Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 28 (8.7.1920)
- Date
- 1920-07-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 38, JuBRCn fOfJCSSTtME.” - Stftt 5. Charakters, ahderseits der Unterriehmungsgeist dér JtJdétt* ihr Reichtum an Hilfsquellen und ihr fiébefhaft arbeitende Qeist der Judett oder Zionisten, iitn dem Lande zu dietien. Was die BalfoUr-Dekiafation Vom Novembet 1917 betrifft, so wurde sie auch von alien OrofimHchten gutgeheiBeri urid sddartn iti San Remo geradé durch Belgier! irt den tilrkiSchett Vertrag ein- VeriejbL Nun gehé ich darart, die einzelnen Anfragen zu beantworten. Wie wir die Rechte der nicht-jiidischen Majøritæt des Landes schiitzen wollen, wenn wir gleichzeitig dort eine jiidische Heimstætte begriinden? Meine einfachste Antwort darauf ist: durch Einsetzung einer Zivilregierung und durch die MaBnahmen, welche diese fiir die innere Sicherheit und flir die Entwicklung des Landes treffen wird. Auf die zweite Anfrage, ob mit dem Ausdrucke Jewish National Home die Ausiiburtg der Regterungsrechte iiber die gesamte paiastinénsische Bevolkerung oder bloB iiber einen Teil derselben, verbunden sei, wiirde ich j a sagen, sofern die Ausiibung der Regierungsrechte durch die Mandalarmacht, d. i. England, verstanden wird, jedoch mit n e i n antworten, wenn itteiti mein edler Freund Lord Sydenham darunter die Ausiibung dieser Rechte durch eine jiidische Minoritet verstehe. Uebrigens mochte ich nicht heute abetid iiber diese MaBnahmen zum Schutze der hichtjiidischen Bevolkerung Palæstinas zit sprechen da Sir Herbert Samuel sehort morgen oder iibermorgert in Palæstina eintrifft und im Namen Sr. Majestæt Regierung einige dieser, dem Volkerbunde vorzulegehden Qrundsåtze der Bevolkerung Paliistinas bekanhtgeben wird. Betreffs der Éinwanderung von Juden nach Paiåstina meitite Lord Curzon, er wolie nicht mit Spekuiativen -Betrachtuugen iiber die Zahl der Ein- Wariderér abgebeii, die allgemeinen Qrundsatze un- Serer EinWariderungspoiitik sind die, daB niemand in das Larid geiassén, dér nicht fiir és von Nutzen i$t. Éirie auf die interessen nicht achtnehmende Einwanderung, einerlei ob von Juden oder von Nichtjuden und aus welchem Lande immer (Lord Sydenham bemangeite iri séiner Anfrage die Politik der erigiischen Regierurig, die es zuiasse die bolschewikiscli verseuchten Juden aus RuBiand nach Palæstina zu iiberfiihren. J. C. B.), wird sicherlich nicht erlaubt werden konrien. Der Ankauf von Boden steht Juden und Nichtjuden gleich frei, von Enteignung jiidischer Eigentiimer kann keine Rede sein. Fiir den Eall jedoch als Sr. Majestæt Regierung welche Grlinde haben mtiBte, daB etwaige organisierte Anstrengungen gemacht werden, um die Errichtung der jiidischen Heimstætte zu verhindern, so konnte sie sicli veranlaBt sehen, besondere Schritte fiir die Sichérung dieses Zieles zu unternehmen. Es konnte anderseits vorgekommen sein, daB in der zionistischen Kommission in Jerusalem mancher Hitzkopf falsche Dinge kber die Sache vorgebracht håbe. Nun hat England an der Spitze der Verwaltung Palæstinas einen rechtlich denkenden und fiihlenden, sowie erfahrenen Matin gesteltl. Man Wird vielleicht sagen, wir hatten lieber einen Nichtjuden mit diesem Posten