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Jüdische Volksstimme · 1920-07-22 · Heft 30 (22.7.1920) · page 4

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 30 (22.7.1920)
Date
1920-07-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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StK« 4 ntmimm vousstimme- Nr. 30. Plir die Provin«: Baumgardt-Erfurt, Singermann-Breslau, Oderberg,Hannover, Buber-Heppenhein, Landauer-K6In, Sapir-Dortmund, Aenne Pomeranz-Elberfeld, Meier-Leipzig, Gordon-Hamburg, Alter Ehrlich-Frankfurt-Wiesbaden, Dr. Reichmann- Dresden, Feiner-Oberschlesien. Angenommene Resolutionen: 1. Die Konferenz stellt fest, dafi das Prinzip des Pionlertums (Chaluziuth) das oberste Prinzip des Aufbaus und den wesentlichen Bestandteil der Hapoel Hazair-Idee darstellt. In der Erkenntnis, dafi far die Erneuerung des Volkes eine starke und umfassende Wandlung seiner wirtschaftlichen, sozialen und geistigen Struktur notwendig ist, stellt dieses Prinzip die zentrale Rolle der Pioniergruppen filr diesen RegenerationsprozeB fest. 2. Die Konierenz sieht in der Einigung der Arbeiterparteien in Paiastina in Uebereinstimmung mit den Beschltissen der Prager Konferenz eine uneriaflliche Bedingung filr die gedeihliche Entwicklung des arbeitenden Jischuw. Sie empfiehlt deshalb die foderative Vereinigung der Partein auf Grund der Vorschl&ge Trumpeldors. 3. Die Konfernz bestatigt die Haltung der Delegationen des Landesverbandes auf der Prager Konferenz. Der deutsche Landesverband, der sich seit seinem Entstehen filr die Einigung der zlon. Arbeitsbewegung eingesetzt hat, begrflBt den neugeschaffenen Weltverband Hapoel Hazair-Zeire Zion als den groBen und bedeutungsvollen Versuch der Kråftekonzentration zur Umgestaltung des gesamten jtidischen Gesellschaftsleben auf der Grundlage der Arbeit und der Erneuerung einer freien jlldischen Volkskultur. Die Konferenz begriiBt den Waad Poel des Weltverbandes, auf dessen energischer Arbeit eine grofle Verantwortung liegt und fordert die Chawerim in Deutschland auf, ihn nach Kraften zu untersttitzen. Die Konferenz begriiBt die Chawerim crer anderen Landesverbande, ruft sie auch zur Einigung und Konzentration, zur intensiven Arbeit im Sinn und Geist von Prag, damit aus der ersten Einigung die zion. Arbeitsbewegung als die starke Bewegung des zionistischen und sozialistischen Aufbaus erwachse. Die Konferenz drttckt, indem sie vor allem auf das letzte Jahr der Arbeit in Paiastina zurilckblickt, den Chawerim des pal&stinensischen Hapoel Hazair ihren riickhaltlosen Dank und ihre Bewunderung aus und ruft die zion. Jugend und die iiidische Arbeiterschaft zum Kampf auf an der Seite der patøstinensischen Chawerim. - 4. Resolutionen, die der deutsche Delegiertentag der Zion. Vereinigung fUr Deutschland durch seine Delegation zur Jahreskonferenz in London vertreten soli: Sie betrafen: a) Sofortige Freigabe der Einwanderung nach Palæstina unter besonderer Berilcksichtigung der Chaluzgruppen als des Kerns der Einwanderung. b) Schaffung eines sozialne Amtes in Palæstina, dessen Leitung in den Hinden der Arbeiterschaft liegt. c) Heranziehutig der Vertreter der palåstinensischen Arbeiterschaft zur Leitung s&mtllcher zion. Institutionen. Das grandiose zionistische Massanmeeting in London. Reden gehalten von Lord Ballour, Lord Robert Cecil, Mr. Ormsby Gore, Marquls of Growe u. a. London, J. C. B„ 13. Juli. Qestern hat in der Albert Hall ein riesiges Massenmeeting der Londoner Judenschaft, stattgefunden, dafi bisher in England weder an Zahl noch an Begeisterung gesehen wurde. Der Saal, welcher tiber 13.000 Menschen fafit, komite die zustrdmenden Massen nicht aufnehmen, wodurch viele keinen Einlafi finden konnten, Auf der Redner-Tribiine fanden sich Minister, Deputierte, Lords und Staatsm&nner ein, die gekommen sind um das jiidische Volk zu seinem Erfolge in San Remo zu beglilckwtlnschen. Den Vorsitz fiihrte Lord Rothschild, der die eingelaufenen schriftlichen Begrfifiungsreden von Lloyd George. Mr. Churchil, Lord Curzon, Lord Brice, Lord Mersey, Lord Worthbomune, Lord Wenlock und von vielen Kirchenvorstehern verlesen hat. Der Bischof von Norwich hat der Versammlung ein hebrdisches BegriiBungsschreiben zugeschickt. Lord Rothschild erkiarte in seiner Erblfnungsrede, dafi die Baliour-Dekiaration