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Jüdische Volksstimme · 1920-07-15 · Heft 29 (15.7.1920) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 29 (15.7.1920)
Date
1920-07-15
Page
– (sequence 2)
Language
German
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ammnwmjmnma^ v^: v i” --'■''■*%& .v*. •'. y " "i-ff Mt I. Nf. 29. nen, die das iQdische Volk Jet2t vergieBt, werden nnser nationales BewuBtsein nur stftrken und die Schaffung einer sicheren Heimståtte in Ere2 Israel beschleunigen, damit derartige entsetzliche Oeschehnisse sich nicht mehr wiederholen. Wlf kSnnen mit Stola sagen, dafi das Volk 'mit uns ist* Der jiidische KongreB in Affiffftåt, die ver« schiedenen jttdiscfttn Delegationen und die wichtigsten Institutionen Europas und Amerikas, alle sind sie mit tins. Mit vereinigten jCrålten miissen wir alle ietzt an die Arbeit gehen. Blind an Hånd, Schufter an Schttl« ter, Hera an Hera. Wir miissen und wir werden die Mitte! Mr den Wiederaufbau schaffen. Wir sind ein Volk, daB an die Wunder gewøhnt ist. Wir werden auch ietzt das Wunder des Wiederaufbaues von Erez Israel zeigeii, das Ideal, von dem wir so lange getr&umt, zu dem wir gestrebt und fiir das wir gfekttmpft haben, muB und wird verwirklicht werden. (Stiirmischer Applaus.) Als nachster Redner tritt Dr. Chaim W e i zmann auf. In seiner englischen Rede erklårte er, daB die Konferens eine sehr groBe Verantwortlichkeit tragt, weil wir jetzt den wichtigsten Moment in der Oeschichte des Galuth durchleben. Unsere Pflicht ist es, den Staatsmannern und VOlkern, die uns bei der Verwirklichung der politischen Arbeit mitgeholfen haben, unseren Dank auszudrticken. Zuerst kommt England mit Lord Balfour, Lloyd George, Lord Curzon, dann Amerika, Frankreich und Italien. Die Frage der Grenzen Paiastinas ist noch nicht gelost, aber er hoffe, daB die schønen Traditionen Frankreichs mitwirken werden, daB diese Frage befriedigend geløst werde. Dr. Weizmann weist darauf hin, daB Sir Herbert Samuel, der ein groBer Jude und ein groBes Verwaltungstalent ist und' mit unseren Bestrebungen sympathisiert, zum Verwalter Paiastinas ernannt wurde. Diese Tatsache beweist, daB nichts mehr im Wege steht die Wiederaufbauarbeit aufzunehmen. Wir miissen uns ernst und ohne Zøgern zur Arbeit nahmen. Nicht mit Worten sich begnligen, sondern Taten vollbringen! Wir miissén alle unseren geistigen und finanziellen Krttfte anstrengen. Wir kønnen an einen jttdischen Staat denken, aber wir mUssen im Laufe der nachsten Jahre beweisen, daB wir genug Talent und genug Fahigkeiten besitzen, damit man, sich auf uns verlassen kønne und niemand wttrde uns dann støren. Die nachsten zwei Jahre werden sehr kritisch sein, das Urteil der Welt aber tiber uns wird davon abhangen, was wir in diesen zwei Jahren leisten werden. Unser Streben ist im Verlaufe der nachsten zwei Jahre 30.000 bis 50.000 Juden auf groflen Landstrecken anzusiedeln, um ein groBzitgiges* Siedlungswesen zu entwickeln, ohne dabei die Interessen der Araber zu verletzen. Wir werden dabei den Boden befruchteri und gesund machen mttssen, fiir Bewasserung sorgen, Waider aufpflan- Freizttgigkeit ausgedehnten Gebrauch, bezogen Wohnsitze in den ihnen bis dahin verschlossenen køniglichen Stadten, sowie in anderen Stadten, in welchen Handel und Industrie aufbliihte, wie insbesondere in M.