Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 25 (17.6.1920)
- Date
- 1920-06-17
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 85% known words query
- IRI
…/2621806-2622069-2622093--4392-2625696- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Siste 6 fJOWSCU fOUCSpTUUtt,* Nf. 25, Rabl Akibas von Ljesiti und das Dramatischc ,A1 Kiddusch haschcm" von Warschawski rezitiert wti - den. Nach Wttrdigung palåstinensisch-bildhaiter Motive beim Lyriker S. J. Imber schioB Konig seiier? interessanten Vortrag unter langanhaltendem Applaus aller Anwesenden. Spectator. Istatf. Sonntag, den 6. Juni d. J., fand im Saale des Hotels „Iglauer Hof“ eine vom „Spolek ceskycli pokrokov^ch 2idft pro 2esko-mor. vysocimi v Jihlar vé" einberufene Sffentliche Versammlung statt. Auf Plakaten und Einladungen war zu lesen, daB Prof. Dr. A. Fuchs „Mitglied der Plebiszit-Kommission fur Tesclien'* fiber die Cechisch-jiidische Frage sprechen werde. Nachdem es uns Zionisten und Nationaljuden niemals gegliickt ist in unseren Versammlungen eine Anseinandersetzung mit unseren Oegnern zu erzielen, trotzdem wir diese immer namentlich, selbst mitteis rekommandierten Briefen eingeladen haben, begriifiten wir die sich ergebende Oelegcnheit an der gegnerischen Versammlung teilzunehmen und iibernahm Herr Dr. Angelo Qoldstein aus Prag flir uns das Wort. Der Saal war mittelmafiig besucht und konstatlerten wir, daB mindestens 75 Prozent der Teilnehmer an dieser Versammlung von Zionisten und Nationalluden gestellt wurden. Diesem Umstande Rechnung tragend, begann Herr Dr. Fuchs seine Rede mit einer Verteidigung der von ihm propagierten Idee, sicherlich håtte es anders gekhmgen, wenn wir nicht anwesend gewesen wåren. Herr Prof. Dr. Fuchs und Dr; Angelo Ooldstein, kemien einander iibrigens von ih rer Studienzeit her und desha Ib finden wir seine personliche Verteidigung vielleicht begreiflicher, denn nicht immer stand Dr. Fuchs in die* sem Lager. Mehr tlber den Inhalt seiner Rede zu sprechen halten wir ftlr ilberflilssig, umsomehr als Herr Dr. Fuchs immer nur s ti b e k t i v sprach, wåhrend Herr Dr. Qoldstein in temperamentvollér Rede der Versammlung nur die Wahrheit, den wertvollsten Inhalt unserer Bewegung, vor Augen fiihrte. Uebrigens ist Dr. Qoldstein 'zu wohlbekannt, als daB es nbtig wåre tiber seine gehaltvollen Auseinandersetisungen des Nåheren zu berichten. Im GroBen und Ganzen wåre die Versammlung Dank unserer strammen Disziplin wlirdig verlaufen, wenn der Vorsitzende, der Fflhrer der hiesigen Cechischen Juden Herr Dr. Feigl nicht, gelinde gesagt, eine parlamentarische Unvorsichtigkeit begangen lifttte, Nachdem bereits das SchluBwort gesprochen war fand es der Vorsitzende flir notwendig an dem Verhal ten unserer Anhånger Kritik zu iiben. Dadurch wurde begreiflicher Weise ein Sturm hervorgerfen. „Herr Dr. Feigl! Das tut man nicht! Es hat sich im Verlaufe der Debatte genilgend Zeit dazu geboten zu kritisieren. Sie konnten das Wort ergreifen und wir hatten Tkn2n erwledert. Nach SchluB der Debatten ist es nicht faire dem Gegner in den Riicken zu fallen und so zu vcrsuchen den letzten Eindruck flir sich zu behalten." Wenn einigen Qesinnungsgenossen infolge dessen die Qeduld riB, ist dies nicht zu venvundern. Ein Zwischenrufer von