Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 24 (10.6.1920)
- Date
- 1920-06-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 94. „J0M9C« fOUBSTUMr.* Mt* Bl, MONTAO, den 14. Juni 1920 um 8 Uhr abends im Schreibwaldsaale GROftE SAN-REMO- FEIER. Es sprechen die Delegierten des Kongresses. Der Fiihrer der polnischen „Hechaluz"-Bewegung in London. The London Jewish Correspondcnce Bureau melc!ct: Herr Jakob Ruszeczuk, der Fiihrer der „Hechaluz"-Bewegung in Polen ist in London eingetroffen, urn iiber die Frage einer raschon „Hcchaluz“-Einwanderung nach Palftstina mit’ der zionistischen Organisation zu verhandeln. Eln Appel der amerlkanischen Zionisten zu Gunsten Jabotinskys. The Jewish Correspondence Bureau London meldet: Der ZionistenkongreB in Amerika fafite fnlgende Resolution: „Der KongreB driickt unserem Bruder in Palæstina flir die Verteidigung der jiidischen Ehre, besonders aber fiir die edlen Anstrengungen des Wladimir Jabotinsky seine Hochschætzung aus. Der KongreB erwartet seine eheste Befreieung und seine Riickkehr zur Mitarbeit beim Wiederauffcau Palæstinas. Sie ist stolz auf die palåstinensischen Juden, die gefiihrt von ihren Rabbinern am Samstag die Petition unterzeichneten, in welcher sie sich fiir Jabotinskys Handlungen mitverantwortlich erkldrten. Die Resolutionen des amerlkanischen Zionlstenkongresses. Das Jewish Correspondence Bureau meldet: Eine Kabeldepesche aus Newyork berichtet: Die auBerordentliche Tagung der amerikauischen Zionisten hat u. a. folgende Resolutionen gefafit: 1. Der KongreB verlangt nachdriicklichst-von der zionistischen Weltorganisationen die Annahme des Programmes, daB auf dem Kongresse der amerikanischen Zionisten in Pittsburg beschlossen worden ist. 2. Der KongreB verlangt die Einfiihrung des Budgetsystems. Der Budget soli nach stattgefundener Beratung zwischen den ausl&ndischen Reprasentanten der Grundfederationen vorbereitet werden. 3. Der KongreB ist damit einverstanden, daB die amerikanische Organisation fortan sich aktiv in den \erschiedenen Vollzugsauschiissen der zionistischen Weltorganisation beteiligen soli. Der KongreB beaufiragt daher die fiir den zionistischen WeltkongreB entsendeten Delegierten, in Uebereinstimmung mit dem obigen Beschlusse entsprechend Uebereinkommen abzuschlieBen. Die Wahlchancen der Juden In Bukowlna. J. C. B. Aus Czernowitz wird uns gemeldet, daB i.ii> Wahlaussichten der Juden in der Bukowina fiir Kammer und Senat, infolge der eingetretenen unliebsamen Spaltung unter den jiidischen Partcien, von Jenen fast jede ihre eigenen Kandidaten aufstellte, n den letzten Tagen geringer eingeschakt werden. Ein nachahmenswertes Belspiel von Oplerwilllgkelt. Jiingstens brachte uns die Post ein klejnes Paketchen mit einem hochst sonderbarem Inhalt. In dem Paket sendet uns nåmlich ein begeisterter Gesinnungsgenosse — ein braver Zionist aus der oberen Slowakei — in Begleitung eines riihrenden Schreibens, das glUhende Liebe und Anhånglichkeit fiir Zion atmete, seine goldene Busennadel und einen Goldring — wie der Spender selber sagt — um unter dem gewaltigen Eindruck der Nachricht von der Oeulah unseres Volkes — seine bescheidene Gabe auf dem Altar des Keren Kajemeth niederzulegen. So tief hat uns noch keine Spende ans Herz gegriffeu als diese Gabe, wo sich der Spender von einem gewohneten und sicherlich liebgewonnenen Kleinod, vielleicht gar von einem teueren Andenken trenni, um so seine Treue und Hingebung fflr unsere heiligc Sache zu dokumentieren. Gerne wiirden wir det Nanien jenes edlen Gesinnungsgenossen nennen, doch er hat uns um strengste Geheimhaltung gebc*en und duldet es nicht einmal, den Ort zu t.etmcn, wo er fiir unsere Sache als Vertrauensmann ersprieBlich wirkt. So wollen wir den auf diesem Wege diesem hnclisinnigen Juden, diesem wackeren Gg. unscren wårmsten Dank abstatten mit dem Wunsche, daB in dieser fiir unser Volk so hochbedeutsamen, einen Wendepunkt linserer Galuthgeschichte bedeutctiden Zeit das schone Beispiel viele, recht viele unserer Glaubens- und Stammesbriider zu gleichem Tun anspornen moge zu Nutz und Frommen des werdenden jiidischen Palæstinas. — Die Samrnclstelle des Jiidischen Nationalfonds fiir die Slovakei S. Komlosi. Der Zionismus in Attrumhnlen. „Die J. P. Z.