Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 29 (15.7.1920)
- Date
- 1920-07-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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SKS# kl -pj**; , 7-'«5* > *..-,-«*'ic,9v^ > »* ’ S.* ***** Mt 4 •iQMcn vounmHiEi” Nf. » auseinanderzuset2en. Der Hapoel Haaair Ist efae Bewegung, die von Ihren Milslieder die Einstéllung aal eln produktives Leben in Palæstina fordert. Es ist darflber hinaus aber eine politische Bewegung, um die Forderungen des produktiven netten Jischuws in Palæstina auch bei allen Faktoren im Zionismas durchzusetzen. Der arbeitende Jfldische Mensch in Palæstina sei der wQnschenswerte Typus des Ji* schuw.Nur durch den Ein2elnen werde das Volk er- Idst. Unser« politischen, d. h. sozialistischen Forderungen sind nicht irgendwelche Doktrinen, sondern den Forderungen der besonderen jttdischen Lage angepaBt. Nationalismus und Soeialismus sind daher im Zionismus untrennbar miteinander verbunden. Da$ nationale Leben in Palftstina mflsse daher auch bertihen auf der neuen sozialistischen Form der Gemeinschaft, sowie es die- Kwuzoth der paiæstinensischen Chawarim vorgelegt hatten. Es mangelte, be-' sonders in Deutschland, unsere Ideen in die lUdische Jugend zu tragen. Die jttdische Jugend Deutschlands steht zwar gedanklich auf unserem Standpunkt, hat aber diese Ideen noch nicht so konsequent durchgedacht, weil sie des politischen Willens ermangle. Hauptsdchlich deshalb, weil sie im Begriff der „Partei" ohne weiteres etwas zu Verwerfendes sehe. Der Begriff „Partei", den der Hapoel Hazair aufstellt, ist nicht identisch mit dem Begriff „Partei" im politischen Leben Europas. Fiir uns steht die Politik nicht im Mittelpunkt, sondern ist nur eih Hilfsmittel zur Durchsetzung unserer Ziele. Politik soli unser Leben niemals ilberwuchern. Wir hoffen daher, dafl die Jugend ganz und gar in unser Lager kommen wird, denn sie hat erkannt, daB nicht die Uebersiedlung nach Palæstina allein den neuen jttdischen Menschen hervorbringen wird. Wir wollen aber nicht stets eine Auslese von wenigen sein, eine Sekte, sondern wir wollen die Erfiillung flir das ganzevVolk. Daher milssen wir in das Volk gehen. Die Einwanderung von Ostluden nach Deutschland gibt uns schon hier die Mttglichkeit, reiche Volksarbeit zu leisten. Der Weltverband Hapoel Hazair-Zeire Zion wird seine wesentlichste Aufgabe auch darin ’ sehen milssen, dem Osten die Menschen zur Verftigung zu stellen, die in ihm organisatorlsch beim Aufbau des Volkes zur Begrflndung der neuen Gefneinschaft helfen wollen. Ferner milssen Genossenschaften eingerichtet werden, Arbeitsschulén etc. Alle diese Aufgaben wird die Konferenz besprechen miissen. Nach dem Referat von Dr. Weltsch wurde das Præsidium gewtthlt und die Chawarim Weltsch, Blumenfeld Berlin, Singermann Breslau und Crohn Magdeburg dann ernannt. BegrQBungen von einzelnen Gruppen des Ha- ' poel Hazair und von der Zionistischen Vereinigung filr Deutschland lagen vor. Sodann erhielt das' Wort Ludwig S t r a u B zu seinem Referate iiber die Bedeutung der Prager Konferenz. Er fiihrte aus: Die Schwierigkeiten der Vereinigung mit den Zeire Zion erschienen uns vor Prag ungeheuer, groB. Der Hapoel Hazair in Deutschland erschien uns selbst zu schwach und utiausgebildet, um sich an eine grdBere Organisation anschlieBen und extensiv arbeiten zq kttnnen. Kwuzoth, die wir schaffen wollten, waren noch nicht aktiviert. Andererseits hatten die Zeire Zion fiir uns auch manches, was uns gefåhrlich erschien, besonders das Ueberwiegen des politischen Moments. Und doch war Prag fiir uns bedeutungsvoll. Weniger durch die sachlichen Beschliisse als durch den menschlichen EinfluB, der von der paiæstinenslschen Delegation ausging. Wir sahen hier Menschen, die schon das waren, wonach wir strebten, und insbesondere Chawer Gordon stand im Mittelpunkt der Konferenz. Man darf nicht verkennen, daB es ajich in Prag unerfreuliches gegeben hat. Auch hier wurde politisiert und diplomatisiert. Die Prager Konferenz hat noch