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Jüdische Volksstimme · 1920-06-17 · Heft 25 (17.6.1920) · page 3

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 25 (17.6.1920)
Date
1920-06-17
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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Nr. 25. jtnncn vocrmimk.*" KongreB auch in dieser Fragt grundlegende Beschlåsse fassen wird. Im Speziellen will icli darauf verweisen, daB wir an den Aktionen „Kinder auf’s Land“ durch unseren Volksrat, sowie an der derzeit im Zuge befindliche Aktionen Wiener Kinder erhebliclien An teil genommen haben. Auch die Chaluzbewegung hat soweit als moglich, durch uns Forderung erfahren. Einen wichtigen Teil unserer Arbeit bildete die Arbeit fur das jiidische Schulwesen. Noch ist hier alles im Werden, noch kdnnsn wir nicht sagen, was wir an jiidischen Schulwesen haben werden. Eines wissen wir aber, daB die Grundlagen fiir die jiidisclie Schule zum Teile gelegt sind und daB wir wenigstens d’e Propaganda fiir dieselbe in unseren Reihen soweit geftihrt haben, dafi.heute die jiidische Schule tatsåchlich als einmiitiger Wille der jiidisch denkenden Judenheit Miilirens, bezeichnet werden kann. In vielen Fallen, so insbesondere Lundenburg und Boskowitz, muBten wir wiederholt die noch bestehenden Schulen der israelitischen Gemeinden vor der Sperre schiitzen und wir konnen mit Befriedigung feststellen, daB unsere Interventionen in die ser Richtung tatsåchlich nicht ohne Erfolg gebliébe< sind. Ich wiirde Unrecht tun, wenn ich nicht an dieser Stelle der Objektivitet und des Entgegenkommens des Lelters der måhrischcn Landesverwaltung dankbare Erinnerung tun wiirde. Einen groBen, wenn nicht den grbBten Teil unserer Tåtigkeit machten die Vorbereitungen und die Durchfiihrung der Gemeinderatswahlen statt, denen im heurigen Jahre die Wahlen fiir die Nationalversammlung und den Senat folgten. Mit allergroBter Vergniigen sei konstatiert, daB unsere måhrischp Judenschaft all iiberall begriffen hat, was wir wol len und mit wenigen Ausnahmen in allen Stadter und Orten die Judenschaft fiir die jiidische Kandid" tur zur Walilurne ging. Darum auch der groBe Erfolg, der schlieBlich bei den Wahlen fiir die Natio nalversammlung ziffernmåBig zum Ausdrucke kam Sache des Landesvolksrates wird es in Zukunf sein, diese durch 'die Wahlen hervorgerufenen Stimmungen fiir eine straffe Organisation auszuniitzpr und um den Geist unserer Judenschaft nicht nur zr erhalten, sondern auch zu vertiefen. SchlieBlich mdchte ich noch dessen Erwåhnunr tun, daB wir fast in allen Fragen einvernehmlicli r-’ der Organisation der Kultusgemeinden dem Landesverbande vorgehen konnten und daB sich aus diesem Zusammenarbeiten vielfach erfreuliche Resu1 ty te ergaben. Ich håbe Ihnen in Kiirze eine Anfiihrung gewif interessanter Details, einen Bericht der Tåtip-kpdes Landesvolksrates gegeben. Ich bitte denselbe’ zur Kenntnis zu nehnien. * Thesen zum Organisationsstatut. Erstattet von Dr. Angelo G o 1 d s t e i n. § 1. Zur Wahrung der im Abs. 6 der Verfassungsurkunde festgelegten Minderheitsrechte der Juden sind fiir die Dauer der am 18. und 25. April 1920 gewahlten Nationlaversammlung berufen: a) der KongreB der „Vereinigten jiidischen Parteien“; b) die Exekutive der „Vereinigten jiidischen Parteien** in Bohmen, Måhren und Schlesien ist der Jiidische Nationalrat in Prag; c) die Exekutive der „Vereinigten jiidischen Parteien“ in der Slovakei ist der Volksverband der Juden fiir die Slovakei; d) der KongreB wåhlt eine Zentralexekutive der „Vereinigten jiidischen Parteien“ der ganzen Republik zur Vertretung in allgemeinen jiidischen Fragen, speziell in der Forderung der Revisoin des Wahlgesetzes. § 2. Der. KongreB der „Vereinigten jiidischen Parteien“ wird fallweise, mindestens aber einmal im Kalenderjahre zusammenberufen und setzt sich zusammen: a) Aus den Kandidaten, die auf der Liste der „Vereinigten jiidischen Partein11 fiir die Abgeordnetenkammer