“ schreibt: Die am 16. und am 17. Marz stattgefundene Sitzung des grossen Aktionskomitees der rumanischen Zionisten zeigt, dass sich die zionistische Bewegung in Alt-RumSniens in eine vVirtschaftliche und soziale Organisation umzuformen scheint, mit dem Ziele einer national jiidischen Erziehung der Massen, wie sie bisher in Alt-Rumånien vernachlassigt worden ist. — Wenti heute der Zionismus Alt-Rumiiniens sich zu einer machtigen, reprasentativen Organisation umzustalten beginnt, so haben die jiidischen Studenten da ran den Hauptanteil. Zu der von den Hochschnlbehorden anerkannten Verbindung der „HasmonSa" vereinlgt, finden die Studenten dort nicht nur Qelegenheit ih<e jiidischen Kenntnisse zu erweitern und zu vertiefen, sondern auch eine Erziehung im Geiste des Judentums. Die geistigen Fiihrer der „Hasmonåa“ sind stud. med. M o s k o v i c i und Dr. Abe rmann, Die neue politische Tendenz, den Zionismus zu einer jiid.-nat. Partei zu vereinigen, erstrebt nicht nur eine Entscheidung in der palåstinensischen Frage, sondern auch eine Lasung im national-jiid. Sinne aller jener wichtigen Fragen, die die Lage der Juden im eigenen Lande betreffen. B. We i n b e r g, der sich schon erfolgreich mit den zion. Problemen Alt- Rumaniens befaBt hat, trachtet jetzt, die iiber das ganze Land verstreuten, Vereine, zu einer groflen zionistischen Partei zu vereinigen. Eine wichtige, nicht zu unterschætzende Rolle in. der zion. Bewegung, spielt die jtid. Presse, voran das Tageblatt „Mantuirea". AuBerdem bestehen noch die Wochenbiatter „Curierul Israelit" und die „Engalitatea". AuBer diesen in Bukarest erscheinenden Zeitungen, liaben Bacou und Roman noch -ein wochentliches zion. Bulletin. Aus der "Rede von Dr. Niemiro^er ist zu entnehmen, das der Unterricht in der hebråischen Sprache nunmehr so .erfolgen soli, daB derselbe nicht nur fiir religiosc Bediirfnisse zu dienen hat, sondern, daB Hebraisch als Sprache fiir sich gelehrt werden soli. Zu diesem Zweck hat er dem Komitee ein neues Unterrichtsprogramm vorgelegt. Gleichzeitig wurde auch eine Zeichnungsliste fiir ein in Braila unter der Direktion des Dr. N a c h t zu errichiendes jiidisch-pådagogisches Seminar eroffnet. Der Vorstand des palåstinensischen Departements, Ing. Gottlieb, zeigte die Errichtung einer Landwirtschafts- und einer Gewerbeschule an und fordelte Eroffnung einer Filiale der Jewish Colonial Bank in Bukarest. Die in dieser Sitzung gefaBten Resolutionen lauten. 1. Errichtung von Auswandererbiiros ir. den Hafenstædten Constanca und Galatz. 2. Errichtung einer „Achusah" in allen Stådten Rumæniens. 3. Errichtung einer landwirtschaftlichen Vereinigung „Hechaluz" und einer Stelle fiir palåstinensiche Studien. 4. Errichtung einer landwirtschaftlichen Schule. -5. Subventionierung einer Gewerbeschule „Ciocanul" in Bukarest. 6. Errichtung einer rumanisch * palåstinensischen Handelsgesellschaft. 7 Ernennung der Herren Schonberg von Jaffa und Braunstein von Safed als Repræsentanten der zionist. Foderation Rumaniens. 8. Unterstiitzung fiir Kolonisation von Handwerkern und landwirtschaftlichen Arbeitern in Palåstina. 9. Errichtung einer Filiale der Jewish Colonial Bank in Rumænien. Von Wochezu Woche, Rudolph Lodgmann. Im letzten altosterreichischen Pariamente eine der wenigen sympatischen Personen der deutschbiirgerlichen Abgeordneten. Vertreter des Gedankens der nationalen Autonomie, die er auch uns Juden zudachte. Von deutschradikaler Seite stark bekæinpft, von der „Ostdeutschen Rundschau" und deren Genossen zum Feind des deutschen Volkes gestempelt. Als es noch im deutschen Lager Mode war, die Englænder als den schonsten Typus der Germanen hinzustellen, hflrte er es nicht ungerne, wenn sein Nairie englisch ausgasprochen wurde (Lodschmån). Wåhrend des Krieges v.urde er zum roten Tuch fiir K. H. Wolf, StranskV und Tenfel und nach dem Umsturze præsentierte er sich als Landeshauptmann von Deutschbohmen und verlegte seinen Sitz nach Wien. Im Herbste des Jahres 