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Jüdische Volksstimme · 1920-06-24 · Heft 26 (24.6.1920) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 26 (24.6.1920)
Date
1920-06-24
Page
– (sequence 3)
Language
German
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Nr. se. jmsam toutssttim." Sefte S, zwungett werden kånnen, sich zu einer anderen als ethnischen Minorit&t zu bekennen. Sehr wichtig ist folgendes: Es ist uns der Vor- WUrf gemacht worden, daB wir nachgiebig waren und dafl wir auf viel zu vlel verzichtet hatten. Ich efklåre, daB das nicht der Fall war. Die Sache war nicht dufchzirfiihren. Es brauchte uns nicht zu tangieren* Wir mUssen nur die Verfassang richtig interpretierefi. BeneS sagt im Artikel IX. (§ 132): ... Aber es Hat gar keineti Sinn, wir haben mtr den Friedensvertrag richtig zu interpretieren. Was sagt Clemenceau und die Minister: „ihr habt ja die Bestimmung des Vertrages in Art. 9, der die Hauptbestimmung enthMlt. Diese Bestimmung darf nicht verletzt werden, auch wenn es sich nicht um Polen sondern um Juden handelt. Aber filr uns braucht ihr das nicht; wir haben nur Sonderbestimmungen fur die Polen, die Bestimmungen sind fiir uns selbstverstandlich; es muBte nur zum besonderen Schutz der polnischen Judenschaft aufgenotnmen werden; sie diirfen nur nicht mehr Begiinstigungen fiir die Polen cnthalten; wir haben die Forderungen in den Vertrågen und §132 und Erklårung des J. N. R. in den Motiven- Berichten. Es wåre eine Vertctzung, wenn gegen diese Bestimmungen gehandeit werden wlirde. Das bezieht sich auf die angestrebten Schulen als den ersten kulturellen positiven Postulate. Ich måchte auf einen Satz verweisen, welchen Clemenceau an Padarewski geschriebeii hat, betreffend die Schulangelegenheit: Aufrechthaltitng der jiid. Schule und Sabbathruhe; diese Interpellation hat natiirlich auch fiir unsere Bestimmungen Qeltung. Auflosung der jiid. Schule bedeutet. Verletzung der Vertragsbestimmungen. Als ich mit dem Schulreferenten gesprochen sagte er mir, als wir von ihm die Erkldrung verlangten, daB die bestehenden Schulen auireclit erhalten bleiben, daB dies als Politikum angesehen wird und die Entscheidung iiber diese Angelegenheit dem Ministerrate abgetreten wird. Der Ministerrat wird uns vielleicht wohlwollend gegenliberstehen und wir wissen, daB eine von der N. V. angenommene Resolution KrejSis dieses Schulgesetz derogiert, weil sie sich auf den Reden des Friedensvertrages gestellt hat und erklårt hat, daB den Juden dieses Recht zusteht. Ich befiirchte, daB die im Ministerrat sitzenden Juden vielleicht irgend welche Hindernisse in den Weg legen konnten Nichtsdestoweniger bin ich daftir um unserer Sach Nachdruck zu verleihen, von hierhaus den Wunsch des Kongresses dem Ministerrate bekannt zu geben, daB wir auf Grund des Friedensvertrages und der Verfassung auf den bestehenden Schulen und Schulrechte bestehen. Dieses Recht diirfen wir uns nicht nehmen lassen. Ich måchte noch das Gesetz iiber die Bibliotheken erwåhnen. Es ist bekannt, daB ein Minoritåtenschutzgesetz betreffend Bibliotheken z.^ mit Aufregung den Brief und seine erste Tat war, das Schlachtmesser in den Teich zu werfen. Im Orte Schlesisch-Branitz verbreitete sich blitzschnell die Kunde von Altmanns Haupttreffer. Gevatter Schneider, Meister Schuster und alle die Ortshandwerker bildeten im Orte die Musikkapelle, diese versammelten sich im Festgewande mit ihren Instrumenten und zogen vereint gegen Jågerndorf, um an der StraBe, welche nach Branitz ftihrt, den glticklichen Gewinner Altmann zu erwarten. Dieser hatte noch in der Stadt die erkaufte Gerste zu bergen und schickte sich sodann zur Heimreise an, welche er gewohnlich zu FuB zuriicklegte. Harrend stand die BVanitzer Musikkapelle an der StraBe, den Altmann erwartend, und als dieser sich genåhert, wurde ein gewaltiger Tusch demselben gebracht. Ucherrascht frug Altmann, was dieser Empfang zur Bedeutung hatte. „Ja, lieber Altmann, Sie haben den groBen Haupttreffer der PreuBischen Lotterie gemacht." Dieser wuBte sich besser als seine Gattin zu fassen. und mit einem Siegesmarsch v/urde Altmann nach Hause g*fiihrt. In Branitz erwarteten ihn seine Lieben, zugleich der ttbergliickliche Schachter Adler und die Herren vom Schlosse; der Oberamtmann hielt eine kleine Ansprache an Altmann, die Musiker