Mannheim
Compact Memory

Jüdische Volksstimme · 1920-05-13 · Heft 20 (13.5.1920) · page 6

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdische Volksstimme
Volume
XXI (1920)
Issue
Heft 20 (13.5.1920)
Date
1920-05-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
85% known words query
IRI
…/2621806-2622069-2622089--4356-2625646
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

StM 6 Nr. 30. tr auch itta mag, kein Unrecht gesehehé. Ebenso mflfiten sia bestrebt seln, daB Jabotinski and seine tapferen Kameraden, die den Mut hatten, ihre Brflder zu verteidigen, sofort in Freiheit gesetzt werden; sie werden dann vielleicht England diesen ersten Pogrom verzeihen und darauf achten, daB er auch der Ietzte sei. AbSnderung des Urteiles Jabotinski. The London Jewish Correspondence Bureau meldet: Reuter verbreitet folgende amtlichc Meldung aus Kairo: Das britische Hauptquartier in Kairo hat das vom Militårgerjchte in Jerusalem gefållte Urteil* gegen Wladimir Jabotinski sowie gegen die weiteren 19 Juden dem Oeneral-Kongresse zur Uebcrpriifung anempfohlen. Dieses hat sowohl Jabotinski als auch \len anderen jiidischen Verurteilten mildernde Umstånde zuerkannt und bestimmte folgende Abånderung aller Urteile mit Ausnahme der beiden ffir nachgewiesene Frauenschåndung und Pliinderung verurteilten Araber: 1. Wladimir Jabotinski statt zu 15 Jahren Zwangsarbeit nur mehr zu 1 Jahrc Gefångnis ohne Schwerarbeit, und 2. die weiteren 19 Juden anstatt zu 3 Jahren Zwangsarbeit bloB zu 6 Monaten Gefångnis ebenso ohne Schwerarbeit verurteilt. Im Falle Jabotinski wird die Beibehaltung einer, wenn auch vielfach milderer Strafe durch das Reuterbureau damit gerechtfertigt, daB die gegenwårtige Lage in Palæstina andauernd kritisch sei und daher vorlåufig ein Exetppel statuiert werden muBte. Die amerikanischen Zionistan beim britlschen Ambassador in Washington. The Jewish Correspondence Bureau meldet tinter dem 1. Mai aus Washington.: Sir Auckland Geddes empfing lieute eine Abordnung der amerikanischen Zionisten, die ihn ersuchten der Regierung GroBbritaniens filr die Uebernahme des Mandates iiber Palåstina den Dank der amerikanischen Judenheit zu ilbermitteln. Der britische Gesandte erklårte darauf seine Bereitwilligkeit an der auBerordentlichen Convention der amerikanischen Zionisten, welche filr den 7. Mal nach Newyork einberufen wurde, teilzunehmen. Elne jiidlsche Abordnung aus Palastina in London. The London Jewish Correspondence Bureau melmet vom 2. Mai: In London ist heute eine jiidische Delegation aus Palåstina eineetroffen, um der englischen Offentlichkeit eine .Darstellung iiber bekannte Vorfiille in Jerusalem aus berufenem Munde zu geben. Die Die Abordnung besteht aus den Herren David Yellin, dem Chacham Baschi Rabbi Jakob Meier und dem Mitglied des Jerusalemer Gemeinderates A. Reubeni. 0^ Wilnsche dieser Abordnung bestehen vornehmlich in der Ford^rung einer Bestrafung der Jerusalemer Poeromanstifter nach voller Gesetzesstrenge sowie in der ehebaldigsten Befreiung Jabotiuskis. Die Jerusalemer Abordnung wird ferner filr die Auflassung der kiinstlichen Scheidung zwischpn Nordtind Siid-Palåstina, sowie .fiir die baldige und ungeschmålerte Verwirklichung des gegebenen Versprcchens durch unverzllgliche Freicrabe jiidischer Masseneinwanderung, nachdriicklichst eintreten. Das Ende des militårischen Regimes in Palåstina. The London Jewish Correspondence Bureau meldet: Auf eine Anfrage des Mitgliedes Colonel Wedgwood im englischen Unterhaus erkiarte Mr. Bonar Law. daB die Ablosung des miltiarischen Regimes in Palastina durch eine Zivilverwaltung moglischst sofort nach Unterzeichnung des tiirkischen Friedensvertrages erfolgen wird. . Ene ergreifende Szene wahrend der Gerichtsuntersuchung gegen Jabotinski. The London Jewish Correspondence Bureau meldet: Wladimir Jabotinski, gegen welchen die Uutersuchung wegett der Organisierung eines Selbstscimtzkorps bei den letzten Ausschreitungen in Jerusaleffu.?efiHi,t wiru.!,ewahrte wahrend des ganzen Verlaufes'der Untersm * eine stolze und etiichlossene HaltfWg- Es t:-_ 'ete sich im Laufe des \\ ’ores eine r.zeiie, die i. ' palastinensische lu-; . ■•..en;-.*len Eindt 'achte. ,1 or . ■> Riel:tern- ’s ihm: „Wir beschuldigen Si. ue >tr,; Misier . der jiidischen Garde.