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Jüdische Volksstimme · 1920-06-10 · Heft 24 (10.6.1920) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 24 (10.6.1920)
Date
1920-06-10
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sti« s omsen foumraun.* Nr. 24. Bedeutung, die im Judentume der Schule gezollt wurde. Zeigte wie Rabban Jochanna ben Sakkai die Errichtung einer Schule in Jabne als das wichtigste Moment flir Erhaltung des Judentums ansah und wie die groBen jiidischen Schulen in Spanien, Frankreich, Deutschland, Italien Pflanzståtten der allgemeinen Kultur waren, wie aus ihnen durch ihre hervorragencien Vcrtreter die abendlåndische Kultur, namentlicli Humanismus u. Renaissance stark beeinfluBt wurde. Die heutige jiidische Schule, durch die Gesetze als Minoritåtsschule gewåhrleistet, soli die Kinder niclit nur zu besseren Juden, sondern auch zu besseren Menschen heranbilden und soli in erster .Linie wieder uns Juden die Achtung vor uns selbst bringen. Es wåre zu wiinschen, dafl der junge Vcrein viele Elternabende veranstalten m8ge, die gut besucht, das Ilteresse får .unser wahres Volkstum erwecken sollen. ManlTestationsversammlung. Montag, den 14. d., finclet im Schreibwaldsaale ein groBes Meeting als San Remo-Feier statt. Beglnn pråzise 8 Uhr abends. Es werden Delegierte aus def ganz£n Cechoslovakei sprechen. aaste herzlichst willkommen. Organisierte sind zum Erschelnen verpflichtet! Sltzung des zionist. Zentralkomltees fiir die Cechoslovakei. Am Dienstag, den 15. d., findet in Brilnn im Sitzungssaale der Israel. Kultusgemeinde Kolisté 57 eine Sitzung des Zionist. Z. K. statt. Vlerzlg Jahre Schrlftsteller. Einer unserer åltesten Verfechter des zionistischen Hochgedankens, Schriftsteller Leopold S c h w a r z in Briinn, der Verfasser der von Dr. Gronemann-Hannover seinerzeit in der „Welt“ als grundlegend bezeiclineten Schrift „Neu-Essåertum und Zionismus'* (Witrzburg, 1905), vollendete bereits das 40. Jahr seiner journalistischen und schriftstellerischen Tåtigkeit, die ihm oin bleibendes Andenken in der zionistischen Literatur sichert und ihn zugleich einer Ehrengabe anlåBliclt dieses Jubilåums hochst wiirdig erscheinen låflt. Wir laden hiemit unsere g. Leser zu recht reger Betciligung an einer wohlverdienten Geldzuweisung an. die unserem langjåhrigen Mitarbeiter, dessen Anfsatzreihen tiber die Sabbatruhe vom nationalen und volksgesundlichen Gesichtspunkte, sowie tiber jiidische Obst: und Gemiisebaugenossenschaften hierzul.andc, neibst zahlreichen Zionsgedichten ynd vifelen underen Beitrågen noch unvergessen sind, die notige M»Be zur Schaffung einer neuen Arbeit ermoglichen soli und auch ein sichtbares Anerkennungszeichen bilde. Die an die Redaktion der „Jiidischen „Volksstimme" einlangenden Ehrengabebeitråge werden in unserem Blatte aiisgewiesen werden. Sport. Schwimmsport. Es ist allgemein bekannt, dafl gerade Juden auf diesem Gebiete sportlich hochstehende Leistungen erzielt haben, deren Ruhm jedoch stets anderen Nationen zufiel. Erst die letzten Jahre haben liierin Wandlung gebracht. Gerade heute erreicht uns die freudige Nachricht, dafl Hcrr Rudolf P i o w a t y vom Brtlnner Makkabi, die jiidischen Farben zu einem glånzenden Siege gefiihrt hat. Bei dem Prager Wettschwimmen, das Sonntag, den 6. d.f untcr Teilnahme von 240 Schwimmern