1919 versohnte er sich mit der jetzigen Regiertmg, kehrte nach Bohmen zuriick, wurde im deutschen Kasino von Judendeutschen heftig und stiirrnisch begriiBt und galt von nun ab als Fiihrer der Deutschen in der Cechoslovakei. Er hat sie alle gdschlagen die friiheren Grofien, sogar den schlesischeh Dr. FreiBler. Viele sahen in ihm schon den zukiint'tigen Minister — und wer weiB, wdr er es nicht geworden, wenn nicht in diesem verniinftigen Mannl, der seine Landsleute politisch weit iiberragte, eine plotzliche Umwandlung gekommen wåre. Aus Lodgrnann, dem Bekæmpfer deutsch-bohmischer Couleurunsitten ist ein Bekenner dieser geworden, und bei der Eroffmmgssitzung der Cechoslovakischen Nationalversammlung leistete er sich dasselbe SUickleitt. das im alten Osterreich, so ganz und gåbe war, und das sich keiueswegs der Sympathien der Kulturmenschen erfreute. Glauben die Deutschbiirgerlichen dadtirch ihreu Stammesgenossen zu niitzen. Glauben sie durch solche Matzchen elvvas zu erreichen? Glaubt vollends Lodgmann daran, daB durch Sabotage der Deutschen, die groBten Nationen unseres Staates einander nåher gebracht werden, daB es dadurch besser wiirde irp Staate Danemark? Es wåre schade um diesen Mann, der sicherlich viel zu leisten imstande wåre. * R u m a n i e n. Der Konig hat gesproclien. An des Konigswort ist nicht zu makeln. GroB-Rumæniens Konig hat den Bukowinaern Juden erklårt: „Ich bin sehr dafiir, dafi sich die Nationalitæten weiter in ilirer eigenen Sprache entwickeln und garantiere es, daB dies frei geschehen wird." Fiirwahr ein groBes Wort, daB hier der dazische Herrscher ausgesprochen. hat. Wir wollen nun mit unseren Freunden in der Bukowina hoffen, daB den Worten auch die Taten folgen werden. Vorlæufig ist davon-noch nichts zu spiiren. Am 17. Mai besuchten namlich der Konig und die schone Konigiri (die schonste hieB sie, als noch mehr Koniginnen waren) Czernowitz. (Wir wissen gar nicht mehr, daB es so etwas noch geben konntc. Konigs-Empfange, das gehort doch schon dem Mittelalter an; oder dem Marchen. Hin und wieder wird man aber daran erinnert, daB noch Lander und Stædte durch den Besuch von Allerhochsten Herrschaften begliickt werden. Nun de gustibus.) — Gro- Ber Empfan'g natiirlich! Tschin-tschin-Trara! Die schone Konigin erstrahlte in Schonheit. Die Spitzen der Behorden — fiirstlicher Empfang etc. — Aber der Juden hat man vergessen. Sonderbar. Mein Gott in Briinn ware es ja moglich, aber in Czernowitz? Ja glaubt denn der dazische Konig — vielleicht bak! Kaiser — ernstlich daran in der Bukowina regieren zn konnen, wenn unser Dr. Benno Strå u c lier fehit. Und er hat gefehlt. Auch Mayer Ebner hat gefehlt. Und das war gefehlt. Das Obersthofmeisteramt hat sich entschuldigt. Es hat zu Empfængen und Audienzen nach der Originaleinladuugsliste eingeladen. Dec Liquidierungskommissær Dr. Dori Popovici erklart, die Namen wåren in der Originalliste gestanden. Knapp vor dér Hoftafel wurden auch die Herren Dr. Straucher und Dr. Ebner eingeladen. (Sie waren ja nicht hingegangen 1. war es nicht koscher, 2. nicht demokratisch.) So zerbricht sich die ganze jiidische Bukowina die Kopfe, wer die jiidiscehn Namen gestrichen hat. Natiirlich Mauschel. Und schon deshalb, um die national-jiidischen Kandidaten zum Fali zu bringen. Man braucht in der Bukowina nicht die radikalen wilden Straucher. Man giht es billigrer. Man hat doch den „gemåBigten" Juden Dr. Friedrich Billig. „GemaBigte" Juden? Das ware so etwas fiir die deutschen Juden der Cechoslovakei. DaB die Narreteien nie aussterben! Wir hatten ja schon „gemaBigte" Juden im Wiener Parlament. Den Tarnopoler Gall. „Nor de Gall!" — Aher der Konig hat alles versprochen. „Die Juden kbnnen versichert sein, daB sie allen Nationen des Landes gleichgestellt sind." Wir wollen es hoffen. BrUnner Nachrlchten. Veerin „Jiidische Schule". Der ruhrige Verein „Jiidische Schule" veranstaltete Dienstag, den 2. d., um 8 Uhr abends, seinen ersten Elternabend, bei dem Dr. Gustav Kohn iiber das Thema „die Bedeutung der Schule bei den Juden" sprach. Er entwarf einen kurzen historischen Rttckblick Iiber die grofie