wurden festlich bewirtet, das Bier floB in Stråmen. Es senkte sich der Abend, es wurde Nacht, und wahrend alles sich zur Ruhe begab, ging Altman« tiber die Oppabriicke nach Preuflisch-Branitz, und in derselben Nacht noch kaufte er eine gråfiere Besitzung, welche er zu erwerben so oft lange Im Sinne hatte, Erziehung des Volkes am 22. Juli 1919 verfaflt wurde. Dieses bestlmmt, daB in leder Gemeinde, in der 400 andersnationale Seelen leben, dicse das Recht auf eine Minderheitsbibliothek haben und auch jene Orte, in der eine offetitliche Schule dieser Mindérheit besteht; in Orten, wo zwar diese 400 Seelen nicht vorhanden sind, aber Uber 10 Prozent dieser Minderheit, so konnen einzelne Qemeinden zusammen solche Bibliotheken haben und die Gemeinde istverpflichtet in diesem Falle Bibliotheken zu errichten und Beitråge pro Person von 30 Heller bis zu 1 K zu leisten. Was die soziale Fursorge anbelangt, måchte ich bemerken, daB es selbstverstSndlich ist, daB er als soleher selbst nicht die Arbeit durchfiihren konnte, er hatte zu Beginn eine soziale Kommission eingesetzt und diese hatte wichtiges zu tun. Er hatte eine soziale FUrsorge heimkehrender Soldaten zusammengesetzt, die denen mit Rat und Tat an die Hånd gegangen Ist, mit Stellenvermittlungen, Unterstiitzungen und anderen. Der Nationalrat konnte bloB Anregungen geben, konnte sich blofl durch seine Vertreter an den einzelnen Aktionen beteigiden. DiesbezUglich måchte ich 3 hauptså’chlich wichtige Errichtungen erwåhnen. Es sind dies die Mensa academica judaica in Prag, die bereits auf einer hohen Stufe stetht und an der einig$ Organisationen mitgearbeitet haben. und in welcher alle Mitglieder bemiiht waren, ihr Bestes zu leisten. Die Institution ist gesichert, wir sind darin durch den Frauen-Verband vertreten. Ferner ist es die Kinderheimståtte, welche von einem Mitgliede des Nationalrates und dem Frauen- Verbande ins Leben gerufen wurde, die sich ebenfalis bewåhrt und in den einzelnen Vorstådten Prags wurden bereits solche Heimståtten errichtet. Ferner wurdevom Nationalrat angeregt die die GrUndung cines jiid. Studentenheims. Es wurden auch vorlåitfig zur Grilndung dieses Fonds einzelne Betråge gesammelt und in der letzten Zeit hat sich diese Kommission mit anderen Korperschaften zusammengesetzt, um das Studentenheim aufzubauen. Es ist wichtig, den Studenten, die durch Wohnungsmange! am Studium gehfndert sind, ein Heim zu schaffen, wo sie sorgios ihren Studien obliegen kånnen. Ich måchte die Aufmerksamkeit des Kongresses auf diese Institution Ienken. Vor allem ist iedoch das Studentenheim im Auge zu behalten. Es wird notwendig sein, vorher eine Baracke anzuschaffen und die dazu gehårigen Måbel zu kaufen. Um mit momentaner Hilfe vorzugehen, da die Lage triste und die Not groB ist. Ich bitte sie also diesem Studentenheim, welches Studenten ohne Unterschied der Gesinnung UnterstUtzung gewåbren soli, es ihnen ein Heim v-'<" ' *snll, Spenden zu widmen, in ihren Kreisen solche zu verschaffen. Was die Angelegenheit der Kultusgemeinde an- Mit såmtlichem beweglichem Vermågen zog er in einigen Tagen in die erkaufte Besitzung, wåhrqnd der Schachter Adler seinen Oreislerladen in Drschkowitz verkaufte und nach Ratibor zog. Altmann erhielt nach einigen Wochen, wo bereits hoher Schnee B°irg und Tal deckte, mittelst eines kåniglichen ^ostschlittens aus Breslau den namhaften Gewinn in neuen Silbertalern. welchen er mit dem SchS'’1 ter Adler redlich teilte. Ein neues Leben begann in den Hausern dimser GlUcklichen. Altmann lieB sich in bedeutende Get^eidespekula tionen ein, welche sich selbst flberseeisch erstreckten. hatte dabei das Unglttck, eine riesige Schiffsladung Weizen zu verlieren, da der Weizen havariert in die Ostsee versenkt werden mufite. Es war fast der Wert seines Haupttr^ffers. Der Mann nahm sich diesen Verlnst so sehr zu Her- -zen, daB er in eine schwere Krankheit verfiel und starb. Der gewesene Schachter Adler, welcher seinen friiheren Beruf vergaB, lieB sich In gewagte Bårsespekuhtlonen ein. verlor sein sranzes V^m*. tren. wurde gepf»nd°t und zufotøe seines dens warf sich derselhe bei Breslau in die Oder, so wi* er einst das Schlachtmesser in den Teich geworfen hatte. Nioii* menschliche Auge vermag die denden Strahlen der Sonne zu ertragen. N!