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Jüdische Volksstimme · 1920-07-08 · Heft 28 (8.7.1920) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 28 (8.7.1920)
Date
1920-07-08
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 28. * ftjomcifl wmxMmmp S«ft« 3. Distrikt: Dr. Hugo Herrmann, Mahr.-Ostrau, Ersatzinann Max Munk, Ung.-Hradisch. Aus der Slovakei und KarpathoruBland: Quttmann, Munkacs. Fiir den Fal! eines vierten Mandates Leo Herrmann, London. SchlieBlich erstattete noch Sekretar Langer ein Referat fiber seine Tatigkeit in Karpathorufiland, woselbst eine grofle Anzahl von jiidischen Bauern wohne, die fiir eine Einwanderung nach Palåstina besonders prSdestiniert waren. Er fordert, beim J. N. R. die Anlegung eines Pressefondes durchzusetzen, der die Aufgabe der Orfindung, resp. Unterstiitzung der in der Slovakei erscheinenden jiidischen Zeiturtgen hatte. Ferner verlangt er die Schaffung von Misrachivereinen. Diese Fragen werden einer griindlichen Beratung unterzogen und die spåtere Durchfiihrung den Beschliissen des E. K., Prag, vorbehalten. Die hdchst wichtige Tagung, welche als letzte Plenarsitzung vor der Jahreskonferenz in London abgehalten wurde, hat ihren vornehmlichstcn Zweck die genau Information der Delegierten zur Jahreskonferenz, rechlich erfiillt und die Aufgabe der Delegierlfcrt wird es sein die wertvollen Anregungen bei der Tagung in London zu vertreten. Konstituierende Sitzung des „iUdischer Nationalrat". Am 30. Juni konstituierte sicli der auf dem Brunner Kongresse neugewahlte Jiidische Nationalrat fiir Bohmen, Mahren-und Schlesien, der aus 41 Mitgliedern besteht. Zur Sitzung waren erschienen die Herren: Andres, Ing. Aschermann, Dr. Brod, Dr. Engel, Dr. Epstein, Fri. Gellner, Dr. Goldstein, Herrmann, Dr. Hilf, Kauders, Frau Klein, Dr. Lebenhart, Dr. Lieben, Dr. Margulies, Dr. Seligmann, Dr. Singer, Ing. Slonitz, Tetzner. Herr Dr. Singer als Prasident des alten Nationalrates eroffnet die Sitzung, rekapituliert in kurzen Ziigen Entstehung und Werdegang des Jiidischen Nationalrates vom Umsturz bis ztim heutigen Tage, da der Nationalrat als gewåhlte Exekutive des Koi»- gresses der Vereinigten jiidischen Parteien die Interessen der Judenschaft Bohmens, Mdhrens u.id Schlesiens zii vertfeter- Iiat. Die erste Aufgabe de* neugewahlten Korperschaft sel, die Beschhlsse des Kongresses durchzufilhren und seine Auftrage in die Tat umzusetzen. Er fordert alle Mitglieder zur ernster intersiver Arbeit auf, um so den Verpflichtungen, die sie durch die Wahl auf sich genommer., zu entsprechen. Bei den hierauf vorgenommenen Wahlen wird Herr Dr. Singer unter lebhaftem Beifall einstimmig zum Prasidenten wiedergewahlt. Ferner werden ins Prasidium entsendet die Herren: Dr. Max Brod, Arthur Kauders und Markus Ungar. Auf Antrag Dr. Goidsteins wird nun zur Wahl einer Organisationskommission geschritten die d't Durchfiihrung des vom Kongrefi beschlossenen Organisationsstatutes ins Werk zu setzen hat. Sie besteht aus den Herren: Ing. Aschermann, Dr. Goldstein, Kauders, Dr.' Lebenhart, Dr. Maigulies, Dr. Seligmann und Fetzne** und hat als Unrerauschtifi eine Propagandakommission einzusétzen. Die Finanzkommission konstituiert sich aus den Mitgliedern, den Herren: Andres, Busch, Fischl