Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1920-05-20 · Heft 21 (20.5.1920) · page 4

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 21 (20.5.1920)
Date
1920-05-20
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
86% known words query
IRI
…/2621806-2622069-2622090--4363-2625654
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

3 entity mentions

bel emporschwebt.... Und meiner Tagesmtlhe und Miidigkeit wird sie Freude und FiUchte Ieihen -- Morgen will ich wie ein Kind in die Au gehen und rneinen Jungen vom Zauber des nahenden Schebuot erzåhlen, der die Schwermut von mir wie eine Mutterhand losen wird. Ein froher Friihlingsmorgen wird e> sein — wir werden grtine Kranze winden, um unser Hans des Friedens zu schmiicken. Zarte Blumen werden sich an die Scheiben schfhiegen, wie Lippen. Und weihevoll werden wir die langen Halme, wie Palmblåtter, auf den Pfad vor dem Tpr streuen, als solite da einer kommen, dem man entgegenjauchzen mochte... Hoffnung, erfiille dichl Soeben erschienen: Dr. A. SCHWADRON K 6.50. Dr. DONATH K 3.50. M. Hickls Verlag, Brlinn, Adlerg. 9. Bericht der Verbandsleitung dør jsraelitischen Kultusgemeinden in Måhren. Nach jahrelanger miilievoller Vorarbeit gelangten die mdhrischen israel. Kultusgemeinden im Jalire 1918 zu einer geschlossenen Organisation, deren Orundlage das von ihnen genehmigte Statut vom 11. Dezember 1918 bildet. Im Sinne dieses Statutes wurden nun von den einzelneri Qemeinden die Delegierten gewdhlt und traten diese am 30. Oktober 1918 zu ihrer konstituierenden Sitzung in Briinn zusammen. Nach erfolgter Wahl der Verbandsleitung betrachtete es die Verbandsversammlung als ilire erste Aufgabe, zu der damals infolge der staatlichen Umwålzung akut gewordenen Frage der politischen Verhåltnisse der Juden in unserem neuentstandenem Staate sowohl, als auch in allen neuzubildenden Staaten, Stellung zu nehmen und endete die dariiber abgehaltene eingehende Verhandlung mit der seinerzeit allen Verbandsgemeinden bekanntgegebenen EntschlieBung. Die -Verbandsversammlung einigte sich ferner dahin, daB infolge Bildung des Landesverbandes nur dieser allein berechtigt und bevollm&chtigt sein solle, die Judenschaft in Mdhren in Fragen, die die Qesamtheit betreffen, zu vertreten und fiir sie zu handeln. Die Bildung des Landesverbandes und die Fassung der oben érvvåhnten EntschlieBung wurden in GemaBheit eines Beschlusses der Landesverbandsversammlung in den Tagesblåttern zur Veroffentlichung und auch den staatlichen Behorden zur Kenntnis gebracht. In Gem&Bheit des Beschlusses der Verbandsleitung in der Sitzung vom 30. Oktober 1918, wurde der AnsChluB an bereits bestehende jiidische Organisationen unseres Staates, insbesondere an den iud. Nationalrat in Prag gesucht und wurden mit seinejr Zustimmung 5 Mitglieder der Verbandsleitung in den Nationalrat entsepdet. Bei dieser Sitzung wurde auch das Pråliminare des Verbandes fiir das Jahr 1918 und 1919 mit dem Betrage von 20.000 K festgesetzt und beschlossen zur Deckung der Ausgaben den Kultusgemeinden eine. Einzahlungvon 2 K fiir jeden in Vorschreibung stehenden Steuerzahler vorzuschreiben. Bei der am 4. Jånner 1919, anlåBlich des itidischen Kongresses in Prag stattgefundengn Sitzung der Verbandsleitung kam die Frage der dåmals staatlicherseits ins Auge gefaBten Auflosung der politischen Israelitengemeirtden in Måhren zur Besprechung und wurde der BeschluB gefaBt, bei den staatlichen Behorden wegen Aufrechterhaltung der bestehenden jiidischen Sehulen zu intervenieren. Infolge dessen sprach eine unter Fiihrung des Vizepråsidenten Dr. Ludwig Levy und des Verbands- Ieitungsmitgliedes Dr. Zweig stehende Deputation der in Betracht kommenden Qemeindevorsteher sowohl beim Landesausschusse als auch in der Statthalterei vor und wurde hierauf eine Versammlung samtlicher Vorsteher der politischen Israelitengemeinden einberufen, in welcher die anlåBlich der drohenden Aufldsung zu ergreifenden MaBregeln besprochen und festgesetzt wurden. In der Sitzung vom 4. JBnner wurde auch die angcsichts der schwierigen ErnShrungsverhBltnisse akut gewordene Frage der Beschaffung von Mazes b. Verhandlung gezogen und Alles versucht, um eine entsprechende Mehlzuweisung zu erhalten. Wenn eine geniigende Zuteilung trotzdem nicht erzielt wurde, so lag dies nur in dem Umstande, daB Mehlqantitaten in ausreichender Menge der Regierung nicht zur Verfiigung standen. In der gleichen Sitzung wurde daB in Mahr.