Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1920-06-17 · Heft 25 (17.6.1920) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 25 (17.6.1920)
Date
1920-06-17
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
82% known words query
IRI
…/2621806-2622069-2622093--4391-2625695
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

jOBncn fotcssniMc.* Nr. 25. der Umstand, daø Herr Jedlin, der der Sache ein gan2es Jahr geopfert hatte, nicht Unger In der Schweiz bleiben konnte, ffihrte dazn, dafi sein Plan noch nicht welter gedlehen Ist. — Im Juli 1919 vcrhandelte FUrsprecher Dr. Qestschel auf Veranlassutig der in Paris gebildeten Qesellschaft „Le Magen David R e u g e“ mit dem Internationalen Komitee des Roten Kreuzes in Oenf, um die Anerkennung zu erwirken. Es ergab sich icdoch, dali diese Verhandlungen erst wieder aufgenommen werden, Jcdnnen, wenn elne pajfistinensische Staatsregierting in der Lage sein wird, der O e nf e r Konvention beizutreten. — Im Fruhsommer des vorigen Jahres trat die „Ligue des Nationalités opprimése par du Turquie*' an den Schweizerisclien Zionistenverband mit dem Ersuchen heran, daB anch die Zionisten als Vertreter des jildischen Volkcs an einem Meeting von Arabern, Armeniern und Griechen in Genf unter Teilnahme von Genfer Politikern auftreten sollten. An dem unter dem Ehrenvorsitz des Genfer Stadtpråsidenten Fazy am 15. Juli abgehaltenen Meeting entledigte sich Gg. Zewi A b er son so taktvoll seiner Aufgabe, daB er als einziger der nichtschweizerischen Redner mit den Ausfiihnmgen, daB die tilrkischen Regierungen den Juden als sclchen stets wohlwollend gesinnt waren, nur den Anspriichen der Juden als Volk kein Verståmlni entgegenbrachten, den Beifall der ganzen, auch vor vlelen Tiirken besuchten Versammlung. — Der Kampf gegen den Antiscmitiainus wird,, nngesichtr der Schåchtfrage, der Ziiricher Schuifrage und der gelegentlich der Vdlkerbundsdebatte zu Tage getretenen antisemitischen Stromung in Oemeinschaft mit dem anderen jfldischen Organisationen in der Schweiz energisch augenommen werden. — Der BeschluB von San Remo wurde in der ganzen Schweiz innerhalb und auBerhalb der Synagogen gefeiert. „Die propagandastischen Arbeiten waren vielfach durch die Verzogerung in der Frage der Erteilung des Mandates ungiinstig beeinflufit.". DaB der Schweizerischen Zionistenverband eine Reform an Haupt und Gliedern erfahren miisse, um nicht bei der Durchiiihruiig des historisehen Werkes zu fehlen, war der SchluB des keineswegs beifallig aufgenommenen Referenten. Auch der Bericht des Vorsitzenden fur. den Jildischen Nationalfonds in der Schweiz, des Herrn Jacques Marx lautete nicht gilnstig und legte dar, daB neue Arbeitsmethoden gesucht werden miissen. Die der Schweiz auferlegte Summe von 100.000 Fr. fiir das laufende Jahr konne bei entsprechenden Beteiligung der N.-F.-Kommissionen aufgebracht werden. — Wie bei allen Delegiertentagen war'die Diskussion iiber die Seingeldfrage åuBerst lebhaft. Dem objektiven Zuhorer muBte klar v/erden, daB die Leitung fiir den Stillstand nur halb verantwortlich geinacht werden kdnne, da auch die meisten Vereine versagt hatten. Infolgedessen unterlag auch die Opposition unter Fiihrung des aus dem Zentralkoinitee freiwillig ausgeschiedenen FUrsprechers Dr. Costansel. Der Vorort wurde wieder unter dem Vorsitz von Dr. B r u n s c h w i g mit den Gesinnungsgenossen Dr. A r n s t e i n, GroBrat Doktor Wormser, Adolf H a c k und Jr.cqucs Marx nach Basel verlegt. Zur Jahreskonferenz wurde Herr Telephonchef Moritz Levy aus Liestal mit dem Verbandspriisidenten entsandt. Nach einem Referate des Sekretårs des Haager Biiros, Herrn Adolf P o 11 a k, iiber die zukiinftigr Arbeit fiir den Jiidischen Nationalfonds, fiir den die Schweiz aus valutarischen Grunden ein nicht zu unterschåtzendes Land sei, wurde der Dclegiertentag geschlossen. Die Abendstunden vereii.odie St.