Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 26 (24.6.1920)
- Date
- 1920-06-24
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 28. S*N* 5. JuMCffi VuLftSSTfilJKE.* wenigstens loyal gen ug, das offen einzustehen: In der Slovakei da Ist das Schulwerk am Platze, in B 6 h m e n, Måhren und Schlesien aber nicht. Wenn von ihnen auch V* oder Vs Million aufgefordert wird filr Kulturbestrebungen, dann werden wir es ihnen geben, nur ein jildisches Schulwcsen wollen wir nicht in unserer Mitte haben.“ Die Gefahr, die darin liegt, daB der Assimilation durch das jiid. Schulwesen ein Ende gemacht wird, und daB sie nach ihrer Auffassung eine Gefahr fUr die Cechischen Minderheitsschulen bedeutet, ist von den Herren erkannt worden, aber niemand hat die Gefahr so genau gesehen, wie die deutsch-arischen Mittelschullehrer. Sie betonen es, so lange jiid. Professoren an Gymnasten und Realschulen wirken werden, sind sie in einer besonderen Sektion zusammenzufassen. Sie sollen d o r t den Aufbau der jiid. Mittelschulen studieren. Nur in wirtschaftlichen Fragen wilrden sie gemeinsam mit ihnen gehen. Darin liegt die groBe Gefahr der Verdriingung des letzten jiid. Mittelschullehrers aus der Mittelschule, wenn nicht rechtzeitig genug ein jiid. Mittelschulwesen gescheffen wird. Mit Beginn des nåchsten Schuljahres soli unbedingt in Briinn das jiid. Realgymnasium begrttndet werden. In Ostrau hat Dr. Hilf uns versprochen, die Repråsentanz auch dort fUr die Griindung der jUd. Mittelschule zu gewinnen. Die Regierung hat Geld, die Enquete muB stattfinden. Der Pråsident der Republik hat sich mit Macht dafilr eingesetzt und die Enquete hatte noch vor dem 11. diesel Monates stattfinden sollen. Aber jetzt tagt die Nationalversammlung und deshalb sind die schulpådagogischen Behorden, so geben sie vor, in Anspruch genommen und nur aus diesem Grunde, so behaupten die Herren, ist die Enquete bis nun nicht zustande gekommen. Es sind die Herren fur die Enquete bereits genannt, auch 6 jiid. Herren, welche die Verhandlungen zu fiihren haben. Bei diesen Verhandlungen wird es sich nicht nur handeln um die Beratung der ganzen Schulfrage (Volks-, Mittelu. Hochschule) sondern auch die Durchffihrung des Bibliotheksgesetzes. Wir werden darauf bestehen, daB das ganze Material sofort dem Ministerrat vorgelegt wird. In letzter Linie wird also der Ministerrat entscheiden. Wenn alle Herren fiir unsers Forderungen stimmen werden, die zwei Abfalljudem im Ministerium werden gegen uns sein. Eine Reihe von Lehrern hat sich bereit erklårt Urlaub zu erlangen wenigstens fiir ein Jahr, um an diesen Minoritåtsschulen zu wiiken, selbst auf den Fali hin, daB wir kein bestimmtes Resultat haben. Sie haben einen Grund, Fragen an mich zu ricliten. Warum wir nicht eine Volksschule errichten? Wir werden hier und in Prag eine Volksschule errichten auch fiir den Fali, daB wir bis 1. August oder September keine Minoritåtsschulen durchsetzen. W.ir miissen der Regierung vor fertige Tatsachen stellen. Wir haben die groBten Schwierigkeiten mit dem Lehrermaterial. Sowie in der Slovakei Mangel an wirklichen Lehrkråften herrscht, ist es im erhohten MaBe in Prag. Wir werden die Kråfte, die uns zur Verfiigung stehen in den Dienst der Sache stellen und auf diese Weise versuchen der Regierung zu beweisen, daB eine Vorderung, die von 80 oder 100 Eltern aufgestellt wird und sich in Uebereinstimmung befindet mit der Verfassung und mit dem Friedensvertrage nicht iibersehen werden darf. Wir hatten die ganze Zeit nicht nur åuBere Arbeit, die sich auf die Wiedereroffnung von Schulen in der Slovakei, Verkehr mit einzelnen Lehrern erstreckte, sondern auch innere Arbeit. Diese hat unsere Hauptkraft in Anspruch genommen. Am Ende dieser Ferien werden wir alle Biicher haben, die eine jUdlsche Volksschule braucht. Die Kollegen in Måhr.