keine vollkommene Vereinigung des Hapoel Hazair und der Zeire Zion geschaffen, sondern erst das Gerilst, hinter dem eines Tages das vollendete Haus erscheinen wird. Die Vereinigung ist so angelegt, daB eine Entwicklung seit der Organisation durcbaus mdglich ist. Die Entwicklung eines Teils der Zeire Zion wird immer weiter zum Hapoel Hazair fiihreu, der starke nationalistische und der Chaluzgedanke drængen ihren materialistischen Sozialismus weit in den Hintergrund zurttck. Und ferner widerspriqht ihr Versuch, den Sozialismus den sozialistischen Parteien Europas an die Notwendigkeit des iiidischen Volkes anzupassen und fiihrt sie zum Hapoel Hazair. Wenn aucli vielleicht ein Teil der Zeire Zion zu den Poale Zion iibergehen werden, werden dieienigen, die bleiben, mit dem Hapoel Hazair zusammen denj fdderalistfschen Sozialismus durchftthren helfen, wle er von den palåstinensischen Chawerim und von Chawer Buber auf der Konferenz dargelegt wurde, d. h. dem Sozialismus, der auf der autonomen Cemeinde beruht, dem Zellkern der groBen palSstinensischen Gemeinschaft. Mit diesem Referat wurde nach der Wahl elner Reihe von Kommissionen die Sitzung geschlossen. (Fortsetzung folgt.) Rundschau. Zur Hilfskonferenz in Karlsbad. Wie aus Paris berichtet wird, erhielt das Ko? mitee der Jild. Delegationen Anmeldungen verschiedener Hilfsorganisationen iiber deren Beteiligung an der Konferenz, darunter vom Zentralen skandinavischen Hilfskomitee (2 Delegierte), vom dånischen Hilfskomitee (Delegierter Prof. Simonsen), vom schwedischen Hilfskomitee (Delegierter Dr. Ehrenpreis), vom Zentralen Londoner Hilfskomitee fiir die Juden in RuBland und Osteuropa (Deledierter Leopold Pilichowsky), von der Foderation der ukrainischen Juden in Longon (Delegierter Dr. Jochelmann und Goldenberg), vom People Relief Committee (4 Delegierte), vom amerikanisch-jildischen KongreB (5 Delegierte), vom Iiidischen Nationalrat in Litauen (Delegierte Minister Soloweitschik und Qoldberg), von der Hiflsgesellschaft Esra (1 Delegierter), vom Jild. Nationalrat in Minsk (Deleg’erte; Churgin und Bergér), vom Verband der jild. Gemeinden in Bessarabien und dem bessarabischen Hilfskomitee (Delegierter Dr. Bernstein-Kogan), vom Weltverband Agudas Jisroel Zilrich, vom Hi.!. Hilfskomitee in Prag (Delegierter Dr. Engel), votn Jiid. Nationalrat in der Cechoslovakci (Delegierter Dr. Ludwig Singer ev. Max Brod), von der Israelitischen Allianz in Wien (Delegierter Dr. Kaminka) und vom Hilfskomitee in Stidafrika (Delegierter Hymann). Die Vorbereitungsarbeiten zur Konferenz sind in vollem Gange. Alle notigen Vorkehrungen in Karlsbad sind bereits getroffen. (J. P. Z.) PALASTINA. Der Empang Herbert Samuels In Palastina. Jerusalem, im Juli, vprspjttet J. C. B. Die zionistische Kommission meldet: Sir Herbert Samuel ist im 30. Juni morgens in Jaffa gelandet und wurde von Kanonenschtissen begrilBt. Im Hafen wurde er von General Shea und General Hodgson empfangen. Der Bilrgermeister ilberreichte dem hohen Kommissær eine Willkommensadresse, eine zweite Adresse in hebrttischer Sprache wurde ihm von den Juden iiberreicht. Sir Samuel erklårte, erst vor den versammelten Vertretern in Jerusalem die Botschaft Sr. Majestæt iiber die Politik im Lande zu verlesen. Hierauf begab er sich im Wagen nach Ludd und von dort mit der Eisenbahn nach Jerusalem. Samtliche StraBen der Stadt waren von groflen Menschenmengen umstellt, auch die Balkone und Dæcher waren von Menschen liberfiillt. Am Bahnhofe wurde er von General Costello begrubt uud Munizipalitæt iiber-, reichte ihm eine Adresse. Sodann wurde er vom General Bols, dem scheidenden militarischen Administrator im Hauptquartiér empfangen. Jerusalem, J, C. B. Reuter gibt folgende Darstellung des Empfanges von Sir Herbert Samuel in Palæstina: Auf der Autofahrt von Jaffa nach Ludd befanden sich in der Begleitung Sir Samuels Colonel Storrs, sein Privatsekretær und Adjutant, Colonel Grey Donold und ein Vertreter des Reuterschen Bilros. Die Automobile der Reisenden waren von vier Panzerwagen