Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 25 (17.6.1920)
- Date
- 1920-06-17
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 4 Nr. 25, scher Sprache die anwesenden begrUBte und aui die Bedeutung der San-Remoer Beschlilsse hinwies. Ab* wechselnd sprachen dann die Redner in deutseher und Cechischer Sprache, Dr. Goldschmied hebråiseii. Biirgermeister Vanék (£. S.-D.) begrtiBte die Judenschaft, zog eine Paraliele zwischen dem Cechischen und JUdischen Volke. Bemerkte, daB das eechis^.e Volk in seiner 300jåhrigen Bedriickung gelernt habc, mitzuflihlen, welche Leiden, welche Opfer und Plagen das jiidischc Volk in seiner neunzehnhundertjåhrigen Unterdrfickung mitzumachen gehabt håbe. Viele Menschen w&ren dem Cechischen Volke duroh Entnationalisierung, durch Assimilation.an die umgebenden Volker verloren gegangen und er wisse, daB dies auch beim jiidischen Volke der Fali gewesen wåre. Es sei aber ein gewaltiges Zeichen geisriger und moralischer Starke des jiidischen Volkes, daB cs seine Literatur, seiti Wissen, seine Gewohn-, heitcn und Rechte trotz Bedriickung und Unterdriickung gewahrt liabe. 1 Nun sei fur das jiidische Volk eine neue Epoche angekommen, nun håtte es seine nationale Heirnstatte erlangt, und Redner hoffe, daB wir alle, dis wir auf der Schwelle einer neuen Zeit stehen, in der es nicht. mehr Unterdriicker und Unterdriickte geben werde, und vereinigen werden zu einer Welt von arbeitenden Menschen, die durch die neue Zeit auch neue Menschen werden wiirden. Im Namen der israelitischen Kultusgemeinde iibcrbrachte Dr. M. Brunner GriiBe. Es sprachen insgesamt: Dr. Singer, Prag, Dr. Brod, Dr. Feldmann, Dr. Fischer, TrenSin, Dr. Ferbstein, Dr. Hermann, Dr. Goldstein und ztim Schlusse begriiBte noch Rabbiner Dr. Levy, Brunn, die anwesenden Delegierten und Gaste. Wir hoffen, daB unsere Gåste einen nachhaltigen Eindruck von dieser wiirdevollen Feier mitgenomrnen haben. Die Finanzierunq der Pafåstinaimmigration. Von Hilel Zlatopol^ki. Die Frage des 25 Millionen Pfundfondes ist fiir die Immigration von besonderer Wichtigkeit. Es muB ein Institut geschaffen werden, das bereit ist den im eigenen Blute gebadeten und ertrinkenden Juden abzuhelfen. Wann wird die groBe Immigration in Palåstina beginnen? Darauf gibt es zwei Antworten: Sehr bald wird die Zivilverwaltung in Palåstina errichtet werden und dann werden wir gleich mit der Immi^ gration anfangen, zuerst in beschrånkter und dann in immer groBerer und wachsender Zahl. Die Immigration erfordert Vorbereitnngen. Dip Immigranten miissen es wissen, daB von ihnen Arbeit und selbståndige Existenz gefordert wird und daB wir es keinesfalls zulassen werden, daB sich in irgendeiner Weise eine neue Art von Chalukahorganisation einrichte. F»nrum miissen wir uns selbst wie auch das Volk sorgfåltig vorbereiten. Die Geldmittel, welche wir fiir alle die Vorbereitungen nfitig haben werden, diesem Fonde entnommen werden. .Schon der BeschluB einen 25 Millionen-Fond zu griinden bietet uns die MbgliehVo** an die ersten Vnrarbeiten fiir den Beginn der Immigration zu schreiten. Zur Zeit der Chmielnickischen Wirreti gab ieder Jude ein Viertel seines Vermogens her, um den . Heimatlosen zu helfen. Wir rechnen darauf, d’p auch jetzt die Welt mit Bewunderung sehen wird, welch lauten und herzlichen Widerhall unser Aufruf an das Volk finden wird. Die Immigration, an die wir Jetzt gehen, wird sich nicht hloB darauf beschrånken die Emigrierenden atis den Galutlåndern nach Palåstina heriiberzubringen. Wir werden uns vieltnehr bemiihen ihnen dazu zu verhelfen. im Lande ein eigenes Leben zu beginnen. Die Zer.streuiing hat uns nicht nur materiel! unterdriickt, sondern auch In einem gewissen MaB^ geistig gesehådigt. Wir haben die Tradition unserer Propheten und Tanniten verloren. Wir verstanden nicht mehr. dde die Erdarbeit den Menschen adelt, wie die Zugebundenheit zur eigenen Scholle