-Galler Judenschaft bei einem Ball. Rundschau. - Die Auszelchnung elnes jiidischen OUiziers. Das J. C. B. London meldet: Kapitån Alexander Aronson wurde vom Konig mit dem Verdienstot den ausgezeichnet. Die Entsendung elnes zioalstischeu Delegier ten in besonderer Mission nach Palåstina. Das J. C. B. London meldet: Der Sekretår desj zionistischen ZentralbUros in London, Landmann, begibt sicii nach Jerusalem in besonderer Mission. Er wird etwa 5—6 Wochen im Lande verbleiben. | Die Grenzen Palåstlnas, Das J. C. B. London meldet: „Palåstina", das Organ des Britischen Palåstina-Komitees, besehåftigt sich in einem Artikel mit den Zustånden an der Grert2e Paiåstinas und zieht daraus den SchluB, daB dieses Gebiet vom ersten Moment an nur mit einem ci stklassigen Menschenmaterial, das sowohl unter der Palåstinawie auch unter der Diaspora-Judenschaft in Hiille zu finden ist, kolonisiert werden inuB. Dies wiirde einerseits die militårischen Lasten Englands stark vermindern, andererseits kann es keinen Zweife‘1 geben, daB diese Leute bereit sein werden, die Aufgabe der Selbstverteidigung zu iibemehmert. Einwanderung nach Amerika auf proporiionelier Basts, Washington. J. G. B. — Der nationale AusscliuB fiir konstruktive Einwanderungsgesetzgebung hat im Repråsentantenhaus ein Gesetzprojekt betreffend die Immigration, eingebracht. Danach soli die Kontrolle der zukiinftigen Einwanderung einem Ausschusse iibertragen werden, der aus den Staatssekretåren fiir Arbeit, Handel, Inneren und Agrikultur und einem speziellen, vom Pråsidenten ernannteu Vertreter, bestehen soli. Die Zahl der zugelassenen Einwanderer soli im Verliåltnis zur Gesamtzahl der im letzten Jahre in Amerika naturailsierten Bilrger aller Staaten bestimmt werden. Es sollen bloB 10 Prozent dieser Gesamtzahl zugelassen werden. GroRer Erfolg des Wlederaufbau-Fonds in Palåstina. Jerusalem. J. C. B. — Palåstina hat fiir den 25 Millionen Pfund Sterling-Fonds 120.000 Pf. gesammelt. Jabotinsky und seine Kammeraden haben 150 und die jiidische Legion 1000 Pf. St. gespendet. Das iiidische Volk nuifi sich selbst hclfcii. London. J. C. B. — „Sundai Sun“ bespriclit in einem Artikel die nåchsten Aufgaben des Zionismus in Palåstina und sagt, die meisten Englander wiirden sich freuen, wenn sie sehen werden, daB die Juden gliicklich und triumphierend in das heilige Land zuriickkehrén. Es sind aber unzåhlige Millionen erfcrderlich, -wenn das Land entsprechend aufgebaut werden soli. Wiirde es nun schon sein, wenn der jiidische Staat mit dem Gelde der englischen Steuerzahler aufgebaut werden soli? Wenn die Juden den Mut besitzen den Wiederanfbau ihres Herkunftslandes aufzunehmen, sollen sie nur auf diesein Wege fortschreiten, gestiitzt auf sich selbst und ohne Hilfe von AuBen. — Das wird sicherlich auch der Fail sein. — Die eugllsche Untersuchungskoinmission beståtigt die ungarischen Greueltaten. London. J. C. B. Die englische Untersticha gskommission unter Fiihrung des Obersten Wedgvveo. hat einen Bericht iiber die Ergebnisse ihrer Untersuchung in Ungarn veroffentlicht, wonach das jetzige Regime summarisch folgendermaBen gelcennzeichnet wird: Politische Verfolgung von allen, die Hortyregierung nicht unterstiitzt. Unterdriickun Jer Arbeiterorganisationen und Streikverbot. Antisemitismus, Massakers, Todesurteile und ungerechte Verhaftungen. Marterung der Håftlinge und deren Zuriickhaltung im Kerker durch lange Zeit ohne Verhor. Der Bericht fiihrt eine ganze Reihe von Einzelfållen zur Illustrierung des jetzigen Ungarns au und gibt zu, daB der groBte Teil der Opfer des Horthy-Regimes Juden sind. Die kritische Lage im Orient. J. C. B. Mit R.iicksicht auf die jetzige Lage in Gallipoli, Syrien, Palåstina und Mesopotamien konrien die Behorden den Verwandten, der aui diesen Kriegsschauplåtzen Gefallenen keine Erleichterungen fQr Reisen, zwecks Brauch ihrer Ruheståtteu gr wåhren. Neue Judenexzesse In Wiina. S London. J. C. B. meldet aus Wiina: Den 27. und 28. Mai fanden in Wiina schwere Ausschreitungen gegen die Juden statt. Einige mit der Bahn angr kommenen militårischen' Abfeilungen haben sich in die Stadt begeben, wo sie die Juden blutig schlugen und ’ihnen dje Bårte nach der bekannten Methode abschnitten. Dann wurden auch die jiidischen Geschåftslåden griindlich ausgepUindert. Das Rabbinat hat beim Kommando der 7. Armee interveniert, \ starke Patrouillen zur