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Jüdische Volksstimme · 1920-06-02 · Heft 22-23 (2.6.1920) · page 2

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Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 22-23 (2.6.1920)
Date
1920-06-02
Page
– (sequence 2)
Language
German
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jmscm roussYiMfte/ Nr. 2*28. bliden Frauenorganisationen ia Prag und Brflnn. — An die ebeo genannten Gruppen und Parteien ergeht in den nfichsten Tagen die Aufforderang, ihre Dele* gierten fQr den KongreB dem Prager JUdischen Nationalrat bekanntzugeben, Gewifi wird der zweite KongreB seiner Wichtigkeit entsprechend eine noch stattlichere Beteiligung aufweisen als der erste, der die gr5Bte Delegierten* versammlung der Cechoslovakischen Juden dargeitellt hat. Es steht grdBeren Gruppen in ein2elnen Bezirken und Stadten frei, Zulassuiig von Vertretern mit beratender Stimme durch Zuschrift an den Nåtionalrat zn beantragen. Darttber hinaus wird selbstverståndlich fUr tunlichste Oeffentlichkeit der Ver* bandlungen und Zulassung von Gasten gesorgt werden. Die BrOnner Gesinnungsgenossen, die sich mit anerkennenswertem Entgegenkommen zur Uebernahtne der technischen Kongrefl-Vorarbeiten bereit erkiftrt haben. werden mit ihren bewfihrten organisa- '•orischen Ffihigkeiten gewiB fUr Berttcksichtigung dieser WUnsche sorgen. Den Delegierten selbst steht eine schwere Aufgabe bevor, wobei erwåhnt sei, daB die jOdischen Delegierten aus der Slovakei noch riebstdem den besonderen Bedtlrfnissen und VerhSltnissen des slovakischen Judentums Rechnung zu tragen und aus ihrer Mitte eine definitive Kdrperschaft an Stelle des bisherigen Volksverbandes zu wfihlen haben werden. Die Tagesordnung umfaBt auBer der Neukonstituierung des definitiven Nationalrates den Rechenschaftsbericht des abtretenden Nationalrates, Referate der mfthrischen und slovakischen Organisation, das auBerordentlich wichtige Organisations- und Finanz-Statut, Schulangelegenheiten und einige Spezialreferate nebst den dazu gehorigen Debatten. Der BrOnner KongreB wird einen Merkstein in der Oeschichte der Cechoslovakischen Judenheit bilden. Nicht nur die breitesten Schichteri des JUdischen Volkes sehen den Ergebnissen der Tagung mit Spanntmg entgegen, auch in Regierungskreisen verfolgt vman mit Interesse dieses neuerliche Zeichen erwachenden politischen Sinnes unter den Judén und bei der hohen Wertschåtzung, die PrUsident Masaryk der. ttldischen Renaissancebestrebungen entgeger.bringt, hat uns die Nachricht, die neuerlich durch die Blotter ging, nicht tiberrascht, daB Pvasident Masaryk dem Brfinner JUdischen KongreB und der Neukonstituierung des Nationalrates mit Sympathie gegenUbersteht und daB die Aussicht gegeben scheint, durch staat.sorganisåtorische MaBnaJimen, den neugewahlten Nationalrat betreffend, einen Teil jener Unbill wettzumachen, die den Juden durch die undemokratische Wahlordnung zugefQgt worden ist. Das Zial.