Jüdische Volksstimme
- Journal
- Jüdische Volksstimme
- Volume
- XXI (1920)
- Issue
- Heft 20 (13.5.1920)
- Date
- 1920-05-13
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 20. Scftø 6. zeugung, daB dies nur eine schmerzensvolle Ep;vkU Irt der leidetireicheti Periode der Wiedergeburt de: Nation ist." Ueber die Verurteilung Jabotinskis åuBerte *uh Dr. Weizmann wie folgt: „Die Verurteilung Jabotinskis ist meinem Emp- -ifiiden nach eine Ungeheuerlichkeit und ein Zder Schwåche rachesiichtiger Menschem Dieses Urteil gleicht beinahe einem Justizmorde. Formell ist er zweifellos schuldig. Er organisierte eine jildiscne Selbstwehr gegen Vorffille, von denen d i e Briten versicherten, daB sie nie vorkommen wiirden und dennoch sich wiederholt ereignet haben. Auf jedcn Fail ist es ungeheuerlich diesen Mann, der Schriftsteller u. Offizier ist, soviel flir die britischen Interessen wirkte, mit gleicher Strafe zu befinden wie die beiden Araber, welche erwiesenermaflen jiidische Frauen geschSndet haben, ein Mann, dessen politisches Vergehen, sofern ein solches iiberhaupt vorhanden sel, lediglich darin besteht, daB er einen Widerstand gegen UeberfSlle organisierte, die die Behorde nicht verhindern konnte oder wollte. In jedem Falle haben wir es mit elner Perversit&t der britischen Justiz zu tun." Auf die Frage was er nun von der sich aus der ueuen offiziellen Zusicherung ergebetien Lage halte, antwortete Dr. Weizmann: „Ich håbe nie mein Vertrauen an die englische Regierung verloren. Ich war immer iiberzeugt, daB sich der Bestand GroBbritaniens nicht auf Bajonetten begriinde, sondern auf absolutes Vertrauen. Vielleicht liegt darin'"das groBe Geheimnis der gegenseitigen Anziehung des englischen und jiidischen Volkes. Beide haben ihre »Basis in den fundamentalen Grundsdtzen der prophetischen Gerechtigkeit. Gemeine antijiidische Vorurteile einzelner Personen konnen an dieser Tatsache nichts åndern. Es ist kein blofier Zufall, daB das groBte Reich der Welt nun Pate steht fiir das ålteste Volk der Welt. Das jiidische Volk marschiert iiber einen steinigen Weg. Viele werden vom weiten Wandern FuBwunden bekommen, aber niemand wird straucheln und aus den Reihen treten. Keine Macht auf Erden vermag unseren Marsch aufzuhalten. ■ i f; :; "W* M. Hickls Verlag, BrUnn, Adierg. 9, Dr. A. 5CHWADRON Dr. DON/ITH Soeben erschienen: Von Woche zu Woche. Aus Europas Hol le. Karl Emil Franzos, der gottselige Idealist war wutentbrannt iiber Galizien und die Bukowina. Er nannte sie Halb-Asien und wurde nach seinem Tode damit bestraft, daB ihm in Czernowitz keine Gasse geweiht wurde. Man kann’s ertragen. Wie hatte er Magyarien genannt? Wie soli man denn dieses kulturfreundlichste Land benennen. Bitter, sehr bitter råcht sich Magyariens Geschick an den Juden. Diesen braven, begeisterten Patrioten. Immanuel Low Hochverråter trotz des verschnurten Rockes, trotz der Csiszmen? Der Sohi: eines Mannes, der im Jahre 1848 von Haynan, der Hyåne von Brescia, auch wegen Hochverrat eingesperrt ward. Der Vater, weil er fur ein unabhångiges Ungarn predigte, und der Sohn, weil er Juden tum und Magyarentum verschmelzen wollte. Immanuel Low, der einem getauften Journalisten zum Opfer fiel. Einer jener beriichtigten Kreaturen und Kanaillen, wie sie das getaufte Judentum seit Pfeiferkorn genug aufzuweisen hatte. Wie lange wird die Kulturwclt dies alles dutden? Wie lange wird noch mit Begriffen wie „Menschheit" und „Kultur" Schwindel getrieben? Ein Ekel, ein Abscheu erfaBt uns, wenn wir lesen. was sich in dem verfluchten Lande der heiligen Stephanskrone zugetragen hat. „Von einem Hund wird kein Speck, aus einem Juden wird kein Ungar", das ’ scheint. die Devise des katholtechea Karses tø Ungarn zu sein. Die Vorltebe f(lr Hunde scheint jetzt in Ungarn groB zu sein! Ein kleines Bildchen aus der ungarischen Holle. Moriz GroB, GrmtdbesHzer lit Jakabszallas, wurde des Nachts aus selnera Bette gerissen und In der Nå* he seines Besttzes