Cechisch-jttdischer Seite hatte die Qeschmacklosigkeit anf die Frage Dr. Goidsteins „co jest zidovstvl?" auzurufen: „neStDstiT, was ein heifalliges Kopfnicken des Vorsitzenden sowie lebha^en Beifall bel seinen Anhangern zur Folge hatte, Nun wenn solche Herren ihr Judentum als Last oder g?r als l/ngliick empfinden, datm mogen sie es ruhig nbstreifen, zumal sie ja ohnedies nichts mehr damit v>rbindet als die Mtrik und ihr AeuBeres. Innerlich haben sie es langst verloren. Wir aber sind stolz nuf unser Judentum, werden es immer sein und bei jcde" Gelegenheit verteidigen. Schalom! Troppau. Am 26. Mai 1920 fand die konstituierenden Sitzung des Ausschusses der israel. Kultusgemeinde in Troppau statt. Die Eroffnung erfolgte durch den Alterspråsidenten, Herrn Oberkontrollor Bernhard Schonfeld, der nach einer kurzen Ansprache, •i> welcher er zur Einigkeit mahnte, die Wahl des Kultusvorstehers durchfiihren lieB. Dieselbe ergab mit Stimmeneinhelligkeit die Wiederwahl des Herrn Gustav Finzi, welcher hierauf den Vorsitz Iibernahm und von Beifall wiederholt unterbrochen følgende Programmrede hielt: „Meine Herren! Indem ich Ihnen fiir das mir entgegengebrachte Vertrauen hestens danke, erklare ich, daB ich die auf mich gefallene Wahl zum Vorsteher der israelitischen Kultusgemeinde annehme. Ich werde bemiiht sein meine ganzen Kratte nach wie vor in den Dienst der Kultusgemeinde zu stellen, sowie des ganzen Judentums, welches jetzt vor Aufgaben steht, wie sie noch kein Volk der Erde zu verzeichnen hatte. Der hohe Rat der Weltmachte hat PalSstina uns Juden als nationale Heimstatte zugesprochen. Paiastiua soli nach 2000 Jahren des Goluth wieder Erez Jisrael werden. Die GroBe des Augenblickes darf keln kleines Geschlecht finden. Es handelt sich um die Entscheidung, um Leben oder Untergang des jiidischen Volkes. Wenn wir in unserer Gemeinde an die Arbeit gehen, werden wir unsere Blicke Stets nach Osten wenden, und bei unseren Eutscheidungen, die von weitgehender Bedeutung sind, die Wirkungen ermessen, die sich durch diese fiir das gesamte Judentum ergeben. Wir werden keine Kehillah-Politik betreiben, sondern unsere Beschliisse, soweit sie nicht lokalen Charakter tragen, auf die Entwicklimg des jiidischen Volkes in der ganzen Welt einstellen. Das Ohetto wollen wir endgiltig begraben, aucli hier wollen wir freie Manner sein, die Menschcnrechte fiir uns in Anspruch nehrnon. Wir erhoffen,' daB innerhalb der Zeit unserer Amtsfiihrung sich das neue jiidische Leben in Erez Jisrael schon befruchtend auf das jiidische Leben miserer Gemeinde erweisen wird. Wir erhoffen aber auch, daB alles, was fiir die Erhaltung und Entwicklung des Judentums in unserer Gemeinde tåtig sein will, unentwegt mit utis arbeiten wird, alle kleinlichen Parteigegensåtze beiseite .lassend. Wir werden uns bemiihen die neuen Safte des jiidischen Eanmes auch jenen Trieben zuzufiihren, die scheinbar verdorrt sind; wenn sie gånzlich vertrocknet sind, so wird uns ihr Absterben nur kraftigen. Von diesen Erwågungen ausgehend, miissen wir unser Hauptaugenmerk der Erziehung unserer jiidischen jugend zuwenden. Die platonischen Liebeserklårungen fiir die hebraische Sprache sind unniitz, was wir selbst infolge vorgeriickten Alters nicht mehr fiir uns erreichen kbnnen, miissen wir