uns und das ganze Volk erhebt. ' Wir haben die Natur zu lieben urid verstehen pi-forof,«,f Wir p-qri'J’ft Ervi^Inincr siif a1' strnkten Unterricht basieren, fast keine professionelle« Scbulen. Arbeitsschulen hatten wir auch in Palåstina nicht. Wir miissen die nationale Psycholo-1 nIOMSCIB fOUSSTOUtt,* gie wieder dazu bringen, „fiir der Hfinde MOhe" zu schwArmen, fiir Erdarbeit, fiir all die verschiedenen Losungen dér Arbeit, die uns in den friiheren Generationen zu begeistern pflegten und aus Hirten und G&rtnern Propheten machten und Handwerker zu Tanaiten werden lieBen. Wir werden darauf achten, daB schon die ersten, welche mit unserer Hilfe nach Palåstina kommen, vom neuen Leben und den neuen Existenzformen, an die sie sich anzupassen haben, ein richtiges Bild erhalten. Es wird unsere Pflicht sein fiir sie solche Lebens- und Arbeitsquellen zu schaffen, die sie nicht zur Versklavung fiihren. Sie werden nationale Arbeit bekommen, wo es keinen Herren und keine Knechte oder Diener geben wird. Die Klasse, welche den nationalen Boden in der einen oder der anderen Form in Bearbeitung nehmen wird, die wird gertihmt und geschiitzt werden, denn sie wird die Musterklasse flir kommende Geschlechter bilden. Und wir glauben an unser Volk! Es wird ' nicht einen geben, der sein Alter oder sonstige physische Schwåchen bedaeurn wird, die ihn daran hindern, sich in die Reihen jener Pioniere zu stelle" die die Luftbeschåftigungen wegwerfen, ihre Måklerschaften und Handelswucherei gegen ein gesundes frisches Feldleben, eine schone, saubere, nationale physische Arbeit eintauschen werden. Wir werden eine Propheten- und Tanaiten-Psychologie bekommen, aber auch neue Makkabåermuskelnl Eine riesige Propaganda fiir diese Idee miissen riclit allein die Zeire Zion von ihrem. Standpunkte fuhren, sondern auch leder schlechthin und die nationalen Månner der Oeffentlichkeit miissen allen Immigrierenden den Gedanken eintropfen, das Leben der nationalen Wiedergeburt zu machen. All die Juden, welche die Wichtigkeit der Frage der physischen und geistigen Wiedergeburt unseres Volkes ermessen, werden verstehen, daB nur auf nationalem Boden und nur in Palåstina, wo es noch keine rauchenden Schlote, kein Rauchen und Sausen der Versklavungsmaschinen gibt, eine Annåherung an die Natur moglich ist und Wiedererstrahlen im vollen nationalen Glanze, Solche Aufgaben hat der 25 Millionen-Fon^. Und die Juden miissen es verstehen. Die Anffortierung an das 1*4 Millionen-Volk, welches ein Mesiasideal, eine Bibel, die in allen Weltteilen eine solche Rolle spielt, muB eine ungeheuere Begeisterung, einen jrewaltigen Enthusiasmus hervorrufen; 2000 labre haben wir auf diesen Moment gewartet und letzt ist es nur eine Frage unseres richtigen Verståndnisses ,und unserer Opferwilligkeit. Es muss Jedermann klar sein, daB indem wir von jedem Juden e i n Zehntel reines Vermogens oder Einkommens verlangen, wir kein allzugroBes Opfer fordern! Soleher Unterschied ist den wirklich zwischen neun Zehnteln und zehn Zehnteln? Hat jemand viel Kapital, dann sind die neun Zehntel noch viel genug! Hat aber einer wenig, dann spielt das eine Zehntel, das er abgibt, doch wirklich keine groBe Rolle! Welch groBen Wert hingegen wird aber der bloBe Fakt haben, daB das ganze zerstreute Volk mit einemmale einheitlich und geschlossen beweisen wird, daB es ein groBes Kulturvolk, daB es fiir moralische und nationale Interessen Verståndnis hat und daB es im groBen Moment zu Opfern und groBen historischen Taten sich mobilisiert. Alle 14 Millionen Juden wie ein Mann! Wir sind gewiB, daB wir Erfolg haben werden, Palåstina selbst hat schon das Beispiel gegeben. Die Kolonie Rischon Lezion hat 7000 Pfund gegeben, Jaf fa 25.000 Pfund. Die* anderen Kolonien und Stådte 30.000 Pfund. Palåstina, welches keine groBen Kapitalisten und noch éine bedeutende Zahl von Chalukah-Juden hat, hat seinen Mann