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Jüdische Volksstimme · 1920-06-17 · Heft 25 (17.6.1920) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 25 (17.6.1920)
Date
1920-06-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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SeHt t. jmscmi msumrmM? Nr. 25. ohne Auftrag. Denn die Organisationen, die ihm den Auftrag erteilt haben, waren nur schwache Organisationen, aber sie haben immerhin bestanden, so das bohm. zion. Distrikskomitee, welches bloB auf das Gebiet von*Bohmen beschrfinkt war und die poalezionistische Partei von Prag. Øer J. N. R. war sich dessen bewuflt, daB er diese Rollé innehat und daB er nicht Bevollmåchtigter des jiid. Volkes ist, fUr welches er eingetreten ist. Er war sich seiner beschrånkten Vollmachten bewuBt. Er hat aber, wiewohl er aus zionist. Organisationen hervorgegangen ist, sofort die Absicht gehabt und durchgeftthrt das Interesse der Gesamtjudenheit im neuen Staate zu wahren. Und der J. N. R. hat auch daniit begonnen die Grundlagen zu bauen und die Basis zu suchen, auf der er legitim stehen konnte. Die erste Unterstiitzung fand er durch den Beschluf! tes »Verbandes der Kultusgeineinden von Måhren und Schlesien“, die sich dem J. N. R. in allem unterstellt haben, was eine grofle Begeisternng im J. N. R. hervorgerufen hat. Es kamen noch andere Organisationen, wie der orthodoxe „Sinai". Der J. N. R. war sofort dabei einen KongreB einzubcrufen, auf Grund der ihm damals zu Gebote stehenden Mittdn, weil er mit dem jiid. Volke, das er ver trat und ver tritt sprechen und ihm einen Bericht erstatten wollte. Damals wurde der J. N. R. ais Provisorium bestatigt, bis zum Beginne des konstitutionellen Lebens im Staate. Es folgte der KongreB in Brilnn, von dem Herr Dr. Hilf bereits gesprochen hat. Es folgte der KongreB der slovakischen Juden in PiStyån, wo der „Volksvet band der slovakischen Juden** gegrund;’: wurde. Der »Landesvolksrat fiir Måhren'' wurde geschaffen. Wir haben zusammen gearbeitet, wiewohl die Kompetenz nicht klar war. Wir bekamen das Gesetz Uber die Gemeindewahlen, und es war der J. N. R., der die ,Wahl in die politischen Gemeinden angeregt hat. Der J. N. R. hat Fiihlung gesucht mit den breiten Massen des jiid. Volkes. Und anlåBlich der Wahlen ist wieder eine wichtige Anregung vom J. N. R. ausgegangen und es ist ihm auch tatsiichlicJ gelungen eine Basis zu finden fiir eine Vereinigung, die „Vereinigten jiidischen. Parteien". Ich wollte damit skizzieren, daB der direkte Weg vom J. N. R. zu den V. J. P. fiihrt, und dafl er verpflichtet ist, dem KongreB der volksbewuBten Juden, ohne dessen Auftrag er die GeschSfte gefiihrt hat, Bericht zu ei statten. Was die letzten Wahlen anbelangt, so sagte ich schon, daB wir es nicht hinnehmen konnen, daB 80.000 jiid. Wåhler ohne parlamentar. Vertretung geblieben sind. Wir waren von den Bestimmungen des Gesetzes nicht iiberrascht, ich muB sagen, daB wir sofort den Entwurf des Wahlgesetzes studiert haben. Der Entwurf, der seinerzeit vorgelegt wurde, war noch. unannehmbarer. Als das zustandegekommene Gesetz, denn wir hatten urspriinglich in den verschiedenen Wahlbezirken unbedingt durchdringen milssen, damit der Rest aus diesen Wahbezirken im zweiten Skutinium mitgezåhlt werde. Wir sind ohne Vertretung. Wir waren der Hoffnung, daB wir in einem einzigen Wahlkreise einen Kandidaten hatten durchbringen kfinnen. Wir haben aber gesehen, daB auf dieser Grundlage kein Kandidat durchgebracht werden kaim. Wir haben uns bemliht ein viel besseres Resultat zu erzielen als im § 51 vorgesehen war. Wr haben sofort mit allen Parteien verhandelt, die sich luch gegeu dieses Gesetz gewendet haben. t’er Referent des Verfassungsausschusses, der selb t aus dem Judentume ausgetret e n i s t, wollte uns sehr wenig entgegenkommen, so daB wir einen sehr schweren Kampf hatten. Wir haben intervenlert, weil uns von der genannten Seite Schwierigkeiten bereitet werden. Es blieb aber bel § 51. Wir gingen in die Wahlen mit der Ueberzeugung, daB wir doch einen Kandidaten durchbringen werden. Es ist nicht so gekommen, denn bei allem guten Willen milssen wir doch die Wahrheit zugestehen, daB diese Zahl nicht aufzubringen war. Aber es ist deshalb kein Ungltick. Es ist der erste Versuch. Wir mUssen auch manchmal mit einem Miflerfolg