- Ostrau erscheinende „Jiid. Volksblatt" als Verbandsorgan erklårt und demselben eine Subvention im Betrage von 1000 K fiir das Jahr 1919 bewilligt. In der am 23. Mflrz 1919 in Briinn stattgefundenen Sitzung der Verbandsleitung wurde auch die Aufnahme einer Statistik iiber alle in den Kultusgemeinden bestehenden Stiftungen und Fonde beschlossen. Wenn diese Statistik noch nicht fertig gestellt werden konnte, so ist dies darin begriindet, daB leider von einer groBen Zahl der Gemeinden die Einsendung des entsprechenden Materiales nicht erzielt werden konnte. Die Verbandsleitung wird jedoch angesichts der durch den derzeitigen Stand der Oesetzgebung MuBerst wichtig gewordenen Uebersicht fiber die bestehenden Stiftungen und Fonde nichts ur.terlassen, um die angestrebte Statistik zum Abschlusse zu bringen. Bei der am 17. August 1919 in Briinn stattgefundenen Sitzung der Verbandsleitung wurde nach Erledigung der laufenden Geschåfte, die Frage eines einheitlichen Lehrplanes fiir den israel. Religionsunterricht in den Volks-, Bilrger- und Mittelschulen Måhrens eingehend erortert und hierauf beschlossen,'die diesbeziiglichen Grundziige durch hiezu geeignete O) gane ausarbeiten zu lassen. Die ganze Aktion ist derzeit noch nicht abgeschlossen und hat dadurch auch eine Verzogerung erfahren, daB die Zahl der an den Mittelschulen fiir den Religionsuntericht zur Verfiigung stehenden Stunden eine bestråchtliche Einschriinkung erlitten hat, was natiirlich einen nicht ur.bedcutenden EinfluB auf den Lehrstoff und seine Verteilung austibte und eine Umarbeitung bereits erstatteter Vorschldge zur Folge haben muB. Gleichzeitig wurde die Einfiihrung einer Inspektion des Religionsunterrichtes durch Aufstellung von Inspektoren beschlossen und der Rabbinerverband angegangen, entsprechende Vorschlåge zu erstatten. Nach deren Einlangen wird hieriiber das Weitere verfiigt werden. SchlieBlich wurde das von der Kultusgemeinde Måhr.-Ostrau beschlossene neue Statut einer eingehenden Beratung unterzogen und de'sseft Bestimmungen in mehreren nicht unwesentlichen Punkten einer Abånderung unterzogen, so daB es in der neuen Fassung als Statut fiir alle Kultusgemeinden in Anwendung gebracht werden kann. Eine umfassende Tåtigkeit entwickelte die Verbandsleitung in den Angelegenheiten der Fliichtinge aus Galizien und der Bukowina sowie infolge der in einzelnen Gemeinden stattgefundenen Angriffe au4 die Personen und das, Eigentum unserer Glaubensgenossen. Die Verbandsleitung kann hiebei mit voller Genugtuung feststellen, daB sie infolge der durch die Organisation gefestigteren Stellung der måhrischen Judenschaft bei den in Betracht kommenden Behorden ein dankenswertes Entgegenkommen gefunden hat, so daB åhnliche bedauernswerte Vorfaile, wie sie sich in Holleschau und Mahr.-Ostrau-ereigneten, in anderen Gemeinden sich nicht mehr wiederholten. . DaB viele Gemeinden in wichtigen Fragen sich um Rat an die Verbandsleitung wendeten, ist in der Natur der Sache gelegen und nehmen .wir gerne Veranlassung, unseren Verbandsmitgliedern nach besten Kraften zu dienen. Wenn eine vollkommen ordnungsmåBige Abwicklung aller Verbandgangelegenheiten nicht erfclgte, so bittet die Verbandsleitung, dies durch die bestehenden ganz auBergewohnlichen, jede geordnete Tatigkeit auBerordentlich erschwereoden Verhåltnisse entschuldigen zu wollen. Es wird jedoch nach wie vor ihr Bestreben bleiben, der Gesamtheit der Judenschaft nach Moglichkeit zu dienen und ihr ihre volien Krafte zu weihen. Von Wochø zu Wooho. Unsere Helmstitte und ihre Ndrgler. Man kann es den Zionisten an vielen Orten nicht verzeihen, dafl duteh ihre Bemflhnngen der oberste Rat, Palastina uns Juden als Heimstatte zugesagt hat, wiewohl im offiziellen Friedensvertrage mit der Tiirkei der Wortlaut ganz genau zu lesen ist. DaB Moritzens Benedikt Sohn Ernst davon keinc Notiz nimmt, wundert uns nicht, „denn wie die Alten sungen, so zwitschern nach die Jungen.