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Jüdische Volksstimme · 1920-07-08 · Heft 28 (8.7.1920) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 28 (8.7.1920)
Date
1920-07-08
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Si tle 6 Nf. 28. Dr. Baeran so ostentativ anbiedert, sich eine fibre daraus macht, von ihm geduzt zu werden — und sleb, Herr Dr. Jarolim verzeibe mir, soviel wird er }a als Jnde noch verstehen —- einen Kowed daraus macht, wenn ihm Dr. Baeran die Hånd drilckt. — Frei — deutsch — demokratisch! Das alles ist eines aufrechten Mannes wflrdig. Nur so werden jfldische Angelegenhelten vertreten. Wahten in den verstfirkten Vorstand der Briinner Kultusgemeinde. Die am 15. Mftrz d. J. stattgehabten Wahlen in den erweiterten Vorstand der israelitischen Kiilt':sgemeinde wurden bekanntlich von den Jiidischnationalen angefochten und der Rekurs, der von ihrer Seite gegen diese Wahl eingebracht wurde, hatte keinen Erfolg, so daB flir den 4. Juli eine Neuwahl lUr das strittige 15. Mandat ausgeschrieben wurde. Die „Jfldischnationale Vereinigung" empfahl ihren Parteigenossen Wahlenthaltung, weil sie auf dem Standpunkte stand, daB unser Vertreter in dem verstfirkten Vorstande nicht mitverantwortlich gemacht werden solle fUr das gewlB nicht sehr demokratische Wahlrecht. Es kennzeichnet das groBe Interesse der deutschdemokratischen Israeliten fur jtidische Sachen, daB sich von ca. 1500 Wflhlern nur 190 einfanden, und daB von den 190 abgegebenen Stimmen nur 185 giltig waren. Da nach dem Gemeindestatut § 51 Vs der Wfihler zur Urne erscheinen muB, so siegten die Deutschdemokraten mit 7 Stimmen. Der Wahlkampf, der im Mflrz entfacht ward, galt also nicht dem „heiligen Rechte" der Demokratisierung der kommenden Wahlen, sondern war nichts anderes, als ein Verzweiflungskampf gegen die Jiidischnationalen. Wir meinten, daB alle die vielen Hundert Wåhler, die damals von den Deutschdemokraten aufgeboten wurden, tatsflchlich nur aus Interesse fflr die — wie sie sagten, — gefåhrdete Kultusgemeinde zur Urne schritten, nun aber ist die Oeffentlichkeit eines besseren belehrt worden. Die Wahl wflre am 4. Juli nicht zustande gekommen, wen^man nicht im letzten Momente alle Caféha user abgelaufen ware, um noch einiger Wahler habhaft zu werden. Woffir interessieren sich eigentlich diese Brii*1 ner Juden? Bei San-Remo-Feiern sind sie trotz an sie ergangener Einladungen nicht zu sehen, ebenso wenig bei Herzlfeiern und Makkabåerfesten. Zu jtidischen Turn- und Sportfesten kommen sie auch nicht, so meinte man, kflmen sie wenigstens zur Wahl, aber auch die hat fiir sie kein Interesse. Absorbiert wirklich das „Deutsche Haus“ ihr ganzes Interesse? Das Geschaft kann man nicht sagen, denn sie klagen doch alle iiber die geschaftliche Stagnation, Worin besteht ihr Judentum? Das mdchten wir gerne wissen. Briinner Nachrichten. Wohnungsdebatte Im Briinner Gemeinderate. In der Sitzung vom 6. d. M. ergriff unser Gg. Stadtrat Dr. Arthur Feldmann das Wort, um zur Frage der Wohnungsnot Stellung zu nehmen. In streng sachlicher Weise besprach er die eingcbrachten Antrage, befaBte sich mit den zur Forderung der Bautatigkeit durch die von der Nationalversammlung beschlossenen Gesetze iiber Subventionierung und Steuererleichterung ftir Neubauten und propagierte die Schaffung eines komunalen Wohnungsbaufondes, der nebst anderen Zuwendungen (wie beispielshalber einer Abgabe von Hausern mit Villencharakter und Wohnungen mit Giirten, die iiber ein gewisses bescheidenes MaB hinausgehen, von Rflumen, welche seit -dem 1. August 1914 fiir Zwecke der Geldinstitute und Industrieunternehmungen neu in Verwendung gebracht wurden, einer Hotelabgabe usw.) durch eine, nach der WohnungsgroBe progressiven Mietzinsauflage dotiert werden soli und aus dessen Ertrflgnissen die Verzinsung und teilweise Tilgung von, fiir Wohnbauzwecke aufzunehmender Darlehen geleistet werden soli. Es sei soziale Pflicht aller, die im gliicklichen Besitze einer Wohnung