ermordet. Moriz Fonyo, ein TOiBhrlger Reisender und sein Sohn Etenier waren verschwunden. Nun hat die Donau ihre Lelchen bel Du« naidldvar ans Land gespttlt. Sie waren Juden, teide Opfer der Offizierbrachialformation, die im HotM Brittania In Budapest haust. (Warum man sollche Teufel in Menschengestalt noch Offiziere schirrpP) Stefan Werner wnrde in Heimasker Internlert. Fs Hvar bekamrt, dafl er 20.000 Kronen bei sich trug. AL er vom Transportwagen stieg, schoB »hn der Transportoffizier nieder und raubte ihn aus. In einem Budapester Hotel wurde ein galizischer Kauf mann namens G e 1 b er abgefUhrt, seitdem fehit led*; Spur. In der Nåhe der Kelenfoldei Kaserne wurden neben dem Eisenbahndamm 3 månnllche jiidische l.ei chen aufgefunden. — Und das Ist alles m&glich? Und wir Briinner schauen so ruhig zu? Uns packt nicht die Wut? * * * Der Schwiegersohn des M > s z k o. Herr Dr. Diamand war langjåhriger sozialdemokratischer Abgeordneter des 3. Lemberger Wahllcreiscs. Herr Dr. Diamand ist Schwiegersohn eir.es bereits vor dem Kriege sehr reich gewordenen Assrmilanten. Herr Dr. Diarnand hatte auch die schone Gepflogenlieit, in proletarischen Versammlungen. auf sein^n Bauch zu schlageti, der aber nicht aussah, als wiirde Dr. Diamand hungern, und zu beteuern: „Wir hur.- gernden Proletarier!" Herr Dr. Diamund war einer der groBten Gegner der 2. P. S. und der Poale Zion. Er war Moszko! Und diesem Prinzip;st er tren gpblieben, er kann sich wtlrdig Herrn von Lowenstein ari die Seite stelien. Diamand sieht kein Judenelend in'Polen, er weiB von Pogromen nichts. Mein uott. wenn solche vorkommen, sind docli d:e Juden selbs: schuldtragend, wozu existieren sie. Das ist die Auifassung eines Mannes, der im alten Cesterreich mit seinem Genossen dem edlen *D a s z y il s k i jiddische Wahlaufrufe verteilen lieB, wenn er die Juden brauchte. Trotz seines Reichtums, seiner sogenannten sozialistischen Ueberzeugung eine Kreaiur der Assimilation. Und dieser Mann wagt es einer sozialistischen auslåndischen Kommission, v elehe die Ursachen der Pogrome studieren will, vor: uschlagen: daB die Existenz der Juden in Polen weder ihne»" tioch den Polen niitzlich sei, und dafl es dalier am be sten wåre, wenn die Juden eine groBziigige Emigra tion aus Polen organisieren, Dies wåre die beste Losung der Frage. Und solche Manner sind iiidische Mandatare. Das will von Juden gewålilt sein. Es ist wirklich unerhort, was alles proletarische und knpitalistische Parveniis dem Judentum zumuten. Abe.* uusere Lemberger Freunde werden hoffentbeh mi, den Liebermanns, Lowensteins und Diamands bald tabula rasa machen. Zu wiinschen wår’s. Rundschau. PALASTINA. Die Verwaltung in Palåstina. The Jewish Correspondence Bureau meldct ai.s London: Mr. Churchill, Staatssekretar Ulv Heeresvesen teilte auf eine Anfrage iiber die AblOs mg des Vcrwaltungspersonals in Palåstina folgendes »nit: „Die Verwaltung in Palåstina war ein«: militarische. Die Posten waren mit einem Pers nal besetzt, da& von dem ågyptischen Expeditionskorps herangezogen wurde. Allerdings gehorte dies Personal verschiedenen religidsen Sekten und Bekeuutnissen an. Es war vorausgesehen, daB die mil.tUrische V-rwaf tung in Palastina bis zur endgiiltigen Regelung dieser Frage durch die Friedenskonfercnz bleibe, worauf eine Zivilverwaltung hatte dann eiugesetzt v erden sollen. Inzwischen wurden Namen gewisser Leute, Ldischer Abstammung, fiir diese Aemtcr bereits k* Betragt gezogen." Die Zukunft PalMstlnas. Die iiidisch-arabische Verbrdderung. J. C. B. Reuters Spezialdienst melde* unter den 27, April aus San Remo; Die Entscheidung des Obersten Rates wurde in den jiidischen Krefseit mit der grSBten Qenugtuung begrflBt. Die zionistischc und arabische Friedensdelegation waren bei einem gemeinsamen Diner versammelt und beide Seiten erklårten ihre Pereitschaft zur Zusammenarbeit in nahen (tsten. Dr. Weizntnn’’, das Haupt der zionistischen Delegation, sagte mir: „Zwei Entscheidungen wurden