** Ernst Benedikt und seine Trabantcn konnten es noch eine Woche nach dem Tode Moritz’s nicht fassen, nicht glauben, daB er dieses schale Erdendasein verlassen hat, und sie kbnnen es nicht fassen, daB sich England mit den Juden eingelassen hat, denn vor England hatte die „Neue Freie Presse** immer groBen Respekt, da es nun aber einmal Tatsache ist, daB wir Zionisten allen „Neue Freie Presse**, „Neues Wiener Tagblatt** e tutti quantl zu trotz Palastina erhalten haben, so wird ganz einfach der tllrkische Friedcnsvertrag so zugcstutzt, dafl die giaubigen Leser dieser Blatter nichts erfahren. Ueber diese Journaille wird man ja noch zu Gericht sitzen. Wir haben es auch nicht anders erwartet. Nun sitzen aber in den verschiedensten Winkelchen und GroBstadten Unken, Frosche, die sich aufbiahen, damit sie etwas bedeuten, gekrankte Leberwiirste, die vor Neid zerplatzen, daB es auch ohne sie gegangen ist. Manner, die den heiligen Namcn Zionisten seit Jahren schdnden, wir wollen keine Namen nennen, die mit Anfangshuchstaben, mit Pscudonymen Artikel in den obskursten Biattern zeichnen und die hinterrticks ver- 'iftete PfcHe gegen die zionistische Leitung abschnellen. Wir kennen diese namenlosen Herrschaften. Wir kennen sie von frilher u. „Versteckerlspielen** gilt bei utis nicht. Diese erbarmlichen Wichte und Geséllen richten sich fcelbst. Diese kleinlichen Kreaturen, die es nie iiber sich gebracht haben, GroBe anzuerkennen, weil sie ihnen selbst fehlte, die mit Stolz und Emphase erkiaren, sie wdren niemals durch Diick und Diinn mit diesem oder jenem zionistischen Fiihrer gegangen, mein Gott, mdgen sie doch auch weiter schweigen, wie sie bis nun geschwiegen haben. Wer hat denn nach ihnen gerufen. Ob sie nun in Wien, Newyork, London, Briissel bekannt sind, uns geniert es nicht. Die zionistische Bewegung kennt sie auch. „Spiegclberg ich kenne Dir“! Aber das eine konnen wir verlangen. Wenn der „Frankfurter Israelit**, der uns Zionisten nie hold gesinnt war, heute zu den Standpunkte kommt: „Umso straffer mussen alle Krafte, die wissen, was Erez- Isroel uns bedeutet, zusqmmengefaBt, und in den aufbauenden Dienst der Erez-Isroel-Arbeit gestellt;" so miissen wir das von Leuten umso eher fordern, die im alten Oesterreich an der Spitze des zionistischen Landeskomites standen, wollen sie nicht haben, daB die anstandige Welt sich mit Abscheu von ihnen ab- \ endet. * * * Hofrat August Fournier. Am Dienstag, den 18. d., starb infolge eines Herzschlages in Wien der Historiker Hofrat Prof. Dr. August Fournier. Als Sohn einer franzosischcn Fliichtlingsfamilie im Jahre 1850 in Wien geboren, mit der Tochter des Hofburgschauspielers Gabillon vermahlt, gchdrte Fournier zu den elegantesten Mannern der Wiener Unfvcrsitat. Schlank gewachsen, Bartu. Haartracht a-la Napoleon III. war er der Abgott samtlicher Korerinnen, deren Gunst er sich verscherzte, als er beklagte, die Universitat ware zu einer hdheren Tdchterschule herabgesunken. Als Politiker vertrat Fournier — wenn ich nicht irre — den Wahlkreis Tetschen, gehdrte der Liberalen Linken an und war als Abgeordnetcr mittatig an der Schaffung eines demokratischen Wahlsystems. Als Historiker Schiiler Ottokar Lorenz’ folgte er den FuBspuren Leopold v. Ranke’s, den er hoch veréhrte. Bedeutend wurde Fournier durch seinen 3bandigen „Napoleon I“, bei Temsky, Wien 1886, erschienen; an dessen Erscheinen sich namentlich in schweizerischhistorischen Zeitschriften eir. grofler Kampf entwickelte und den Masson bekampfte. Nichtsdestoweniger wurde „Napoleon** ins Franzosiche und Englische iibersetzt. Fournier war Meister der Darstellungskunst, und seine Vorlesungen waren — trotz seines durch fortwdhrendes Htisteln oft unterbrochenen Vortrages — sehr zahlreich besucht. Er hatte sogenanntes nobles Publikum — oder wie wir zu sagen pflegten „Boutonerpublikum — (von Bouton) das ihn nicht einmal Francis Przibram abspensig machen konnte. Fournier lehrte moderne Oeschichte, und seine Studien gruppierten sich meistens um Napoleon, so sein „KongreB von Chatillon,, usw. Ih seinen „Historlschen Skizzen und Studien** pflegte

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.