und den Senat kandidiert waren und durch ihre Wahl zur politischen Vertretung ihrer 79.263 Wåhler berufen sind; b) aus den Bevollmåchtigten der „Vereinigten jiidischen Parteien“, resp. deren Stellvertreter, die in allén Wahlkreisen nach §§ 10 und 11 der Wahlordnung bestellt wiirden; c) aus je 5 Vertretern aller jener Gruppen, die. unter dem Namen „Vereinigte jiidische Parteien“ zusammengeschlossen waren und die auf Grund von Seftø 3. Parteiwahlen durch ihre Exekutive entsendet werden. § 3. Der KongreB beråt und beschlieBt, wie cs moglich wåre, in Ermangelung einer parlamentarischen Vertretung den „Vereinigten jiidischen Parteien" Geltung zu verschaffen. * Antråge des Finanzreferenten: Gestellt von Robert Andres. 1. Der KongreB wolle beschliefien, daB eine vollståndige Trennung der politischen Arbeit von!:r Aufbringung der materiellen Mittel hiezu stattzufinden håbe. 2. Zu diesem Zwecke moge eine eigene Finanzstelle in Briinn, womoglich im engsten Anschlu«e an den Landesvolksrat errichtet und mit der Aufbringung, resp. Zuweisung der erforderlichen Mittel betraut und beauftragt werden. 3. Die erste Aufgabe dieser Finanzstelle ist die Schaffung a) eines stabilen, unangreifbaren Fondes (ei, serne Reserve), de r das Budget fiir alle Eventualiteten sichern soli; b) Schaffung von Wahlfonds bei den einzelnen Kreiswahlkomitees, die zur Deckung aller kiinftigen Wahlkosten dienen sollen. 4. Zu diesem Zwecke sind Zahlkarten der ’„Ver. jiid. Par.“, auf Namen lautend, mit der Giltigkeitsdauer eines Jahres und einem zu entrichtenden Jahresbeitrags von K 15.— auszugeben. 5. Die Vertrauensmanner aller -Wahlkreise haben bis zum 1. Juli 1920 dem Zentrahvahlkomitee in Prag zu berichten, wieviele Zahlkarten und in wel- :her Sprache sie mithilfe der Kreis- und -Ortswahl- ’comitees, der zionistischen, nationaljiidischen und wnstigen jiidischen Vereine bis zum 1. Oktober unteibringen konnten. Bis zum 15. Juli erhalten die Vertrauensmånner die Zahlkarten eingehåndigt. 6. Zum Punkt 3 a): Fiir jede ausgegebene Mitxliedskarte fiihrt der Vertrauensmann K 12.— an die ^inanzstelle in Briinn ab, und von diesen Eingangen wird der stabile Fond der Finanzstelle geschaffen. Zum Punkt 3 b): Die von jeder Zahlkarte noch verbleibenden K 3.— fiihrt der Vérlrauensmann an las Bezirkskotnitee seines Wahlkreises zur Schafpung eines Wahlfondes ab. 7. Der KongreB bewilligt dem Jiidischen Natiolalrat, resp. der Rcichsparteiexekutive ein ordentliges Budget von K 60.000, das landerweise von den Organisationen und zwar; Bohmen K 24.000 Måhren K 32.000 Schlesien K 4.000 K 60.000 aufzubringen und 50 Prozent dieser Betråge bis zum 1. September, die restlichen 50 Prozent bis zum 1. Dezember d. J. an die Finanzstelle in Briinn abzufiihren hat. 8. Zur Fiihrung der gemeinsamen Geschåfte hat der Volksverband fiir die Slovakei 25 Prozent seiner Einkiinfte bis zum 1. Dezember d. J. får das Jahr 1920 an die Finanzstelle in Briinn abzufåhren. 9. In Streitfållen, die aus Finanzsachert entspringen, entscheidet inappellabel der KongreB, resp. ein von ihm eingesetztes Schiedsgericht. 10. Der KongreB nimmt den finanziellen Rechenschaftsbericht fur das Jahr 1919 und die erste Hålfte des Jahres 1920 zur Kenntnis und erteilt dem J. N. R. das Absolutorium. « » Neuwahlen. Die Zentralexekutive der „Ver. jåd. Part.“ besteht fiir Bohmen, Måhren und Schlesien aus; Andres Robert. Prag, Dr. Max Brod, Prag, Pro!. Dr. Engel Alfred, Prag, Dr. Feldmann Artur, Brunn, Dr. Goldstein Angelo, Dr. Hilf Alois, Dr. Singer Ludwig, Dr. Sonnenfgjd Karl, Dr. Steiner Josef, Ungar Markus, Prag. Fur die Slovakei: Schlesinger Richard, Pié§tany, Theodor Wister, Nové Mesto, Dr. Samuel Hajdu, Senica, Samuel Reich, Oherrabb., Vrbov£, Dr. Karl Ferbstein, Dr. Siegfr. Steiner, Bratislava, Dr. Arpad Braun, Zilina, Bernhard WeiB, Bratislava, Isidor Knopfelmacher, Velké BiCe. * In den „Jådischen Nationalrat“ fiir Bohmen, Måhren und Schlesien werden gewåhlt: Andres Robert, Prag, Arnstein Emil, DobliS, Ing. Aschermann Oskar, Prag, Dr. Max Brod, Prag, Burch Oskar, Prag, Dr. Eidlitz Friedrich, Pilsen, Dr. Engel Alfr., Prag, Dr. Epstein Oskar, Prag, Dr. Feldmann Artur, Brånn, Fischl Max, Prag, Ing. Frischer Ernst, Oderfurt, Fri. Gellner Hedwig, Prag, Olåck Jakob, Ung.