint, Zjehen werden in das Land, Wo einst Jacob dich erkannt. Hast dem Schopfer in den Hohen, Deinen Wiinschen Raum gegeben. Dail wir wieder nach Kanaan gehen, Gottesftirchtig dort zu leben, Zu befolgen Moses Lehren, Unsern Schdpfer zu verehren. x ‘! Wir danken R a c h e 1 dir vom Herzen, Hast im Grabe treu gewacht. Du hast uns ja nach vielen Schmerzcn, Gottes Hilfe jetzt gebracht. Wir ziehen froh in das Land, Wo einst Zions Tempel stand. Albert L 8 w. Trencsen-Teplics, im Juni 1920. Rundschau. ENGLAND. Eine Botschaft Lloyd Georges an die zlonistische Jahreskonferenz. London, J. C. B. Professor Weizmann erhielt nachstehende Botschaft von Mr. Lloyd George: „Ich libersende meine herzlichsten GlUckwUnsche dem ersten seit dem Kriege tagenden zionistischen Weltkongrefi aus Anlafi der Wiedererrichtung der nationalen Heimståtte flir das jtidische Volk. Ich vertraue fest, dail das jtidische Volk alle diese Eigenschaften von Energie, Entschlossenheit. Toleranz, Weisheit und Ueberlegung gegeniiber ihren Mitbtirgern in‘Palåstina zeigen werde, die fttr seinen Erfolg notwendig sind. Ich bin tiberzeugt, daB in diesem Falle das jtidische Volk, abermals einen groBen und wohltåtigen Teil zum Fortschritt der Menschheit beltragen wird. Hantke Scbatzmelster des Z, B. B. Goldberg ist vom Schatzmeisteramt des Zentralbliros der Zion. Organisation zuriickgetreten. Setø Nachfolger ist Dr. Hantke, der sein Amt am 1. Juli aogetreten hat. Goldberg verbieibt der Chef des Palåstina Handels- und Industrie-Departements und wird die Aufsicht und Kontrolle Uber das Palåstina-Budget austiben. Sir Herbert Samuels Reisen In Palåstina. London, J. C. B. Einer Reutermeldung zufolge bereist gegenwårtig Sir Herbert Samuel Palåstina, um mit allen Bevolkerungsschichten FUhlung zu nehmen und ihnen die Botschaft des Konigs zu verkUnden. Am 8. Juli war er in Haifa, wo die Repråsentanten der nordpalåstinensischen Bevolkerung versa mmelt waren, um die Botschaft des Konigs entgegenzunelimen. Am FuBe des Karmels wurde eine Tribune mit verschiedenen Flaggen verziert errichtet, von der der High-Kommissår den Vertretern der Drusen, Bahiten und Samaritaner von Haifa, Galilåa, Nablus und Tulkeren die Botschaft verktlndete. Am 9. d. M. in der frtih begab sich Sir Herbert Samuel nach Atblit und den jiidischen Kolonien bei Zamarin. Von dort begab er sich nach Nablus, Butnaria und Jenin. Ueber die Anstéllung eines Sekretårs får JUdische Angelegenhelten bel der engllschen Gesandtschaft in Warschau. * London, J. C. B. Major Entwisthe richtete im Uoterhause eine Anfrage an den Unterstaatssekretår ffir AeuBeres, ob er gemåB dem Vorschlage Sir Stuart Samuels, beabsichtigt einen Sekretår ftir jtidische Angelegenheiten bei der englischen Legation in Warschau anzustellen. Mr. Harmswoorth antwortete, daB gegenwårtig keine Absicht bestehe, diesen Vorschlag zu akzeptieren. Eine Ehrung des Oberrlchters Louis Brandeis in London. London, J. C. B. Lord Reading, Viscount Finlay und Viscount Haldane veranstalteten ein Frllhstilck zi: Ehren Louis Brandeis, Oberrichters des Obersten Gerichtshofes der Vereinigten Staaten in Nordamerika. PALXSTINA. "™" ~ Jabotinsky frei! London, 12. Juli. J. C. B. Die „Times" melden vom 8. d. aus Jerusalem: Jabotinsky und seine 12 Kameraden wurden heute in Acco nach der Zeremonie der Verktindigung der koniglichen Botschaft in Freiheit gesetzt. Sie kehren morgen nach Jerusalem ztrlick, wo man ihnen einen begeisterten Empfang vorbereitet. Neue Siedlungen. AuBer dem vor mehreren Jahren gegriindeten jod, Dorf Mozza, sind dieses Jahr in der Nåhe Jerusalems weitere drei jild. Dorfer: Kalandija, Dilb und Ramah entstanden. Es steht zu erwarten, daB ein ganzes Netz jiidischer Dorfer die nåchste Umgebung Jerusalems umspannen wird, um die von dieser GroBstadt benotigten Lebensmittel zu liefern. Neu-Ausgabe Ben Slrach. Auf einer der letzten Sitzungen des Midrasch- Halaschon, auf der Dr. Klausner einen Vortrag iiber die Apokryphenschrift Ben-Sira gehalten hat, wurde auf Anregung von Ben-Jahuda beschlossen, diese Schrift nach den in Kairo entdeckten hebråischen Manuskripten neu herauszugeben, versehen tnlt hiner wissenschaftlichen Einleitung und einem Kommentar der Midrasch-Halaschon. Eine Kommisston. bestehend aus Ben-Jahuda, Dr. Klausner und Prof. Slousch, soli diese wichtige Arbeit im Laufe eines Jahres durchfiihren. Die Kommission wandte sich bereit$ an die Bibliotheken von Oxford und Cambridge mit der Bitte, ihre Abschriften des Manuskriptes Ben-Sira zur Verfiigung zu stellen. JUdische Kondukteure. Die Eisenbahn-Verwaltung Haifa-El-Kantara ha* beschlossen, 30 jild. Kondukteure ftir diese Linie anzustellen. Auch die „Tabo" (Bodensteueramt) beschloB