getroFen. die von groBter Bedeutung sind. Die erste ist die Einverlcibung der Baifour-Deklaration beireffs Palastina in den Friedensvertrag, wodurch sie in err.atiomle Sanktion bekommt. Wir haben immer die Balfoursche Deklaration ais die Urkunde unseres Freibriefes betrachtet und diese internationale SankMon ist ein Wendepunkt in der jiidischen Geschichte Die zweita Fntscheidung ist, daB die britische Regienmg sich als Mandatarmacht entschlossen hat, in Palastina selbs^, eine Zivilverwaltung einzusetzen, um die Realister ung der Balfourschen Deklaration durchzufiihren, wobei natiirlich auf die legitimen Interessen der nichtjiidischen Oemctaschaften Beclacht genornmen werden soli. Die Zionisten sehen es mit Genugttiung^daP dte Regierung nunmehr ungesdumt an die Arbeif schreitet. Wir beginnen den Wiederaufbau mit der gtbdten Sorgfalt, da die Bcdingungen der lefzter. zwe! Jahre eine allgemeine Demoralisierung in Palæstina bewirkt haben. Diese schmerzliclie Pcio ic vorllber und der Beginn der Wiederaufbauarbéit wird sowohl von den Juden als von den Arabern als °lne befreiung von einem Alpdrtickén begriiBt we-den. Scharfe Verurteilung der Militarbehorde in Palastina durch Colonel Paterson. Leutnant Colonel Paterson veroffentlicht im Jewish Correspondence Bureau nachstehende auisehenserregende Mitteilungen iiber die illoyale Haltung der britischen Okkupationsbehorden in Palastina *gegeuiiber den Juden: „Ich bedauere den Pogrom in Jerusalem, ich war aber darauf vorbereitet. Ich warnte vor einiger Zeit die Zionisten, daB diese vorkommen wiirden, wenn die jetzige Administration weiter bestehen bleibe. Sowohl ich als meine Offiziere hatten Beispiele hieftir und ich håbe stets die antijiidische Stromung, welche unter den Behorden zum Vorschein kam, bckfimpft. Ich will damit nicht sagen, dafi alle schlecht waren, aber Sie kennen das Sprichwort: „Wenn der Hund bose ist, so ist es auch sein Herr." Als ich Generalmajor Bols im Miirz 1917 gesehen håbe, sagte er mir, er wiinsche nicht das jiidische Bataillon und machte sich daran, die Araber zu untersti:tzcn. Ungliicklicherweise wurde Jabotinski verurteilt, dies ist' aber voriibergehend, denn dieser Rechtsspruch vermag sich nicht zu halten. Warum wurde gerade Jabotinski lierausgeholt? Weil er ein guter Jude ist, weil er so inanches jiidische Wesen, das in Palåstina hart bedrångt war, verteidigt hatte. Ich konnte nicht begreifen, warum er aus dem Heeresverbande ausscheiden muBte und fragte ihn eines Tages, ob er nicht irgend welchen Grund dafiir kenne. Er sagte, der einzige ihm bekannte Grund sei, dafi er privat eine Bittschrift an den Hauptkommandierenden richteté, er moge das jiidische Bataillon nicht so strenge behandeln. Ich wiiBte jetzt nichts zu sagen, was mit diesem Briefe geschehen sei. Ich aber wage es zu behaupten, daB der Hauptkommandierende dieses Bittschreiben an seinen Generalstabschef weiter gegeben hat. Das Ergebnis war ein Bericht iiber Jabotinski. G&nz zufållig gelang es mir in diesen Bericht Einsicht zu nehmen. Er war von Anfang bis zu Ende erlogen. Auf Grund dieses Bericlites wurde Jabotinski entlassen. Dieser hatte jedoch in Jerusalem ein Tagesorgan, in tfem er die Verwaltung anzugreifen pflegte. Und nun wird man wohl verstehen, warum er zu 15 Jahren Zwangsarbeit verurteilt wurde. Ich bin bereit flir jede dieser Angaben einzustehen und fiir sie den Beweis zu erbringen. Eine Botschaft des Colonel Wedgwood. The London Jewish Correspondence Bureau hat vom Colonel Wedgwood, D, S. O. Parlamentsmitglied fiir Newcastle-under-Lyme, der im englischen Unterhause die jiidischen Aspirationen immer wapp> stens unterstiitzte, die folgende Botschaft galten: „Es schaut beinahe aus, als ob di&~3uden bald wieder einmal ein Staatsvolk werden. Ich hoffe jedoch, daB sie dessen ungeachtet niemals ihr iibernationales Empfinden als Folge der zweitausendjåhrigen Zcrstreuung verlieren werden. Es sei Pflicht alter Juden zu trachten, daB dem Uuterdrllckten, wo