sind, bezw. sich einer im Verhgltnisse zur Friedenszeit ungesclmialerten Behaglichkeit und Bequemlichkeit erfreuen, dazu beizutragen, jenen tausenden wohnurigssuchenden Parteien Hilfe zu bringen. | Im weiteren Vérlaufe seiner Rede befaBte sich Dr. Feldmann mit den Ausfuhrungen des christlich-sozialen Sprechers, der die Behebung der Wohnungsnot in der Ausweisung der jiidischen Fliichtlinge sieht. Dr. Feldmann fiihrte aus: Wir stehen auf dem Standpunkte, daB wir Leute, wclche sich in irgend einer Weise gegen das Gesetz vergangen ha- ’ien, nicht zu schiitzen haben und wenn Sie bei der Polizeidirektion und bei der Statthalterei Erkundigungen einziehen werden, werden Sie in Erfahrung bringen, daB wir nur fiir solche Personen den ihnen auch gebiihrenden Schutz anstreben, welche makellos dastehen und die gewiB nicht jenes Kesseltreiben verdient haben, welches von allen Seiten gegen sie eingeleitet wurde. Diese Leute sind nicht freiwillig hieher gekommen, sondern wurden durch ein nic-it immer einwandfreies Vorgehen, nachdem sie um ihr ganzes Hab und Gut gebracht waren, hieher verschleppt, brot- und existenzlos dem Zufalle, deni Hasse ihrer Umgebung vollstflndig preisgegeben. Wenn Sie sich in die Situation dieser Leute hineinversetzen kOnnen — und Jeder Mensch, der nicht ledes GefUhles und Empfindens bar ist, muR sich ir liese Situation Hineinversetzen kOnnen — dann miissen Sie auch zugeben, daB diese Leute in ihrem Existenzkampfe oft zu einer Betåtigung gedrfingt wurden, die kein verniinftiger Mensch entschuldigen, aber vom réin menschlichen Standpunkte aus betrachtet begreifen kann. Was uns aber vollståndig unbegreiflich ist, ist die Tatsache, daB dieses Kessel treiben sich von Zeit zu Zeit gegen die AertnstP' der Armen, gegen die proletarisierten Juden wiederholt und es ist nur bedauerlich, daB von Jenen Pa-- teien, die den Schutz der Armen und Schwachen auf ihr Rrogramm gesetzt haben, diesen Fliichtlinge*' nicht der gebilhrende Schutz zuteil wird. An Hatif* von Ziffern legte er ,dar, wie bel der kleinen Zahl noch hier befindlicher Flilchtlinge diese Behauptungen nur auf Slimmungsmache berechnet seien utk’ wie unsinnig es sei. durch Brutalitåt gegen einzelnr Kriegsopfer eine Erleichterung schaffen zu wcllen. wo nur groBziigige Aktionen der Not steuerr kSnnen. Dr. Feldmann schlieBt seine Aeu’Berunger nachstehend: Ich bin mir dessen bewufit, daB Sir fiber die Bestrebungen im modernen Judentume vollstandig uninformiert sind, weil es eine gewissenlosp Presse immer wieder verstanden hat, uns und un sere Bewegung entweder zu vernadern oder sip durch Tofschwpigen zu unterdrilcken. Hier im Gemeinderate bietet sich uns zum erstenmale die Moglichkeit, uns politisch zu betatigen. Sie werden uns nicht durch unsere Worte, sondern durch unser«- Handlungen kennen lernen und ich hoffe, daB S: uns und unserer Bewegung im Laufe der Zeit dr Verstandnis entgegenbringen werden, wie es ur' :^Vipr oUp. entfrpp'enhrar'liten. A<*r M"’ unterzogen, uns und*unscie Bewegung von einer ob iektiven Warte kennen zu lernen. Wahrend der Rede des Dr. Feldmann, dir im ersten Teile in Cechischer Sorache gehalten verlieBen die deutsch-bfirgerlichen OemeinderS*«- als erster der Germane Dr. Jarolim, dem die *echische Sprache scheinbar ein Grauel ist, de* Sitzungssaal. Theodor Her zl-Trauer feler. Die zionistischen oganisationen Brtinns begingen am 5. d., um 7 Uhabends, am Jahrestage Theodor -Herzls im alten Tempel eine Trauerfeier, die nflchst der von der ..Jiidischnationalen Vereinigung" im Rahmen drr Kongresses der ..Vereinigten jiidischen Partein" veranstalteten San-Remo-Feier wohl zu den imposantesten zionist. Kundgebungen dieser Stadt gehort. Wir wollen ja an der Regie der ganzen Feier keine Kritik iiben und glauben wohl nicht fehlen zu gehen. wenn wir behaupten, daB die San-Remo-Feier an Feierlichkeit sogar diese Herzlfeier iiberbot. Der alte Tempel war Uberftillt und nur zu den hohen Feiertagen dtirfte dieses ehrwiirdige Gebåude