vier englisch, arabisch und hebråisch verstehende Jaden filr ihre Buchhaltung anzustellen. Orienthandel. Das Staats-Departement In Washington erhielt eliten Bericht, daB der Orienthandel sich um das jtldische Palåstina zu konzentrieren beglnnt. Beirui, das einst der Haupthafen von Syrien war, beginnt an Bedeutung zu verlieren. Der Schiffsverkehr tendiert nach Haifa, das zur jUdischen Hafenstadt wird. Da man groBe Hoffnungen auf das jUdische Palåstina setzt, wendet sich der ganze Handel dortbin, ais dessen Resultat sfch alles in Haifa, statt in Beirui konzentriert. Man erwartet« daB die mefsten groBen Banken in Beirut schlieBen werden, well der dortige Handel unter arabischer Herrschaft, wenig Aussicht bat. (Dos Yidische Folk.) AMERIKA. Das amerlkanlsche Judentum darf nlcht auihbren Geld zu geben — bis ... . AnlåBlich der Relief Kampagne zu Gunsten der Kriegsopfer im Osten fand in Newyork zu Ehren des Leiters diéser Aktion, Richter Rosalsky, ein Bankett statt, an dem auch der amerikanische Gesandte in Warschau, Gibson, teilnahm, der u. a. erklårte: Nachdem das jild. Volk in Amerika seine Pflicht erfUIIt und Tausende von polnischen Juden dem Tode entrissen hat, milssen die amerikanischen Juden den Geretteten ietzt auch die Moglichkeit geben, sich zu erhalten. Gibson schilderte ausfiihrlich die Lage der Juden in Polen und betonte die grofle Hilfe, dis durch das „Joint Distribution Committee" geleistet wurde. Er sprach auch mit Begeisterung von Dr. Bogens Wirken. Nach Ansprachen von Warnburg u. A. erklårte Louis Marshall, daB die Relief Kampagne nicht frilher geschlossen werden wiirde, als die ganze projektierte Summe aufgebracht sein wird. Wir milssen das europåtøche Judentum auf die Beine stellen und das amerikanische Judentum darf nicht aufhoren Geld zu geben, bis das europåische Judentum selbst fåhig sein wird sich zu versorgen. Klndererzlehung. AnlåBlich der Graduierung von Rabbinern und Lehrern im ]ild. theologischen Seminar, bekannt unter dem Namen „Schechters Seminar" beklagte sich Louis Marshall Uber die Vernachlåssigung der Hid. Kinder-Erziehung in Amerika. Die amerikanischen Juden zeigten sich in den letzten Jahren ziemlich groBmiitig gegeniiber den Leiden ihrer europåischen BrUder, haben aber absolut nichts in ihrer Heimat filr ihre eigenen Kinder getan. Von 300.000 JUdischen schulpflichtigen Kindern erhalten bloB gegen 15 Prozent jildische Erziehung und zwar nicht etwa weii sie nicht hebråisch und Religion lernen wollen, sondern, well dazu einfach die Gelegenheit fehit. JUdische Erziehungsanstalten, wie auch Lehrersemipare seien notwendig. Man mUsse auch Aufmerksamkeit den mehr als 14 Jahre alten Kindern schenken, die in „Young Men’s Christian Association" (Ymca) und „Young Women’s Christian Assosiation" einzudringen trachten und Lårrn schlagen, wenn sie nicht aufgenommen werden. Es sei also besonders n8tig, die „Young Men’s Hebrew Association" . und die Young Women’s Hebrew Association" zu „verjUdischep", damit unsere Jugend dort die passende jttd. Atmosphåre finde. Ein Natlonalfonds-Blumentag In Amerika. Newyork, J. C. B. Der in den Vereinigten Staaten von N. A. alljåhrig veranstaltete Blumentag zu Gunsten des jiidischen Nationalfonds hat in diesem J:>hre einen besonderen groBen Erfolg gebracht. In Newyork selbst wurden 20.000 Dollars gesammelt. Eine neue lUdlsche Institution in Newyork. Newyork, J. C. B. Im Ostviertel Newyorks wird eine neue jUdische Institution’ unter dem Namen „Jewish Center" gegrUndet. Es soli eine Erziehungsanstalt fUr die jUdische Jugend im Ostviertel Newyorks sein, deren geistige und physische Erziehung Lis nun ziemlich vernachlåssigt war. Besonders die Waisenkinder sollen hier untergebracht werden und eine Erziehung im jUdischen Gelste genieBen. Diese Institutionen werden in einem eigenen einstockigen Hause untergebracht sein, unter dessen Bau der gewesene Botschafter Abram Elkus letzten Sonnta^ den Grundstein gelegt hat. Die 12. Jahreskonferenz der zionistischen Organisation „Joung Judeans In Amerika. Newyork, J. C. B. Letzten Sonntag. wurde in Long Island die zwOlfte Jahreskonferenz der zionistischen Organisation in Amerika „Jung-Juda" bei eirer zahlreichen Beteiligung von Delegiertcn aus dem ganzen Lande eroffnet. Die Konferenz erhielt von allen zionistischen Organisationen wie auch vom Richter Mack, Pråsident der zionistischen Organisation in Amerika. Dr. Stephan Wise und Louis Brandeis herzliche Begrliflungsschreiben. Auf der Tagesordnung standen Probleme der* praktischen Palåstinaarbeit. Auch die Frage der Verbreitung der liebråischen Sprache wurde ein gebtthrender Platz in den Beratuogen eingeråiunt.

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