bereits in das Stadium der Verwirklichung getreten lst. Der erste Schritt hiefflr war die Ernennung Sir Herbert Samuels zum Vcrwalter PalSstinas, der ein groBe: cnglischer Staatsmann ist und ein warmempfindendes JQdisches Herz hat. Als Lord Balfour das Wort bekam, erhob sich das Publikum von seinen Platzen und es wurde ihm eine langanhaltende stilrmische Ovation bereitet. Mr. Balfour sagte, er sei schon lange ilberzeugter Zionist, aber er selbst håbe nicht erwartet, dafi der Wiederaufbau eines jlldischen Palåstinas so rasch in Angriff wird genommen werden kdnnen. Dies .ise eines dergroBen unerwarteten Ergebnisse des Weltkrieges. Dieser fiirchterlichste aller Kriege håbe der Welt unsftgliches Leid zugefiigt und die Erriclitung einer nationalen Heimstatte filr diev Juden sei eine der schonsten Folgen, die er mit sich brachte. Der Zionismus hat viel Takt, Ueberlegung und Wohlwollen. Er hoffe aber, daB die Araber es nicht vergessen werden, daB England zusammen mit seinen Verbttndeten die Araber vom tilrkischen Joche befreit und ein unabhangiges arabisches Kflnigreich geschaffen haben. Oleichzeitig bemiiht ' b»-itannien flir den Aufschwung Mesopotamiens, um es ebenfalls zu einem autonomen Staatswesen zu entwickeln. Die Araber dilrfen daher nicht verhindern, daB das kleine Stiick Bodens, daB Palæstina benannt wird, Jenem Volke wieder ilbergeben wird. das seit vielen hunderten Jahren von seiner heimatlichen Scholle losgerissen wurde. Eine zweite Schwierigkeit sei die, daB viele darauf hinweisen, daB das Land der Mehrheit der Bevftlkerung zu gehtfren hat und diese Mehrheit sei gegenwartig keine jiidische. Nun milssen wir aber hinsichtlich Palastinas Methoden anwenden, die eine Aitsnahme von dieser Regel bilden. Palæstina benotige fahige Menschen, Wissen und Kapital und niemand wird das fcezweifeln konnen, daB die Juden im Besitze aller dieser Dinge sind. Fiir die Wiederauflebung eines Landes ist iiberdies der Idealismus unerlSBlich und Zionismus i$t Idealismus. Nun haben wir gemeinsam diese Aufgabe tibernommen. Wir Englander einerseits und das jiidische Volk andererseits. Solite es uns miBlingen, so bleibt es ihr Uebel, solite es ihnen miBlingen, ist es ebenso ihr Uebel, aber ich bin dessen sicher, daB es uns beiden ja gelingen wird. (GroBer Applaus.)? 5 Marquis of Crewe erklårt in seiner Rede, daB die grofle Begeisterung unter den Versammelten unzweideutig beweise, dafi dieses Meeting ein ganz ungewohnliches ist. Wir befinden uns gegenwartig am Anbruch einer neuen Epoche, die an die Zeiten von Cirus erinnert. Er hoffe, daB Juden und Araber in Frieden und Eintracht leben und erfolgreich sein werden. Die Augen aller Welt sind nach Paiastina gerichtet und sie wird nicht enttduscht bleiben. Nahum Sokolow sagte in seinen Ausflihrungen, daB nicht allein die hier Versammelten Lord Balfour dankbar sind; da^ Fiihlen und Empfinden von vielen Millionen Juden fand hier seinen Ausdruck. Mr. Balfour sprach von Schwierigkeiten. Nun ist aber unser Leben in der Diaspora die reinste Unmoglichkeit und wenn wir zwischen schwer und unmoglich zu wahlen haben, so konnen wir uns filr das erste entscheiden. Dr. Weizmann erinnert in seiner Rede an ein Gespråch, daB er im Jahre 1906 mit dem Lord Balfour hatte. Balfour fragte damals, ob es viele solche Zionisten gibt wie ich, worauf ihm Redner gemitwortet håbe, die StraBen Londons konnten sie auf keinen Fali fassen. Dies ist auch heute meine Antwort, ruft Weizmann in den Saal, auf die vielen Tausenden Versammelten hinweisend. Lord Robert Cecil fiihrte aus: Bevor ich noch das erste Gespråch mit Dr. Weizmann Uber Zionismus hatte, war ich bereits Zionist, aber nach diesem GesprSche ist mir der Zionismus tiefste Ueberzugung geworden. Wgnn einmal die Geschichte des Weltkrieges geschrieben werden wird, wird man auf zwei groBe Momente hinweisen kånnen: Erstens die Errichtung einer nationalen Heimstatte in Paiastina, zweitens die Schaffung des VBlkerbundes. Beidc sind groBe Ideen und stehen in enger Verbindung miteinander. An den Juden liegt es nun und von it nen hangt es ab, ob daraus Erfolg oder Niederlage werden soli. Redner hofft, daB die Juden Verstandnis und Selbstuberwachung. an den Tag legen werden. Die Faden in der jUdischen Geschichte werden jetzt wieder aneinandergebunden. Man diirfe nicht den Erfolg