-Ostrau und Friedek befassen sich momentan mit hebr. Sprach- und Rechenbuch. Auch ein Gesangsbuch wird in Prag geschrieben. Die zweite Arbeit ist die Ausgestaltung der Lehrplane. Wir haben detailierte Lehrplåne, neue Leitsåtze, Ziele fiir den Unterricht aus Geschichte und Erdkunde in deutscher, Cechischer, franzosischer, hebråischer Sprache aufstellen miissen. Wir haben den Referenten diese Dinge zur Verftigung gestellt. Ob er sie geprUft hat? — -bis zur Enquete wird er es tun miissen. Wir miissen darauf bedacht sein, jene Kollegen, die an Volks- und Biirgerschulen unterrichten, darauf aufmerksam machen, welche Aufgaben ihrer warten. Die jiid. Mittelschullehrer sind gewillt, den Dienst an den andersnationalen Schulen zu verlassen, wenn sich ihnen die Moglichkeit bietet, an einer jiid. Schule zu wirken. Anders ist die Frage bei den jUd. Volksschullehrern. Wir haben auch deutschnationale Lehrer in tinserer Mitte und es wird eine schwere Aufgabe sein, eine kiinftige Lehrergeneration zu erziehen, welche den Ansprtichen geniige leistet. Wir haben auch einen Lehrplan fiir eine Lehrerbildungsanstalt, aber kein einziger Vater wird ein Madchen oder einen Jiingling nach Briinn oder Bratislava schicken, in eine Lehrerbildungsanstalt, wenn er nicht weiB, daB diese Schulen staatsrechtlichen Charakter tragen. Wenn dieses Verhalten auch nur weiter bestehen solite, wenn die Gefahr auch nur sichtbar ist, wird kein Vater sein Kind einem solehen Berufe zufiihren. Bei all dem haben wir eines nicht aus dem Auge gelassen, daB eine jiid. Schule doch nur eine Uebergangsstufe bedeuten kann. Wir sind, mochte ich sagen, nicht in der gliicklichen Lage eines Ostjudentums, eines Judentums, in welchem das Hebråische noch so stark und lebendig ist, daB eine hebråische Schule leicht moglich ist. Fiir uns ist es klar, daB eine hebråische Schule das Endziel ist. Nur in der Hebråisierung liegt die Gewåhr fiir die Erhattung des Judentums. Wir haben auf diesem Gebiete Versuche gemacht. ohnen einen Auftrag zu besitzen. Wir haben das Gliick in Karlsbad einen hebråischen Lehrer zu besitzen, der das Ideal eines hebr. Lehrers ist. 200 Kinder sind in dieser Schule und haben glånzende Fortschritte gemacht. Es ist uns auch gelungen einen hebråischen Lehrer aus Budapest nach Teplitz zu schicken, damit er dort den Unterricht leite. Wir haben den Grundsatz aufgestellt, daB nur wirklich gebildete Menschen eine so schwierige Arbeit leisten konnen. Denn lieBen wir diesen Umstand auBer Acht, so miiflte unsere Arbeit daran scheitern. Wir dlirfen nicht unzulångliche Kråffe hinaus auf so schwierige Posten schicken. Wir haben uns naturlich auch mit all den schwierigen Problemen beschåftigt, die mit der Aenderung des Schulwesens im Zusammenhang stehen. Es gibt Juden in Bezirks- und Landesschujråten. Nun sollen auf bohmischem, måhr. und schles. Gebiete die Gauverfassung platzgreifen. Bislang war es wenigstens Vertretern der jiid. Konfession mdglich im Ortsschulrate zu intervenieren. Die neue Schulverfassung spricht nur von Minoritåten die 20 Prozent betragen. Das ist eine ungeheuere Gefahr, selbst wenn wir ein Minoritåtsschulwesen besitzen soliten. Aber ein groBer Teil der jiid. Jugend wird Jahre in andersnationalen Schulen seine Studien fortsgtzen miissen. Wie soli nun fiir diese gesorgt werden? Wir haben auch nicht vergessen diirfen, daB in einer ganzen Reihe von Gesetzen Unklarheiten sich eingestellt haben. Zum Beispiel im Bibliotheksgesetz, das sogar Herrn Dr. Margulies Emil AnlaB gegeben hat, uns zu schreiben, man moge vorlåufig nicht daran gehen, Subventionen fiir jiid. Bibliotheken zu erwerben. (Liest vor): An den J. N. R., Prag. Sehr geehrte Herren! Bei uns ist folgender Brief eingelaufen: Ich mochte Sie heute bitten, in einer der nåchsten Sitzungen der Parteileitung die Angelegenheit der Min.-Bibliotheken zu erortern. Ergebenst Otto Kohn, Briix. Hiezu schreibt uns Dr. Margulies: Ich bemerke, daB ich grundsåtzlich gegen die Inanspruchnahme dieses gesetzlichen Rechtes bin. Der Kulturkreis, der sielv an die deutschen oder Cechischen Bibliotheken schlieBt, umfaBt zum groBten Teile infolge der Sprach- und Kulti.rgemeinschaft auch uns Juden. Spezifisch jiid. Bibliotheken aber soliten wir uns aus eigenem schaffen. Sie gestalten, meine Herren, daB ich Ihnen erklåre, daB diese Besorgnisse ungerechtferiigt sind. Es ist kein Zweifel, wenn eine jiid. Bibliothek besteht und wertvolle Bueher enthålt, dadurch, daB sie 10 Jahre eine Subvention erhålt, sehr