gestellt. Wird . schon dieser Fakt allein. nicht zur Nachahmung alle Juden in jenen Låndern anspornen, wo sie reich sind und gev/ohnt groBe Summen fiir weniger groBe Zwecke als der 25 Millionen-Fond, der so hohe nationale und moralische Aufgaben hat? Ueber die verschiedenen Details dieser Fonde und besonders fiber Form und Auffassung der Kolonisationsgesellschaft, welche die nationalen Einnahrnen und Ausgaben verwalten soli und der zionistischén Organisation unterstellt sein wird, wird die Jahreskonferenz entscheiden, ebenso fiber die jiidische Institution, die an der Administration Erez Israels sich zu beteiligen haben wird. (J. C. B.) Deleg iertentag der Schweizerischen Zionisten. Von unserem schweizerischen Korrespondenten. Am 6. Juni fand in St. Gallen der 23. Delegiertentag des Schweizerischen Zionistenverbandes statt. Die Tagung war von etwa 50 Delegierten als Vertretern von 29 Vereinen aus allen Teilen der Schweiz besucht. Verbandspråsident Dr. Br lins c h w i g aus Basel erOffnete die Beratungen mit dem Hinweis auf die GroBe der Aufgaben, die der Zionisten harrten. Wir milBten daher in Zukunft weitherziger sein, um auch die friiheren Gegner zur Mitarbeit heranziehen zu kbnnen. Nichtsdestoweniger werde die Verantwortung der alten Zionisten nicht geringer sein. Aber wir werden Mittel schaffen miissen, die aus unseren Reihen allein nicht aufztibringen seien. Nach SchluB seiner Rede yerlas er die von der Stadt und den beiden Kultusgemeinden St. Gallens wie von anderen Selten eingelaufenen BegriiBungen, die lebhaft akklamiert wurden. U. a. hatte auch die Exekutive in London ein Telegramm geschickt, -das lautete: „Wir senden dem Delegiertentag der Schweizerischen Zionisten unsere herzlichsten Grtisse. Arbeitet an der Realisierung der Beschlåsse San Remos. Herbert Samuel reist im Juni zur Uebernahme der Administration und zur Organisieruug der Zivilverwaltung nach Palåstina. Hiennit beginnt die neue Aufbauarbeit. Wir brauchen flir dfe nåchsten Monate groBe Mittel fiir den Restaurationsfonds, um die Palåstinaarbeit einzuleiten und durchzuflihren, und erbitten und erwarten Ihre volle Unterstfitzung, bis die Ergebnisse der vorbereiteten groBen Aktion sichtbar werden." Zum Tagespråsidenten wurde das Mitgiied des Zentralkomitees, Herr L. Burstein aus Ziirich, gewåhlt. Bei Uebernahme seines Amtes forderte er die Versammlung auf, sich zu Ehren der gefallenen Pioniere in Palåstina zu erheben und dem Legionsfiihrer J a b o t i n s k y die GriiBe der Schweizerischen Zionisten zu entbieten. Herr Dr. Julius' B o c k e r erstattete als Sekretår des Verbandes den Jahresbericht: „In das Berichtsjahr falle", so fiihrte er aus, „das bedeutendste Ereignis der jiidischen Geschichte seit der Zerstorung des Tempels. Es wird die Aufgabe des kommenden Jahres sein, die Einzelheiten des ungeheuren Arbeitsplanes festzulegen, dessen Durchfiihrung der zionistischen Organisation als dem Exekutivaus- I schuB des jiidischen Volkes obliegt. Die GroBe der neuen Situation wird auch den Schweizerischen Zionistenverband vor die Notwendigkeit stellen, ganz neue Arbeitsmetheden anzunehmen. AuBerdem wird ihn die zentrale Lage der Schweiz voraussichtlich auch in der jiidischen Wanderbewegung vor ganz neue Aufgaben stellen." Das von Herrn A. J e d 1 i n vor einem Jalire vorgeschlagene Projekt der Griindung einer jiidischen Lehrfarm bei Mendrisio im Toanitn blieb in seinen Anfången stecken. Der Initiator hat seinen Plan, daB die Kolonisten aus eigenen Mitteln angesiedelt werden, geåndert, die Hålfte solite durch Spenden, die andere Hålfte auf dem Kreditwege aufgebraebt werden. Zu diesem Behufe wurde ein Komitee von angesehenen Juden der Basler Gemeindé geriindet. Auch das fachmånnische Gutachfen des Pi of. Bernhard in Ziirich lautete gtinstig, aber vls-a-vls Bahnhof In BrOnn Btfrsnn-TraitS' Zwelganstalten: New-York« øarls« Bratls»ava, Qablonz a/N., Halda