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Jüdische Volksstimme · 1920-07-15 · Heft 29 (15.7.1920) · page 5

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 29 (15.7.1920)
Date
1920-07-15
Page
– (sequence 5)
Language
German
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ffr.se. ■JOMHB MOUMimg.« ScHt Sb afe angenommon wird, wird er anf seinen Posten in Aegyptert nicht mehr zurtlckkehren. Als seinen Nachfolger nennt man Sir Monald Grahan, der in Aegypten eine lange politische Dienstzeit hinter sich hat. * Bericht des JNF zar Jahreskonferenz. Besondere Aufmerksamkeit verdient die vom Bericht des JNF vorgeschlagene Bodenpolitik in Palæstina, deren Ziel sein soli die Unterbindung jeder Bodenspekulation in Stadt und Land, wie auch die Bereitstellung von geniigendem Boden fur die Ansiedlung breiter unvrembgender Massen, sowohl auf dem Land als auch in der Stadt. Dies sind die Konsequenzen der Grundidee des JNF, „der Boden Palæstinas soli sich im Eigentum des jiidischen Volkes befinden'1. In bezug auf die innere Organisation des JNF werden Vorschlæge gemacht, um den breiten Schichten der JNF-Vertrauensleute eine weitgehende EinfluBnahme auf die gesamte NF-Arbeit zii ermoglichen. Antrag flir die paUtsflnensische Konstituante wegen elnes Steuergesetzes zugunsten des Jiidischen Nationalfonds. Die Organisation der'paiæstinensischen Arbeiter „Achduth Haawodah" hat einen besonderen Antrag an die einzuberufendc j.iJische Konstituante ausgearbeitet, wonach jedem paiæstinensischen Juden eine progressive Steuer zugunsten der „ueulath Haarez“ durch den Jiidischen Nailonalfonds auferlegi werden soli. BeschluB der Konferenz der yemenitischen Landarbeiter in PalMstina. Die am 11. Siwan d. J. in Jaffa stattgefundene Konferenz der yemenitischen Landarbeiter Palæstinas hat folgenden BeschluB gefaBt: „Die Konferenz konsfatiert mit Freude, daB die paiæstinensischen Yemeniten im Vérein mit der iibrigen Bevblkerung sich in den letzten Jahren filr die Aufbringung von Spenden zugunsten des Jiidischen Nationalfonds eingesetzt haben. Sie wendet sfcb hierdurch an die yemenitischen Juden Palæstinas mit der Aufforderung, diese'hellige Arbeit fiir die Erlosung des Bodens durch Grilndung besonderer NF- Kommissionen in den yemenitischen Siedlungen und im AnschliiB an die lokalen Kommissiohen inv den Kolonien mittelst der Selbstbesteuerung und regelmæBlger Spenden fortzusetzen. Dip'Konferenz setzt einen monatlichen Mindestbejrag von 2 ægypt. Piastern als Selbstbesteuerung fiir leden arbeitenden Yemeniten fest. Sie wendet sich hiermit an sæmtliche Gemeinden im Yemen mit der Aufforderung, im Verein mit allen Juden in der Diaspora,, sich fiir die „Geulath Haarez" durch den Jiidischen Nationalfonds einzusetzen. Die Konferenz fordert dieLeitung des JNF auf, in den jiidischen Zentren des Yemen, Aden und Saana, Bilros zu errichten. Die Konferenz beauf,tragt den Waad der „Achduth Haawodah" zusammen mit Vertretern der Yemeniten an die Jugend dortselbst ein Manifest zu richten, das diesen die Lage in Palæstina und die Bedeutung des JNF vor Augen fiihren soli. ENGLAND. Wunderrabbl Frledmann auf Jahreskonferenz. Die bekannten Wunderrabbis Salomon Friedmann und Jakob Friedmann werden an der zion. Jahreskonferenz als Delegierte des Misrachi teilnehmen. Rabbi Fischmann von Palæstina und der Chacham Abuchzir von Aegypten, ebenso wie verschiedene amerikanische Delegierte sind bereits in London eingetroffen. Forderung nach Elnberufung des Kougresses. Auf einem in Leeds abgehaltenen Misrachi-Meeting, an dem u. a. Prof. Dr. Pick und Rabb. Dr. Herzog-Dublin sprachen, wurdé nach Dank-Resolutionen an die britische Regierung und an die zion. Fiihrer in einer* Resolution die Erweiterung der zion. Exekutive und Einberufung eines zion. Kongresses gefordert. DEUTSCHLAND. Die deutscben Juden und Palastlna. Berlin, J. C. B. Der Zentralverein der „Deutschen Staatsbtirger