-Ostrau, aber auch in den bisher von den Judenstadten streng gesonderten Christengemeinden und auf dem flachen Lande. Es war dies begreiflich, da ihnen in den engen Mauern der dichtbevolkerten Judenstadte nur geringe Møglichkeiten allgemeiner wirtschaftlicher und wissenschaftlicher Betatigung geboten war. Anderseits war unter diesem Wegzuge vieler jttdischer Familien der Bestand vieler, insbesondere der kleineren Judengemeinden bedroht, zumindest der jiidische Charakter derselben. Denn mit der Abnahme der iiidischen Bevølkerung dortselbst hielt die Zunahme christlicher Einwohner, welche die von Juden verlassenen Wohnungen bezogen, gleichen Schritt. Dieser Umstand sprach sich insbesondere aus, als — nach dem kurzlebigen provisorischen Gemeindegesetze vom Jahre 1849, — mitteis Gesetzes vom Jahre 1863 selbstandige Ortsgemeinden geschaffen wurden. Bei dieser Qelegenhelt auBerte sich zugleich eine giinstige Folgeerscheinung der seinerzeitigen Absonderung der Judenvon den Christengemeinden. Denn zufolge der in den meisten Fallen vorhandenen streng territorialen Abgrenzung und bei der damals bereits gesetzlich statuierten Gleichberechtigung der Juden lag im Allgemeinen gegen die Anerkennung der Judengemeinden als vollberechtigter Qemeinwesen kein Hindernis vor. Allerdings war die Voraussetzung zur Schaffung selbstandiger Gemeinden ein elgenes geschlos« aen, die sarritåren Verhaitnisse im Lande bessern und private Initiative unterstfltzen, alles aber auf diese Weise, daB Juden mit Juden wetteifern sollen. Wir werden eine Reihe offentliChe Arbeiten schaffen miltten, fiir die Erziehtusf der Massen sorgen, technische Schulen eroffnen usw. Dabei Werden wir uns anstrengen mttssen, mit den Arabern sowohl in wie auflerhalb Palåstina in Frieden zu leben. Es ist dort ein breites Feid fiir alle. Wir werden dieser Macht. welche das Mandat ttber Palttstina innehat, zeigen mttssen, daB ihre Arbeit keine schwere sei. Unsere finanziellen Experten werden hier mit VorschlSgen kommen und ihre Meinungen auBern. auf welche Weise wir die notwendigen Geldmitte! aufbringen werden konnen. Es unterliegt keincm Zweifel, daB das jiidische Volk die finanzielle Mittel besitzt und wir mttssen die ersten sein, die die Opfer bringen. Dies wird bald geschehen. Das Volk wird uns dann nachfolgen. Unsere Aufgabe ist es, eine starke Organisation zu schaffen. Die Arbeit fiirs Volk erfordert neue und frische Krttfte. Es mttssen Fachleute und Spezialisten herangezogen werden, die ihre Aufgaben verstehen und mit ihrem ganzen Herzen am Volke hangen. Die zion. Organisation erstrebt die Hinzuziehun? aller einer jttdischen Organisation Angehørigen zur Mitarbeit, die sich zum Orundsatze der jttdischen Wiederauflebung in PalSstina bekennen. Wir wollen die Anteilnahme des gesamten Volkes an der Arbeit des Wiederaufbaues Palåstinas, sehen. Dr. Weizmann gedenkt der Ereignisse in Jerusalem und sagt. daB die Geschichte ttber diese Vorfaile unvoreingenommen unparteiisch urteilen wird. Er erwfihnt die bei diesen Ausschreitungen Gefallenen (Alle erheben sich) und die Lebenden, die noch zu leiden haben. Wir fordern Gerechtigkeit fiir Jabotinsky (Langanhaltender Applaudissements, der sich zu einer gro- Ben Ovation fiir Jabotinsky auswttchst.) und wttnschen auch die Beibehaltung des jttdischen Regimentes