zum Zwecke der Auswahl fiir die Antwerpener Olympiade stattfand, crrang Rudolf.Piowaty 4 erste Preise und damit wohl das sichere Anrecht auf Teilnahme au der Olympiade. Er bestritt hintereinander siegreich folgende Rennen: 50 m, 100 m, 300 m und 800 Meter. Wohl eine einzigartige Leistung. Auch sein Bruder, Herr Otto Piowaty, Leiter der Makkabi- Schwimmsektion Briinn, erzielte trotz schårfster Konkurrenz 2 dritte Preise. Wir begltickwiinschen beide gleichermaflen zu dem pråchtigen Erfolge und sind ihnen får diesen Beweis jådischer Tatkraft, der die jiidische Anferrioritåt auf dem Gebiete des Sportes in glånzender Weise ad absurdum fåhrt, herzlich dankbar. Moge ihnen und dem Makkabi Briinn der Erfolg auch weiterhin treu-bleiben. Peronalnichrichten. Bar-Mlzwah. Die Bar-Mizwah ihres Sohnes Josef, die Samstag, den 11. d. im groflen Tempel, Stiftgasse, st^ttiindet, geben bekannt Alois H o c h w a hl und Frau. Korrsspondunzen. Iglau. Bedingt durch die politische Lage, durch die Vorbereitungen zu den Gemeinde-, Reichsrats- und Senatswahlen, ferner dadurch, dafl mehrere lettende Mitglleder des „Jådischen Volksvereines Theodor Herzl" von Iglau Qbersledelten, kam eine Zeit des Stillstandes im Vereine. Den Bemiihungen einiger Månner ist es gelungen, den Verein wieder zur Tatigkeit zu bringen. Eine zu diesem Zwecke einberufene Generalversammlung, die recht zahlreich besucht war, wåhlte einen neuen Ausschufl, an dessen Spitze Herr Richard Weiflenstein steht. Der neue Ausschufl begann sofort seine Tåtigkeit und tyarf sich auf das wichtigste Arbeitsfeld der jetzigen Ze anf dfe Arbeit im „Jiidischen Nationalfond". Dem Nationalfondkommissår wurden noch drei Herren zur Verfågung gestellt, nachdem ein einzelner die Arbeit einerseits nicht bewåltigen kann, andererseits erhof; man durch die ausgedehntere Tåtigkeit groBere E folge zu erzielen. Der Verein wird durch Veranstalten von Versammlungen, Vortrågen und Unterhaltungen das Interesse an unserer Sache auch der breiten Oeffentlichkeit zu åbermitteln trachten, und so hofft die Vereinsleitung eine gedeihliche Arbeit zr. leisten. Sborov. (Slovakei.) Auf Anregung von Herrn A. Seltenreich und Herrn'Ch. I. Schhissel, wurde hier eine „Chevra Tifereth-Bachirim" gegråndet. Zw'eck derselben ist Stårkung und Forderung von Thorastudium, bei der am 29. Februar Generalversammlung wurde nals Leiter bestimmt: Alexander Seltenreicl als Pråses, Chaskel Schlåssel als Kassier und Schriftfiihrer Samuel Reich als Kontrolpr und 5 Ausschuflmitglieder. Der Studium erfolgt durch verschiedene Schirum, unter Aiifsicht des Herrn Rabbiner I. WeiP und Herrn Rabbinat-Assessor David!* Schlåssel, wie auch andere hiesige Talmudweisen. Beinerkenswert ist, dafl beinahe såmtliebe hiesige Bachirim und Bale- Batiin sich zu diesér Chevra bekennen. Die Chevra enthålt daher zahlreiche Mitglieder. Berlin. Am 6. Mai 1920 fand in den Musikersålen Kaiser Wilhelmstr. eine Offentliche Versammlung des Verbandes der Ostjuden in Deutschland statt, in der Professor Dr. Heinrich Loewe åber das Thema „Der Verband der Ostjuden und die Ostjuc!ennot“ sprach. Die Vérsammlung gestaltete sich zu einer wirkungsvollen Kundgebung der Berliner Ostjudenheit. Lange vor dem angesetzten Beginn war neue Scharen stromten herbei und begehrten Einlafl. Die temperamentvollen Ausfåhrungen des