*) in. Wir mUssen damit rechnen, daB Monate vergeken werden, ehe die Details ttber das Mandat in Pa- ISstina festgesetzt werden kdnnen, daB wir also vor *) Siehe: Nr. 20 „Jiidische Volksstimme" vom 20. Mai 1920. sagen sie auch noch pardon'1; sprach’s und rannte davon. Weinstein stand vor einem Ratsel, dessen Losung er erst nach Wochen im Hause meiner Eltern eifuhr. SchmUle hatte in W. auch Verwandte, welche er an Sabatten und JUdischen Festtagen mit seinem Besuche beehrte. Am liebsten hielt er sich an arbeitsfreien Tagen bei Reb Leb Fried auf, dort wurde ihm mit dem Ublichen Sabbatobst im reichsten MaBe aufgewartet. Reb Leb, ein Junger Talmudgelehrter und angesehener Kaufmann, hatte auf den verschiedensten Talmudschulen seine Studien absolviert und war, trotzdem er schon Vater von 5 Kindern, von welchen das Mteste acht Jahre zfihlte und das Jiingste in den Windeln lag, stets ganz Ohr, wenn SghmUle seine losen Streiche erzfthlte; der gutmiitige Mann konnte darUber Tranen lachen. Auch zu Reb Leb brachte SchmUle das FrUhstUckgebUck. Nun traf es sich einmal — Frau Fried hatte groBe Wåsche — daB die Magd, die Amme und die Waschfrau In der Waschkiiche waren, Reb Leb und die Kinder noch in Morpheus Armen ruhten und Frau Fried in der Kammer die G Unse stopfte. Die Klinge) an der HaustOre ging, Frau Fried wuBte, daB zu solch’ frOher Stunde nur SchmUle kommen kdnne vnd sie rief ihm aus der Kammer zu : „SchmUle gib acht, daB die Milch nicht auslauft; ich håbe noch zwei Ofinse zu stopfen und komme in zebn Minuten." Auf dem Sparherde stand eine grofie Kasserole dem Herbst nicht mit eiøer klaren Situation werden rechnen kdnnen. Einer klaren in Palfistina wenfgstens. Dabei wird angenommen werden mUssen, daB bis dahin auch ein Modus vivendi mit den syrischen Arabern, der TUrkei und, nicht zuletzt, auch eine befriedigende Ldsung der franzosischen Ansptflche gefunden worden ist. Lauter Voraussetzungen, die geniigend schwierig sind, itm auch eine viel ISngerdauernde Frist in Erwågung ziehen zu lassen. Sollen wir nun diese Zeit mit begeisternden Versammlungen, schwungvollen Zeitungsartikeln und khnlichen Dingen ausfuilen? Das wird kein Zionist wUnschen oder gutheiBen konnen. Nein! Es gibt Arbeit genug, auch ehe alle Details fiber Palæstina beschlossen und, was noch wichtiger ist, durchgefUhrt sein werden. DaB aber diese Arbeit unverzttg- Hch in Angriff genommen werde, mit heiligem Ernst und in voiiem VerantwortlichkeitsgefUhl, das dUrfen wir nicht nur von der zionistischen Leitung erwarten, sondern mUssen wir auch von allen zionistischen Verbanden, Korporationen und iedem Einzelnen verlangen. Mit diesem BewuBtsein, der Notwendigkeit allgemeiner, andauernder Arbeit mUssen wir alle erfiillt sein; denn, war im Anfang das Wort, Jetzt ist die Zeit der Tat gekommen. ■* Wir diirfen getrost, annehmen, daB die zionistische Leitung die Grundplane der kommenden Arbeit bereits festgestellt hat und daB der zionistischen Jahreskonferenz, die im Juli dieses Jahres zusammentreten soli, diese Plane zur UeberprUfung und BeschluBfassung vorgelegt werden. Leider ist es ziemlich aussichtslos, daB ein allgemeiner ZionistenkongreB in absehbarer Zeit einberufen wird. Die Verhaitnisse im Osten Europas, aber auch im Orient sind noch vftllig ungeklart. Gerade die osteuropUischen Juden und, was immer nicht weniger wichtig scheint, auch die Juden des Orients, sind an den nåchsten Aufbaufragen Paldstinas so unmittelbar interessiert, daB ihre gewShlten Vertreter unbedingt gehdrt werden mUssen. Umsomehr, weil ihr Schicksal groBenteils von unseren englischen und amerikainschen FrUdern abhångt und eine eingehende, gerrieinsame Beratung auf dem Zionistenkongresse sicherlich rascher eine Verstandigung herbeifiihren kennte, als Kommissionen, Abordnungen, Denkschriften und dergl. Leider ist, wie gesagt, die