in Palttstina zur Verteidigung der jttdischen Heimstiitte. Die groBe Stunde ungeheurer Verantwortung hat fiir uns geschlagen. Wir diirfen die Arbeit auch nur auf einen Tag nicht verschieben. Die Augen aller Generationen sind auf uns gerichtet. Wir sind vor eine Kraftprobe gestellt, aus der wir grofi und mttchtig hervorgehen mttssen. (Langer, sich fortwtthrend wiederholender Beifall.) Der dritte Redner war Ing. M. M. Ussischkin, der die Konferenz in hebrttischer Sprache im Namen der palttstinensischen Juden begriiBte. Ach< Monate hindurch håbe ich mit ihnen zusammengearbeitet. Wenn grøBere Wirkungen ausgeblieben sind. so ist das den Ereignissen in Galilåa und dem Pogrom in Jerusalem zuzuschreiben. Erst jetzt konnen wir die Arbeit beginnen. Im Veillaufe der nachsten 10 bis 20 Jahren mttssen wir zumindest eine halbe Million Juden ins Land bringen, und das Minimum fiir die ej-sten Jahre ist mit 30.000 Einwohnern jtthrsenes Territorium und die Møglichkeit, die notwendigen Mittel zur Verwaltung aus Eigenem aufzubringen zu konnen. Es wurden daher von den bis dahin bestandenen 52 Judengemeinden 27 politische Gemeinden gebildet, an 10 weiteren Orten blieben sie bloB Ortsteile mti politischer Unterordnung unter die betreffende Christengemeinde, wtthrend sie in den ttbrigen 15 Orten ihre Selbstandigkeit vollstandig einbtiBten. Eine weitere Epoche auf dem Entwicklungsgange der mahrischen Judenschaft bildet das Jahr 1890, in welchem die „ttufleren Rechtsverhaitnisse dert worden war, die Juden Mahrens nach setzliche Regelung erhielten. Wtthrend Zufolge der bis zum Jahre 1848 bestandenen Judenverordnungen die Bildung neuer jttdischer Ansiedlungen groBeren Umfanges verhindert worden waren, und die Juden Mahrens nach Erlangung der Freizttgigkeit viele ihnen bis dahin verschlossene Stadte bevdlkerten und dortselbst durch Bildung von Kultusvereinigungen fiir die Befriedigung ihrer religiøsen Bedttrfnisse Sorge trugen, waren anderseits die alten Judengemeinden zum grotten Teile politische Gemeinden geworden, und hatten als solche die politischen Agenden fttr ihre gesamte Einwohnerschaft ohne Unterschied der Konfession zu besorgen, waren sohin nicht mehr geeignet, fttr einen Teil ihrer Bevolkerung, den jttdischen, selbst wenn er in noch so grofiem Prozentsatze vorhanden war, auch in religiøser Beziehung Sorge zu tragen. lich zu beziffern. Fttr das erste Jahr ist die Summe von 4 Millionen Pfund notwendig. Das jiidische Volk muB nun mit Anstrengung aller Kråfte an die Arbeit gehen. Vor 40 Jahren wurde die Besiedlung Paiastinas in Angriff .genommen. Diese Periode war unser Gang durch die Wiiste, den wir auf uns gleich unseren Vorfahrén beim Auszuge aus Aegypten nehmen muBten. Nun Sind wir bis vor die Tére des Landes gelangt und wir mttssen alles daransetzen, daB die Worte des Fropheten „Weschawu Bftttim lingwulam" zur Wahrheit werden. Schulerziehung. (Einige padagogische Winke.) Von E. K 6 n i g. Mit der Autonomie des im Entstehen begrifienen modemen jttdischen Schulwesens ist gleichzeitig die freie Existenz jttdischer Geistesentwicklung innigst verbunden. Die Zeitverhttltnisse zur Gestaltung unserer neuen Schule sind fttr die p8dagogischen Grundsteinleger derselben ttberaus gttnstiger als bei anderen nationalen Minoritaten, da doch unter der verscliirnniclten Einseitigkeit