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Jüdische Volksstimme · 1920-07-15 · Heft 29 (15.7.1920) · page 6

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 29 (15.7.1920)
Date
1920-07-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Sfcte 6 Nr. 29. Wohl ist Bart el s als Literårhlstoriker bekannt, wenn auch nur bei Teutomanen und reinen Rassenmannern und Weibern, wenn letztere auch nicht immer Rasseweiber sind; aber eine europaische GroBe ist Barteis nicht, wenn er auch an dem Ruhme zehrt als Marsche Landsmann Friedrich H e fabel s zu sein. Die „Deutschvolkischen Blåtter" lancieren nun Adolf Barteis. Sie schreiben: „Den Herren in Berlin mochten wir heute nur soviel sagen: „Lesen Sie ja erst følgende Aufsatze und Bilcher (gemeint sind Barteis Biicher) ehe sie den Lehrstuhl besetzen!" Es soli nicht wissenschaftliche Fåhigkeit, Gelehrsamkeit und Begabung fiir die Besetzung eines Lehrstuhles, sondern urdeutsche, will sagen, antisemitische Gesinnung ausschlaggebend sein. Die Universitåt, deren Studenten einen Einstein nicht lesen, weil er Jude ist, indeB er in.Norwegen und Holland Lorbeeren pfltickt, indeB ihm der Typus des Germanen (als .soleher gilt bei Barteis und seinen Nachbetern der Norwege) Ovationen darbringt, diese Universitat soli nun den SemitentQter Barteis zum Ordinarius ernennen. Die Kriegspsychose, welche die ganze Welt befangen halt, kann vor Deutschlands Tilren nicht halt machen, und die reaktionare Studentenschaft mdchte gerne den Mann an der Berliner Universitat haben, der von Heinrich Heine nicht anders spricht, als vom vollkommenen Lumpen, Seelenverwilster, Revolverjournalisten und Zuchthauskandidaten. Wir glauben aber doch, daB sich der akadetnische Senat eines besseren besinnen wird. * t Dr. Albert GeBmann. Mittwoch, den 7. Juli d. J., starb in der Nåhe von Reichenau Doktor Albert GeBmann im Alter von 58. Jahren. Urspriinglich gleich Dr. Karl Lu eger aus der Schule Ferdinand Kronawetters hervorgegangen, gehdrte er der demokratischen Partei an, um dann spater mit seinem Meister die Organisierung des „dummen Kerl“ von Wien mit groBem Geschick und antisemitischen Phrasen in die Hånd zu nehmen. Einer jener rticksichtslosen Streber,' dem die Sache nichts, die eigene Person alles ist. Beamter der Wiener Universitat wurde er Hofrat, erster Minister fiir offentliche Arbeiten, Geheimrat, Exzellenz. Zuerst bildete er mit Lueger im Badenischen Pariamente die 2 Mannerpartei, um im Jahre 1901 „Organisator des Sieges“ genannt zu werden. Sein liochstes Streben, Btirgermeister Wiens zu werden, i oder Chef der Partei ging nicht in Erfiillung, ersteres wurde Dr. WeiBkirchner, letzteres Alois Liechtenstein. Von seiner Partei als Streber gehaBt, von der offentlichen Gunst fallen gelassen, zog er sich langsarn zurilck, da in der Republik fiir Manner seines Schlages kein Platz war. Ein eiserner Arbeiter, Antisemit reinsten Wassers ist mit ihm zu Grabe getragen worden. Immerhin stand er noch hoher als ein Kuntschak oder Jerzabek. * # * Das zionistische „Prager Tagbi a t t“. Man traut ja seinen Augen und Ohren nicht. Das .