Max, Herrmann, Frau Klein und Herrn Ungar. Als Sitzungstag wird der Dienstag festgestelit resp. fiir den Fail, dafi ein Féiertag auf den Diensta«. fftllt, Mittwoch. Es wird beschlossen, dem Pariser Coinité des Délegations juives anlafilich der We'thilfskonfereez ein Begrtifiungsschreiben zu senden. In diese' Konferenz werden delegiert: als Mitglieder des Komitees Dr. Singer und Herr Ungar, fiir den Nationalrat Dr. Margulies, Fri. Gellner als Referentin des J. N. R. tiir soziale FUrsorge und Kriegshilfstelle, Prof. Dt. Engel als Leiter der Fliichtlingshilfsstelle. Hierauf bringt Dr. Engel den Stillstand der Hilfståtigkeit zur Sprache, der durch Erschopfung der Geldmittel beim Hilfskomitee herbeigefiihrt wurde. Es werden die Wege beraten, die zur augenblicklichen Abhilfe gangbar sind und beschlossen, auf der Welthilfskonferenz diese Angelegenheit zur Sprache zu bringen. In Verfolgung der Tagesordnung werden Interventionen in den verschiedensten Angelegenheiten beschlossen, so z. B. wegen Internierung Cechoslovakischer Staatsbiirger Jtidischer Nationalitet in Budapest beim Ministerium des Innern, wegen erfolgter Uebérfålle seitens Cechischen Militers auf jiidische Staatsbiirger in Munkacs usw, Die QrQndung einer jiidischen Presse in Uihorod wird begriifit. Eine diesbezfigliche Sammlung zwecks Finanzierung derselben eingeleitet. Dr. Hilf sagt fiir die Kultusgemeinde Mahr.-Ostrau den Betrag von 500 K zu. Fri. Gellner berichtet sodann, dafi von amerikanischer Seite Letensmittel im Werte von 220.000 F zur Verteilung an die Studentenausspeisungsaktionen zugesagt wurden, wovon ein Teil nach Feststellung des Perzentsatzes dem Jiidischen Nationalrat fiir jiidischen Studenten zur Verfiigung gestellt werde. Fri. Gellner und die Herren Dr. Goldstein und Dr. Lebenhart iibernehmen die Durchfiihrung dieser Aktion. Nach Erschopfung der Tagesordnung schliefit Dr. Singer mit einer kurzen Ansprache die konstituierende Sitzung des Jiidischen Nationalrates. - Brief aus Palåstina. Nr. 33 des „Hapoel Hazair" bringt folgenden bemerkenswerten Bericht aus Pal&stina: Diese Woche ist die Woche des „Keren Hageulah“ (des 25 Millionen Pfund-Wiederaufbaufonds) im ganzen Lande. Jaffa war der erste Ort in der „Hitnadwuth" (dem nationalen Opfer). Die erste Versammlung fand Samstag im jiidischen Kino „Eden" statt, an der mehr als 1000 Menschen teilnahmen (bei einer jiidischen Oesamtbevolkerung von 10—12.600 Seelenl). Die Versammlung wurde durch den Oberrabbiner eroffnet; die Redner waren Gymnasialdirektor Dr. Mossinsohn, Gymnasiallehrer Dr. Swardloff (Hapoel Hazair) und das Mitglied der Poale-Zion-Kommission S. Rubaschoff. Bei Ausgang des Schawuothfestes veranstalteten die Schiller des Jaffaer Gymnasiums einen Abend zu Gunsten des Fonds. Die Jaffaer Ortsgruppe des Hapoel Hazair beschlofi, dafi alle Mitglieder die Arbeit einer Woche dem Keren Hageulah widmen. Der Eroffnungsabend der Geulah - Woche wie der des Gymnasiums war ein historisches Ereignis Die Begeisterung und Opferwilligkeit war ungeheuer. Man opferte Geld, Gold- und Silbervorråte, Schmuck, Bauplåtze und Landereien. Von der kleinen Zahl der zu dem Abend Eingeladenen wurde an Ort und Stelle nahezu sechstausend agyptischp Pfund (ein iigyptischer Pfund ist um 21/s Prozent