soviel Juden sfehen, wie bei dem Mincha- und Måariwgebet am 5. Juli. Nach den zeremoniellen Gebeten des gewohnlichen Wochentagsgottesdienstes und des Hesped, bestieg Prof. Dr. Max G r ii n f e 1 d die Kanzel, um die Personlichkeit Theodor Herzls zu wtirdigen. Nicht »ten feinfiihlenden Dichter, nicht den feingeistigen Schriftsteller Theodor Herzl schilderte uns der Prediger — der Studiengenosse Herzls war — sondern den jiidischen Volksfflhrer Benjamin Seef, der gleich dem groBten Jiidischen Volksftihrer Moses, die Friichte seiner Saat nicht genieBen, ja nicht einmal sehen solite. Wohl hatten Herzls FiiBe Erez Israel beriihrt, aber es war nicht das Erez Israel seiner Traume, seines hohen Gedankenfluges. Obne Theodor Herzl kein San Remo! Diesen Satz allen unseren Nfirglern ond Kritikern. Dr. Grflnfeld schloB mit einera warmen Appell an die Jugend und an das gesamte jfldische Volk durch Eintracht und Bildung und Erziehung dem verstorbenen Fflhrer das Denkmal zu setzen, das ihm gebflhrt und das ihn in der Erinnerung ewig und unsterblich macht. Wir danken dem geehrten Professor Dr. Griinfeld, dem Herrn Oberkantor Heller und A s t, sowie allen Mitwirkenden , die zum Gelingen der Feier beigetragen haben. — s — Sterbefall. Der in weitesten Kreisen bestbo* kannte Herr Ignaz R a u c h e r, Schwiegervater unseres Gg. Ad. Schallinger, ist im patriarchalischen Alter von 92 Jahren gestorben. Der Verstorbene erfreute sich allseits einer groBen Beliebtheit. Ehr.' seinem Andenken!; ’ Korrøspondenzen. Loschltz. Nach zwanzigjflhriger ilberaus segensreicher Wirksamkeit verlieB unser ehrwflrdiger Rabbiner Herr Dr. J. G U n z i g unsere Gemeinde, urr. nach Antwerpen zu iibersiedeln, wo er dem Vernehmen nach die Leitung einer neugegrflndeten hebrflischen Schule ilbernimmt. In seiner Abschiedspredigt wies unser treuer Seelenhirt auf die Tatsache hin, daB genau vor hundert Jahren der erste deutsche Kanzelredner an der Statte seine Antrittspredigt hielt (Rabbiner Neuda), wo er seine Abschiedspredigt als vermutlich letzter Rabbiner unserer Gemeinde halte. Kein Auge blieb trocken, als unser „letzter Rabbiner" von unserer Gemeinde, ihren religiosen Vereinen und Institutionen und namentlich von der Jugend Abschied nahm. Her«* Dr. GUnzig, der ein bedeutender Gelehrter und bekannter Schriftsteller war, reiht sich wflrdig seinen te* rflhmten rflhmten Vorgflngern in unserer Gemeinds' an und war aufrichtig bemflht, ihren leuchtenden Spuren zu folgen und in ihrem Geiste zu wirken. Als Zeichen der Hochschfltzung und Verehrung, deren sich der scheidende Rabbiner erfreute, tibe * - gab ihm der Vorstand ein Abschiedsgeschenk von 14.000 K nebst einer 'herrlich ausgestatteten Adresse. -Beim Abschiede versammelten sich abermals alle Mitglieder der Gemeinde im Gotteshausé, um dem scheidenden Rabbiner und seiner Familie nochmals die Hånd zu drfleken und ihm ihre Segenswflnsciie fflr sein Wirken in seiner neuen Heimat darzubringen. Herr Dr. Gfinzig verstand es meisterhaft, dnn Frieden in unserer Gemeinde zu wahren und s.hei* det mit dem BewuBtsein, nur Freunde zurflckgelassen zu haben. E. L. Achtung! Die P. T. Empfanger werden um umgehende Abonnement-Bezahlung ersucht. Die Administration. Noftlz. Frau Dr. Josefine Gerber-Griinfeld ordiniert-als Kinderarztin Neugasse 42; Telephon 1918. Minna Schmlta, Lundenburg, Paul Neumann, Kostel, Verlobte. 1920 SBo^ettfalettber 5080* non Jult F e s 11 a g e miDCTT S *TD 10 nmto n"nao «pu>tn pin ..irpaf S rrs 11 M 12 D 13 13 M ns 14 . D ar 15 F N 16 SK »nn »K'S — R* Chodeach S 3 17 •n )vw Achtung I ZUR BEACHTUNG EMPFIEHLT die Firma JAROSLAV STOZICKY, Brflnn, Schlossergasse 2, Telephon 2814, ihre Schaufenster fflr Musikfreunde, in welchen tflglich reichhaltige Neuheiten zur Schaustellung gelangen, uqd zum Besuche der Musikalienhandlung ohne Kaufzwang. SIEGMUND FLUSS Kunstiarberei und cbemlsches Relnigungswerk. — Fabrik: Briinn, Zeile Nr. 38. — Telephon 576.

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