„Prager Tagblatt" wird als zionistisch betrachtet. Ja wie ist denn das nur moglich? Was ist da geschehen? — Der Ministerpræsident Tusar hat in der Freitagssitzung der Nationalversammlung im Verlaufe seiner Rede erwahnt, das „Prager Tagblatt“ wåre ein deutsches Blatt. Daraufhin ein Sturm der Entriistung auf den deutschen Banken. Das „Prager Tagblatt" ist ein jiidisches, ein „zionistisches" Blatt. So?? Bei Gott, das haben wir Zionisten nicht gewuBt. Die deutschen Abgeordneten, fiir die das „Prager Tagblatt" so stolz, so wacker eintrat, verleugnen es, wenn es ihnen paBt! Håbe ich nicht irgendwo von deutscher Treue gelesen? Frage ich nicht in diesem Blatte immer wieder, was eigentlich diese vielgertthmte deutsche Treue ist? Nun wissen wir es. Der Jud muB fiir die Deutschen die Kastanien aus dem Feuer holen und droht er dabei zu verbrennen, so ist niemand da, der ihn kennt. Als der Hahn zum drittenmal kråhte .... Der Hahn hat aber noch gar nicht zum drittenmal gekrhht. Herr Prof. Kafka, Herr Senator Jelinek, was sagen Sie dazu? Und Herr Dr. Jarojim? Der ist doch mit dem Herrn Dr. Baeran gar so gut. Was sagt unsere liebe deutsch-demokratisehc Oesellschaft. Was sagt der liebe „Tagesbote"? Sie schweigen, weil sie wissen, daB in den Anwiirfen« der deutschen Abgeordneten ein Kornchen Wahrheit steckt. Das „Prager Tagblatt" ist weder jiidisch noch zionistisch, es ist ein „deutsches Judenblatt". * * O, du 1 i e o e r „T a g e s b o t e“. In den Schulnachrichten des Brilnner deutschen Staatsrealgymnasiums hat sich in die Statistik des Religionsbekenntnisses ein „unliebsamer" (alle Druckfehler sind unliebsam, alles Unliebsame ist Druckfehler), also ein unliebsamer Druckfehler eingeschlichen. Wåhrend die SchUlerzahl des ganzen Realgymnasiums 361 betragt und gegeniiber 161 jiidischen Schiilern zusammen 200 r.-kath. und evangel. Schtiler in Wirklichkeit sind, weisen die Schulnachrichten 374 r.-kath. und 26 evang. Schuler auf. Der „Tagesbote" bemerkt natiirlich sofort den Irrtum und — berichtet den Tatsachen entsprechend! So solite man meinen! Aber nein! 161 Juden gegen 174 kath.-lat. Ritus und 26 Evangeliken ist doch etwas bedenklich! Also wird berichtet: 274 Schuler waren kath., 26 evenag. und 161 mos. — O, du lieber „Tagesbote"! Brilnner Nachrichten. JUd. Nat.-Fond-Kommlssion. Selbstbesteuerung: Susi Segal 40 K, Dawid Soffer 32 K, Emil Ticho 24 K, Moritz Deutsch 20 K, Heinrich Schlesinger 20 K, Rosa Wolfer, Ada Vogl je 15 K, Rudolf Singer, Fritz Zweigenthal, Fritz Lowinger je 2 K, Max Czuczka 1 K, „Hasmonea" 17 K, Emilie Gelber 2 K, Emi Gelber 6 K, Julius Gelber 3 K, Ludwig Gelber 12 K, Ada Discha’2 K, Dr. Discha 12 K, Moriz Feldmann 4 K, Wassermann 4 K, Siegfr. Weiczmann 2 K, Leo Huppert 2 K, Samuel LSwenkron 25 K, Teodor Bruan 30 K. Biichsen-Leerung: GroBer Tempel K 36.12, Berta Schnabl K 37.94, Dawid Soffer K 30.92, Otto Lowy K 46.30, Olga Oottlob K 12.40, Stella Czuczka 22 K. Irene Fuchs K 6.20, Otto Breda K 5.12, Viktor Hannak K 3.45, Gisa Strebinger K 2.82, R. Piovaty K 7.16, Robert Steiner K 10.42, Amalie Altmann 5 K,, CScilie Masafik K 1.14, Schwestern Frisch K 12.80, F’-anz Winkelsberg K 3.49, E. SchUtz 12 K, Olga Hansi 5 K, Adolf Schey 7 K, Isidor Klein 23 K, L. Trammer K 1.65, B. Klingenberger K 3.30, Adolf Schallinger 10 K, Berthold Hermann 3 K, Ticho & Weil K 11.72, Ernst Deutsch 4 K, Mitzi Robitschek K 3.20, Anny