“ Jabotiuskis sioD.e i. ' ung war: „Was, Sie teschuldigen micb? Genera! Bole ond General Storrs mbchten mich auf die Anklagebank versetzen. Ich aber klage diese Herren an, den Pogrom in Jerusalem organisiert zu haben, und ich gestehe mit Stok, daB ich das Selbstschutzkorps begrundet håbe. Die Schlafkrankhelt Im Atterinm. Ueber dieses Thema sprach am KongreB i il r innere Medizin in Dresden, der Ende April stattfand, Prof. Dr. J a k s c h aus Prag. In der ersten Mainummer der „Deutschen Zeitung Bohemia“, Prag, kntipfte Dr. J. E i s e n b e r g, Dobfisch, an diesen Gegenstand folgende Bemerkungen: „Herr Professor Jaksch erwåhnte auch, daB die Schlafkrankheit sch m im Altertum bekannt war. Auf welche Qtiellen der Vortragende diese Annahme sttitzte, wird dort nicht gesagt. Es diirfte daher allgemeinem Interesse begegnen, hier festzustellen, daB im Talmud (Traktat Taanith, pag. 23) und Koran (Sure 18, 7—25) tatsåehlich Anklånge an diese Krankheit vorkommen. Nach dem Talmud verfiel der fromme C h o n i einem siebzig Jahre wåhrenden Schlaf vom Untergang des ersten bis zur Grilndung des zweiten Tempels. Eine alte christliche Sage von den Siebenschlåfern zu E p h e s o s, welche zur Zeit des Christenverfolgcrs D i o k I e t i a n (245—303) einem långeren Schbf verfieleu und erwachten, als das Christentum setmn die Weltherrschaft erlangt hatte, schildert der Koran unter dem Titel „Die Leute der Grube“, wobei die Exegese hinzufiigt, daB ihr Schlaf 309 Jahre dauerte. Die Jahre sind natiirlich nicht genaa zu technen und sind legendår._ Doch erscheinen ilmon Falle von Schlafkrankheit zu Grunde zu liegen, d*e zweiiellos als Folgeerscheinung von groflen Kriegen auftreten. Satntliche Vølker Asiens widmen den Legenden der Siebenschiafer ganze Beschreibungen, die dort grofle Verbreitung finden.“ Korrespondenzen. Eibenschitz. Begilnstigt vom herrlichsten Friililingswetter wurde Sonntag, den 2. Mai d. J., das von der hierortigen jiid. nat. Vereinigung dem steten Andenken Tmse rer im Weltkriege geiallenen jiid. Briider gewidmetes Denkmal enthtillt. Eine nach Hunder ton zahlende Schar von Teilnehmern, die sich aus allen Schichten der Bevølkerung rekrutierte, nahm an diesem erhebendem Pietatsakte teil. Die Verwandfcn aller unserer Braven, sie kamen aus Nah und Fern, um unseren armen Wackeren, die mit ihrem Herzblute die Fehier einer falschen Politik bezahlen muBten, die Ietzte Ehrung zu erweisen, einer PolitiK, dessen furchtbare Opfer sie geworden sind. In ergreifender einstiindiger Rede, die in liebenswiirdigster Weise Rabbiner Herr Dr. Schwenger aus Lundenburg hielt, wies * er auf das Verbrechen hin, welches an der Menschheit begangen wurde und diesen furchtbaren Krieg heraufbeschwor, zu dessen Opfern auch jene zahlen, denen heute jiid. Herz und jiid. Gemiit diesen Denkstein zu lmmerwåhren.1em Angedenken gesetzt. Die Religion der Liebe, sie hat Schiffbruch erlitten, die Vølker alle, sie miissen jetzt eine neue Religion in sich aufnehmen, „die Religion der Gerechtigkeit", die auf dem Prinzipe der gegenseitigen Achtung und gegenseitigen Duldung auigebaut, die Welt von den schweren Wunden, die ihr der Krieg geschlagen, wieder gesunden machen kann, deun nichts ist dauernd als der Wechsel, nichts bestandig ais der Tod. Lautes Schluchzen und Weinen folgte dieser Rede, die abwechselnd in deutscher und Sechischer Sprache gehalten wurde, und tiefe Ergriffenheit machte sich auf dem Gesichte jedes Einzelnen und bewegten Herzens folgten die Anwesenden dem Seelengebete, welches zum Schlusse seiner Rede Rabbiner Herr Dr. Schwenger vorbrachte. Tiefen Dank flir den ergreifenden Nachruf, welchen unser allverehrter Rabbiner Herr Dr. Handl als religiøser Erzieher der Gefallenen ihnen widmete. Dank allen, welche sich an dieser erhebenden Feier beteiligten, insbesondere unserer Gemeindevertretung, die mit ihrem Biirgermeister an der Spitze korporativ erschienen war, dem hiesigen Invalidenverein, der mit den Witwen und Waisen der im Kriege Gefallener fast zur Gånze gekomnien, dem deutschen und tfechischen Lehrkorper und allen staatlichen Aemtern, di* alle ohne Ausnahme vertreten waren, Dank — Dank ihnen allen. Nicht umhin kønnen