Redners wurden wiederholt vom stårmischen Beifall unterbrochen. Herr Prof. Loewe beleuchtete das Verhåltnis zwischen Ost- und West-Judentum und wies auf die besondere Bedeutung der ostjådischen Kultur får die Erhaltung und Stårkung des gesamten Judentums hin. Er geiflelte das unbegråndet negative Verhalten gewisser Deutsch-jådischer Krei.se, die im „Berliner Tageblatt4* und in der „Frankfurter Zeitung“ ihre Vertretung haben, gegenåber den in Deutschland lebenden Ostjuden deren Verfolgung und Schikanierungen dem Interesse des deutschen Reiches abtrågisch sind. Der Redner schilderte soc’ann die erschiitternde Notlage der ostjådischen Flåchtlinge in Deutschland und die segensreiche unermådliche Tåtigkeit des Verbandes der Ostjuden bei der Durchfåhrung seines sozialen Hilfswerks får die beimlosen Bråder. Darauf forderte Herr Kraus die Anwesenden zum Beitritt und zur Mitwirkung an den groflen aber ^schweren Aufgaben des Verbandes auf. tferr Rechtsanwalt Feblowicz sprach åber die bevorstehenden Gemeindewahlen und wies auf die Notwendigkeit hin, auch Vertreter der Ostjuden in die Gemeinde-Reprasentanz zu delegieren. Herr Josef Lin beleuchtete die schopferische Kraft des jiidischen Genius, wie der sich in den Schåtzen der jådischen Kultur und hebråischen Sprache und Literatur offenbarte. Zum Schlufl betonte Herr Prof. Loewe die entscheidungsvolle Bedeutung des gegenwårtigen historischen Moments får das Schicksal des jiidischen Volkes. Die nach tausenden zåhlende Vérsammlung, die von Herrn Max Lewit geleitet wurde, begleitete die Ausfåhrungen des Redners mit stårmischen, begeisterten Beifalls-Kundgebungen. Literatur. Håbråisches Turnkoramando von Oskar Kwasnik-Rabinowicz. Soeben erschien ein Handbåchlein får jåd. Turner in hebråischer und deutscher Sprache. Der hebråische Text ist sorgfåltig punktiert. Ein alphabetisches Wortregister erleichtert dem Anfånger das Nachschlagen. Die hebråische Sprachkommission in Jerusalem hat diese Kommandis får die jådischer Turner aller Lånder béstimmt und das hebr. Gymnasium in Jaf fa hat es bereits eingefåhrt. Dieses Bflcb lein kann und soli kein jådischer Turner entbehren. Zu beziehen durch M. H i c k 1 s V e r l a g, B r å n n, Adlergasse 9. Enter Almanaeh dit Welt-Verlag« 1920. Welt- Verlag Berlin. Geh. Mk. 2.50. Dieser långste jådische Verlag ist sehr råhrig. In seinem Amanach, der sehr zu begråflen ist, sind Proben aus den bei ihm erschienenen Bfichern. Zeichnungen von S t r u c k, M e n achem Birnbaum und Riwka Straufl schmåcken den Almanach. Der Welt-Verlag hat in der kurzen Zeit seines Bestandes Wertvolles geschaffen und dårfte uns noch so manches auf den jådischen Båchermarkt liefern. Judenlieder von Adolph Don at h, 1920. R. Lflwit, Wien. — „Jahre .waren hingegangen. Auf den satten Feldern regten sich viel tausend starke Hånde, die, des Sommers reicher Spende froh, den Eisenpflug bewegten.“ So sang der „Prophet" der måhrischen Juden Adolph Donath im Jahre 1901. So ist Donatlis „Prophet“ zum Propheten geworden. Donath selbst aus einem Dichter ein Seher. Wunderbare Melodik, tiefsinnige Rhytmik liegt in dieses gottbegnadeten Sångers „Judenlieder*', die bereits von Theodor Herzl im Jahre 1897 begutaehtet, nun in einer kleinen Sammlung vorliegen. „War ein kleines stilles Haus" ist Musik auch ohne Noten.