unserer Jugend bieten. Neue jiidische Kultur gepflanzt auf den alten Stamm wird uns eine neue jiidische Generation schaffen, der die Zugehorigkeit zur jiidischen Gemeinschaft etwas selbstverstandliches ist, die sie sich nicht erst in jahrelangen Kampfen teils abringen, teils erkåmpfen muB. Die soziale Fiirsorge wird die groBen Ziele, die sie sich gesteckt zu erreichen trachten miissen. Die Aufgaben, die noch nicht erfiillt ihrer harren, werden durchzufiihren sein. Dem Ausbaue der sonstigen Institutionen der Gemeinde, insbesondere der Weihe des Gottesdienstes werden wir unsere Krafte widtnen; den Scliutz aller Interessen, die aus der Zugehorigkeit zum Judentume entstehen, riicksichtslos l.bernehmen. Wir werden aber auch jene Mitglieder der Gemeinde, die das Sphiqksal in kleine Orte geworien. durch Gottesdienste, Vortrage u. dgl. an uns zu ketten trachten. Afifgaben harren unser viele, die selbst.gcstel.lten Pflichten sind gewaltig und so erfordert ihre Durchfuhrung die Mitarbeit aller. Ich schåtze mich gliicklich in so schicksalsvollen Stunden durch ihr Vertrauen an die Snitze der Kultusgemeinde gestellt zu werden und erflehe von der Vorsehung, mir die Kraft und Einsicht zu geben, um alle Ziele, die ich mir in meiner gliihenden Liebe zum Judenthme gestellt håbe, unter ihrer Unterstiitzung zu eireichen." Diesen Worten folgte Iauter Applaus. Zum I. Vorsteher-Stellvertreter wurde Herr Dr. Robert Lichtwitz wiedergewahlt, zum II. Vorsteher- Stellvertreter (neu) Herr Dr. Eduard Bick und zu Yorstandsmitgliedern die Herren Altschul Moriz, Dr. Leschner Leopold, Moller Adolf, Dr. Singer Ber* thold, Spiegel Moriz und Weinreb Karl. Der neukonstituierte Vorstand verteilte die Referate unter sich in einer kurzen Zvvischenpause, wahrend welcher er seine konstituerende Sitzung abhielt. Darnach erhielt das Referat fiir Erziehung und Unterricht Herr Vorsteher-Stellvertreter Dr. Lichtwitz, das Referat fiir die auswårtigen zur Kultusgemeinde gehorigen Gi te Herr Vorsteher-Stellvertreter Dr. Bick, das Referat fiir Finanzen Herr Altschul, fiir Rechtsschutz Herr Dr. Leschner, fiir Gebåude Herr Moller, fiir soziale Fiirsorge Herr Dr. Singer, fiir Friedhof Herr Spiegel und fiir Kultusangelegenheiten Herr Weinreb. Die beiden Sektionen fiir Rechtsschutz und fiir die auswårtigen zur Kultusgemeinde gehorigen Orte wurden neu errichtet. Nach wieder aufgenoimnener AusschuBsitzung meldeten sich die einzelnen , AusschuBmitglieder zur Einteilung in die einzelnen Sektionen, worauf die Sitzung geschlossen wurde. Aus der Prograinmrede des Kultusvorstehers, sowie aus der Neuerrichtung der 2 Sektionen ergeben sich die Richtlinien des Wirkungskreises des neugewåhlten fast vollståndig zionistischen Kultusausschufles, der somit in der Lage ist, das nach den vor letzten Wahlen irn Jahre 1919 begonnene Werk seiner Vollendung zuzufiihren. Die Person des Kultusvorstehers biirgt fiir die* Einhaltung seiner Versprechungen. Es wåre zu wiinschen, wenn sich recht bald alle Kultusgemeinden im Sinne der Troppauer entwickeln wurden. Diese ist seit den vorietzten Wahlen der Mittelpunkt pulsierenden jiidischen Lebens geworden. Qaya. Am 11. Juni 1920 verschled hier pldtzlich Herr Dr. Karl R e d 1 i c h im Alter von 28 Jahren. In ihm betrauern wir den Grunder und ersten