jiidischen Glaubens" veroffentlicht eine Proklamation, in welcher er darauf åufmerksam macht, daB die Entscheidung von San Remo — wenn sie auch die Lage der deutschen Juden im kulturellen und nationalen Sinne als eines Teiles des deutschen Volkes unveråndert lfifit — sie doch allen Juden die Pflicht der Zusammenarbeit am Paiæstina- Werk auferlegt. POLEN. Entfernung der Juden aas den Militiirbiiros. In Angelegenheit der Entfernung der Juden aus den Militærbiiros und der diesbeziigl. erteilten Auskunft des Krigsministeriums erkiært der Klub der liid. Abgeordneten in einem Schreiben an das Kriegsministerium, sich durchaus unbefriedigt mit der ihm erteilten Antwort. Es handle sich keineswegs um das den einzelnen nicht entgegengebrachte Vertrauen, sondern um ehKsystematisches Entfernen aller Juden aus den Militærbiiros und der verschickte ErlaB motiviere diese Entfernung im selben Tone wie die straflos verteilten Flugblætter an die Soldaten gegen deren Verteilung das Ministerium angeblich ankæmpfe. (J. P. Z.) Lloyd George iiber Sir Stuart Samuels Bericht aus Polen. London. J. C. B. Im englischen Unterhause wurde von Lord Robert Cecil eine Anfrage iiber das Wesen und den Erfoig der seitens des Sekretariats des Volkerbundes gemachten Vorstellungen in Sachen der Juden in Polen, eingebracht, wodurch sich die englische Regierung bisher der Veroffentlichung des Berichtes von Sir Stuart Samuel iiher seine Untersuchung der jiidischen Lage in Polen enthalten hat. Ministerpræsident Lloyd George erwiderte darauf, daB diese Angelegenheit Ende April mit dem Generalsekretær des Volkerbundes unverbindlich besprochen .wurde. Sir Eric Drumond æuBerte seine Ansicht dahin, daB es besser wtire, die Publikation des Berichtes solange hintanzuhalten, bis der Volkerbund iiber ihn beraten haben werde, da die in Rede stehende Untersuchung. iiber die Lage der Juden in Polen in die Kompetenz der Leagie* of Nations, als der Beschiitzerin der Minderheitsklausel des Friedensvertrages, falle. Sr. Majestæt Regierung machte sich seinerzeit diesen Standpunkt zu eigen und håbe daher vorgeschlagen demgerndB zu handeln. Mit Riicksicht jedoch auf das groBe Interesse das dem Berichte Sir Stuart Sdmuels sowphl im Hatise als auch in der Oeffentlichkeit entgegengebracht wird, und daB der Volkerbund ihn nicht vor Ende Juli in Verhandlung ziehen kann, hat sich die Regierung entschlossen, die Veroffentlichung nicht weiter hinauszuschieben. Er wird somit ehebaldigst dem Hause vorgelegt werden. UKRAINA. Professor Friedlander und Mr. Kass vermiBt. Warschau, J. C. B. Infolge der neuen Frontverschiebungen im Osten sind die Delegierten des Ame- ’oint Distribution Committee, Professor Friedlander und Mr. Kass, die eine Reise nach Ukraina unternommen haben, seit einigen Wochen vermiBt. Es war bisher nicht moglich von ihnen ein Lebens- /.eichen zu erhalten. LITAUEN. Jiddische Sprache im lltauischen Seim. Die jild. Delegierten verlangten wegen Unkenntnis des Litauischen ihre Reden in russischer oder jiidischer Sprache halten zu durfen, wonach diese ins litauische ilbersetzt werden soilten. Dieser Antrag wurde abgelehnt, dagegen gestattet, jiddisch zu sprechen, ohne Anschaffung einer Uebersetzung, da die Abgeordneten angeblich jtidisch versttinden. Das Wegfallen der litauischen Uebersetzung bildet zwar eine Storung fiir die Tætigkeit der jtid. Abgeordneten, wohingegen die Gestaltung der Reden in jidd. Sprache einen Erfoig in dem Kampfe fiir die rechtliche Anerkennung dieser Sprache bildet. Die itidischen Gemelnden als Muster der Verwaltung. Das Londoner J. C. B. meldet: Der gewesene Ministerpræsident in Litauen, Herr Galwanowski, der sich vor Ktirzem zurtickgezogen hat, erkiærte in einer Parlamentssitzung, die jiidischen Gemeinden in Litauen seien ein Muster der Organisation und der Ordnung und alle Offentliche Institutionen mogen von ihnen lernen. Russfsche Banknoten mit fiidlschem