rechnen und deshalb nicht verzagen. Aber ich sage, meine Damen und Herren, daB es flir uns jedenfalls ein Glttck war, daB wir fiber die wahren' Verhaitnisse nicht informiert waren. Es war eine sehr gute Sache, dafi wir optima fide in die Wahl gegangen sind, hatten wir im vorhinein die Sicherheit gehabt den Kandidaten nicht durchzubrin* gen, so hatten wir ^liesen Versuch gar nicht unternommen und waren umsonst und vergebens um eine Aertderung bei diesen uns nicht immer wohlgesinn* ten Faktoren des Wahlgesetzes bemiiht gewesen. Nun haben wir vor der ganzen Welt gezeigt, daB wir den festen Willen hatten, eigene Vertreter ins Parlament zu entsenden. Zu diesem Zwecke haben wir 80.000 Stimmen aufgebracht, obzwar zwei Gaue und Karpato-Russia nicht mitgewahlt haben. Es ist ein wirklicher moralischer und politischer Erfolg. Auf dieser Grundlage werden wir unsere Anspriiche geltend machen, wir haben auch bereits ein Memorandum ausgearbeitet, dem Prasidenten der Republik vorgelegt, der volles Verstandnis unserem Standpunkt entgegengebracht hat, der als objektiv urteilender Mensch einsah, daB uns ein grobes Unrecht geschehen ist und mit dem wir den KongreB besprochen, und der seiner Meinung dahin Ausdruck verlieh, daB ein vom KongreB eingesetztes Exekutlvkomitee oder Nationalrat es sein wird, der als politischer Faktor frii-die Juden der Republik der Regierung und den Parteien gegeniiber angesehen werden muB. (Redner spricht „fort.) * Slovaklscher Bericht. RedeDr. Sipos. Nicht die formale Pflicht treibt mich dazu das Wort zu erbitten, sondern das Bediirfnis des Herzens, um im Namen des „Jiid. Volksverbandes fiir die Slovakei" unseren innigsten Dank dem „Jiid. Nationalrat" auszusprechen. Ich werde kein Referat halten, da dazn keine Zeit ist; doch wenn ich von Dank spreche, so muB ich ku^z einiger Tatsachen Erwahnung tun, die zeigen sollen, was der Nationalrat fiir uns getan hat. Der Jiid. Nationalrat war es, der uns veranlaBt hat, uns Jiidisch zu betatigen, er war die uns ffihrende Institution. Ich will nur folgendes anfiihren. Bei den Wahlen haben uns die Zupane mit Pogromen gedroht. Und da war es der J. N. R., der erfolgreich fiir uns gewirkt hat. Bei den Verhandlungen der Wirtschaftsrate wurden wir auBer Acht gelassen, wåhrend andere hineingekommen sind. Als die jfidische Mittelschule in Novo Mesto gesperrt werden sollte, da trat wieder unser oberwahnter N. R. fur uns in die Schranken. Und auf eines mochte auch ich von hier aus mit Nachdruck hinweisen: Nicht nur in der Vergangenheit galt fiir unsere Sache zu wirken: Vor uns liegt die Zukunft, die von uns* intensivste Arbeit zum Wohle des jiid. Volkes fordert. An dieser Stelle mochte ich auch unseren besonderen Dank denjenigen Herren aussprechen, die freiwillig zu uns gekommen sind. Es sind dies die Herren: Dr. Engel, Dr. Brod, Markus Ungar, Waldstein. (Lebhafter Beifall.) All diesen unseren tiefgefiihltes’ten Dank l * Bericht des Måhr. Landesvolksrates. Erstattet von Dr. S o n n e n f e 1 d. Seit der Einsetzung der Mahrischen Landesorganisation ist mehr als ein Jahr vergangen und ich gestalte mir namens derselben einen Bericht fiber die Tåtigkeit derselben zu geben. Der Landesvolksrat in Måhren ist seinerzeit als Zwischeninstanz fiir Organisation, Propaganda aber jLch als diejenige Stelle geschaffen worden, wehhe der Landesverwaltung gegeniiber die Beschwerden und For der ungen der Judenschaft Mfihrens zu unterbreiten hat. Wir sind den an uns gesteliten Anforderungen mdglichsterweise nachgekommen, trotzdem wir leide r die Unterstiitzung der Lokalorganisation insbasonderein finanzieller Hinsicht nicht in jenem MaBe fanden, als wir es nach den Beschlttssen der Volksratstagung erwarten durften. Was die Organisation und Propaganda anbelangt, will ich darauf verweisen, daB wir durch unser Sekretariat, daB bis zum 1. Janner bestand, so wie durch die Prasidialmitglieder selbst, in weitestem MaBe zu ffirdern suchten, indem wir persdniich in vielen Orten Propagandaversammlungen a> hielten, die jeden der Landgemeinden zur Organisation aufforderten. Es ist erfreullch zu berichten, daB wir tats&chlich in Mahren eine festgeffigte Organisation haben, di« vieler formaler M&nge) nicht entbehrt, die aber doch nicht versagt, wenn die Judenschaft ihrcr allgemeinen judischen Zwecke aufgertifen wird. Leider