leicht ihren ganzen Bestand zu Gunsten der Gemeinde verliert, Das ist eine sehr bose Bestimmung und ich wiirde mich sehr hiiten, daB eine jiid. Bibliothek als Minderheitsbibliothek als Teil einer anderen BibUothek eingefiigt wird. Aber es ist etwas anderes. wenn man fiir eine klelne Bibliothek die offentlichen Mittel in Anspruch nimmt. Die iibrigen Bestimmungen sind auch sehr interessant. Wenn eine Gemeinde 400 Mitglieder zåhlt oder wenn dort eine jiid. Minderheitsschule besteht, kann keine Bibliothek gegriindet werden. Ich halte es fiir notwencMg, daB wir alle jiidischen Gemeinden und Korporationen genau tiber das Bibliothek-Gesetz aufklåren, sowohl fiber seine Vorzfige als auch die Gefahren. In dem Geset?. Wir haben also nichts zu fiirchten, nur die moralische Verpflichtung, unser Scherflein beizutragen. (Die Resolution war bereits in Nr. 25 abgedruckt.) - * Thesen aus dem Referate des Herrn Gustav Finzl, Troppau. 1. Der KongreB der „Ver. jiid. Part.“ fordert die Kultusgemeinden auf, in kiirzester Zeit die Statuten derselben auf demokratische Grundlagen zu stellcn und die KG-Vertretung auf Grund dieser Statuten neu zu wåhlen. 2. Der KongreB der „Ver. jiid. Part." ersucht die bestehendén KG-Verbånde in Bohmen, Måhren und Schlesien, die Schaffung eines freien Verbandes aller Kultusgemeinden mit allen Mitteln zu fordern. 3. Der KongreB der „Ver. jiid. Part." verlangt von der Nationalversammlung daB die Gesetze fiber Trennung von Staat und Kirche, soweit sie die Juden betreffen, nicht ohne Anhorung und Berficksichtigung der WUnsche der Judenschaft beschlossen werden. 4. Der KongreB der „Ver. jiid. Part." verlangt von der Nat.-Vers. die volle Einlosung der im Besitze der jiid.-nat. Korp. befindlichen Kriegsanleihe, die unter groBter Pression seitens der ostqrr. und ungar. Regierung gezeichnet wurde. Achtung! Die P. T. Empfanger werden um umgehende Abonnement-Bezahlung ersucht. Die Administration. Rundschau. Tausend jiidlsche Hochschiiler in Gefahr. (Ein Appell an die jiidische Oeffentlichkeit.) In Prag und in Bratislava halten sich derzeit iiber tausend jiidische Hochschiiler, grofitenteils Mediziner, auf, welche hergekommen sind, um ihre Studien zu beenden, was ihnen in ihrer Udmat unmoglich gemacht worden ist. Die Mehrzahl von ihnen ist oline alle Mittel und der Not preisgegeben. Die HilfsmaBnahmen, welche bisher der Jiidische Nationalrat in Prag und der Volksverband der Juden fiir die Slovakei'in moralischer Hinsicht und das Joint-Distribution-Committee in materieller Hinsicht getroffen haben, waren nur dazu ausreichend, die notleidenden Hochschiiler vor dem' allergroBten Elend zu bewahren. Nun drohen aber auch diese Hilfsmittel zu versiegen und es besteht die Gefahr, daB hunderte von jiidischen Studenten, die nicht einmal in den Fereien in ihre Heimat zuriickkehren konnen, ohne Unterkunft und ohne Nahrung bleiben. Diesen traurigen Umstånden Rechnung tragend, haben sich bereits in Bohmen und Måhren Komitees gebildet, welche der drohenden Verwahrlosung der jiidischen akademischen Jugend durch groBangelegte Geldsammlungen steuern wollen. Fiir die Slovakei hat bis zur Konstituierung eines speziellen Hilfsausschusses diese Aufgabe das Hilfskomitee des Volksverbandes der Juden fiir die Slovakei iibernomnien und mit den vorbereitenden Arbeiten sein Mitglied, Herrn Markus Weinfeld, Bratislava, Konig Andreasplatz 3, betraut. Es ergeht hiemit an alle jiidischen Kultusgemeinden ' und sonstigen Korperschaften, Wohltåtigkeitsinstitutionen usw. sowie an alle Stammesgenossen, die sich fiir notleidende Briider ein warmfiihlendes Herz bewahrt haben, die innige Bitte, die jiidischen Hochschiiler, welche im Vertrauen auf den uberall bewåhrten jiidischen Gemcinsinn hierhergekommen sind, um die unter giinstigeren Verhåltnissen begonnenen Studien zu beenden und niitzliche Mitglieder der Gesellschaft zu werden, und von denen ein groBer Teil aus der Slovakei stammt, in ihrer Not nnicht zu verlassén. Geldbetråge sind an die „Prager Kreditbank", Bratislava, auf das Konto Markus Weinfeld (Hochschiiler-Hilfskomitee) zu iiberweisen. Das Hilfskomitee des Volksverbandes der fiir die Slovakei,