Aussicht fiir einen baldigen allgemeinen, allweltlichen Zionistenkon'greB sehr gering und es wird der zionistischen Jahreskonferenz im Juli dieses Jahres eine groBe und verantwortungsvolle A&feit zugewiésen sein. Aus diesem Grunde wird es sich auch empfehlen,.daB als Delégierte besonders qualifizierte und erfahrene Mariner und Frauen gewahlt werden rind daB ieder zionistischen Partei, insbesondere auch den zionistischen Arbeiterparteien, die Beteiligung ermbglicht werde. Die dringendste momentane Arbeit ist wohl die energische Ausbautatigkeit aller am Zionismus interessierten Organisationen, vor allem der alten zionistischen Organisationen und der JUngeren zionistischen Parteien. Da 13Bt sich bis zum Juli wohl nicht alles, aber doch vielerlei erreichen. Vor allem muB auch der Versuch unternommen werden, alle zionimit Milch, die noch lange nicht auf den Siedepunkt angelangt war. SchmUle entfernte die Ringe von der Herdplatte, schob die Kasserole riber das offene Herdloch und legte eine Tracht trockenes Holz in die Ueizung. Es dauerte nicht lange und die Platte war weiBgliihend. Nun schlich er sich sachte aus der Ruche, schloB die offenstehende KttchentUre und hielt beim Verlassen der Hauttire die Klingel, damit diese nicht anschlage. Frau Fried, im guten Glauben SchmUle bewache dje Milch ,hielt sich in der Kammer langer auf als sie beabsichtigt hatte, sah auch nach den Wascherinnen, als sie aber die OlastUre, welche in die KUche ftthrte, bffnen wollte, durchzuckte sie ieher Schreck. Die Lampe brannte, das Licht war aber wie in dichte undurchdringliche Nebel gehUUt. Zogernd bffnete sie die Tiire; es bot sich ihr ein schrecklicher Anblick dar. Die Kasserole dampf te den letzten Rest der Milch aus; die Platte von. Milch Uberflutet, welche einen graBlichen brenzligen Qeruch verbreitete, der Rest der Milch war auf den FuBboden geflossen. „Leb", schrle Frau Fried ganz entsetzt. Reb Leb tøm noch schlaftrunken und im tietsten Negligé aus dem Schlafzimmer und sah die schreckliche Verheerung. „Das bat kein anderer wie SchmUle gemacht", sprach Frau Fried. „Ich håbe ibn kommen gehdrt. Was fange ich nur ietzt ohne Milch an, so viele Leote zm FrOhstflck, die Kinder werden auch bald wach werden und woher soli Ich so rasch einige 8tischen Parteien zur Anerkennung und Durchftihrung der BeschlUsse des kommenden Zionistenkoogresscs und seiner Orgaue zu bestimmen. Das wird m. E. nur bei der poalezion. Organisation auf Bedenken stoBen. Wenn sich aber auch die Poale Zion der allgemeinen zion. Organisation nidht anschlieBen, so liefle sich doch, im schiimmsten Falle, noch immer eine Zusammenarbeit in gemeinsamen Angelegenheitcn etwa durch eine eigene fallweise zusammentretende Kommission erreichen. Meines Wissens wird tibrigens erst die Weltkonferenz de{ Poale Zion darttber zu entscheiden berechtigt sein, ob die Poale Zion keine Vertretung mehr zum Zionistenkongresse oder zum kleinen Kongresse, d. i. zur Jahreskonferenz senden werden. Vorlaufig sind sie dazu nicht nur berechtigt, sondern, wie ich meine, auch verpflichtet. Fiir die grundlegende Arbeit, die allen jiidischvolkiichen und zionistischen Organisationen im grdBten MaBe bevorsteht, die Poale Zion entbehren zu sollen, ware sicherlich hochst bedauerlich. Ich glaube allerdings, daB eine solche Abstinenz der Poale Zion durch den Zwang der Wirklichkeit und Notwendigkeit auf die Dauer unmoglich gemacht