Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1920-06-24 · Heft 26 (24.6.1920) · page 2

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 26 (24.6.1920)
Date
1920-06-24
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
84% known words query
IRI
…/2621806-2622069-2622094--4397-2625702
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

Vf ~ Mil WJttVi'i.'..; *-JTTT JMCIK fOUWTOMtt.- Hf. 26. Das gegenwårtig In Verwaltung des Drager Komitees stehende Lager zfihlt heute nur næh 100 Insassen, darunter 64 Palæstinenser, welche in der n&chsten Zeit heimkehren. Die Qesamtzahl der in Bohmen, Måhreti und Schlesien belmaUchen jiid; sdien Flåchtlinge betrågt ca. 900. Alle Bemiihungen der letzten Monate waren •darauf gerichtet, diesen zumeist in Berufen stehenden Personen das Verbleibett im Cechoslovakischen Staate dadurch zu ermdglichen, dal) sie als Auslånder anerkannt werden und die låstige Flåcht- Iingsbestimmungen endgiltig fallen. Naeh vielen Vethandlungen ist es der Leitung der Hilfsstelle gelungen, flir diese Losung alle Faktoren zu interessieren. Schon in den nachsten Wochen soli ein Ministerrat dié entscheidenden Beschlfisse fassen. Die Hilfstelle fiir Kriegsflfichtlinge wird damit ihre Tåtigkeit abschlieflen und die weitére Vertretung der Interessen auslåndischer Juden dem Rechtsschutzbflro des Jiidischen Nationalrates åberantworten. Das Ministerium ist får diese Angelegenheit bereits wie gewonnen. Wir haben interveniert und der Minister flir Auslandsangetegenheiten hat erklårt, in FIfichtIingsangelegenheiten usw. keine Schwierigkeiten zu machen. Wenn ich davon spreche, so muB ich sagen, daB die Leitung dieser Angelegenheit eine Person inne hatte, der wir sehr zu Dank verpflichtet sind. Es ist Prof. Dr. E n g e 1. Ich mochte mich nun dem positiven Teil unserer Arbeit zuwenden. Es hat sich darum gehandelt, den Schutz der Minoritåten zu erreichen. Darum kåmpften nicht nur wir, sondern auch andere Minoritåten, aber mit dem Unterschied, dafl diese Minoritåten als Nichtangehdrige des Staates keinen Zutritt zu den maBgebenden Stellen hatten. In Paris ist die „Delegation de Juifs“, welche ftir die Interessen der Judenschaft sorgen und bei der Friedenskonferenz mitwirken soli. Der Jådische Nationalrat ist ein Teil dieser Delegation, wodurch es ermoglicht war, eine direkte Verbindung herzustellen und unsere Wånsche geltend zumachen; diese Delegation hat sich groBe Verdienste erworben, denn sie arbeitete auch fiir andere, als fådische Minoritåten; beim Studium der Akten, kann ich mit Befriedigung konstatieren, daB sie sogar ganze Såtze aus dem Memorandum, das der „J. N. R.“ tiberreicht hat, in den Vortrfigen sich befinden,' welche von der Entente unterschrieben wurden. Ipi Februar 1919 erhielten wir eine Eeiladung zur Delegation nach Paris und es war Material genug da, um die itld. Delegation unsere amerikanischen und englischen Freunde tiber die Lage in der Slovakei zu unterrichten. Erst spåter als der Vertrag mit der C.-Sl.