Drucker 3 K, Josef Schwarz K 5.44, I. Schlesinger K 11.70, Josef Laufer K 10.10, Josef Heller 5 K, Mensa academica K 43.80, Fritz Soffer 30 K, Hermann Eisner K 7.58, Dr. Totis 1 K, Kathi Zaitschek K 13.20, Egon Freund K 6.30, Josef Bergmann K 17.58. OelbSume-Spenden: Berta Schnabl 2 Baume anstntt Blumen anl. der gi. Entbindung der Frau Benedikt auf N. Ihres Sohnes 30 K, Familie Zaitschek i BSume im Garten des Sohnes Siegfried 45 K, Dr. Orachmann 1 Oclbaum auf Namen des Sohnes Altred 15 K, Artur Griin 1 Oelbaum auf N. seiner Schwester Irene anl. Ihrer Vermåhlung 15 K. Allgemeine Spenden: Ida Schey 10 K, Hochzeb MåVfschl-Altmann 500 K, Sammlung wåhrend der ’ierzl-Feier im Tempel K 512.32, Pachter 5 K, N. N.; K (erledigtcs Laborat\ Olga Dubsky Einlosmr ines Frfer?'■•riwhecks f0 K. Hdzenå. Slavia la—Makkabi la 6:0 (4:0). Die Gæste traten mit Ersatzmann am linken Fliigel an und boten ihr gewohnliches schones Spiel. Von den Einheimischen war die Halfreihe die Beste, wo Fri. Biirstenbinder ihre gute Technik und ihr richtiges Spiel zeigte. Die Stiirmerreihe, wie gewohnlich, zerfahren und ohne Zusammenspiel. Im Tore brillierte, wie gewohnlich Fri. WeiB, die eine Menge schoner Bålle hielt, und die Makkabimannschaft vor einer grdBeren, doch verdienten Niederlage schiitzte. Spielleiter Langer einwandfrei. Penecel. FuBball. Hackoah Wien— Makkabi 9:2 (3:0). Fiir jedermann war es klar, daB die Einheimischen dem erstklassigen Wiener Verein kein ernster Gegner sein konnten. Wenn die Brilnner Mannschaft auch mit viel Aufopferung spielend ihr Bestes hergab, war es doch nur eine Kleinigkeit gegen das, was uns die Wiener boten. Sie zeigten uns eine in allen Reihen gut zusammengespielte Mannschaft, in der sich die Stiirmerreihe auf das richtige Zuspielen der Halfreihe verlassen konnte. Eine Prachtleistung bot Scheuer, der mit seinen langgestreckten Befrei« ungsstoBen die Bewunderung so manchcs Zuschauers erregte. Bei den Briinner waren die Verteidigungs* reihen der bessere Teil der Mannschaft, da der Sturm nur selten gegen die vorzflglich arbeitenden Verteidiger Wiens aufkam. Vor dem Wettspiele iiberreichte man den OSsten einen Silberpokal zur Erinnerung an ihr Gastspiel in Brlinn. Spielverlauf: Briinn hat Abstofl und es gelingt den Einheimischen 17 Minuten lang das Spiel offen zu halten. In der 18. Minute schieBt Pollak aus einem zugespielten Ball von Boros das erste Goal. Kurz darauf verschieBt NuBbaum eine aufgelegte Position. In der 26. Minute erringen sich die Oaste eine Ecke; der von Håuser gut getretene Ball wird von Gansl durch KopfstoB unhaltbar eingesendet. ni der 38. Minute gelingt es Boros aus einem Alleingange das dritte Goal zu schieBen. Nach Seitenwechsel sucht Briinn das Spiel in die andere Spielhålfte zu verlegen. Alle Angriffe der Briinner sind vergebens. Boros verschieBt in der 4. und 5. Minute. ni der 7. Minute wehrt der Goalmann Briinns 6fters ab bis Gansl die Situation klårt. Kurz darauf schieBt Pollak das 5. Goal. Nun raffen sich die Briinner auf und aus einem Gedrånge vor dem Tore der Hackoahner schieBt Broch das erste Tor fiir Briinn. In der 22. Minute schieBt Boros fiir Hackoah den 6. Treffer. Vom AbstoB weg verlegt Briinn das Spiel auf kurze Zeit ins andere Spielfeld und