wUrde. Qerade deshalb wSre eine Einigung, die nicht durch Zwang allein erfolgte,' rimso wertvoller. AuBer der inneren Konsolidierung und der Sicherung des gemeinsamen Vorgehens scheint es mlr aber auch besonders wichtig, daB vor der Jahreskonferenz eine gemeinsanie Beratung der Delegierten der Zionisten der Zentralmiichte stattfinde. Es ist notig, jiaB wir den geanderten Verhaitnissen innerhalb der zionistischen Bewegung, von denen in dieser Auseinandersetzung bereits gesprochen wurde, Rechnung tragen, anderseits aber auch flir einen Modus der Mitarbeit mit den amerikanischen und englischen Zionisten sorgen, der uns nicht in die Gefahr bringt, uns allen Einflusses zu begeben. Unsere Sache solite es auch sein, mit den polnischen, ukrainischen und russischen Zionisten in innigem Kontakt zu bleiben, weil es die politischen Verhaitnisse mit sich bringen, daB dieser GroBteil der zionistischen Organisation durch uns zum Teil wird vertreten werden mUssen, die wir die Verhaitnisse der Juden im Osten Europas besser zu beurteilen in ,der Lage sind als andere. Diese Yorkonferenz zur Jahreskonferenz bringe ich hiemit in Vorschlag. Es konnten an ihr alle zion. Organisationen Deutschland, der Cechoslovakei, Deutsch-Oesterreichs, Jugoslaviens und eventuell auch Ungarns vertreten sein. Es ware Sache der Landeskomitees Uber die Form und den Beschickungsmodus der Vorkonferenz sich zu einigen. WUnschenswert wUre es, wenn bei dieser Vorkonferenz bereits statistische Daten sowohl Uber jede Organisation als auch Uber die zur Emigration Angemeldeten vorliegen wUrden; denn die Emigrationsfrage ist brennender geworden als sie bisher war und és w8re erwUnscht und notwendig, der Welthilfskoriferenz, die auch im Juli zusammentreten soli, sowie dem permanenten JUdischen KongreB Amerikas, leider existiert noch immer kein permanenter alliUdischer KongreB, bereits die von zionistischer Seite gesammelten Daten gleichzeitig mit den BeschlUssen der Jahreskonferenz vorzulegen, die sich MaB Milch herbeischaffen." Reb Leb nahm wohl SchmUle in Schutz und wies auf das Fehlen des Gebackes hin, welches ia SchmUle zurtickgelassen hatte, wenn er im Hause gewesen ware. Freilich war er selbst davon Uberzeugt, daB SchmUle diesen Streich ausgefUhrt und als er wieder im Schlafzimmer ” und unbeobachtet war, muBte er hell auflachen. — SchmUle lieB sich an jenem Morgen bei Fried nicht schen. Am andern Tage zu Rede gestellt, leugnete er beharrlich und gebrauchte die Ausrede, daB er gestern das Geback schon ausverkauft hatte, bevor die Reihe an Frau Fried kam. \ ( Doch mit des Schicksals Machten ist kein ewiger Bund zu flechten, das muBte auch SchmUle einmal erfahren. Das Unheil erreichte ihn bel Baruch Kazew.8)! Auch dem Baruch Kazew brachte er das FrUhstUcksgeback. Baruch und seine Frau waren In der Fleischbank beschaftigt und SchmUle muBte das Ge* back in ein im Zimmer bereltstehendes KOrbchen legen. Einmal standen Baruchs hohe Schaftstiefel blank gewichst, neben einem Topfe, der Nachts gebraucht wird — und er war nicht leer — flugs goB er desseit Inhalt in die Stiefel. Baruchs sechsjahriger Knabe, der sich schlafend gestellt, offenbarte seinem Vater daB SchmUle die ruchlose Tat verUbt. Als ScbmiUe am andern Tage wieder Baruch Kazews Zimmer be* trat, harrte dieser bereits seiner und gerbte ihn mit rMLi : : ■ ®) Flelschhauer.

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