betraut. Aber die Regierung - konnte fiir die Durchfiihrung der Balfourschen Politik, die im Einklang mit der unserer Alliierten ist, keine geeigne- •tere Personlichkeit finden, als Sir Herbert Samirel. Fiir Palæstina gilt, wie fur. den ganzer. Orienf, die gleichc Politik langsamen Vorgehens. Was sofort notwendig sei, ist ein Verwaltungsapparat, d’e EinfUhrung von Katastern, der allgemeine stetige Aufbau, die Bewiisserungsarbejten, die wissenschaftliche Bekæmpfung der Malaria, sowie die Schaffung von Moglichkeiten fiir Kreditoperationen. Lord Curzon wies auf die groBen Verwaltungifæhigkeiten, auf den Gerechtigkeitssinn und die absolute Unparteilichkeit Herbert Saumels hin, die ihm vielleicht nach 3 Monaten auch seitens der Juden Vorwiirfe einbringen werde und schloB: Ich glaube nun, das wir Sir Herbert Samuel die Ausfiihrung dieser Hauptpunkte miserer Politik zubilligen diirfen, einer Politik, deren eine Grundsatz des Jewish National Home ist und die, wie ich glaube, von beiden Seiten des hohen Hauses voll und ganz gebilligt werden wird." Nachdem noch der Erzbischof von Konterbury erkiært hat, auf die Botschaft Samuels in vollem Vertrauen warten zu wollen, drlickte Lord Syndenham seine Zufriedenheit mit der Antwort des Ministers aus und bat seinen Afdragzuriickziehen zu dur fen, was auch geschah, Rundschau. Die Elnnahmen des Jiidischen Nationalfonds im ersten ttalblahr 1920. Das Resultat der ersteri sechs Moriate des laufenden Jahres ist durchaus unbefriedigerid. Die Gesamteinnahmen des JNF fiir diesé Zeit belaufen sich auf: L 48.861.16.10. Die Natiorialforids-Verwaltung hatte das Erfordernis fiir 1920 auf 500.000 Engl. L veranschlagt, wæhrend das Aktionskomitee in der Annahme, daB in diesem Jahre bereits ari eifleri groBziigigen Bodenkauf herangetreten werden rtiuB, die doppelte Summe, ndmlich eine Million Engl. L, als erforderlich erkiært hatte. Dieses ungiinstige Ergebnis von kaum ein Zehntel der veranschlagten Summe ist darauf zurtickzufiihren, daB die anderen Fonds, wie Geulah-Fonds. Restaurations-Fonds, in den Vordergrund der Agitation getreten sind. Dadurch konnten auch die organisatorischen MaBnahmen des Jiidischen Nationalfonds noch nicht zur Durchfiihrung gelangen. Der Betrag von L 48.681.16.10 verteilt sich auf folgende Lænder: Shanghai L 10.102.6.8; Nordamerika S 33.450.99; England L 6177.16.5; Polen p. Mk. 1.137.911.60; Canada S 7.109.61; Holland Hfl. 16.173.62, Deutschland Mark 604.034.09; Argentinien Argent. S 19.777.15 u. Frs. 3027.60, Palæstina Eg. T. 1317.081; Siidamerika L 1323.1; Cechoslovakei K£ 328.999.02 und Poln. Mk. 746-.05; Oestreréich Kronen 662.066.98; Ostgalizien Kr. 520.251.42; Westgalizién 431.314.64; Siidslavische Lænder Kr. 369.678.64; Schweiz Frs. 11.903.04 und Kr. 40 und 2 Hfl.; Belgien Frs. 20.000 und Hfl. 310.045; Rumænien Lei 58.540.75 und L 0.3; Frankreich Frs. 17.255,20 und L 2; Griechenland (Janina) Dr. 8812.50; Griechenland (Salonikl) Dr. 11.500; Transylvanien Kr. 250.830.10; Ukraine Frs. 15.000 und 20.000 Mk.; WeiBruBland poln. Mk. 149.265.60; Ungarn Kronen 181.448.37; ÉlasaB-Lothringeti Frs. 11.411.65; Bukowina Kr. 110.000; Australien L 208.13.7; Litauen (besetztes Gebiet) Mk. 32.750; Aegypfen ægypt. L 34.78.5 und L 167.10; Dænemark dån. Kr. 3107.53: Niederl.