-Rep. ausgefertigt wurde, wurden wir aufgefordert nach Paris /ur Unterschrift zu reisen und haben dort Verhandlungen geftihrt. Ich muB hier sagen, daB wir FEUILLETON. Der Haupttreffer des Schæchters Von Albert LOw, Kurgast in TrenCin-Teplitz. Der OppafluB bildet die Qrenze zwischen Schlesisch-Branitz und PreuBisch-Branitz,. Am rechten Ufer des FluBlaufes befindet sich PreuBisch-Branitz und am linken Ufer des FluBlaufes Schlesisch-Branitz, welches ietzt der Cechoslovakei angegliedert ist. Diese zwei Orte sind durch eine Brticke liber die Oppa mit einander verbunden. Unweit Schlesich-Branitz liegt der réiche Industrieort Jågerndorf, wo sich viele Tuchfabriken und andere industrielle Gewerke befinden, und zwischen Schlesisch-Branitz und den Orten Jågerndorf, Troppau, Freudental, war seit iéher eine rege VerkehrsstraBe. so wie alle Verbindungen in dem Sudetengebiete in friiheren Jahren lebhaft zu nennen waren. In Schlesisch-Branitz lebte ein jUdisches Ehapaar Altmann, es waren brave, rechtschaffene und fleiBige Leute, welche einen Qewiirzladen und eine Niederlage mit Schankrecht einer grfifieren schlesischen Brauerei hatten. AuBerdem befaBte sich Altmann mit Gersteneinkauf ftir die Brauerei, in Jågerndorf, Troppau und in den ackerbautreibenden Ortschaften. In Schlesisch-Branitz hatte eine alte Gutsherrschaft SchloB, Park und.eine groBe Splritus-Brennerei. Die Herrschaftsbeamten; der Oberaratmann, Juunser Hauptårgument darauf gerichtet haben, eine Grundlage får die Rechte der Judenschaft in diesen Staate zu eriangen, ein Basis får diese Rechte, welche den einzelnen Minoritåten gewåhrt werden soliten; Anerkennung der Judenschaft als nationalethnische Minoritåt in diesem Staat von einer festen Grundlage, wo nicht nur in Prag auf diese im ais ethiiische Minoritåt ausstellende Rechte sondern auf allen Gebieten so zwar soz. Fflrsorge, Schule, Religionen-Einrichtung. Diesen Kampf, diese Bestrebung, die Anerkennung der judischen Nation durchzusetzen, so lautete auch der BeschluB, vor unserer Abreise nach Paris uud wir erfuhren dort von der Delegation, die vollzåhlig beschickt war, daB bereits der Vertrag mit den polnischen Staate unterschrieben ist, und die Delegation legte Wert darauf, daB auch in den Vertrag mit den ai.derem Staate diese Bestimmungen aufgenommen werden. Dadurch war allerdings die Marschroute von Prag etwas geåndert, wir haben uns dem Postulat der gesamten Komites angepaBt, und haben es åbernommen mit der C.-sl. Delegation in diesem Sinne zu verhandeln. Ich håbe wohl im engeren Kreise Jaruber gesprochen, muB es aber noch einmal erwåhnen, weil ich noch verschiedenes hinzuzufligen håbe, ich muB auf die Bestimmunkungen, welche im polnischen Vertrage sind verweisen, damit Klarheit herrsche. Diese Bestimmungen sind Ausfåhrungen, •der bereits in den allgemeirten Bestimmungen enthaltenen VorsichtsmaBregeln, sozusagen enthålt. Dieser Vertrag ist der Schutz der Minoritåten auf religiosem, ethischem, sprachlichem Gebiete, das neiBt, es ist dér Minoritåt das Recht in § 9 gegeben, daB na- .ionale, cthnische, sprachliche und religiose Minderheiten das Recht haben, SchuTén zu grUnden, und der Staat verpflichtet ist fur diese Schulen Geld herzugeben und zwar aus dem offéntlichen Budget, Staats- oder Gemeindebudget. Nicht nur fur Schulen wie es heifit, sondern får soziale und religiose Einrichtungen. Dieser ’ Grundsatz gilt auch får uns. - Aber im polnischen Vertrag heiBt es unter Bezugnahme auf § 9, dafl die Gelder, welche får jådische Einrichtungen der Schule auszugeben sind,, das besondere Schulausschusse von den Gemeinden gewåhlt werden, die