sofort am Anfang erwarten, er håbe ledoch die sichere Ueberzeugimg, daB das Werk von Erfolg gekrdnt sein wird. Chieff-Rabbi Herz fflhrt in seiner Rede aus, er hoffe, daB Erez Israel auf Gerechtigkeit, Wahrheit und Frieden basieren wird. Die Erldsung liege nunmehr in unserer eigenen Hånd. Major Ormsby Gore schildert in seinen AusfUhrungen welch starken Eindruck die jUdischen Kolonien in Paiastina auf ihn gemacht haben. Die jUdischen Kinder singen hebraische Lieder und junge Manner entwickeln mit dem SchweiBe ihres Angesichtes den Reichtum des Landes. Redner drUckt sein vollstes Vertrauen den zionistischen Filhrern aus, sowie seine Ueberzeugung, daB Paiastina ein Kulturzentrum fUr die gesamte Menschheit werden wird, die gegenwartig im Finstern herumirrt und von einem krankhaften Chauvinismus erfaBt wurde. Redner sei gleichfalls dér Ueberzeugung, daB das Schicksal des Volkerbundes mit dem Paiastinas verbunden ist. Wenn das eine mifilingt, wird auch c'as andere von selben MiBgeschick ereilt werden. Mr. James Rothschild zeigt auf die in diesem Saale versammelten Kinder paiastinensischer Kolonisten und sagt: „Sie kdnnen stolz sein auf das Ergebnis, welches die Arbeit Eurer Eltern gezeitigt hat.“ Dr. Max Nordau ftihrt aus: „Lediglich die Anhanglichkeit Englands an die Bibel konnte den Beisland der Englander fUr die Errichtung einer nationalen Heimstatte flir das Volk der Bibel bewirken. England hat nunmehr im jUdischen Volke einen groBen Freund und der Name Balfours wird in der jUdischen Geschichte ewig leben. Eine Uberaus warme BegrUBungsrede hielt auch Colonel Wedgwood im Namen der englischen Arbeiterpartei. Er sagte, ich kehre soeben aus Østeuropa zurUck, wo die Juden erniedrigt und geradezu bespuckt werden. Besser der Tod als Sklave zu bleiben. Die Juden sollen daher sich seinen heldenhaften Freund Wladimir Jabotinsky zum Vorbild machen, der gezeigt hat, wie ein freier Mensch aufzutreten hat. Er zweifle keinen Augenblick, daB Palæstina in die Welt Gerechtigkeit bringen wird. Es sprachen noch der Deputierte von Whitshepel, Dawid Silver aus Amerika und Ing. Ussischkin (hebråisch). Die Versammlung hat eine Dankresolution fiir England und seine VerbUndeten anlUBlich des Beschlusses in San Remo angenommen, worauf das Meeting nach Absingen den Hatikwah und der englischen Nationalhymne geschlossen wurde. Als Balfour den Saal verlassen hat machte ihm das Publikum auf der StraBe eine stUrmische Ovation. Viele Juden haben ihm ihren Dank durch HSndedruck abgestattet. Die Verkllndigung der ktinigl. Botschaft in Jerusalem. Jerusalem, J. C. B. Vor einer malerischen und eindrucksvollen Versammlung der stidpaliistinensischen Notabeln, verlas heute Sir Herbert Samuel die Botschaft des Kftnigs und legte die Richtlinien der Politik Sr. Majest&t Regierung dar. Sir Herbert Samuel verklliidete eine Amnestie, dte mit geringen. Ausnahmen, fiir alle diejenigen welche im Zusammenhang mit den seinerzeitigen Ausschrel*ungen verliaftet wurden und auch flir alle politischen H&ftlinge. Er verkiindete weiter die Schaffungeines Beirates unter seinem Vorsitz, der hauptstlchlich aus den Regierungsorganen und Mitgliedern verst hiedener Bevolkerungsschichten bestehen wird. Alle wichtigen Angelegenheiten einschlieBlich des Jahresbudgetes werden diesem Beirate zur Begutachtung unterbreitet werden. Der High-Kommiss&r erw&hnte in dieser Botschaft, daB die alliierten und assoziierten Machte beschlossen haben MaBnahmen zu ergreifen, um die Errichtung einer nationalen Heimstatte fiir das jiidische Volk in Palæstina zu sichern. Diese MaBnahmen sollen jedoch in keiner Weise die biirgerlichen oder die religibsen Rechte der ganzen Bevolkerung weder beeintra«:htigen noch ihren Wohlstand und Entwieklungsmbglichkeiten schmaiern. Nach Verlesung der koniglichen Botschaft hielt der High-Kommissar eine Rede, die ins arabische und hebraische Ubersetzt wurde. In dieser Rede legte Sir Samuel die Richtlinien seiner Politik und seiner zukiinftigen Tatigkeit dar. Paiastina soli eine separate Administrationseinheit in unmittelbarer Verbindung mit der Londoner Regierung, bilden. Der zu schaffende Beirat soli das erste Studium in der Entwicklung in der Bevolkerung Paiastinas zu ihrer Selbstverwaltung sein. Weiters klindigte Sir Samuel

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