Obmann des Turnvereines „Makkabi". Seinetn rastlosen Eifer als Obmann verdanken wir es, daB es uns gelungen ist, den Makkabi lebensfåhig zu erhalten. so daB es uns moglich war, diesem Verein seine heutige Stellung zu erringen. Auch die zionistische aPrtei betrauert in dem Dahingeschiedenen eineu eifrigen Mitkåmpfer. Seit dem Jalire 190S bct:.;i- . er sich auf zionistischem Gebiete und hat er sich um die Festigung der nationaijiidischen Richtung in miserer Stadt bedeutende Verdienste erworben. Am 1.1. Juni wurde Dr. Redlich zu getragen. An der Bahre sprachen Herr Rabbiner Dr. Hoffauss, Bise i/. und Herr Ernst Haek, namens des Turnvereines Makkabi. Es wurde der Beschiuss gefaBt, Dr. Redlich ins goldene Buch des Jiid. Nat.-Fonds einzutragen. Die eingeleitete Sammlung hat bisher das Egebnis von 300 K gezeitigt. Brlinner Nachrichten. Die itid.-akad. Lese- und Redehalle In Briinn, ersucht alle ihre alten Herren um Bekanntgabe ihrer neuen Adressen. Zuschriften: Briinn, Deutsche Technik. Weiteres geben wir den Mitgliedern bekannt, daB sich unser néues Leselokal in der Schmerlingstrasse Nr. 31, Hoftreppe, 1. Stock befindet. Lesestunden an Wochentagen von halb 1 bis 2 Uhr. Jiidischer National-Fonds. AUgemeine Spenden: Bertha Berger 10 K, Gideon Lamm 1 K, Aftergut 5 K, Berger 2 K, Birnbaum 2 K, Stub 5 K, Kaufmann 2 K, Freundlich 2 K, Sandel 1 K, N. N. 1 K, Frey 3 K, Goldfinger 1 K, Bomitz 2 K, Seidler 2 K, Rubin 2 K, WeiB 5 K, TeBler 5 K, Schiawitz 2 K, Deresiewicz 3 K, Spira 2 K, Schneider 2 K, Weinberger 2 K, Stempel 3 K, Schiller 10 K, Roth 10 K, Dym 5 K, Fried 2 K, Sternhell 2 K, Ritter 2 K, Strebinger 5 K, Hochzelt Stern-Steln 400 K, Hochzelt Masafik-Schnabl 350 K, Hochzelt Hansel-Hermann 650 K, Werner Robert 10 K, Fuchs 10 K, Berthold Tintner 10 K, Max Breda K 2.18, N. N. K 7.80, Alfred Weiner 100 K, Kartenpartie Lampi Kronen 6.50. X Bil ch s e n: Prof. Josef Lamm 2 K, Kathi Wengraf K 9.80, Ing. Singer 60 K, Schfln K 33.08, Olga Fåutler K 3.78. Oelbåume: Strebinger 1 Oelb. 15 K, Otto Weich a. N. Dr. Spiegler 2 Oelb. 30 K. Selbstbesteuerungen: Oswald Hochberg 2 K, Else Hochberg 2 K, Otto Drucker 2 K. Schlomo Wassermann 4 K, Otto Blum 10 K, „Geborah“ 10 K, Oskar Sachs 5 K, Muller 2 K, WeiB 2 K, Brief 2 K, Abeles 2 K, Gartner 10 K, Lowinger 2 K, Jassniger 1 K, Elbert 1 K, Bader 2 K, Zweigenthal 1 K, Klinger 1 K, Breda 1 K, Skutezky 2 K, MUller 4 K, Otto Weich 120 K< Ing. Spitzer 5 K, Juda Altmann 10 K, N. N. 10 K, Fr. Schuller 3 K, Dr. Rotter 5 K, Fr. Berta Schnabl 150 K, Helene WeiBkopf 20 K, Minnich 20 K, Feldmann 4 K, Ing. Spitz 10 K, Fischer, Griinwald, Fischl, Fischl, WeiBkopf 5 IC Friedenscheks: Julius Schuller 100 K, Otto Breda 50 K, Martha Spitz 5 K, Richard Spitz 5 K, Martha Willheim 5 K. x Sport. Sonntag, den 27. Juni 1920, findet am Sportplatz „Makkabi", Baurlsche Rampe, e!n grofies SCHAUTURNEN statt. — Karten Im Vorverkaui bel Ripper, Rennerg., Soffer & Solin, Rennerg., Schuhgeschaft Frånkt, Frellieltsplatz und bei allen Mitgliedern. 1920 gBotfietttttlenfrey 5080, msn | Juni | F e s 11 a g e S j| » mp wi 'ID«’1’) S M T 20 n 21 i 1 Beginnd es Sommers D M D F 1 22? 23 n 24 tø 25 S i 26 npn pv 'nySjn nwi Achtung! •* Die P T. Empfanger werden um umgehende Abonnement- Bezahlung ersucht. Ole Administration.