die Schule zu verv/alten und zu leiten haben und die das Geld auch verwenden. Dann beteht noch eine zweite Bestimmung, ein besonderer Paragraph, welcher ausfåhrt, die Bestimmung åber die Anerkennpng dec-, religiosen Bediirfnisse der BevSlkerung, wo es heiBt, daB die Sabbatweihe1 nicht s stort werden darf, durch politische und sonstige F.reignisse. Nun haben wir aber schon auch in Paris erfahren, dal! alle Staaten sich dagegen stråuW uberhaupt einen Minoritåtenvertrag. zu unterschreiben. Insbesondere, daB sich diejenigen Staaten dagegen stråuben, die bereits bestanden haben und nun vergroBert wurden, weil sie es als Einmiscliung in die Souvernitåt der bestehenden Staaten bezeichnestitSr, Kontrollor besuchten tåglich ein Ståndchen das Haus Altmann, um in der gemåtlichen Bierstube das schåumende Bier oder einen perlenden Wein zu schlårfen. In der Nåhe Schlesisch-Branitz befindet sich das in landwirtschaftlichen Kreisen bekannte Dorf Drschkowitz mit seinen groflen Gypsgruben. *Daselbst lebte ein schlichter JUdischer Qreisler, namens Adler, welcher auch der Schåchter får die in den umliegenden Orten zerstreut wohnenden Juden war. Die in den Sudetendorfern und Markten wohnenden Juden waren meist aus den in der Nåhe gelegenen Judengemeinde Aussee, Hotzenplotz, Leipnik, WeiBkirchen, zumeist Schankwirte, Kaufleute, Flachshåndler, und zu den hohen Festtagen suchten sie gewdhnlich ihre Heimats-Gemeinde auf. Der Sommer ging zu Ende, der Herbst zog ins Land und mit demselben waren die Roschhaschonu- Tage in Sicht, es råckte der Jomkippur heran, zu dem der Schåchter Adler mehr Geflågel wie sonst zu schlachten hatte, hie und da auch bei einem Metzger ein Kalb hatte und so war auch im Hause Altmann, welcher eine grdfiere Zahl Kinder hatte, mehr Geflågel wie sonst zu schlachten. Adler weilte einige Stunden daselbst, da kam von Breslau ein Hauptagent der PreuBischen Staatsletterie und offerierte dem Altmann einige pr^uBische Lose zum Kauf. Diese Sorte Staatslotterielose durfte auf Bsterreichischem Gebiete nicht erworben werden, der Kåufer wurde mit Arrest und Beschlagnahme der Effekten bestraft. Altmann war gewinnsåchtlg; verlockend waren die Vorteile des Oewinstes und Kraft der besondeten, wåhrer.d dio Staaten, die ersi durch den Friedensvertrag gegrundet wurden, ihn anneT,men muflten, nachdem er ein Teil der Er r ich tung dieses ganzen Staates war. — Dennoch stråuben sich die Staaten gegen den Minoritåtenschutzvertrag, unc wir haben auch vom Minister des Aeufieren, BeneS, erfahren, daB eine ganze Opposition dagegen besteht, und daB insbesondere die Bestimmungen oer die Juden in diesen Vertrag nicht aufgenommen werden wiirden, weil die Staaten dies als eine spezielle potnische Sache ansehen, weil sie-es als diffamierend betrachten und es får sie selbstverståndlich sei, daB sie die im Vertrag bestehenden cthnischen, sprachlichen und religiosen Minderheiten, dafl sie sie auch erfiillen wird, und daB es undenkbar ware, daB die, Sabbatlnveihe ifgendwie durch die Bchorden gestort wårde. In diesen Punkten waren diese ,Vertret?r der Staaten unnachgiebig sowohl der Cechoslovakei als Rumåniens und Jugoslaviens. Ich ho>e zwar die Delegationen darauf aufmerksam gemacht, daB wir wahrscheinlich diese Bestimmungen nicht dttrchbringen wurden, daB wir auf dieser