-Es ist nur bedauerlich, dafl wir Jungjuden Kitsch propagieren, Llteraten zu Dichtern erheben und unsere wahren Sånger vernachlåssigen. Aber Adolph Donaths Lieder, søfern sie den Weltruhm noch nicht erlangt, werden ihn erreichen. Israel Tunis: Der jiidische Pionier In Erez- Lrael. Seine Tat und seine Wandlung. R. LQwlt-Verlag, Wien u. Berlin, 1920. — Ein kleines Båchlein, in einer guten Uebersetzung von Heinrich Broli, erzåhlt von dem Leidenswege jådischer Pioniere zum lebensglåek in der Heimat. Ba ruch Kr up n ik: Die Judlschen Parteien. JLdischer Verlag, Berlin, 1919. Auf 29 knappen Sei- gibt Krupnik einen Ueberblick åber die jådischen Parteien. Zur Orientierung sehr gut verwendbar. Dr. A r o n B a r t h: Orthodoxle und Zionismus. 1920. Welt-Verlag, Berlin. Der jådische Gelehrte vcrsucht nach den einleitenden Kapitdn åber Judenproblem, Zionismus, Baseler Programm den Zionis-, mus mit der Orthodoxie zu verbinden. Theoretisch ist es ihm gelungen. Wir hoffen, dafl die praktischen Erfolge die gleichen sein werden. Bertrade: Die Chronik des Monchs von Le Saremon von Benno Rtittenauer, Georg Måller 1918. Månehen, geb. Mark 11, geh. 9 Mark. Råttenauer schildert uns in Form einer Monchschronik das Schicksal einer Armagnac. Nicht cias der Katharina, das hat V o 11 m o e 11 e r beliandelt, dafår aber der Bertrade. Sie ist die Schwester des geåchteten Grafen von Armagnac. Noch in der Wiege mit Englands Konig Heinrich verlobt, låfit schon Shakesp.eare Gloster, Suffols und Exeter åber ihren Brautschatz streiten. Bertrade d’Armagnac wird auf der Burg ihrer Schwågerin erzogen, der Mdnch von Le Saremon wird ihr als Lchrmeister beigegeben. Welche Schwierigkeiten den Magister treffen, wie er nach der Råckkehr des Grafen bemerken mufi, dafl seine Schålerin in Liebe zu ihrern vergottertem Bruder aufblickt, der sie zum Weibe begehrt, wie der geåchtete Graf vom gegnerischen Kdnig bekriegt und gezåchtigt wird, dies alles err.åhlt die Chronik Råttenauers, die nur zu oft an aes kostlichen B a 1 z a c „Tolldreiste" erinnert. Edward Bellamy: RUckblick von dein Jahre 2000 auf das Jahr 1887. Utopia. Die Sammlung fabelhafter Romane. 1. Bd. Georg Måller, Månehen, geh. M. 10, geb. M. 15. — Des Englanders T h o-> mas More Utopia wird von des Amerikaners Bellnmy „Råckblick" weit åbertroffen. Die kominunistischen Probleme, das Problem der Sozialisierung, wenn man will, sogar Popper—Lynkeus Programm der allgemeinen Nåhrpflicht, dies alles hat schon vor 33 Jahren Bellamy mit kåhner Phantasie entworfen und beschrieben. Wir sehen ein Paradies der Mensch- :ieit. Keine Bedråcker und Bedråckte. Kein Ausbeuter und Ausgebeutete, nicht mehr Bourgeois und Proletarier. Alles freie Menschen, die das gleiche Recht und die gleichen Pflichten aufs Leben haben. Wir brauchen keinen Bucharin, wenn wir Bellamy lesen. Fer Verlag hat sich Dank verdient, dafl er auch diesen utopischen Roman verlegt, dem hoffentlich die åbrigen Utopien folgen werden. Dr. N. M. Gelber: Aktenstucke zur Judeufiage am Wiener Kongrefl 1814/15. Verlag des „Esra". preis 10 K. Gelber ist dem jådischen Historiker nicht unbekannt, denn er beschåftigt sich schon lange mit Problemen der jådischen Oeschichte. Die Kongresse hatten stets eine gewisse Bedeutung får uns Juden und dafl der Wiener Kongrefl die Judenfrage

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