der bisherigen Staatsscluilen die jttdischen Minderheiten auf trttbselige, innere Erfahrungen zurttckweisen konnen. — In den ostlichen Landern, wo die Juden in Massen wohnen, war der Cheder ein gewi§ser Selbstschutz jttdischer Eigenart, ein Antitoxin gegen jeglichen Assimilationsversuch von auBenher. Diese Chedarim mit ihrem entsetzlichen Reichtum an Armut und Not, ihren Melamdim (Lehrer), die sich auf Alles nur nicht auf die Erziehung verstanden, sie hatten doch ihre nationale Mission erfttllt. Wer aus Chedererinnerungen seiner Kindheit schlttrft, der zehrt an jttdischer Innenkraft, saugt jiidische Volksgeistmilch, wenn er auch spåterhin durch die Allgewalt der Verhaitnisse in eine fremdnationale Schule hineingezwangt wurde. Trotz dieser erfttllten Aufgabe ist die Reform des Cheders im Osten eines der brennendsten Kulturprobleme, mit welchem sich der hebraische Dichter Bialik und andere Ftthrer der ostlichen Judenschaft bis knapp vor Ausbruch des Weltkrieges eifrig beschaftigt hatten. Im Westen lagen bis heute die Dinge viel anders. Ohne judisch-seelisches Reservefutter, hochstens mit verblaBten Eindrttcken toten Zeremoniells, die an „hohe Feiertage" mit „Erbauungspredigten" knttpften, kam das westjttdische Kind unmittelbar vom Elternhaus in die staatliche Volks- oder Bttrgerschule, wo dem welkenden Judenblttmchen zwei mal wochentlich vom Herrn Religionslehrer eine schwache Injektion Jttdischkeit verabfolgt wurde, eine Therapie, die dem an dttrftigem Judenwissen leidenden Herrn Religionslehrer ebenfalls heilwirkend dienen konnte. So stand es im Westen fttr jeden Einsichtigen fest, daB die graduelle Vernichtung jttdischer Wesenheit durch fremde, unberuféne Erziex Es trat daher immer dringender die Notwendigkeit zu Tage, eigene Institutionen zu schaffen, mitteis welcher die religiøsen Bedttrfnisse der Judenschaft eine gesetzliche Regelung erfahren soilten. Die ganze damalige diesseitige Reichshaifte wurde in Kultussprengel eingeteilt, je nach der Dichtigkeit der ansttBigen jttdischen Bevolkerung von groBerer oder kleinerer Ausdehnung. (So bildeten* die damaligen Kronlånder Steiermark, Kttrnten und Krain einen, Tirol und Vorarlberg gleichfalls einen Kultussprengel.) Mahren selbst wurde in 50 Kultussprengel geteilt, wobei neuerdings auf die alten Judengemeinden zuruckgegriffen wurde. An 39 Sitzen alter Judengemeinden wurden Kultusgemeinden errichtet, ferner wurden die (1876) provisorisch geschaffenen Kultusgemeinden Briinn, Iglau, Znaim und Mahr.-Ostrau zu definitiven ausgestaltet, und schlieBlich noch 7 andere Stadte mit grQBerer jttdischer Bevolkerungsanzahl aus den Territorien ihrer bisherigen Kultussprengel ausgeschieden und zu selbstttndigen Kultusgemeinden erhoben. 12 alte Judengemeinden wurden ihrer kulturellen Funktionen entkleidet, die in schlesischem Gebiete gelegene, jedoch zu Mahren gehorige Gemeinde Hotzenplotz kam unter schlesische Verwaltung. Heute sind 3 Decennien seit der Schaffung des Gesetzes verstrichen, und wir mttssen einen weiteren betrachtlichen Rttckgang in der Existenzfahigkeit der mahrischen Kultusgemeinden, speziell am Lande, konstatleren. Fast ttberall ist eine merkliche Abnahme der Gemeindeangehørigen erfolgt, da besonders die steuerkrttftigeren Elemente in immer groBerem

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