bewacht. Die StraBen Jaffas, in welchen indische Kavallerie in ihren malerischen Unniformen und einheimischer ucnuarmen Spalier Dildeten, waren von begejsterten Volksmengen ilberfilllt. Sir Herbert Samuel, der in einem Sonderzug von zwei Aeroplanen begleitet von Lydda nach Jerusalem fuhr, ist um 3 Uhr nachmittags im Jerusalemer Bahnhof eingetroffen, wo er von den WQrdentrågern der Stadt empfangen und begrQØt wurde. Der Bilrgermeister von Jerusalem hielt folgende Ansprache: „Die heilige Stadt sagt Eurer Exzellenz, dem High-Commissioner ein Jierzliches Willkommen, der im Namen Sr. Majestæt des Konigs von GroBbritannien zu uns gekommen ist um Se. Majestæt in der Verwaltung des Landes zu ver treten, seinen Einwohnern Gliick zu bringen, ihnen den Weg des Fortschrittes und des Gedeihens zu zeigen und ihnen unterschiedslos Gerechtigkeit angedeihen zu lassen. Dies sind die Ziele der Verwaltung aller Lænder, welche unter dem Szepter GroBbritanniens leben. Wir blicken vertrauensvoll auf die Hilfe der britischen Nation fiir die Entwicklung und den fortschritt des Landes und wir beten zum Allmdchtigen, daB Deine Ankunft eine Periode von Wohlstand und Glilckseligkeit einleiten moge. Wir nehmen mit Vergniigen von den besonderen Gaben Kenntnis mit den d^r Allmæchtige Dich ausgestattet hat — von Deiner Begabung Kultur und Erfahrung — die Dir den Ruhm verschaffen ukd die Merkmale dieser hohen Eigenschaften sind, welche Dein erhabenes Amt erfordert." In Beantwortung dieser Adresse sagte Sir Herbert Samuel die Deutung seiner Geftihle sei insofern richtig gewesen, daB tatsæchlich keine religiose Rechte beeintræchtigt sein werden und absolute Gerechtigkeit und Gleichheit fiir alle herrschen werden. Erst vor einigen Tagen — fiigte er hinzu — sei er vom Konig empfangen worden, der fiir dieses alte historische Land insbesonderes fiir Jerusalem lebhaftes Interesse bekundete. In wenigen Tagen werde er, Sir Samuel, die Repræsentanten des siidlichen Palæstinas und bald darauf die aus dem Norden zu sich einladen, um ihnen wichtige Mitteilungen zu machen. Sir Herbert Samuel begab sich dann im Kraftwagén ins Hauptquartiér, welches sich im fritheren kaiserlichen.Palast auf dem Oelberg befindet. In den StraBen, durch die er fuhr, bildeten Soldaten des Jorkshireregimentes und der einheimischen Polizei Spalier und die dichte Volksmasse, die sich in der Næhe des Jaffatores angesammelt håbe,, empfingen den Vorbeifahrenden mit jubelnden Zurufen und Hændeklatschen. Fiir den 7. Juli wurden in das Regierungsgebæude die Vorsteher und Vertreter aller Religionsgemeinschaften und politischer Gruppen eingeladen, um die vom Oberkommissær Sir Herbert Samuel zu verlesende Botschaft Sr. Majestæt des Konigs an die Bevblkerung Palæstinas entgegen zu nehmen. Sir Herbert Samuel erkiærte der Zionist. Kommission, daB weder er noch die anderen Juden in der Verwaltung am Samstag amtieren werden. Seit Zerstorung des Tempels wird somit das erste mal der Sabbath als offizieller Ruhetag wieder eingefUhrt. Zusammenkunft zwlschen Lord Alienby und Sir Herbert Samuel. Cairo, J. C. B. Lord Alienby begibt sich nach Palæstina, um mit dem hohen Kommissær Sir Herbert Samuel zu konferieren. Der amerlkanlsche Konsul in Jerusalem iiber die lUdische Wledergeburt. Jerusalem, J. C. B. Auf einem Abschiedsfest, das die jiklische Gemeinde in Jerusalem dem amerikanischen Konsul Mr. Olazebrook veranstaltete, erwiederte dieser auf die ihm zu Ehren gehaltenen Toaste daB das Jahrlundertlange Interesse und der Qlaube an der Wiedergeburt des jttdischen Volkes sich endgiltig rechtfertigt und behauptet håbe. Lord Alienby tritt zuriick? London, J. C. B. Die hiesige Presse meldet aus Kairo: Nach der Konferenz mit Sir Herbert Samuel, wird Lord Alienby einen Urlaub antreten und nach England zuriickkehren. Wie in politischen Kreisen 91 Bohem Flllalti!a“ Aktient In BrØnn >ani In Pri vto-a-vls Bahnho 18 Zahlungtn Ina Autland Plaanilerungen und Kvadlta BAnan-Traaf« abtlaaan ZwtfawMMltm: Nmr-Yark, Paris, Bratlslava, Bafelam a/N., HaMi