Aufdruck. Helsingfors, J. C. B. „Inwestia“ zufolge befindet sich auf der neuen von der Sowietregierung herausgegebenen Banknotenemission, auch ein Text in jiddischer Sprache. LETTLAND. Juden In der lettlSndlschen Konstituante. Irr die lettlændische Konstituante, die zirka 60 Mitglieder zæhlt, wurden auch 4 jtid. Vertreter gewåhlt: Rabb. Dr. Nurok, Rechtsanwalt Thron, Dr. Hellmann und Dr. Mintz. Letzterer erhielt im neuen lettlændischen Ministerium einen Ministerposten ohne Portefeulle. Der Pogrom In Reszyca. Riga. J. C. B. Im lettischen Pariamente hielt der Sozialist Herr Berz eine scharfe Rede gegen die Pogrome, die im Lande ausgebrochen sind und sagte Uber die Exzesse in Reszyca, daB sie einen regelrechten Pogrom darstellen, bei dem geraubt wurde und was nicht geraubt werden konnte, wurde vernichtet. 92 Juden haben dabei ihr Leben eingebtiflt. RUMANIEN. San-Remo-Feler. Die Beschlilsse von San Remo haben ein starkes Echo unter den Zionisten Rumæniens gefunden. In groBen Meetings, in welchen Dr. Niemirover-Bukarest, Dr. Nacht-Braila, Pineles-Oalatz u. A. den Geftihlen der rumænischen Juden Ausdruck gaben, wurde das groBe Ereignis gefeiert. Die zion. Federation hat unter Ftihrugn von A. Bernhardt, Dr. Niemirover, Ing. Gottlieb, Israel Marcus, zusammen mit dem Pro Palestina Komitee, welchem Nichtzionisten angehoren, im ganzen Lande eine groBe Sammlung fiir den Wiederaufbaufonds veranstaltet. In Bukarest allein dtirften 2 Millionen erreicht werden. ITALIEN. Der Papst und der Zionismus. Eine Meldung des Echange Telegraph Co. aus Rom vom 19. Juni berichtet: Wie offizios gemeldet wird, ist der Papst zu dem BeschluB gekommen, daB es unhaltbar wtire, den jtid. Elementen eine privilegierte Stellung einzuræumen gegeniiber anderen ethnischen oder religiosen Elementen. Die Errlchtung eines Helms, wfb dies ursprtinglich geplant war, sei ohne Argwohn nazusehen, aber den Juden eine Hegemonie-Stellun^ verleihen, wtirde etwas ganz ander es bedeuten. . Von der zionlstischen Jahreskonferenz. (Von unserem Spezial-Berichterstatter.) London, 6. Juli 1920. Die englisch sprechenden Zionisten haben sich zu einer grofien Gruppe zusammengeschlossen; aus Amerika allein sind etwa 40 Delegierte unter der Fiihrung von .Justice Brandeis eingetroffen. Auch die russischen Zionisten haben einen Block gebildet. Unsere Delegierten und die aus Schweden, Norwegen, Rumænien, Oesterreich und Deutschland haben sich in der Arbeitsgemeinschaft „Achduth Haumath" vereinigt, um so die Arbeiten der Jahreskonferenz zu erleichtern und zu beschleunigen. Der ersten Besprechung dieser Gruppe wohnte >Dr. Weizmann bei, der tiber die politischen Erfolge, iiber die zuktinftigen Aufgaben und organisatorischen Arbeiten sprach. Der Besuch der Jahreskonferenz wird aller Voraussicht noch ein sehr starker sein. Diese Jahreskonferenz diirfte sich daher, was die Vertretung der Meinungen der einzelnen Landsmannschaften und Føderationen. anbelangt, nur wenig von einem Kongresse unterscheiden. Das Bild von heute: Die A. C.-Mitglieder sind schon vollzæhlig versammelt. Immer wieder begrii- Ben sich Bekannten, begegnen wir alten „Herzlzionisten". Den Ordnerdienst versehen die jiidischen Legiontire; unter ihnen fæilt besonders unser Konationaler aus Åbessinien auf. Alles in allem ein buntes Treiben, iiberall Gruppen von Delegierten, die sich orientieren, Meinungen austauschen, den Verlauf und Ausgang der Beratungen vraussagen. Von Wocho zu Woche. Der deufsche Literaturpapst Nachfolger Erich Schmldts. Die Lehrkanzel des grdBten Germanisten Deutsch- Iands ist seit Jahren verwaist. Vergeblich mllht sich der akademische Senat der Berliner Universitat, einen wttrdigen Nachfolger dem verstorbenen Schmidt zu geben. Endlich soli die Lehrkanzel besetzt werden und es ist fUr den Zeitgeist in Deutschland bezeichnend, daB man Adolf Barteis nennt.

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