wir auch unserem hochgeschåtzten Obmann-SteUvertreter Herrn, Gemeinderat Moritz G o 1 d m. a n n, welcher die Initiative zur Errichtung ‘des Denkmales ergriif, und unter dessen uinsichtiger und nie ermiidender Leitung dasselbe zur Vollendung gebracht wurde, hierait unseren tiefgefiihlten Dank und Anerkennung znm Ausdruck zu bringen. Ihm ist es in erster Linie zu danken, daB die Idee zur Wirklichkeit wurde, und dafl das Andenken an unsere Briider, wie er sich so schon in seiner Rede bei Uebergabe des Denkmales ais Eigentum der Kuitusgemeinde ausdrilckte, nie in uns eriøschen nidge, und auch den kommenden Generationen erlialtcn bleibe und jms stets daran gemahne, daB das Opfer. welches sie mit ihrem jungen Leben bezahlten uns geholfen hat die so lang ersehnte Freiheit und Aherkennung unseres Volkes zu erringen. Herzlichcn Dank der lobl. Kultusgemeinde filr die unentgeltliche Ueberlassung des schonen Platzes und das in Jeder Hinsicht freundiiche Entgegenkommen derselben und hat es uns mit besonderer Oenugtuung erfiillt, durch ihren Sprecher, den AltbUrgermeister Herrn Samuel Jellinek, die Versicherung entgegen nehmen zu kdnnen, welche derseibe in békannten. zu Herzen gehendeti Worten klcidete, daB diéselbe dieses >penkmal in Obhut nehmen, und immer in Ehren halten werde. Dank, herzlichen Dank unserem geehrten Herrn Kantor Adolf WeiBgall filr seine Milhewaltung und anstrengende TStigkeit bei dem Einstudieren der Chore, es sei ihm Genugtuung und Lohn, daB dicselben viel dazu beigetragen, diese Stunde zu einer andåchtigen und weihevollen zu gestalten. Dank. aufrichtigen Dank auch allen Damen und Herren des Chores, die keine Miihe schonten und willig ihr hestes Konnen in den Dienst der Sache stellten. Allen, allen nochmals ein herzliches „Vergelts Gott". BrOnner Nachrichten. Zionlstlscher Volksverein „Theodor Her/I“. Samstag, den 15. Mai, findet um 8 Uhr abends ein Vortragsabend statt. Referent: Redakteuer Leopold Schwarz: „Ueber wahres Jud^ntum''. Gåste herzlichst wdllkommen. Regiebeitrag. Verein „Jiidische Schule“. Anmeldungen filr Probeeinschreibungen bis Sonntag, den 16. Mai, miissen unbedingt beendet sein. Die Anmeldungen wollen bis 12 Uhr mlttags im Parteisekretariate, KoiiSté 57, abgegeben werden. Vorstandssitzung der Isr. Kultusgemeinde. 5. Mai 1920: Im Verlaufe der Sitzung bringt Herr Hirschmann im Namen des jiid.-nat. Klubs eine Interpellation ein, die zum Gegenstand die Delogierung der Frauenorganisation und des amerikanischen Hilfskomitees hatte. Der Interpellant protestiert auf das entschiedenste gegen diesen Gewaltakt, verlangt, daB die Urheber zur Rechenschaft gezogen werden und daB der Gesamtvorstand den beiden Organisationen sein Bedauern ausSpricht. Der Pråsident will in der nåchsten Sitzung antworteu. Dr. Haas interpelliert wegen der Vorfåile auf dem Friedhofe. Der Pråsident erklårt, es wiirde alles geschehen, was eine Wiederholung soleher Vorfåile vermeiden kann. Herr Hirschmdnn meint, die Interpellation kfinne nåchstens beantwortet werden, aber er spricht den Wunsch aus, das Bedauern konne den beiden Organisationen a tempo ausgesprochen werden, und erhebt diesen seinen Wunsch zum Antrag'. Dr. Brunner ist nicht damit einverstanden, daB das Bedauern sofort ausgesprochen wurde. lag nicht die Absicht vor, die beiden Organisationen zu beleidigen, er sehe nicht ein, warum man sich éntschuldigen miisse. Der Pråsident meint, er sei allein fiir dus Haus verantwortlich, und er fiihle sich verpflichtet, einen Diener im Hause wohnen zu haben, er hå*te nicht gewuBt, daB dort die Frauenorganisation amtiere. Er hatte daher Herrn Sachs gesagt, ,er møge iibersiedeln. Dr. S o n n e n f e l d konstatiert, daB der Volksrat beide Zimmer beniitzt håbe, der Jiidische Volksrat håtte dazu die BewiUigung des gewesenen Pråsidenten Tand ler erhalten. Er. beantragt, da3 man sich entschuldige, und kiindigt fiir den Fail, daB man sich nicht entschuldige, die schårfste Obstruktion an. Dr. S a u d e k: Die Sache muB in Ruhe iiberlegt werden, beantragt, die Frage liirs nåchstemal zu beantworten. Herr Hirschmann møchte insoweit entgegenkominen, daB er eine Unterbrechung der Sitzung auf 5 Minuten beantragt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.