mehr als ein englischer Pfund, ca. 185 K6) gespendet. Die Summe der gestifteten Schmucksachen, des Goldes, Silbers und der Landereien beiauft sich auch auf mehrere tausend Pfund, ferner Håuserhypotheken von 4000 Pfund. Hervorzuheben ist die Spende des Mitgliedes des „Hapoel Hazair" Israel Phini: eine silberne Chanukahmenorah, die nach der Tradition der Baal-Schem beniitzt und an ihr die Chanukahlichter gesegnet hatte. Der Wert einer solehen Menorah ist unschatzbar. Der zweite Abend, der ebenfalls im Gymnasium festlich begangen wurde, war die Opferwilligkeit noch grofier. Diesesmal waren die Hauptspender Handwerker, Arbeiter und Klelnhandler. Die Menge des gespendeten Schmucks und der Silbergerate waren ein Vielfaches der Spenden des ersten Abends. Auch diesesmal gab man ohne Ausnahme mit viel Freude und mehr als man geben konnte. Alte Frauen brachten ihren Schmuck mit freudigem Zittern. Innerhalb weniger Stunden war ein Haufen von Gold. Silber und Edelsteinen beisammen. Man brachte auch Bargeld und erlebte an Ort und Stelle die iibernommene Verpflichtung. An diesem Abend wurden ir bar 5000 agyptische Pfund eingenommen, aufierdem Wertpapiere in der Summe vpn 20.000 Frank, sowie Bauplåtze und andere Gegenstånde von Geldeswert. Der dritte Abend fand in der MådchenschuP statt und hatte ebenfalls gUnstige Resultater Es wurde eine bedeutende Summe ari Geld, Schmuck und verschiedenen Gegenstånden gesammelt. Der vierte Abend wurde im Waisenhaus im N’we-Schalom abgehalten. Es war eine volkstiimliche Feier im wahrsten Sinne des Wortes und dir Opferwilligkeit hatte einen besonderst volkstilmlichen Reiz. Leute gaben ihren letzten Sparpfennig und teilten ihren årmlichen Monatslohn auf. Hier wurde am meisten bar gespendet, aber auch viel Schmuck, Gold und Silber kam zusammen. Auch die Schiilerinnen des Lehrerinnensemlnars veranstalteten einen Abend zu Gunsten des „Keren Hageulah". Ununterbrochen brachte man wåhrend der ganzen Woche Geld, Schmuck und Geråte in das Bilro des „Keren Hageulah". Jeden Tag brachten Kinder das, was ihnen am Teuersten war: Geschenke, Bil* cher, Schmuck und lieBen es durch ihre Eltern dem Fond zufilhren. Die Lehrerorganisation beschloB 3000 Pfurid dem „Keren Hageulah" zu spenden, das ist der halbe Monatsgehalt aller Lehrer. Die Beamten der Anglo- Palestine Company opferten den ganzen Monatsgehalt aller Beamten: 900 Pfund. Die Organisation der Jemenitischen Arbeiter spendete eine Arbeitswoche ledes Mitgliedes, dasselbe taten die unparteiische Organisation der Druckereiarbeiter und des Jemenithenvereines „Zeire Hamizrach". Man 'schfitzt den bisher in Jaffa gesammelten Betrag auf mehr als 25.000 Pfund (4*/a Millionen K£). Die Summe wåchst aber von Tag zu Tag. Die „Vereinigung der jiidischen Kolonien Judeas und Samarias" erklårte, daB sie Boden im Werte von 20.000 Pfund spenden werde, den sie irii Begriffe sei zu erwerben. In Jerusalem wird auch eine sehr rege Agitation zu Gunsten des „Kpren Hageulah" betrieben. Petach Tikvah: Auch hier ist die Begeisterung fiir den Befreiungsfond gewaltig. An dem unter Teilnahme Dr. Mossinsohns und des Direktors der Jaffaer Musikschule Hopenko abgehaltenen Abend, wurde eine groBe Summe Geld und viel Schmuck gesammelt. Ain Ganim: (Die Einwohnerzahl betragt 