-Indien Hfl. 1284.50; Neuseeland L 139.3; Bagdad engi. L 112; RepubliR'Litauen Mk. 48.036.99; Brasilien L 87.0.1; Norwegéri Kr. IdOO; Italien Lire 3118.86; Livland Rbl. 7943.21; Tunis Frs. Schweden Kr. 252.07; tiirkei L 10; Marroko Frs 300; Finnland Mk. 60. Laut einem aus Newyork eingegangenen Kabal haben die in den letzten Tagen des Monats Juni r allen groBen Stadten Nordamerikas stattgéfundenen Blumentage ein Ergebnis von ca. 50.000 S gebracht. Oberst House iiber die Haltuqg der Vereinigten Staaten zum Zionismus und Judenfrage. P London. Colonel House der gleichzeitig mi: Brandeis in London eingetroffen ist, gewæhrte einem Vertreter des Jewish Correspondence-Bureau ein Interview, in welchem er sich iiber die Haltung der Vereinigten Staaten von N. A. gegeniiber dem Zionismus æuBerte. Colonel wies darauf hin, daB die Regierung der V. S. v. N. A. den Zionismus vom ersten Moment an unterstiitzte und wæhrend der sonlich mitgearbeitet håbe. Prasident Wilson be- Friedenskonferenz alles mogliche tat, um die ziomstischen Interessen zu fordern, wobei er aucu perkundete immer fiir die zionistische Sache die groBtp Sympathie und die Vereinigten Staaten schrænkten ibre Bestrebungen zu Gunsten des jiidischen Volkes nicht auf Palæstina, sondern ergriffen of wæhrend und nach dem Kriege MaBnahmen zur Linderungi der Not der jiidischen ' Bevolkerung in Østeuropa. Er schloB seine AusfUhrungen mit dem Hinweis auf die Lage der drei JVlillionen Juden in den V. S. v. N A., wo sie sich aller Rechte erfreuen und viele prominente Juden zu den hochsten Regierungsstellen gelangten. In der jiingsten Zeit haben sich auch alle hoheren jiidischen Stænde der zionistischen Bewegung angeschlossen und in dem Schiffe, in welchem ich das Meer nach London iiberkreuzte, befanden sich auch die uberaus schætzenswerten amerikanischen Biirger Oberrichter Brandeis, Mr. Nathan Strauss, Mr. Fels und Professor Frankfurter, die zur Teilnahme an der zionistischen Jahreskonferenz heriibergekommen sind. N Audlenz Herbert Samuels beim itallenischen Konls;. Rom. J. C. B. Sir Herbert Samuel, der hohe Komissær fiir Palæstina, wurde vor dem Empfange durch den Papst vom italieniseben Konig in Audienz empfangen. Das Ergebnis der von Sir Samuel gepflogeneti Verhandlungen entsprach den an diesen Audlenzen gekniipften Erwartungen. Sir Samuel hat am 27. v. M. in der Nacht Rom verlassen und seine Reise nach Palæstina fortgesetzt. Gegen eine unfreundliche Notiz des rdmischen „Tempo", der immer gegen die britische Politik Front macht, bemerkten die „Times", daB der Va» tikan wohl ein wenig gegen den Zionismus verstimmt waf, aber es Ist nach der nunmehr erfolgten Aussprache mit Sir Samuel, Grund genug anzunehmen, daB es gelungeri sei, die Befilrchtungen zu zerstreuen und deren Grurtdlosigkeit zu beweisen. Rabbiner Dr. HyfttttSOfl In England. London. J. C. B. Dr. Hyamson, der nach dem Tode Dr. Adlers Ghief-Rabbi in England waf und dann nach Newydrk berufen worden ist, ist hier zti Besuch eingetroffen. Er begibt sich in Begleiturtg des Rabbi Rosenberg und Herrn Rottenburg nach Polen, um den gegenwdrtigen Stand def doriigen Jeschiwahs und anderer Erziehungsinstitute zu studieren. Die Juden