ein schoner ZenterschuB von ReiB I wird von Moritz mit dem Kopfe ins Netz der Gåste befordert. Nun wechselvolles Spiel. In der 37. Minute geht Håusler durch und schieBt das 7. Goal. In der 40. Minute schieBt Poliak das 8. und in der 43. Boros das 9. Goal. Schiedsrichter Adler leitete das Wettspiel einwandfrei. Die Gåste hinterlieBen bei Zuschauern und Spielern den besten Eindruck und wir hoffen in Bålde dieHackoah wieder zu unserem Gaste zu haben. Penecel. Korrespondenzen. Boskowitz. Die J. J. G. „Gideonia" veranstaltetc anlåBlich des 16. Todestages Dr. Th. Herzls, Samstag, den 10. d., einen Jugendgottesdienst, bei welchem Stud. Gym. O. Rabindwicz die Trauerredc hielt und Sonntag, den 11. d. eine Herzl-Gedenkfeier im Saale des Herrn B. Deutsch, welche sich sebr imposant gestaltete. Bereits um halb 5 Uhr war der groBe Saal gånzlich gefiillt. In das diistere Bild der Prauerversammlung sah ernst, hoch oben das umflorte Portrat des toten Fiihrers herab. Herzls Bild — den Saal beherrschend. Unter wehmiitigen, eindrucksvollen, melancholischen Klangen eines Streichquartetts, das die „Hatikwah" zu Gehor brachte, entziindete Herr S. Zobel die Jahrzeitskerzen. Nun sang Herr Kantor L. Ast aus Briinn in gewohnter ktinstlerischer und meisterhafter Weise „Mo Odom". Dann folgte ein Quartett „Schmor Tom". Hieraui hielt Herr Gustav Springer die Trauerredc, die tiefen Eindruck machte. An die Trauerrede schføB sich' das „Es mole rachamim" des Herrn Kantor Ast. Dann ertonte die feierliche Weise des Schiwisi. Herr Schuschny aus Briinn deklamierte meisterhaft die Gedichte „Theodor Herzl in Memoriam" von Hugo Zuckermann und „Moses" von Muhlhausen. Herr Phil. Munk appelierte an die jiidische Jugend und forderte sie, die Legionare unseres Volkes auf, bei der Errichtung Herzls Denkmal, beim Aufbau Erez Israel mitzuarbeiten. Ein vielstimmiger Gesang der „Hatikwah" schloB die Trauerfeier. In tiefer Ergriffenheit lauschte die Trauerversammlung den Gesången und Reden. Hier sei ncch ein Jejascher Koach allen Mitwirkenden, insbesondere aber den Herren Ast, Schuschny, Munk, Stecklmacher, Pollak, Wellisch, Brtill, Spitzer, Karl und Emil Friedmann. Die wiirdige, tieferschtitternde Feier, wird den Teilnehmern lange in Erinnerung bleiben. Gideoni. Trnava. Donnerstag, den 1. Juli, veranstaltete der Sportklub „Makkabaa" in den herrlich dekorierten Salen des Kaufmånnischen Vereines ein „Blau- W e i B-F e s t", als S a n-R e m o-F e i e r. Nachdem Herr Oberkantor Abrahamsohn mit einem Chore die Hatikwah gesungen hatte, eroffnete der Prasideht des Vereines, Herr Dr. Rosenfeld, die Feier und erteilte dem Referenten Dr. Gustav Kohn das Wort zu seiner Festrede: „San Remo und Pa- I E s t i n a". Der Referent wies darauf hin, daB wir in San Remo die Krdnung unserer politischen Strebungen auf Palæstina erreicht hatten und daB nun das ganze jiidische Volk am Wiederaufbaue Palæstinas mitzuarbeiten hatte. Die Orthodoxie, die sich fern halt, schade sich selbst, weil sie sich immer mehr vom lebendigen Judentume des Westens entferne und auf einen Zuzug aus dem Osten in absehbarer Zeit nicht rechnen k6nne. Der Referent zitierte einen Brief des Dr. Jung aus London, der meinte,

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