200 Seelen; ein Arbeiterdorfl) Bei Ausgang des Schewuothfestes wurde eine allgemeine Versammlung fiir den „Keren Hageulah" abgehalten. Das Resultat war gut. Im ganzen wurden 320 Pfund gesammelt, man hofft aber den Betrag auf 350 Pfund zu erhohen. Es gab Momente, in denen die Begeisterung einen. noch nlcht dagewesenen Grad erreichte. Der alte E. G. weinte wie ein Kind vor Freude, daB er es erlebt hatte,* sich an dem „Keren Hageulah" zu beteiligen. A. K. opferte seinen Monatsgehalt als Wåchter der Kolonie, seine einzige Existenzquelle. Unter anderem wurden 270 kg weifier Bienenhonig, im Minimalwerte von 95 ågypt. Pfund gesammelt. Rischon-Le-Zion: Samstagabend war die erste Veranstaltung der Geulahwoche. Die Begeisterung war grenzenlos. Man sammelte 4000 ågyptische Pfund in bar, auBer Schmucksachen. Haiffa: An den zwei ersten Abenden der Geulahwoché gingen 4000 Pfund und ein weit grofierer Betrag in Schmuck und Wertgegenstånden ein. Åkka: Die Arrestanten Jabotinsky und Genossen spendeten fiir den „Keren Hageulah" 150 Pfund. Tiberias: Die Arbeit fiir den „Keren Hageulah" wird mit einer so groBen Begeisterung getan, daB auch die groBten Optimisten verbliifft sind. (Tiberias ist eine alte- Chalukahstadt, in die in den letzten Jahren unter der Wirkung der umliegenden jiidischen Dorfer gesiindere Verhåltnisse nach und nach einziehen.) Die Geulahwoche ist wie ein langer Feiertag. Die erste offentliche Versammlung wurde in der sefardischen groBen Synagoge abgehalten. Die „Zofim" und „Zofoth" (die jiidischen Pfadfinder beiderlei Geschlechts) verteilten sich iiber die ganze Stadt und gaben Befehle, Laden und Werkståtten zu schlieBen und in die Synagoge zur Versammlung zu gehen. Alle Laden wurden um 2 Uhr nachmittags geschlossen und alles versammelte sich in der Synagoge. Dort wurden Flugblatter verteilt und mehrei*e Reden gehalten und sofort begann man die Spenden zu verzeichnen. Das Recht die Spenden zu reglstrieren. åuszurufen und zu sammeln wurde versteieert. Die Opferwilligkeit, die einen ganz volkstttmlichen Charakter trug, ilberstieg alle Grenzen.. Es erlnnerte an die Zeiten, als die jiidischen Frauen?hren Schmuck zum Bau des Tempels darbrachten. So taten auch hier die Frauen und MSdchen. Ein armer Musikant spendete seine Gelge. Manche zogen ihre Schuhe aus und spendeten sie. 12 Dunan Rauplatze In Tiberias In der Nahe des Grabes Maimonldes und *>m Berge Kanaan (bel Safed) wurden gespendet. Die Kaufleute und die Relchen der Stadt brachten bisher noch nlcht alle ihre Spenden. erst °dn kleiner Tel! .betelligte sich bisher an der Sammbmg. Bis jetzt opferten nur die Volksmassen. die Vleinen Leute. Burschen und Madchen, Schiller, Waise, Arme brachten was sie nur konnten und spendeten. Der Wert des an diesem Tage gesammelten betrug in barem 1000 Pfund, das gleiche in Wertg^genst&nden und Baupiatzen. Heute halten die ..Zofim" ein Aehrenfest ab (eine Art Blumentag). Abends eine Kinovorstellung zu teueren Prelsen, deren ganzer Betryg fttr den „Keren Hageulah" bestimmt ist. Morgen wird eine THorarolle, die ein Tude gespendet hatte, in die Synagoge in einem feierlich^n Zug mit Musikbegleitung des Sehulorchesters geftihrt werden. Uebermorgen wird ein groBer

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