*** immer ist das Olilck von Paner. Das Oliick ist eine leichte Plrne. Sie weilt nicht gern am selben Ort. |C|« fa* Haar dir vnn c+i-no Und kilBt dich rasch und fort. (Heinrich Heine.) I belangt weiB ich nicht, ob ein Referat erstattet wird. Ich will kein Referat halten, ich måchte diese Sache nur erwåhnen, da bereits in der Nationalversammlung Antrage auf Trennung von Kirche und Staat vorliegen und diese Frage fUr das Judentun brennend ist. Dies wird sich auf die Slovakei nicl; beziehen, das religiose Empfinden aller Parteien dort ist derart entwickelt, daB man auf grofle Schwi. -igkeiten und Widerstand stoflen wilrde. Es ist nicht richtig, daB wir von vornherein irgend welche Regierungspolitik gemacht haben. Die Regierung ist far uns nicht die Hauptsache, wir stehen auf gerechtlicher Basis und wir suchen auf dieser Orundlage unsere Postulate zu erreichen. Bekommen wir sie im Guten, fet es gut, wenn nicht, massen.wir eben in den Kampf eintreten; wir werden bei verschiedenen Fragen noch Oelegenheit haben in den Kampf eintreten zu mUssen, er wird uns erschwert sein, weil dieser Kampf von nicht parlamentarischem Boden bezw. nicht vom Boden des Parlaments schwieriger ist als vom Parlament selbst. Ich mochte noch betonen, daB wir etwas iibersehen haben, was ein groBer Fehier war. Wir konnten uns bei den Wåhlern Uberzeugen, daB ilirc Gefahle håufig mehr eingenommen waren, von den ar deren Minoritaten zugefttgte Unrecht als von ihrem eigenen und wir haben auch gehårt, daB man dieses oder jenes bedrohte Volk nicht verlassen masse, ihm helfen, wenn es sich in Not befindet; ich håbe bei Walversammlungen immer darauf hingewiesen. x Wir sagen nicht, daB wir uns gegen diese Minoritat stellen und sie nicht unterstiitzen wollen, wenn ihnen Unrecht geschieht, aber als Minoritat, aber nicht, wie es viele taten, diese Minoritat zu unterstUtzen und die BedUrfnisse der eigenen Minoritat zu ignorieren, namlich der jttd. Minoritat. Auf diesem Standpunkte sind wir gestanden, und von diesem Standpunkte "-;r ...i Politik betrieben. Ich håbe mich aber die mahr. und slovak. Verhaitnisse nicht mehr verbreitet, es wird aber die Verhaitnisse ein separates Referat ten werden. Wir haben die Arbeit der BrUnner Ortsgruppe und der Ostrauer Gruppe so 'wie der slovak. Verbande unterstatzt und wurden auch von ihnen unterstUtzt, so daB wir im gegenseitigen Einvernehmen gehandeit haben. Ich mochte von dieser Stelle allen Organisationen meinen Dans und den Dank des Nationalrates aussprechen. Ich måchte bei dieser Oelegenheit auch denjenigen Sekretåren den Dank aussprechen, die mit uns unermUdlich gearbeitet haben, vor allem uriserem Waldstein, den wir in dte Slovakei schicken muBten, um die dortigen Angelegenheiten zu besorgen. Dr. Goldsteiji, d*r sich um die Wahl besondere Verdienste erworben hat und nicht zuletzt Dr. Katzenelsohn. Ich inåchte auch unseren Mitarbeiter Dr. Bergmann erwåhnen, der bereits mit seiner Familie in Palåstina ist; ich måchte auch erwåhnen das unermUdliche Mitglied unseres BBros, das Fri. Trude Lowy. Es wåre Undankbarkeit, wenn Ich hier nicht eines Nichtjudmi denken wOrde, der mir in meinen Be- .‘bungen nicht nur mit Wort sondern auch mit T t unterstUtzt hat und der unsere Wiinsche verstanden und sie mit Sympathie entgeg^ngenommen hat und daB war der Pråsident dieser Republik. Jetzt måchte ich aber unsere Kriegsgefangenen- Aktion sprechen: Die Tåtigkeit fUr die Kriegsgefangenen t-Mlt sich in zwei Gebiete: 1. in die Tåtigkeit får die Qefangenen in Ostsibirien. Auf diesem Gebiete sind unsere monatelang^n unermUdlichen BemOhungen endlich von Erfolg gekrånt worden, indem das Joint Distribution Comitee of America mit 7 anderen groflen amerikanischen Hilfsorganisationen ein Abkommen getroffen hat, nach welchem das nåtige Geld von diesen Organisationen aufgebracht und die Heimbefårderung der Qefangenen unter Aufsicht einer hus Ver tretern aller dies*r Orga:isationen bestehenden Kommission vorgenommen werden soli. Die amerikanische Reglerung hat zu diesem Zwecke 5 groBe Transportschiffe zur Verfagung gestellt, die bere. s Anfang Juli mit dem Transporte beginnen v rden. Im Oktober v. J. wandte sich der J. N. an 1 alle in Betra.cht kommenden ittdischen Kårpersc uaften mit einem ausfUhrlichen Berichte Uber die entsetzliche Lage der Kriegsgefangenen und mit der

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