in Sowiet-RuBland „Verurteilt zUr Ver« nlchtung". London. J. C. B. J. Pinskar hatte eine Unterredung mit dem bolschewistischen Vertreter in Berlin, Viktor Kopp, welcher interessante AeuBerungen iiber die Zukunft der Juden in SowietruBland machte. Herr Kopp besprach das Verhæitnis der jiidischen Parteien zu den Bolschewiken und kam dann auf die groBe jiidische Masse zu sprechen, die in ihrem schwerem Kampfe um ihr Dasein der bitterste Feind der Bolschewiken sei. Die wirtschaftliche Struktur dieser jiidischen Massen, die zu nichts anderem geeignet sei, als zum Handel, zwingt sie gegen die hplschewistischen Erlæsse zu handeln, auch wenn sie dadurch der Todesgefahr oder der Verfolgung aussetzen. Die Bolschewiken wissen oft selbst nicht, was angesichts dieser Tragodie zu tun sei, denn die jiidische Bevolkerung sei nicht kontrerevolutionær und ihre einzige Schuld sei, daB sie leben will. Das Judentum in RuBiand — schloB Herr Kopp — ist der Vernichtung preisgegeben. Das ist weder unser noch sein Wille, sondern das Urteil der Geschichte. Von Woche zu Woche. Dr. Johann J a r o 1 i m. Als er noch Kandidat war, versprach er Demokratie, versprach auch, jcderzeit fiir die Juden in der Qemeinde einzutreten. Als Senatskandidat rtihmte man ihm nach, er wåre der bedeutendste Jurist, Staatsrechtlehrer und Gott weiB, was noch immer. Ein integrer Charakter, rein, makellos, ein Gentleman. Und man kann es ihm nicht nehmen. Wir sagen auch dagegen nichts. Wir glaubten sogar, Dr. Jarolim sei von den Deutschen fallen gelassen worden. Dr. Hahnreich erklårte in einer Versammlung offen, ein Teil der deutschen Wahlerschaft séi gegen die Wahl von Juden, — Dr. Schtitz weinte beinahe, wie ein Mann von Qualitæten eines Dr. Jarolim nicht die Senatorenwiirde bekleiden konne. Lauter Vorkommnisse, die einen feinftihlenden Mann wie Dr. Jarolim stutzig machen soliten. So soilte man meinen. Wir wurden in dieser unserer Meinung noch bestærkt durch die hochtrabenden Phrasen, die aui dem Reichsparteitag der deutsch-demokratischen Partei in die Menge geschleudert wurden, von Volkerverbriiderung und V 61 ke r v e r sohn un g. Grau, grau ist alle Theorie. In der Praxis sieht es anders aus. Am Dienstag, den 6. d., war im Briinner Genjeinderate iiber die Wohnungsfrage verhandelt worden. Wir haben erwartet, daB die Juden — pardon — die Israeliten der deutsch-demokratischen Freiheitspartei das Wort ergreifen werden, denn es wurden doch Anwiirfe gegen Juden erhoben. Ja aber gegen polnisofie Judenl Die gehen unsere Briinner Israeliten nichts an. Wohl sagten sie immer, sie kdnnten und wiirden die Interessen der Juden besser wahren, waren sie doch im Verbande einer groBen Partei, als die Jiidischnatfonalen. Sie ergatterten dadurch auch einige Stimmen. Wie diese Vertretung aussieht, wissen wir nun. DaB Dr. Jaroliip den Exodus der Deutschbiirgerlichen bei der Rede Dr. Fe 1 din a n n eroffnete, weil dieser £echisch zu sprechen begann, halten wir dem urdeutschen Dr. Jarolim zugute, — wiewohl seine Parteigenossen auch sebon des ofteren in amtliqher Angelegenheit in Reklamationskommissionen etc. £echisch sprachen. Aber wie vertragt sich das mit der reckenhaften Freiheitlichkeit des Herrn Dr. Jarolim, daB er sich dem Herrn