AufrechterhaltuHg der Ord-" Selte 5. nung auszuschicken versprach. Auch die jiidischen Gemeinderåte haben im Stadtrate eine dringende Interpellation eingebracht. Die Ausschreitungen hielten zwei Tage lang an. Riicktriti des Marschalls Allenby. Lo’ndon, 8. Juni. J. C. B. meldet: Den Londoner Biåttern zufolge beståtigen sich die seit einigen Tagen umlaufenden Geriichte iiber den Rticktritt Marschalls Allenbys ' von seinem Posten in Aegypten und Palåstina. Auch in Aegypten soli eine Zivilverwaltung, unter der Leitung des jetzigen Gouverneurs von Bombay, Sir George Lloyd eingefilhrt werden, welcher mit der Durchfilhrung von besoncleren Reformen betraut werden wiirde. Sperrting eliter jiidischen Schnle In Lemberg wegen Nlchtfeierung des 3. Mai. London. J. C. B. meldet aus Lemberg: Der hiesige Schulinspcktor liat die SchlieBung des Kinderfieimes der „Poale Zion" angeordnet. Als Grund hiezu wird atigcgeben, daB die Schule nicht im polnisch-nationalpatriotischen Geiste gefiihrt sei. Gleichzeitig hat der Schulinspektor dem staatlichen Kindcrfiirsorgckomitee die Zuweisting von Lebenstnitteln an die Kinder dieser Institution verboten. Protest der Inder gegen den tiirkischen Friedensvertrag. J. C. B. Reuter meldet: Die seit 1. Juni tagende hat nach langen Berattungen beschlossen als Protest gegen die Bestimmungen des tiirkischen Friedensvertrages mit der indischen Regierung nicht zusammenzuarbeiten. Dieser BeschluB wurde dem Vizekdnig zur Kenntniss gebracht. Erste Ausstellung der Vereinigung jiid. Forscher, Schriftsteller und Kiinstler „Haruach“, Ziirich. 2. bis i5 Mai 1920, Sonnenquai 20. — Der Vereinigung vHariiach" in Wien folgte die Griindung einer gleichnarnigen Vereinigung jud. Forscher, Schriftsteller u. Kiinstler in Ziirich im Mårz 1919. Nun hat es diese junge Vereinigung in Ziirich bereits so weit gebrachi, daB sie die Oeffentlichkeit mit einer Ausstellung jiidischer Kiinstler iiberraschen kann. Wir finden in der Ausstellung bekannte Namen, unter denen natiirlich Henryk Glicenstein den ersten Rang einnitnmt. Es sind weiters• vertreten: Abramowitsch, S i lb erst ein, Schwarzkopf, S p o I i a n s k i und andere. Wir begrUBen die aufstrebendc Vereinigung und hoffen, daB vielleicht auclr t'iir unsere Republik einen „Haruach" geschaffen wird. Denn Ruach wåre sehr notwendlg. Korrøspondenzen. Prag. Makkabåa (ostjUdische Gruppe). Vortrag E. Konig. Am 25. Mai (abends) eroffnete Publizist Konig als Vorsitzender unserer Verbindung die Kulturarbeit des Sommersemesters mit dem Vortrag „Nationale Motive in der jiidischen Poesie“. dige Ausfiihrungen fesselten mit feinem kritischen Sinn die an diesem Thema lebhaft interessierte jiid. Studentenschaft. Redner definierte eingangs den Begriff' modemer literarhistorischer Auffåssung. Nichts rnehr im langweilig-chronologischen Zifferndurcheinander soli heute Literaturgeschichte betrieben weraen, eher muB das Kulturelle und Sozial-okonomische besondere Wertung finden. Eine kulturelle Stromung sei auch der jiidische Nationalismus der nach dem religiosen Moment den wichtigsten Faktor im jiidischen Geistesleben ausmacht. In diesem Sinne beleuchtete Kbnig nationale Motive in der jiidischen foesie. Er begann von der Tiefe unseres Volksliedes, an dem noch Spuren religiosen Messiasglaubens kleben, streifte sodann die Volksdichter Eljakum Zunser, Abraham Goldfaden und besprach etwas weitlåufiger' den subjektiven Nationalismus Simon Frugs. Durch das Lyrisch-nationale Rosenfeld und Problemenhafte Jehojoschs gelangte die packende Vortragsart KdnigS* zu jiddischschreibenden, hebråisfchen Dichtern, wobei Redner die Sprachenfrage einer reln versohnlicheu hfiheren Losung iiberlåBt. Dem balladenhaften „Hagadah“-måBigen David Frischmann folgte eine begeisterte Wiirdigung der Bialikschen Prophetie die im „Letzten Wort" ihren Gipfel e> reicht. Im Zorn und Fluch Bialiks, meinte Kiinig, ruhe als Grundkern die Liebe, eine Erscheinung die un serer biblisch-ethischen Auffåssung entspringt. Zu SchluB besprach Publizist Konig Martyrer. Motive in der jiddischen Poesie, wobei der grausame Tod

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.