ist durch den Austritt der Poale Zion aus dem Volksrat und aus dem Landesvolksrat, sowie durch deren Stellungnahme zur allgemeinen Organisation ein gewisser Zwiespalt in die Reihen der Mahrischen Judenschaft hineingetragen worden, der auch jetzt noch besteht, dessen Heftigkeit aber im Laufe der Zeit an Scharfe verlieren wird, da wir nicht annehmen konnen, daB der wirtschaftliche Kampf in national-jfidischen Reihen soweit die vmåhrische Judenschaft ent2weien kann, daB sie an die national-politischen Forderungen, die ja unbedingt bei beiden Parteien einheitlich sein miissen und werden, vergiBt. Jedenfalls 13Bt sich konstatieren, daB unsererseits dieser Kampf weder gewollt noch gefordert wurde, sondern daB wir stets bestrebt waren, ein auskommliches Zusammenarbeiten mit der Poale Zion zu finde n. Wenn die Organisation und Propaganda, nicht roch intensiver gestaltet wurde, so ist hieran zum groBten Teil die åuBerst schlimme Finanzlage ihrer Landesorganisation schuldtragend. Sie haben auf der Volksrattagung fiir den Landesvolksrat und fiir den Jiidischen Nationalrat in Prag, fiir Måliren ein Budget von 120.000 K bewilligt. Kaum die Hålfte dieses Betrages wurde im verilossenen Jahre aufgebraucht und mit Mfihe und Not war es nur moglich die Kosten des Biiros bis 1. Janner 1920 aus Mitteln der Landesorganisation zu decken, deshalb waren wir auch genotigt, das Sekretariat mit 1. Jånner 1920 aufzulosen und ich muB ganz besondere Aufmerksamkeit darauf lenken, daB eine gedeihliche Weiterarbeit nur dann moglich sein wird, wenn sie der Landesexekutive' jene Mittel geben, die sie zur Durchfiihrung der ihr iibertragenen Aufgaben benotigt. Wenn die Tåtigkeit des Landesvolksrates nicht ganz lahmgelegt wurde durch dieses passive Verhalten in der Finanzlage, so ist dies nur der unermiidlichen Tåtigkeit einzelner Parteigenossen zu verdanken, die aus ihrem PflichtbewuBtsein heraus, immer und immer wieder die vielfachen Interventionen bestritten. Es ist erfreullch zu konstatieren, dafl sich alle Juden unseres Landes gewohnt haben, unsere Organisation in allen sie als Juden betreffenden Fragen um Rat zu fragen und um Intervention anzugehen. Nebst diesen allgemeinen, alle Gebiete des Rechtslebens umfassenden Interventionen hat der Landesvolksrat ganz besonders 3 Gebieten seine besondere Aufmerksamkeit zugewendet. Zunåchst die Flfichtlingsfrage, an der wir seit dem Umsturze kranken, hat uns seit dem Umsturze viele Sorgen und Arbeit verursacht. Auch jetzt haben die Fluchtlmgsverzeichnisse noch nicht aufgehort, auch jetzt wenn unsere galizischen und Bukowinaer Volksgenossen von BehOrden und Privaten molestiert und ich mochte sagen, daB kein Tag vergeht, an dem uns auch heute noch die Fiiichtlingsfrage besehåftigen wfirde. Derzeit ist die Sachlage die, daB die Fliichtlinge von der Landesverwaltung Aufenthaltsbewilligungen auf långere oder kfirzere Frist erhalten und stets wieder um dieselbe einreichen mussen. Ein Zustand der nicht haltbar ist, da dem untergeordnetsten Organ, die Moglichkeit gegeben ist, eine derartige Aufenthaltsbewilligung durch einfache unrichtige Information an die Oberbehorde zu hintertreiben. Wir mussen daher das dringendste Ersuchen an den Nationalrat richten, dafi er endileh diese Frage einer endgiltigen Regelung zuffihrt und zwar in dem Sinne, daB die Flfichtlingsfrage aufgehort hat, alle Fliichtlingsverzeichnisse verschwinden und die Fliichtlinge ganz einfach als ordentliche Auslfinder angesehen werden. Es muB dies umso leichter gelingen, als ia die Zahl der Fliichtlinge keine gar so groBe ist und zum groBen Teile aus erwerbenden Personen besteht, die sich in das wirtschaftliche Leben unsererseits bereits voll und ganz eingeffihrt haben. Auch die soziale Flirsorge hat durch den Landesvolksrat weitgehendste Forderung erfahren. Durch Vermittlung des Landesvolksrates wurde unter Heranziehung anderer Korporationen in. Brilnn eine Landesstelle des amerikanischen Hilfskomitees fiir die Juden des Cechoslovaklschen Staates geschaffen und es war uns moglich erhebliche Summen tatsfichlich der sozlalen Ffirsorge im Lande auf diese Weise zuzuffihren. Das Gebiet der sozialen Ffirsorge wird auch weiterhin uns im weitgehendsten MaBe beschfiftigen milssen und hoffen wir,-daB auch dieser

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