- Brod, Dr. Goldschmidt Leopold, ProBnitz, Dr. Goldstein Angelo, Prag, Dr. Haas Theodor, Briinn, Dr. Herrmann Jacques, Prag, Hickl Max, Brånn, Dr. Hilf Alois, Måhr.-Ostrau, Kauders Artur, Prag, Ing. Klein Karl, Ung.-Brod, Klein Leopold, Prag, Dr. Lebenhart Ernst, Prag, Dr. Lvey Ludwig, Brånn, Dr. Leschner Leopold, Troppau, Dr. Lieben Salomon, Prag, Dr. Margulies Emil, Leitmeritz, Schindler Karl, Ung.-Hradisch, Dr. Seligmann Emil, Komotau, Dr. Singer Ludwig, Prag, Ing. Slonitz Hugo, Prag, Dr. Sonnenfeld Karl, Brånn, Dr. Steiner Josef, Marienbad, Tetzner David, Prag, Ungar Markus, Prag, Waldstein Emil, Bratislava, WeiBenstein Richard, Iglau, Dr. Winterstein Felix, Måhr.-Ostrau, Dr. Wolf Isidor, Troppau, Ing. Zucker Otto, Prag. Vorgeschlagen werden von Gold, Lundenburg: Julius Deutsch, Lundenburg, Dr. Gustav Kohn, Brånn. Alle Listen werden einstimmig angenommen. * * * Der KongreB versandte folgende Resolutionen als Telegramme an den Pråsidenten der Republik, an den Ministerrat, das Prås. des AbgeordnetenhaUses und des Senates. Resolution fiir den Pråsidenten der Republik. Der in Brånn am 14. und 15. Juni 1920 tagende KongreB der „Vereinigten jådischen Parteien“ gedenkt bei dieser Gelegenheit aller Beweise des Verståndnisses und der tåtigen Hilfe, die das nationale Judentum der cechoslovakischen Republik und det ganzen Welt von Ihnen erhalten hat. Der KongreB der „Vereinigten jådischen Parteien“ spricht Ihnen, Herr Præsident, den neuerlichen Dank der nationalen Juden aus. Dr.- Hilf, Kauders, Schlesinger. Resolution an den Ministerrat. Der am 14.. Juni in Brånn tagende KongreB der „Vereinigten jådischen Parteien** protesti^rt im Namen von 80.000 jådischen Wåhlern gegen ..ie undemokratische Bestimmung des § 51 der Wah:ordnung, welche die ganze jiidische Minoritåt von dér parlamentarischen Vertretung ausschlieBt, wiewohl auf die yon ihr abgegebenen Stimmen 4 Abgeordnete und 2 Senatoren entfallen waren. Der KongreB verlangt die Revision dieser Bestimmung in dem Sinne, daB eine Partei, die in der ganzen Republik mindestens 50.000 Stimmen aufbringt, zum 2. Skrutinium zugelassen wird. Resolution an das Ministerium fiir Schulwesen und nationale Kultur. Der in Brånn tagende KongreB der „Vereinigten jådischen Parteien'* protestiert auf das schårfste gegen die verschleppende Behandlungsweise der jåd. Schulfrage und fordert, gestiitzt auf den Pariser Friedensvertrag, den einhelligen BeschluR der Nationalversammlung vom 19./II. 1920 und die durch die Verfassung § 132 gewåhrleisteten Rechte, die unverzågliche Regelung der jåd. Schulfrage. Er verlangt die" sofortige Einberufung der wiederholt in Aussicht gesteliten Enquete und die unge'iemmte Durchfåhrung aller notwendigen MaBnahme. zur rechtzeitigen Eroffnung der jiid. Minoritåtssc. ulen. BegriiBungstelegramm an Abg. Robert Strick.' Der in Briinn tagende KongreB der „Vereinigten jådischen Parteien** der Cechoslovakischen RemiW!!; entbietet dem mutigen Verfechter jådischer Rechte und Fåhrer der bewuBten Judenheit Deutschosterreichs seinen bråderlichen GruB und den Ausdruck seiner Anerkennung får sein mannhaftes Eintreten zu Gunsten des gesamten jådischen Volkes. San-Rømo-Feier. Im Rahmen des Kongresses der „Vereinigten jådischen Parteien** veranstaltete die Brånner „Jiidischnationale Vereinigung** eine San-Remo- F e i e r. Der groBe Saal in der Schreibwaldrestauration war dicht gefållt. Es erschienen einzelne Vertreter der Behorden, darunter der Bårgermeister der Stadt GroB-Brånn Herr Direktor Karl V a n S k. Herr Dr. Theodor Haas begråBte in Sechischer Sprache, worauf Dr. Sonnenfeld als Vorsitzender in deut-

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