Orundlage bestehen måBten, die wir angenommen haben. Es nmB Einiskeit gewahrt werden, die Bestimmungen miissen einlieitlich sein in allen Staaten, weil sie dann als Strafbestiminungen aufgefafit werden, wetin sie Polen håtte und die åbrigen Staaten nicht und waren diese Bestimmungen auch mit schlechten Folgeri fiir die Judenschaft Polens begleitet., Wir dårfen uns nicht auf Versprechungen einlassen und Sokolov hat auch bei maBgebenden Faktoren der Friedensdelegation interveniert und ein gunstiges Resultat war schw.er zu erzielen. Ich mochte bemerken, daB uns damals insbesondere die 'rumånischen Delegierten aufmerksam machten, daB sie zum K6nig befohlen wurden, der ihnen erklåren soilte, daB die Rechte der Juden gewahrt werden, sowie die der åbrigen Minoritåten und dafl sie mit Råcksicht auf diese feierliche Erklårung verzichten Soliten, auf diese beschåmenden Bestimmungen im Friedensvertrag. Qegen diese Bestimmung wurde eine Aktion eingeleitet. Es ist eine Judenliste geschaffen worden, und es ist nicht zum Resultat gekommen. Nachdem die Sache so undurchfåhrbar war, njufiten wir ups auf Verhandlungen einlassen. Clemenceau hat bereits iri seinetn Briefe darauf aufmerksam gemacht, daB diese Bestimmung in den polnischen Vertrag aufgenommen werden måsse. Wir ersehen aus dem Briefe an Paderowski. Die anderen Delegierten ståtzten sich auf die bekannten Verhåltnisse in Polen. Dr. BeneS hat uns versprochen, daB er weiter verhandeln werde. Er billigt unseren Standpunkt. Ich will Sie nicht weiter aufhalten. Wir haben einen Brief von Dr. BeneS erhalten. Wir haben weiter verhandelt und das Resultat war, daB die Bestimmung aufgenommen wurde, daB die Juden nicht geren Beredsamkeit des Agenten gelang es demselben, dem Altmann ein ganzes Los zu verkaufen. Altmann animierte den anwesenden Schåchter Adler, dieses ganze Los ztf teilen; Adler als unbemittelt konnte sich zu solehen Auslagen zwar nicht entschlieBen, doch machte Altmann es ihm hiedurch måglich, indem er dem Adler bewilligte, dieses halbe Los ihm in monatlichen Raten zu bezahlen.’ Die iådischen Festtage und auch der Herbst gingen voråber, es wurde Winter; da kam an das Haus Altmann ein rekommandiertes Schreiben von der Hauptagentschaft in Breslau. Altmann war in Jågerndorf, seinen Gersteeinkauf besorgen, Frau A’tmann, im Lesen etwas kurzsichtig, åberreichte das angelangte Schreiben vertrauensvoll dem Oberamtmanne, welcher zufållig diesesmal allein bei einem Fråhschoppen saB, wåhrend Frau Altmann noch einige Kunden im Gewårzladen zu bedienen hatte. Mit besonderer Spannung las der Oberamt den åherreichten Brief und, åberrascht von dem Inhalte, rief er Frau Altmann zu; „Kommen Sie herein, Frau Altmann, ich beglåckwtinsché Sie. Ihr Mann hat den groBen Haupttreffer in der PreuBischen Staatslotterie gemacht.** Frau Altmann fiel in freudige Ohnmacht, mufite gelabt werden, und als sie sich wieder erholt hatte sagte sie „wie glticklich wird der arme Adler ietzt werden.** Sofort schrieb der Oberamtmann nach Drschkowitz ein Briefchen, diesen Qlåckfall dem Adler mitteilend. Adler war in dem uahen Orte Lobenstein, ein Kalb schlachten, dahin elite der Briefbote und erreichte den Schåchter am Ende des Dorfes, wo sich ein kleiner Telch befindet. Adler lus m

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.